MMA Deutschland

Tim Richter: „Dustin Stoltzfus, der Titel gehört mir“

Tim Richter mit Coach Henryk Kretschmar (Foto: Nazariy Kryvosheyev)

We love MMA 40 am 2. Juni in Oberhausen wirft seine Schatten voraus und wir haben dies zum Anlass genommen, um mit Tim Richter, einem der Hauptakteure der Veranstaltung, zu sprechen.

Richter (9-4) vom Shuri-Gym in Plauen stieg 2014 zum ersten Mal bei We Love MMA in den Käfig und konnte sich seitdem insgesamt drei Siege bei der Organisation sichern. Hätte die Organisation schon damals einen Champion in der Gewichtsklasse gekrönt, wäre er sicher ein heißer Aspirant auf diesen Titel gewesen. Es kam anders, der unangefochtene „We love MMA“-Champion im Mittelgewicht heißt Dustin Stoltzfus und Tim Richter steht in der Vorbereitung auf einen Kampf gegen MMA-Kultkämpfer Sebastian Baron.

Wir haben Tim Richter nun während seines Trainingscamps in Sachsen für ein Interview gewinnen können.

GNP1.de: Hallo Tim. Bevor wir zum aktuell anstehenden Kampf kommen, lass uns doch bitte erst mal über ein paar allgemeine Dinge sprechen. Du bist die aktuelle Nummer sieben der deutschen MMA-Rangliste im Mittelgewicht. Beschreib doch mal bitte deinen sportlichen Weg dorthin. Hast du schon immer Kampfsport betrieben?
Tim Richter: Hallo, ja sehr gern. Ich habe schon früh, im Alter von sieben Jahren, mit Sport angefangen. Allerdings damals noch beim Fußball. Das hat durchaus Spaß gemacht und ich konnte dabei auch sportlich erfolgreich sein. Ich trainierte zuletzt sogar an einem DFB-Stützpunkt. Aber ich war auch damals schon sehr ehrgeizig und konnte mich nur schwer damit anfreunden, auf Mitspieler angewiesen zu sein, die nicht immer die selbe Einstellung hatten. Ich wollte eben auch damals schon immer gewinnen! (lacht) Mit 17 Jahren habe ich mich dann auch endgültig gegen den Mannschaftssport entschieden. Da ich physisch auch immer robuster wurde, bin ich dann zum Kampfsport gewechselt.
Es gefällt mir bis heute, seines eigenen Glückes Schmied zu sein. Wenn man einen guten Tag hat und konzentriert bei der Sache ist, gewinnt man …und sei es „nur“ an Erfahrung. Wenn du einen schlechten Tag nicht ausblenden kannst, schlägt der Kampfsport eben mit voller Härte zurück.

Das ist eine Entwicklung, die vielleicht so oder so ähnlich der ein oder andere Kämpfer nachvollziehen kann. Aber mit einem Blick auf die Landkarte, in Anbetracht dessen, dass das deutsche MMA-Epizentrum wohl etwas weiter westlich liegt und es nicht so viele Kämpfer aus den östlichen Bundesländern in den Top Ten gibt, bleibt die Frage: Was machst du anders?
(lacht) Naja, ich glaube so vieles anders mache ich da gar nicht. Ich hatte Glück bei mir in der Region, mit dem Shuri-Gym und meinem Trainer Henryk Kretschmar, Bedingungen zu finden, in denen ich nicht nur gut trainieren kann, sondern auch so etwas wie eine zweite Familie gefunden habe. Ich war jung und neben meiner Familie hat mein Trainer einen großen Einfluss auf mich gehabt. Ich bin dabei charakterlich sehr gereift und mit der persönlichen Bindung und alten Tugenden, wie Ehrgeiz und Disziplin hat sich dann auch sportlicher Erfolg eingestellt.

Gute Kämpfer gibt es doch aber auch in anderen Gyms. Was glaubst du, warum lassen sich dann doch regionale Unterschiede erkennen?
Ja, unbedingt. Es gibt natürlich noch viele andere gute Kämpfer, auch in den östlichen Bundesländern!
Es sind dann oft die Umstände, die es in bestimmten Regionen leichter und in anderen eben etwas schwieriger gestalten, professionellen Kampfsport zu betreiben. Wir sind zum Beispiel immer noch ein Verein und kein Unternehmen. Darüber hinaus ist das finanzielle Budget auch entscheidend. Sponsoring ist bei uns leider immer noch eine Seltenheit.

Anders als bei vielen anderen Kämpfern in den Top Ten, bist du auch bei keinem professionellen Management unter Vertrag. Dein Trainer kümmert sich in einer Doppelfunktion auch um diesen Bereich. Wäre ein separates Management nicht erfolgversprechender?
Nein. Der Vorteil ist absolutes Vertrauen. Niemand kennt mich im sportlichen Bereich so gut wie mein Trainer. Er kennt meine Stärken und Schwächen und auch meinen jeweiligen Fitnessstand. Ich bin bei Entscheidungen oft sehr emotional. Hendrik (Henryk Kretschmer, a.d.R.) kann mich dann mit dem nötigen Abstand optimal beraten.

Du sprichst von deinen Stärken und Schwächen. Worin glaubst du liegen diese?
Ich glaube ich bin mental sehr stark. Ich gebe niemals auf. Direkt im Kampf sehe ich meine Vorteile im „Infight“, in der Halbdistanz. Allerdings kann ich auch am Boden viel Druck aufbauen. Daher kämpfe ich auch gern gegen größerer Gegner, welche in meiner Gewichtsklasse keine Seltenheit sind. Schwächen habe ich natürlich auch ein paar, aber die behalte ich hier lieber für mich (lacht).

Ein Blick in deine Bilanz zeigt, dass du nur zweimal gegen Top-Ten-Kämpfer gekämpft hast. Beide mal hast du verloren. Wie erklärt sich das?
Es ist sehr schwer, Kämpfe gegen Leute aus der Rangliste zu organisieren. Die meisten versuchen da immer die Konditionen zu ihren Gunsten zu drehen. Ich kämpfe gegen jeden Gegner und taktiere dabei nicht um die eigene Bilanz. Doch es wäre mal schön, einen guten Kampf auch mit einer längeren Vorbereitungszeit als zwei Wochen, und nicht gegen einen Gegner mit Über-oder Untergewicht zu bekommen.

Gegen wen genau würdest du denn gern kämpfen aus den Top Ten, und warum?
Ich wurde in der Vergangenheit von meinen Fans schon öfter auf Dustin Stoltzfus angesprochen. Ich glaube, das wäre ein guter Kampf. Unter fairen Bedingungen kann ich ihn jederzeit schlagen. Sein Stil ist mir dabei völlig egal. Ich weiß was ich kann und das ist genug.

Du sprichst dabei vom aktuellen Mittelgewichtschampion von We Love MMA, was sehr schön überleitet zu deinem aktuell geplanten Kampf am 2. Juni bei We Love MMA 40 in Oberhausen. Du wirst dann Sebastian Baron gegenüberstehen, einem sehr erfahrenen und technisch versierten Kämpfer. Was erwartest du von dem Kampf und glaubst du, ein Sieg bringt dich weiter in die Nähe eines Titelkampfes gegen Dustin?
Wie du schon sagst, Sebastian ist wirklich sehr erfahren und technisch unglaublich vielseitig. Aber es gibt auch Lücken in seinem Set und ohne jetzt zu viel vorab zu verraten, werde ich ihn nicht zuletzt auch durch meine physische Überlegenheit dominant schlagen. Ich plane sportlich nicht allzu weit in die Zukunft und werde Sebastian sicher nicht unterschätzen. Ihn gilt es erst mal zu schlagen. Aber natürlich werde ich mit dem Sieg auch ein deutliches Ausrufezeichen in Richtung Titelkampf setzen. Ich arbeite mich Kampf für Kampf weiter nach oben und irgendwann bleibt dann ja nur noch der Champ übrig.
Dustin, der Gürtel gehört mir!

Tim, wir sind sehr gespannt auf den Kampf und wie es dann für dich weiter geht. Vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast und weiterhin viel Erfolg. 
Sehr gerne, vielen Dank für eurer Interesse.