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Stephan Pütz vor GMC 24: Ich will beide Titel halten und verteidigen

Stephan Pütz will den zweiten Titel (Foto: Alexander Petzel-Gligorea/GNP1.de)

Am 7. März will Stephan Pütz GMC-Geschichte schreiben. Als erster Kämpfer überhaupt will er nach dem Titel im Halbschwergewicht, den er 2018 eroberte, auch den Gürtel im Schwergewicht sichern. Dabei trifft er zum zweiten Mal in seiner Karriere auf Ruben Wolf. Vor dem Titelduell stand er GNP1.de wenige Tage vor dem Titelkampf Rede und Antwort.

GNP1.de: Stephan, du kehrst nach mehrmonatiger Verletzungspause wieder in den Käfig zurück, allerdings nicht im Halbschwer-, sondern im Schwergewicht. Wieso hast du dich dazu entschlossen, in einer neuen Gewichtsklasse anzugreifen?
Stephan Pütz: Ich mag die Herausforderung. Ich habe mich dort immer gut gefühlt und hatte früher auch schon Schwergewichtskämpfe im Kickboxen. Ich will mich selbst fordern und dabei noch den zweiten Gürtel gewinnen.

In deinen letzten Kampf bist du schon am Knie verletzt in den Käfig gestiegen. Wie geht es deinem Knie mittlerweile?
Dem Knie geht es besser als je zuvor. Ich hatte immer schon leichte Knieprobleme. Es gab viele Verklebungen durch mein Krafttraining. Durch den Kreuzbandriss bin ich jetzt aber körperlich auf ein ganz neues Level gekommen. Ich konnte mich richtig auf physisches Training konzentrieren und habe in der Reha an einigen Details wie etwa Dysbalancen gearbeitet, als ich mein rechtes Bein gestärkt habe.

Kannst du die Verletzung noch einmal genau schildern?
Ich habe mir drei Wochen vor dem Kampf im Juni bei GMC das vordere Kreuzband, den Außen- und Innenmeniskus im rechten Knie gerissen. Dazu sind auch Knorpel-Fragmente abgesplittert. Mittlerweile ist aber alles wieder gut. Ich habe jetzt eine Kreuzband-Plastik und der Meniskus wurde wieder genäht. Alles ist super.

Wie war das am Anfang im Training? Hast du schnell wieder Vertrauen in dein Knie gehabt?
Ich wusste mit meinem eigenem Reha-Plan ganz genau, was ich machen kann. Ich habe schon vor der OP mit Beintraining angefangen, damit ich neue Muskulatur entwickeln und mit neuen Reizen in die Reha starten kann. Ich war da auch mit großem Ehrgeiz dahinter. Ich hatte das Schwergewicht schon vorher fest im Blick, aber das hat mich nochmal extra gepusht, die neue Herausforderung um einen neuen Titel. Das hat mir den Ansporn für eine schnelle Reha, die mentale Stärke und mehr Selbstvertrauen gegeben.

Im Kampf gegen Idris Amizhaev sah es so aus, als ob er sich, nachdem deine Verletzung offensichtlich wurde, danach etwas zurückgehalten hätte. Habt ihr nach dem Kampf darüber gesprochen?
Wir haben uns unterhalten, aber nicht explizit darüber gesprochen. Er wusste wahrscheinlich selbst nicht, was vor sich geht. Er ist nicht mit mir auf den Boden gegangen. Aber seine Kondition war nicht so gut, wie sie hätte sein sollen und mein Ziel war sowieso der Bodenkampf. Ob es jetzt die sportliche Fairness war, weiß ich nicht. Das kann man nicht sagen. Die Ellenbogen zum Hinterkopf waren es nachher definitiv nicht mehr, daher verwerfe ich die Sicht eigentlich.

Wie vollziehst du den Wechsel? Verzichtest du einfach auf die Diät oder hast du jetzt auch aktiv mehr Masse aufgebaut?
Ich habe schon immer viel Kraftsport gemacht und nach meiner Verletzung auch in der Reha. Aber mein Gewicht ist eigentlich immer fast das gleiche, ich mache einfach keinen Weight Cut vor dem Kampf.

Mit wie viel Gewicht willst du am 7. März in den Kampf gehen?
Ich werde so um die 104 oder 105 Kilogramm wiegen. Wenn Ruben genauso viel wiegt wie in seinem letzten Kampf, wird er etwa fünf Kilo schwerer sein, denke ich.

Willst du zukünftig in beiden Gewichtsklassen antreten oder richtig ins Schwergewicht aufsteigen?
Ich werde auf jeden Fall in meinem natürlichen Gewicht bleiben. Meine Genetik gibt mir einen gewissen Rahmen vor, der bis etwa 104 oder 105 Kilogramm geht. Da werde ich nie drüber kommen. Das ist daher sehr praktisch für mich, weil ich so ohne große Probleme auch ins Halbschwergewicht herunterkommen kann. Ich habe auf jeden Fall vor, beide Titel zu halten und auch aktiv zu verteidigen. Ich bin kein Fan von Inaktivität.

Wie fiel die Wahl für den Gegner um den vakanten Titel auf Ruben Wolf?
GMC hat ihn als Gegner bestimmt und ich kämpfe gegen die Gegner, die mir vorgesetzt und von GMC als Herausforderer bestimmt werden. Das war dann eben Ruben Wolf. Ich bin auch der Meinung, dass ein Champion sich keine Gegner aussuchen sollte. Derjenige, der von der Organisation als Herausforderer vorgegeben wird, soll der Gegner sein.

Andreas Kraniotakes hat vorher den Titel für vakant erklärt. Wäre dir ein Kampf gegen den amtierenden Champion lieber gewesen als ein Kampf um einen vakanten Titel?
Wie gesagt, geht es mir nur darum, den Gürtel zu holen. Wie und auf welche Art und Weise es passiert, ist für mich irrelevant. Ich will den Titel, das ist alles was zählt.

Wie hast du dich auf ihn vorbereitet? Wie willst du seiner Power entgehen?
Ich bereite mich immer gleich vor im MMA Spirit. Hier weiß ich, dass ich die beste Vorbereitung bekomme. Jeder kennt mich und mein Game. Wir arbeiten jeden Tag daran, meine Stärken weiter auszubauen und meine Schwächen abzustellen.

Du hast eingangs gesagt, dass Du durch die Reha auch physisch auf ein neues Level gelangt bist. Wie wird sich das im Kampf zeigen?
Mehr Aggression, kontrollierte Aggression und ein noch kompletteres Gesamtpaket.

Hast du euren ersten Kampf noch im Kopf oder vielleicht sogar noch einmal angesehen?
Ich habe mir den Kampf nicht noch einmal angesehen, aber ich habe jeden Kampf noch sehr genau im Kopf mit allen Details. Ich bin damals ein paar Mal geworfen worden, aber dabei hat er sich verausgabt und ich habe ihn dann mit Kniestößen gestoppt.

Glaubst du, dass das zweite Duell in eine ähnliche Richtung gehen wird?
Er wird mich nicht wieder werfen, aber das Ergebnis wird das gleiche sein, er wird wieder zerstört werden.

Als ihr 2012 zum ersten Mal gekämpft habt, hast du dein Profi-Debüt bestritten. Er hatte schon ein paar Kämpfe gemacht, aber er war damals ein Quereinsteiger aus dem Eishockey. Wie siehst du seine Entwicklung bis heute?
Ich habe mir ehrlich gesagt keine Kämpfe von ihm angesehen. Ich weiß, dass er zuletzt geboxt hat. Er hat große Nehmerfähigkeiten, ist sehr rau und bringt aus dem Eishockey das Physische und diesen gewissen Willen mit. Das werden seine größten Stärken sein. Aber ich denke, mit meinem Druck werde ich sie durchbrechen können.

Du trittst wieder am gleichen Abend an wie deine Teamkollegen. Kannst du da mental abschalten und dich auf dich selbst konzentrieren? Wäre es dir manchmal lieber, du wärst als erstes dran und könntest dich danach auf deine Kollegen konzentrieren?
Wir haben da schon Routine. Das war schon bei M-1 in Russland so mit Saba und Max. Ich war oft als letztes an der Reihe. Es spielt für mich eigentlich keine Rolle, wer zuerst und wer zuletzt kämpft, aber es gibt mir immer eine gute Energie. Wir sind sehr selbstsicher, wissen, was wir zu tun und auszuführen haben und wie der Abend ausgehen wird, wenn wir alles auch umsetzen.

Das Spirit scheint das dominierende Team bei GMC zu werden. Mit dem Schwergewichts-Titel hättet ihr dann vier mit Saba Bolaghi im Feder-, Christian Eckerlin im Mittel- und Dir als Doppel-Champion im Halbschwer- und Schwergewicht. Wer wird der nächste Spirit-Kämpfer, der einen GMC-Titel holt?
Gute Frage. Ich denke, Alexander Vertko und Anton Mor sind momentan die größten Kandidaten, sie sind auf jeden Fall auch zwei Anwärter, die physisch sehr stark und gute Kämpfer sind und die sich schnell weiterentwickeln. Von den beiden kann man auf jeden Fall einiges erwarten.

Wie sind deine weiteren Pläne und die nächsten Herausforderungen für Stephan Pütz?
Ich kämpfe nicht nur für mich selbst, ich möchte den Sport weiter nach vorne bringen. Der Sport soll mehr publik gemacht werden. Die Menschen sollen MMA besser verstehen. Wie viel harte Arbeit dahintersteckt, wie der Respekt zwischen den Kämpfern ist, was für schöne Aspekte es im Kampfsport gibt. MMA in Deutschland soll einmal den Stellenwert wie in den USA, Russland und Asien erreichen. Das geht hierzulande natürlich etwas langsamer voran, aber mit GMC, ran Fighting und auch GNP sind wir auf einem guten Weg. Es ist wichtig, dass man viel Aufklärung betreibt und ein gutes Aushängeschild für den Sport wird.

Willst du noch einmal ins Ausland?
Ich bin noch jung, es ist alles möglich. Aber ich konzentriere mich jetzt erst einmal darauf, den zweiten Titel zu gewinnen, beide zu halten und den MMA-Sport weiter nach vorne zu bringen.

Das Interview führte Alexander Petzel-Gligorea

GMC 24 findet am 7. März im Münchener Audi Dome statt. Tickets für die Veranstaltung bekommt ihr hier. Die Veranstaltung wird zudem auf ranFighting.de übertragen.