MMA - Europa

Englische Woche bei der UFC

Der Vorbericht zu UFC on Fuel TV 5: Struve vs. Miocic. (Abgebildet: Hauptkämpfer Stefan Struve, alle Fotos: Dorian Szücs/GroundandPound)

England ist der erste europäische Markt, in den die UFC vorgedrungen ist und bis heute wohl auch der erfolgreichste. Kein Wunder, dass ein Abstecher der MMA-Champions League auf die Insel pro Jahr Pflicht ist. Mit UFC on Fuel TV 5: Struve vs. Miocic wird das Octagon nun zum ersten Mal überhaupt in der Capital FM Arena in Nottingham aufgebaut. Im Gepäck hat die UFC dabei einen Schwergewichtskracher im Hauptkampf und jede Menge schlagkräftiger Engländer.

Stefan Struve vs. Stipe Miocic
Stefan Struve (24-5, (22)) ist mit seinen beeindruckenden körperlichen Ausmaßen schon einmal per se eine Gefahr für jeden Gegner. Die Fähigkeit, auch größte Schwierigkeiten in einem Kampf zu überwinden und überraschend zurückzukommen, tut ihr übriges, um seine Position im Hauptkampf der Veranstaltung zu rechtfertigen.

„Stefan ist topfit und super drauf“, verriet sein Trainer Bob Schrijber im Gespräch mit GroundandPound. „Alles, was er nun noch tun muss, ist kämpfen.“

Mit vorzeitigen Siegen über Dave Herman und Lavar Johnson ist er 2012 bislang unbesiegt. Mit dem kroatisch-amerikanischen Stipe Miocic (9-0, (8)) hat er am Samstag allerdings ein Pfund vor der Brust, dass es erst einmal zu stemmen gilt.

Miocic ist seit zwei Jahren Profi und seitdem ungeschlagen, fast jeder seiner Kämpfe endete vorzeitig. Dabei verließ sich der 30-jährige fast immer auf seine explosiven Stand-Attacken, denen zuletzt Shane Del Rosario, Phil De Fries und Joey Beltran zum Opfer gefallen waren.

Während Struve klare Vorteile in Sachen Erfahrung und Variabiliät besitzt, und vor allem am Boden als deutlich stärker einzuschätzen ist als Miocic, ist letzterer im Stand immer gefährlich und wird ohne Zweifel versuchen, dafür zu sorgen, dass das Comeback-Kid dieses Mal nicht wieder zurückkommt.

Stipe Miocic muss gegen Stefan Struve hoch hinaus.

Dan Hardy vs. Amir Sadollah
Wenn Nottinghams Lokalmatador Dan Hardy (24-10 (16), 1 NC) am Samstag zum Co-Hauptkampf in die Capital FM Arena einlaufen wird, wird die Halle Kopf stehen. Soviel ist sicher. Weniger klar ist der Ausgang seines Kampfes gegen Amir Sadollah (6-3 (2)).

Beide Kämpfer halten sich bevorzugt im Stand auf. Während Hardy sich hier auf sein Boxen und die Power in seinen Händen verlässt, fehlt Sadollah eben diese Knock-out-Gefährlichkeit. Dafür ist der The Ultimate Fighter 7-Gewinner ein hochpräziser Techniker, wie unter anderem auch Deutschlands Peter Sobotta leidvoll feststelle musste.

Die UFC-Karriere Sadollahs lief bislang jedoch recht durchwachsen. Nach Gewinn des TUF-Finales unterlag er in seinem ersten Kampf dem starken Ringer Johny Hendricks. Anschließend folgten zwei Siege, eine Niederlage, zwei weitere Siege und eine erneute Niederlage. 2012 stand der 32-Jährige bislang einmal im Ring und konnte einen Punktsieg gegen Jorge Lopez einfahren.

Auch Hardys Karriere verlief nicht ohne Talfahrt. Nachdem er sich mit sieben Siegen in Folge einen Titelkampf gegen Georges St. Pierre verdient hatte, unterlag er diesem 2010 nach Punkten. Dieser Niederlage folgten drei weitere, gegen Carlos Condit, Anthony Johnson und Chris Lytle. Lediglich seiner Beliebtheit beim UFC-Publikum war es zu verdanken, dass er im Mai dieses Jahres gegen Duane Ludwig eine fünfte Chance bekam – ein Privileg, das nicht vielen UFC-Kämpfern vergönnt ist. Er nutzte sie, setzte sich per K.o. gegen „Bang“ durch und fungiert an diesem Wochenende in Nottingham zweifellos als größtes Zugpferd und heimliche Hauptattraktion.

Ob sich Power oder Technik bei diesem Aufeinandertreffen durchsetzen wird, ist die interessante Frage dieses Kampfes. Dass die Stimmung in der Halle dabei auf dem Höhepunkt sein wird, steht allerdings außer Frage.

Lokalmatador Dan Hardy

John Hathaway vs. John Maguire
Pascal Krauss-Bezwinger John Hathaway (16-1 (9)) stellt sich nach seinem Sieg über den Deutschen dem Gipsy Jitsu-Spezialisten John Maguire (18-3 (13)). Der Irish Traveller konnte mit seinem selbst kreierten Jiu-Jitsu-„Stil“ zuletzt DaMarques Johnson per Armbar besiegen, zuvor gewann er sein UFC-Debüt gegen Justin Edwards bei UFC 138 nach Punkten. 

Hathaway ist eine Art Wundertüte. Seit seinem UFC-Debüt, im Januar 2009, wurde er als kommende Macht im Weltergewicht gefeiert. Sein brachiales Ground and Pound, vor allem die zerstörerischen Ellenbogen, sind gefürchtet. Zwischenzeitlich schien der Brite seinen Biss jedoch ein wenig verloren zu haben, unterlag Mike Pyle im Oktober 2010 und rettete sich anschließend gegen Kris McCray nur zu einem geteilten Punktentscheid. Nach einem klaren Punktsieg über Krauss wird er nun zeigen müssen, ob das Leistungshoch dieses Mal von Dauer ist, und ob er sich den gefährlichen Submission-Attacken Maguires entziehen kann. GroundandPound verriet er zumindest:

"Ich freue mich darauf, ihm oft vor die Rübe zu hauen - egal ob im Stand oder am Boden."

"Panzer"-Bezwinger John Hathaway

Brad Pickett vs. Yves Jabouin
Nachdem Brad Pickett (21-6, (16)) im April seinen ersten Sieg im zweiten UFC-Kampf einfahren konnte, trifft er nun auf den Kanadier Yves Jabouin (18-7, (12)). Jabouin stammt aus dem Tristar Gym aus somit dem Dunstkreis von Georges St. Pierre, und ist ein gefährlicher Puncher. Seine letzte Niederlage musste er im April 2011 gegen Pablo Garza einstecken, der ihn überraschend mit einem eingesprungenen Triangle-Choke finalisierte. Seitdem sammelte Jabouin Siege über Ian Loveland, Walel Watson und Jeff Hougland, wobei die ersten beiden jedoch sehr knappe, geteilte Punktentscheidungen gewesen sind.

Pickett kam mit dem Verschmelzen von WEC und UFC in die Bantamgewichtsklasse der MMA-Champions League, verlor seinen ersten Kampf im vergangenen November jedoch gegen den jetzigen Champion Renan Barão, durch Submission in Runde eins. Nun möchte er natürlich den ersten UFC-Sieg in seinem Heimatland einfahren.

Wie die meisten Paarungen auf der Card, ist auch dies ein Duell zweier technisch versierter Standkämpfer, die beide K.o.-Power in den Händen besitzen – ein Ergebnis zu tippen, ist dementsprechend schwer.

Paul Sass vs. Matt Wiman
13 Kämpfe, 13 Siege. Davon 12 durch Submission, neun durch Triangle – oder wie er sie nennt: „Sassangle“. Das ist die beeindruckende Bilanz von Paul Sass. Der 24-jährige Brite trifft am Samstag auf Matt Wiman. Der ist deutschen Fans vor allem noch von seiner Niederlage gegen Dennis Siver, im Juli vergangenen Jahres bekannt. Seitdem konnte er gegen Mac Danzig wieder einen Sieg einfahren, wird es aber gegen Sass nicht einfach haben.

Für Wiman sind Bodenkampftechniken und Aufgabegriffe jedoch kein Fremdwort, so dass dies der bislang schwerste Test für „Sassangle“ Paul Sass werden wird.

Che Mills vs. Duane Ludwig
Vor den zwei eben genannten Kämpfern, die ihr Duell vermutlich am Boden entscheiden werden, kommt es zu einem weiteren Standduell mit englischer Beteiligung. Che Mills (14-5, (11)) gab sein Debüt in der UFC im vergangenen November im Birmingham, wo er den TUF-Veteran Chris Cope in nur 40 Sekunden mit einer Kombination aus Knienstößen und Faustschlägen umlegen konnte. Direkt in seinem zweiten Auftritt bekam der Brite allerdings Rory MacDonald vorgesetzt – und der war eine Nummer zu groß für den 29-Jährigen. In der zweiten Runde wurde der Kampf nach brutalem Ground and Pound MacDonalds gestoppt.

Mit Duane „Bang“ Ludwig hat Mills einen erfahrenen Muay Thai-Striker vor sich. Damit befindet sich der Engländer zwar wieder in seinem Element – dem Standkampf – leichter wird die Aufgabe dadurch aber nicht. Mit zwei Niederlagen, gegen Dan Hardy und Josh Neer im Rücken, wird „Bang“ alles daran setzen zu gewinnen – und den Kampf mit einem Knall beenden, wie er GroundandPound im Interview verriet.

Die Vorkämpfe
Vor der Fuel-TV-Show sind fünf nicht weniger spannende Vorkämpfe angesetzt, in denen sich so einige talentierte Newcomer tummeln, von denen man in Zukunft wohl noch einiges hören wird.

Im Halbschwergewicht werden zwei Sportler auf gegenläufigen Wegen aufeinandertreffen: Während Kyle "Kingsbu" Kingsbury (11-4 (1)) nach zwei recht eindeutigen Niederlage möglicherweise nur noch mit einem Bein im Octagon steht, beginnt am Samstag für den als Ausnahmetalent gehandelten und ungeschlagenen Jimi Manuwa (11-0) das einzig logische nächste Kapitel seiner Karriere, nachdem er ein Angebot der UFC im vergangenen Jahr bereits abgelehnt hatte, um mehr Erfahrung sammeln zu können.

Finisher: Jimi Manuwa gilt als Riesentalent und gibt Samstag sein Octagon-Debüt

Zuvor gibt es einen Leckerbissen für The Ultimate Fighter-Fans zu sehen: In ihren jeweils ersten Kämpfen nach der Zeit im Haus werden die TUF 14- bzw. 15-Teilnehmer Andy Ogle (8-1) und Akira Corassani (9-3-0(1)) aufeinandertreffen. Ogle wurde mit dem Kampf in Nottingham ein Wunsch erfüllt, den er nach Beendigung des Drehs geäußert hatte; er wird nun auf den Schweden Corassani treffen, der im Haus als Bad Boy bekannt war und seit seinen TUF-Kämpfen verletzungsbedingt nicht mehr im Octagon stand.

Traum erfüllt: Andy Ogle kämpft in seiner Heimat England.

Vor den TUF-Veteranen werden zwei vielversprechende Europäer ihr UFC-Debüt geben: Im Mittelgewicht wird der dreifache BAMMA-Champion Tom "Kong" Watson (15-4) gegen Brad Tavares (8-1) in den Käfig steigen, nachdem in einem kurzfristig festgelegten Gewichtslimit von 80 Kilo DaMarques Johnson (16-11) gegen die isländische BJJ-Koriphäe Gunnar "Gunni" Nelson (9-0-1) angetreten ist.

Im Eröffnungskampf des Abends werden Jason "Shotgun" Young (9-5) und Robbie Peralta (15-3-0(1)) ihren jeweils vierten Kampf unter ZUFFA austragen. Während Peralta nach zwei Siegen einen No Contest durch einen unabsichtlichen Kopfstoß hinnehmen musste, sicherte Young sich im vergangenen April seinen Platz im Octagon vorerst durch einen Sieg gegen Eric Wisely, nachdem er zuvor zweimal nach Punkten besiegt wurde.

Das gesamte Programm lautet wie folgt:

UFC on Fuel TV 5
29.9.2012
Capital FM Arena in Nottingham, England

Hauptprogramm (ufc.tv)
Stefan Struve vs. Stipe Miocic
Dan Hardy vs. Amir Sadollah
John Hathaway vs. John Maguire
Brac Pickett vs. Yves Jabouin
Paul Sass vs. Matt Wiman
Che Mills vs. Duane Ludwig

Vorprogramm (Facebook)
Kyle Kingsbury vs. Jimi Manuwa
Andy Ogle vs. Akira Corassani
Tom Watson vs. Brad Tavares
DaMarques Johnson vs. Gunnar Nelson
Jason Young vs. Robbie Peralta