MMA - Europa

Erster MMA-Event unter Unified Rules in Frankreich

In Frankreich ist der MMA-Sport immer noch nicht gern gesehen (Foto: Mith/Creative Commons).

Am vergangenen Wochenende hat der MMA-Sport in Frankreich einen wichtigen Schritt in Richtung seiner endgültigen Legalisierung gemacht. Bei WWFC Cage Entounter 4‘ wurden erstmalig MMA-Kämpfe im Käfig unter den Unified Rules abgehalten – MMA ist in Frankreich nicht per se illegal, allerdings hat es verbissene Lobbyarbeit des französischen Judo-Verbandes praktisch unmöglich gemacht, entsprechende Lizenzen zur Ausrichtung von Veranstaltungen zu erhalten.

Vladimir Teslya hat es hinbekommen. Der Veranstalter der World Warriors Fighting Championship richtete am 19. September die erste MMA-Show unter den Unified Rules in einem Käfig aus. Die Polizei war im Vorhinein von dem Event informiert worden und während der Veranstaltung in der Halle vertreten: „Die ganze Sache hätte jederzeit gestoppt werden können, aber die Polizei war informiert und war lediglich anwesend, um den Sportsgeist im MMA mitzuerleben“, so der Präsident der Commission Francaise de Mixed Martial Arts (CFMMA), Bertrand Amoussou.

„Wer wussten immer, dass es eine Grauzone (im Gesetz) gab, aber bis gestern ist niemand das Risiko eingegangen, tatsächlich einen MMA-Event mit MMA-Regeln im Käfig abzuhalten.“

Der größte Gegner des MMA-Sports ist in Frankreich die Judo-Föderation des Landes, die mit über einer halben Million Mitgliedern großen Einfluss besitzt, der dem MMA in den vergangenen Jahren die Existenzgrundlage genommen hat. Beispielsweise wurde sämtlichen Trainern des Verbandes verboten, MMA zu unterrichten, nachdem der Präsident der Organisation bereits behauptet hatte, MMA sei ein „Schlupfloch für Dschihadisten“ und würde Personen Platz bieten, „die dumm genug sind, sich vor aller Augen in einem Käfig gegenseitig umzubringen.“

Derartigen Behauptungen versucht die CFMMA entgegenzuwirken, die nach dem Event am Wochenende ein Statement veröffentlichte, in dem Hoffnung auf eine Reaktion der Regierung ausgedrückt wurde, damit die endgültige Legalisierung des Sports auf den Weg gebracht werden könne. Eine Reaktion erfolgte tatsächlich, allerdings vermutlich nicht in der Form, die die Verantwortlichen bei der CFMMA vor Augen hatten.

In der Zeitung „The Parisian“ meldete sich Sportminister Thierry Braillard zu Wort. Laut Braillard sei die Veranstaltung unter dem Radar geflogen. Generell möge er es nicht, “lächerlich gemacht zu werden.”

„Ich heiße es nicht gut, wenn getäuscht wird“, wird der Minister zitiert. „Ich habe auch die Provokationen in den sozialen Netzwerken gelesen. Ich werde das nicht mit den Händen in der Tasche aussitzen, das können Sie mir glauben. Unsere Ermittlungen werden unter Umständen Sanktionen zur Folge haben. Wir werden tun, was immer nötig ist.“ Welche Folgen WWFC 4 also tatsächlich für den Stand des Sportes in Frankreich haben wird, bleibt abzuwarten.

MMA hat in Frankreich seit jeher einen schweren Stand. 2013 beispielsweise fand die Präsidentin des ‘Women’s Committee for Federation Francaise du Sport d’Entreprise‘, Carole Bretteville, harte Worte gegen den Sport im Allgemeinen und die UFC im Speziellen, die dort seit langem einen Event abhalten will. „Frankreich arbeitet sehr hart daran, Gleichberechtigung in allen Bereichen des Lebens zu gewährleisten, vor allem im Sport“, so Bretteville.

„Ich war entsetzt, als ich herausgefunden habe, wie die UFC in Frankreich Lobbyarbeit leistet. Speziell, als ich darüber informiert wurde, dass die UFC in der Vergangenheit herabwürdigende Aussagen und Verhaltensweisen gegen Frauen toleriert hat. Wir können einer derartigen Organisation nicht erlauben, all die Arbeit zu zerstören, die wir geleistet haben, um Gleichberechtigung im französischen Sport zu gewährleisten.“