MMA Deutschland

Timo Feucht: „Den Brave-Titel nach Leipzig holen“

Mit gerade einmal 21 Jahren steht Timo Feucht (6-0) vor dem Kampf seines Lebens. Am 12. August verschlägt ihn die Reise ins brasilianische Curitiba, wo er im Hauptkampf von Brave 8 um den ersten Halbschwergewichtstitel der Organisation kämpfen wird. Der in sechs Kämpfen ungeschlagene Leipziger, der aktuell als zweitbestes Halbschwergewicht Deutschlands gelistet ist, wird dabei die Höhle des Löwen betreten, wenn er auf Lokalmatador Klidson Farias de Abreu (10-2) trifft. Wir haben uns mit Timo „Teddy“ Feucht unterhalten.

GNP1.de: Hallo Timo, du kämpfst im August in Brasilien gegen Klidson Farias. Was weißt du über deinen Gegner? Hast du dich schon über ihn informiert?
Timo Feucht: Ja, ich habe auch einige Leute, die sich für mich informiert haben. Er ist ein starker Bodenkämpfer. Das ist auf alle Fälle seine Stärke und ich denke mal, dass er mit mir zu Boden möchte.

Die Brasilianer sind ja bekannt für ihre Skills am Boden und er hat bereits einige Kämpfe durch Submission gewonnen. Machst du dir da Gedanken? Wirst du mit ihm auf die Matte gehen oder den Bodenkampf lieber meiden?
Ich weiß nicht, es ist oftmals situationsbedingt. Wenn sich irgendwas richtig anfühlt oder gut anfühlt, dann würde ich es eventuell sogar wagen. Aber solange ich denke, er ist mir überlegen oder ich habe Vorteile im Stand, dann wäre es von meiner Seite ja nicht sehr klug, in den Bodenkampf zu wechseln.

Du hast dich für deine letzten Kämpfe häufig im Ausland vorbereitet. Hast du diesmal wieder Trips geplant?
Ich war jetzt schon in den Alpen. Ansonsten wird das diesmal nicht der Fall sein. Dieses Mal machen wir es etwas anders und holen die Leute zu uns. Hier auch noch einmal einen riesen Dank an „Joker“ Christopher Henze, der sich um das ganze Organisatorische gekümmert hat und wirklich absolute Top-Leute im Boden und auch im Stand zu uns nach Leipzig ins Gym holt.

Wen habt ihr euch geholt?
Einmal den Jesse Urholin aus Finnland und Zbigniew Tyszka, auch „Zybi“ genannt, aus Polen. Das sind die zwei besten europäischen Schwarzgurte, die es gibt. Der „Zybi“ hat zum Beispiel viel mit Peter Sobotta und Marcin Bandel trainiert. Unter anderem kommen noch Steven Kitzing und Rene Hoppe (#5 German Top Ten) zu uns. Sebastian Heil (#8 German Top Ten) kommt auch noch zu uns ins Gym.

Im Kampf gegen Abreu geht es um den ersten Brave-Titel im Halbschwergewicht. Was bedeutet dir der Gürtel?
Der Gürtel bedeutet mir sehr viel, da es doch eine absolute Ehre ist, als Deutscher im Ursprungsland des MMA zu kämpfen und dann gleich so ein riesige Chance zu bekommen, dort um den Titel zu kämpfen. Also es ist schon wirklich eine große Ehre und da freue ich mich drauf, bereite mich so hart wie noch nie zuvor darauf vor. Ich werde alles dafür geben.

Timo Feucht in seinem Kampf gegen Daniel Dörrer. (Foto: Dorian Szücs)

Wie ist der Kontakt mit Brave zustande gekommen und wie war deine Reaktion, als dir direkt ein Titelkampf angeboten wurde?
An dieser Stelle das nächste große Dankeschön an Tim Leidecker, der mich vermittelt hat und mir diesen Kampf besorgt hat. Meine Reaktion war zunächst eine Mischung aus freudig und schockiert. Ich konnte es erst gar nicht so richtig fassen. Ich hatte gehört, dass da was in der Schwebe steht, was Großes. Und von dem Tag an habe ich angefangen, mich vorzubereiten. Aber ich wusste nicht, dass es wirklich so groß ist. Umso größer war dann die Freude, als ich erfahren habe, um was es denn wirklich geht.

In deinen letzten Kämpfen vor heimischer Kulisse hattest du die Zuschauer stets auf deiner Seite. In Brasilien gegen einen Brasilianer wird das wohl nicht der Fall sein. Stört dich das?
Ich sag mal so. Die Fans im Rücken, die heimische Kulisse, das ist immer was Schönes. Das pusht einen, das spornt einen an. Aber diese Tatsache, in Brasilien um den Brave-Titel zu kämpfen, sollte Ansporn genug sein, um wirklich alles zu geben.

Verspürst du mehr oder weniger Druck dadurch?
Das kann ich schlecht einschätzen. Ich habe erst einmal gekämpft, wo ich keine große Fanbase hinter mir hatte. Das war in Kroatien und da habe ich mich gut gefühlt. Es ging relativ schnell, es war jetzt nicht der härteste Kampf. Aber ich denke, ich werde das meistern, auch wenn mir natürlich ein Stück fehlen wird.

Deutschland gegen Brasilien – da denkst du als Fußballfan doch sicher auch an den 7-1 Sieg aus dem Jahr 2014. Gibt’s diesmal eine ähnliche Klatsche für die Brasis? 
(lacht) Diesmal gibt’s die nächste Klatsche für die Brasis, mein Guter. Genau so sieht es aus. Es ist auf jeden Fall so, dass wir nicht mit dem Ziel dahin fahren, als Zweiter zurückzukommen. Wir wollen dort wirklich schon das Gold mit zurück nach Leipzig bringen.

Wie sieht deine Prognose für den Kampf aus? Hast du schon einen Kampfausgang vor Augen?
Ein direktes Kampfende habe ich noch nicht im Kopf, das kann ich auch schwer sagen. Das kommt ganz darauf an, wie er anfängt, wie er reagiert, was er macht. Ich bereite mich im Training auf einige Szenarien vor und bereite mich auf alles gut vor, trainiere in jegliche Richtung, sodass ich im Endeffekt, egal auf welcher Ebene der Kampf stattfindet, nie chancenlos bin.

Du bist ja gerade einmal 21 Jahre jung, hast schon sechs Kämpfe vorzeitig gewonnen. Was sind denn deine Ziele für die kommenden Jahre?
Ich sag‘s immer wieder. Ich will mir die Ziele immer klein setzen und dann kommt halt sowas wie der Brave-Titel um die Ecke. (lacht) Ich werde auf alle Fälle Stück für Stück weitermachen, nicht überheblich werden, nicht abheben. Ich will nicht vorzeitig irgendwo reinrutschen, um dann letztendlich gnadenlos unterzugehen. Es soll schon der passende Moment sein und der richtige Augenblick. Wie du schon sagst. Ich bin 21 Jahre alt. Ich habe noch so ziemlich alles vor mir. Auch eine Niederlage würde mich jetzt nicht weit nach unten reißen, weil einfach das Alter noch da ist, das alles wieder aufzuholen.

Liegt dir sonst noch was auf dem Herzen? Die letzten Worte gehören dir.
Ich möchte auf alle Fälle noch einmal ein großes Dankeschön an Christopher Henze geben, an Tim Leidecker, dass er mir den Kampf besorgt hat, an meinen Coach Benny, der wirklich immer früh und abends mit mir trainiert. Danke an den La Familia Fight Club, bei dem ich immer herzlich willkommen bin, bei dem ich trainieren kann und von dem ich immer unterstützt werde. Und an alle anderen, die jetzt bei der Vorbereitung für mich da sind, egal ob finanziell, sportlich oder mental gesehen. Danke an alle meine Freunde, meine Jungs vom Fußball, meine Familie und meine Freundin.

Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen eine verletzungsfreie Vorbereitung. 
Danke, ich gebe mir Mühe (lacht). 

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