MMA - Europa

Aus Protest gegen MMA-Verbot: Karl Amoussou kämpft nicht mehr für Frankreich

Karl Amoussou (Foto: Euro FC)

Seit wenigen Tagen steht Frankreichs MMA-Verbot fest, nun ziehen die ersten Betroffenen ihre Konsequenzen. Karl Amoussou, einer der bekanntesten und beliebtesten MMA-Kämpfer des Landes, kündigte nun an, von nun an nicht mehr unter französischer Fahne antreten zu wollen, bis das Verbot aufgehoben wird. Der 30-Jährige geht in Zukunft für Deutschland an den Start.

Cage Warriors, M-1 Global, Strikeforce, Dream oder Bellator – wer sich die Liste der Organisationen in Karl Amoussous (23-7-2) Vita ansieht, kann nur beeindruckt zurückbleiben. Der 30-Jährige hat fast für jede bedeutende Organisation in Europa und der Welt im Käfig gestanden, sich dabei mit UFC-Kämpfern wie Sam Alvey, Alexander Yakovlev und Trevor Prangley oder Bellator-Champion Ben Askren gemessen. Im vielleicht bedeutendsten Kampf muss der „Psycho“ aus Frankreich nun eine empfindliche Niederlage einstecken.

Nach einem Dekret des Sportministeriums sind MMA-Wettkämpfe in Frankreich quasi verboten, bzw. alle Kampfsportwettkämpfe, in denen Schläge am Boden eingesetzt werden. Als Konsequenz hat Amoussou, dessen Bruder Bertrand als Präsident des nationalen CFMMA-Verbands juristisch dagegen vorgehen will, nun erklärt, fortan unter deutscher Fahne antreten zu wollen:

„Nach einer langen Nacht des Nachdenkens im Anschluss an die Ankündigung der Regierung, MMA-Wettkämpfe in Frankreich zu verbieten, habe auch ich eine Entscheidung getroffen. Ich war als Patriot immer stolz darauf, mein Land international zu vertreten und habe immer versucht, mit meinen Resultaten nicht nur mein Land zu ehren, sondern auch meine Werte von Respekt, Würde, Mut und Fairplay. Werte, die in meinem Sport omnipräsent sind.

Ich habe dafür gekämpft, wir haben dafür gekämpft, diesem Sport, den wir trainieren, den wir lieben oder der uns begeistert, die Anerkennung zu verschaffen. Ich habe nicht und werde es nicht akzeptieren, in den Schmutz gezogen oder beleidigt zu werden. Diese Entscheidung ist eine Beleidigung der gesamten MMA-Gemeinschaft. Seit Jahren habe ich der verbalen Diarrhoe über MMA zugehört, über das Potenzial, dass der Sport die Menschenwürde verletzt. Was sind wir für euch? Blutrünstige Kriminelle?

Es wurde eine Untersuchung durch das Parlament veranlasst, in der Ärzte, Soziologen, Anwälte, Trainer und Kämpfer angehört wurden. Ich habe keine Zweifel an ihren Antworten, denn sie kennen den Sport, wissen, dass er technische Meisterleistungen voraussetzt und es keine Beweise dafür gibt, dass MMA gefährlicher oder traumatischer ist, als Boxen. Abgeordnete haben sich zahlreiche Gyms angesehen, waren sie etwa davon schockiert, wie Kinder ausblühen, wenn sie sich spielerisch mit dem Sport beschäftigen? Aus diesen Gründen bin ich mir sicher, dass diese Mission vergeblich und die Würfel schon früh gefallen waren.

Trotz dieser Schranken wurde Frankreich auf höchstem Niveau von MMA-Kämpfern repräsentiert. Sie befinden sich in den Top 100 oder Top 50, kämpfen in den ruhmreichsten Organisationen Europas und das alles ohne Unterstützung ihrer Heimat. MMA ist ein Sport, der unglaubliche technische Raffinesse erfordert, die besten MMA-Kämpfer könnten auch weltweit im Ringen, Boxen, Muay Thai oder Grappling mitkämpfen.

Anstatt das französische Kämpfer für ihre Leistungen gelobt werden, werden sie von den französischen Behörden verdächtigt und verachtet. Ich habe genug von den Beleidigungen, ich habe mich entschlossen, im MMA nicht länger für Frankreich anzutreten. Mit einer doppelten Staatsbürgerschaft aus Frankreich und Deutschland werde ich fortan für Deutschland kämpfen. Sollte sich die Haltung der Regierung ändern, werde ich meine Position in ein paar Jahren vielleicht überdenken. In der Zwischenzeit kämpfe ich für das Land, das mich als Kämpfer und Top-Athlet respektiert.

Ich verlasse nicht das sinkende Schiff im Sturm, dies ist ein Zeichen des Protests. Ich glaube daran, man sich Respekt verdienen muss. Um sich Respekt zu verdienen, darf man nicht aufgeben. Ich werde nicht aufgeben, mein Bogen ist gespannt!“

Erst vor wenigen Wochen stand Amoussou bei Euro FC im Käfig und schlug den Finnen Juho Valamaa in der ersten Runde mit einer harten Rechten K.o., sein sechster Sieg in Folge seit seinem Abschied von Bellator. Der erste Kampf unter deutscher Fahne findet bereits nächste Woche in Brasilien statt. Bei der neu gegründeten Organisation Fight2Night steht Amoussou dem früheren UFC-Weltergewicht Hernani Perpetuo gegenüber.