MMA - Europa

Barão verteidigt Gold gegen McDonald

Der glückliche Sieger: Renan Barão (Foto: Franz Schwerdtmann/Groundandpound.de)

Üblicherweise glänzen die UFC on Fuel TV-Veranstaltungen zwar nicht durch die ganz große MMA-Prominenz, dafür aber mit spannenden, actiongeladenen Kämpfen. Beim 2013er London-Event war das leider ein wenig anders, die Show blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Bis auf die beiden Hauptkämpfe sowie eine beherzte Leistung von Tom Watson im Vorprogramm, wusste kaum einer der Fights zu überzeugen.

Im Hauptkampf des Abends konnte Interim-Bantamgewichtschampion Renan Barão seinen Gürtel gegen den erst 22-jährigen Herausforderer Michael McDonald verteidigen. Nachdem er Anfangs ein wenig stockend in den Kampf zu kommen schien, und nach einem knackigen Konter McDonalds nur haarscharf an einem Finish vorbeigeschrammt war, konnte der Brasilianer spätestens ab Runde drei das Ruder herumreißen. Von da ab attackierte er immer wieder mit unberechenbaren Aktionen, wie einem eingesprungenen Kniestoß in Runde vier, nach dem „Maydays“ Nase heftig zu bluten begann. Anschließen clinchten beide Kämpfer und Barão gelang ein Takedown, nach dem er sich direkt den Rücken McDonalds sicherte. Der versuchte sich in die Guard des Brasilianers zu drehen, doch Barão löste die Umklammerung und glitt von seinem Gegner herunter, der sich damit urplötzlich in einem Sidechoke befand, in dem er nach einigem Ringen abklopfen musste.

Cub Swanson vs. Dustin Poirier
Hier erwartete jeder einen explosiven Fight, und spätestens gegen Ende der ersten Runde begann das Duell diesen Erwartungen gerecht zu werden. Ein rechter Aufwärtshaken Swansons rüttelte Poirier gehörig durch, eine heiße Phase begann. Poirier fing sich wieder und attackiert selbst, bis die Runde vorüber war. Auch der nächste Durchgang verlief recht ausgeglichen, bis Swanson eine Spinning-Backfist ins Leere schlug und von Poirier zu Boden gebracht wurde. Swanson konnte allerdings wieder aufstehen. In Runde drei entwickelte sich das Duell zum Schlagabtausch mit offenem Visier, Swanson schien langsam die Puste auszugehen, er nahm immer mehr Treffer und suchte so schließlich den Takedown. Am Boden sicherte er sich den Rücken, landete schließlich in der Mount und wurde kurz vor Ende des Kampfes noch einmal gesweept. Aus der Guard feuerte nun Poirier Hände ab – ein spannender und über weite Strecken wirklich ausgeglichener Kampf. Die Wertungen der Punktrichter: 29:28, 29:28, 29:28 für den Sieger Cub Swanson.

Jimi Manuwa vs. Cyrille Diabaté
Die erste Runde begann überraschenderweise mit dem Clinch und einem Takedown von Manuwa, der am Boden jedoch nicht viel anrichtete. Nachdem beide wieder auf den Beinen waren, diktierte der Brite wie erwartet auch das Geschehen im Stand. Diabaté brachte nicht viel aufs Parkett – warum, zeigte sich in der Rundenpause. Der Ringarzt untersuchte das linke Schienbein des erfahrenen Franzosen und entschied: Der Kampf muss beendet werden. Später wurde bekannt, dass Diabaté sich einen Muskel in der rechten Wade gerissen hatte und nicht mehr in der Lage war, zu laufen. Er wurde beim Weg aus dem Käfig gestützt.

Gunnar Nelson vs. Jorge Santiago
Im Stand gelang es Santiago, den einen oder anderen guten Treffer durch explosive Attacken zu setzen, die Nelson allerdings alle wegstecken konnte. Irgendwann gelang dem Grappling-Ass aus Island schließlich ein Double-Leg Takedown, Santiago kam nach kurzer Zeit aber wieder auf die Beine. Den Rest der Runde über agierte Santiago im Stand als Aggressor, Nelson konnte größeren Schaden aber vermeiden. Auch in Runde zwei verlagerte Nelson den Kampf zügig zu Boden, nachdem er dieses Mal selbst einige Hände im Stand ins Ziel bringen konnte. Am Boden kontrollierte er von oben, gelangte gegen Ende der Runde in die Mount und landete einige starke Ellenbogen. Der dritte Durchgang spielte sich überraschenderweise komplett im Stand ab, wo vor allem Nelson – bis auf die Schlussphase – die klaren Treffer setzte. Dementsprechend gehörte der Sieg nach drei Runden mit 29:28, 29:28 und 30:27 Punkten ihm.

James Te-Huna vs. Ryan Jimmo
James Te-Huna hatte Ryan Jimmos 7 Sekunden K.o. aus dem letzten Kampf sicher noch im Hinterkopf und suchte sofort den Clinch. Nach kürzerer Inaktivität wurden beide Kämpfer getrennt und Jimmo landete einen linken Headkick, von derm Te-Huna sofort zu Boden ging. Jimmo setzte nach, Te-Huna war praktisch schon K.o., kam aber doch wieder zu sich und schaffte es, sich die Guard zu sichern. Von dort arbeitete Jimmo den Rest der Runde über mit Schlägen – so nah an ein Finish wie zu Beginn des Kampfes kam er jedoch nicht mehr. Im zweiten Durchgang konnte Te-Huna den Spieß plötzlich umdrehen. Nachdem es ihm im Stand mit dem gefährlichen Jimmo zu bunt wurde, brachte er diesen per Double-Leg zu Boden und deckte ihn mit teils starken Treffern ein – was ihm die Runde gesichert haben dürfte. Zu Beginn clinchten beide erst einmal am Käfig, bevor Te-Huna erneut ein Takedown gelang. Er kontrollierte den Rest aus Jimmos Guard und drehte so einen fast verlorenen Kampf noch einmal herum. 29:27, 29:28 und 29:28 war die offizielle Wertung der Punktrichter.

Che Mills vs. Matthew Riddle
Ringer vs. Striker-Duelle können extrem spannend werden - oder extrem zäh. Entgegen seiner Ankündigung, sich auf Schlagabtausche einzulassen, wollte Matt Riddle nichts von einem Standduell mit Striking-Spezialist Mills wissen und versuchte immer wieder, den Briten per Single-Leg Takedown zu Boden zu bringen. Der konnte diese Versuche über weite Strecken recht gut verteidigen, was in wenig ansehnlichen Hängepartien an der Käfigwand endete. Nach dem Lösen konnte Mills immer mal ein paar schöne Treffer setzten, bevor er sich des nächsten Beinangriffs erwehren musste. Bekam Riddle den Takedown, so machte er daraus zu wenig. Wie zum Beispiel in Runde zwei, wo er sich den Rücken von Mills sichern und einen Body-Triangle anbringen konnte, der zur späteren Mount führte – wirklich Schaden richtete der Amerikaner damit jedoch nicht an. Die spektakulärste Aktion des Kampfes war ein Kick von Mills, nachdem Riddle dessen anderes Bein abfangen und festhalten konnte. Riddle ging davon sichtlich benommen zu Boden, landete aber in der Oberlage und konnte sich erholen. Nach drei Runden entschied das Punktgericht mit 29:28  und 30:27 für ihn, nur ein Punktrichter sah Mills mit 29:28 vorn.

Terry Etim vs. Renee Forte
Während Terry Etim zu Beginn des Kampfes noch wie erwartet die Oberhand im Stand behauptet und Fortee sein Heil eher im clinch gesucht hatte, gelang es dem Brasilianer im zweiten Durchgang immer wieder mit eigenen Treffern durchzukommen. Eine brachiale linke Overhand schlug schließlich voll bei Etim ein, der benommen zu Boden taumelte und sich der Ground and Pound-Attacken Fortes erwehren musste. Zwar konnte er sich wieder sammeln, wurde gegen Ende der Runde aber noch einmal gemountet und musste einige Volltreffer wegstecken. Im zweiten Durchgang landete Fortee zu Beginn weitere Hände, brachte den Kampf aber schließlich zu Boden und kontrollierte das Geschehen von dort aus weitestgehend aus der Guard Etims. Nach über einjähriger Pause verliert der Brite damit seinen Comeback-Kampf mit 29:28, 29:28 und 30:27 nach Punkten.

Paul Sass vs. Danny Castillo
Castillo versuchte gegen Submission-Spezialist Sass recht früh einen Takedown, den der verteidigen konnte und und den stehenden Castillo nun mit den Beinen umklammerte wie in der Guard-Position. Von dort aus kletterte er flink in einen Triangle-Choke – sein Markenzeichen, der jedoch nicht gelang. Castillo slammte den Briten zu Boden und konnte sich kurz darauf befreien. Auch verschiedene Fußhebelversuche von Sass blieben erfolglos. Auch in den Runden zwei und drei suchte Ringer Castillo zügig Takedowns und bekam diese praktisch problemlos. Am Boden konnte er alle Submissionversuche von Sass ohne große Schwierigkeiten vermeiden und dafür, zumeist aus der Oberlage, den Kampf kontrollieren. Die Punktrichter entschieden daher nach drei Runden mit 30:27, 30:27 und 29:28 für ihn.

Andy Ogle vs. Josh Grispi
Beide Kämpfer kamen mit harten Händen in die Ringmitte, Grispi gelang schnell der Bodylock und ein netter Wurf. Der Amerikaner landete in der Backmount, bewegte sich von einem Armbar-Versuch zu einem Rear-Naked Choke, über einen Omoplata hin zu einem Triangle Choke. Den konnte Ogle lange Zeit verteidigen, bis er schließlich außer Gefahr und nun in der Guard von Grispi war. Die zweite Runde begann ähnlich, wieder gelang Grispi ein Wurf, doch dieses Mal war es Ogle, der sich den Rücken seines Gegners sichern konnte. Aus einer Body Triangle-Position heraus arbeitete er mit Ground and Pound, konnte aber kaum signifikanten Schaden anrichten. Der Befreiungsschlag gelang Grispi jedoch auch nicht. In Runde drei war es Ogle, der mit einem Double-Leg Takedown den Kampf auf den Boden verlagerte. Auch in diesem Durchgang passierte wieder sehr wenig, lediglich etwas gelegentliches Ground and Pound, dass ihm am Ende mit 29:28, 29:28 und 30:27 den Sieg einbrachte.          

Tom Watson vs. Stanislav Nedkov
Nedkov begann mit wilden Schwingern aus seiner Ecke zu kommen, was Watson clever mit dem Thai-Clinch sowie kurzen Ellenbogen und Kniestößen zum Körper beantwortete. Die zeigten langsam Wirkung, doch plötzlich gelang dem Bulgaren ein Takedown gefolgt von verheerenden Hammerfäusten – nur knapp und mit gutem Willen des Ringrichters schaffte es Watson in die Pause. Die zweite Runde begann dort, wo die erste aufgehört hatte: Nedkov landete Bomben im Stand und drängte Watson in die Ecke, wo der schließlich Stück für Stück zu Boden sank und immer wieder versuchte aufzustehen. Das gelang ihm irgendwann, so dass er Nedkov erneut in den Thai-Clinch zwingen konnte, wo er wieder harte Knie- und Ellenbogen-Attacken landete. Nedkov fand dagegen kein Mittel und wurde innerhalb kürzester Zeit auseinandergenommen. Als Watson den Clinch einmal löste, konnte der Bulgare nicht mehr eigenständig stehen und ging zu Boden. Watson setzte mit Ground and Pound nach und sicherte sich so nach 4:22 Minuten den T.K.o.-Sieg.             

Vaughan Lee vs. Motonobu Tezuka
Nach kurzer Abtastphase suchte Tezuka wie erwartet verzweifelt den Takedown, Lee konnte die Beinangriffe des Japaners gut verteidigen und dafür im Stand mit einigen Schlägen punkten. Im zweiten Durchgang brachte Tezuka den Kampf nach einem Missglückten Takedown schließlich doch zu Boden, landete aber in der Unterlage, von wo er prompt einen Kneebar und Heelhook versuchte. Lee befreite sich, landete aber sofort in einem Kimura, auch den konnte er aber abwehren. Zurück in Stand versuchte der Japaner erneut zu clinchen und Lee zu Boden zu bringen, schaffte es aber kein zweites Mal. Auch in Runde drei gelang ihm das nicht, beide Kämpfer verbrachten viel Zeit am Käfig im Clinch, was das Publikum im Pfiffen quittierte. Vaughan Lee sahnte auf den Zetteln der Punktrichter schließlich alle drei Runden ab und heimste so seinen zweiten Sieg in der UFC ein.

Phil Harris vs. Ulysses Gomez
Die erste Runde des Eröffnungskampfes verlief recht ereignislos, beide Kämpfer agierten verhalten. Harris konnte einen Kick von Gomez abfangen, ihn zu Boden bringen und einige Treffer landen, bevor er ihn wieder auf die Beine ließ und einen Tieftritt kassierte. Kurz vor Ende der Runde gelang Gomez ein Takedown. Ansonsten war Gomez die gesamte Zeit über zu verhalten und kassierte ab Runde zwei zu viele Hände des Briten. Einige Takedown- und Flying Knee-Versuche verpufften, dafür nahm der Mexikaner immer wieder Konter, die im dritten Durchgang schließlich einen kleinen Cut öffneten. Nach drei vollen Runden war das Urteil der Punktrichter keine Überraschung: 30:27, 30:27 und 29:28 für Phil Harris.

UFC on Fuel TV: Barao vs. McDonald
16. Februar 2013
Wembley Arena in London, England

UFC Interim-Bantamgewichtstitelkampf
Renan Barão bes. Michael McDonald via Sidechoke nach 3:57 in Rd. 4
Cub Swanson bes. Dustin Poirier nach Punkten (29:28, 30:27, 30:27)           
Jimi Manuwa bes. Cyrille Diabaté via T.K.o. (Verletzung) nach 5:00 in Rd. 1          
Gunnar Nelson bes. Jorge Santiago nach Punkten (29:28, 29:28, 30:27)               
James Te-Huna bes. Ryan Jimmo nach Punkten (29:27, 29:28, 29:28)            
Matthew Riddle bes. Che Mills nach Punkten (30:27, 29:28, 28:29)             

Vorprogramm (Facebook)
Renee Forte bes. Terry Etim nach Punkten (29:28, 29:28, 30:27)               
Danny Castillo bes. Paul Sass nach Punkten (30:27, 30:27, 29:28)
Andy Ogle bes. Josh Grispi nach Punkten (29:28, 29:28, 30:27)               
Tom Watson bes. Stanislav Nedkov via T.K.o. (Ground and Pound) nach 4:22 in Rd. 2      
Vaughan Lee bes. Motonobu Tezuka (30:27, 30:27, 30:27)         
Phil Harris bes. Ulysses Gomez nach Punkten (30:27, 30:27, 29:28)