MMA Deutschland

Rany Saadeh: „Was soll die Welt von uns denken, wenn wir unsere eigenen Kämpfer ausbuhen?“

Fokussiert sich auf den nächsten Kampf: Rany Saadeh (Foto: Alexander Petzel-Gligorea/GNP1.de)

Am Samstag setzt BAMMA-Champion Rany Saadeh seinen Gürtel im Fliegengewicht zum zweiten Mal aufs Spiel setzen. Dabei steht er Andy Young gegenüber. Im Vorfeld hat der Berliner mit GNP1.de über die UFC in Hamburg, seine Vorbereitung und mehr gesprochen.

BAMMA 26 findet am Samstag, 10. September in Dublin statt. Fans können die Veranstaltung ab 18 Uhr über den Youtube-Kanal von BAMMA live verfolgen.

GNP1.de: Am Samstag steht der Titelkampf gegen Andy Young an. Wie lief die Vorbereitung und wie läuft der Weight-Cut?
Rany Saadeh: Ich fühle mich super. Fühlt sich fast schon an, als würde ich etwas falsch machen, weil alles nach Plan läuft. Mein Gewicht ist gerade sehr hoch, aber meine Kalkulationen gehen auf und ich bin optimistisch.

Du warst zuletzt in Thailand, was hat Dir dieses Camp gebracht? Was können wir Neues erwarten?
Staphylokokken hat es gebracht. Abgesehen davon hatten wir eine Menge Spaß. Das Camp war für mich eher Erholung, kein übliches Trainingscamp, jedoch haben wir trotzdem jeden Tag trainiert. Urlaub ohne Training ist schwer für mich. Ich hatte außerdem die Chance mit meinem Muay-Thai-Coach Wan Mai zu trainieren. Wir kennen uns seit 5 Jahren und sein Coaching passt perfekt zu mir. Ich würde mir wünschen, mehrere Monate bei ihm zu trainieren um endlich mein Muay-Thai-Debüt geben zu können.

Bis dahin bleibt es aber noch beim MMA-Käfig. Ursprünglich hätte die Veranstaltung schon im Juni stattfinden sollen. Aufgrund neuer medizinischer Vorgaben der Kommission in Irland findet dein Kampf erst jetzt statt.  Bist Du froh um die zusätzliche Vorbereitungszeit oder hättest Du lieber früher gekämpft?
Die Neuansetzung war in dem Moment natürlich schlecht. Man strukturiert sein Leben so, dass man optimal auf diesen einen Tag hintrainiert. Im Endeffekt hat es mir jedoch die Chance gegeben, meine Vorbereitung neu zu strukturieren, aus Fehlern zu lernen, und es besser zu machen. Ich bin mit meinem jetzigen Leistungsstand sehr zufrieden und freue mich auf meine Performance.

Kommen wir zu deinem Gegner. Du bist selbst eines der Top-Fliegengewichte Europas, Andy Young ein international unbeschriebenes Blatt. Wie viel bringt Dir da ein Sieg im internationalen Vergleich?
Auf dem Papier sieht mein Gegner schlecht aus, aber er ist viel besser als seine Bilanz. Er wird in Großbritannien hoch gehandelt und hat zuletzt einen Freund von mir, den ich für sehr gut halte, geschlagen. BAMMA wird sich schon etwas dabei gedacht haben, ihn als Herausforderer ins Rennen zu schicken. Ich denke, dass ich meine Anerkennung schon durch die Siege über meine letzten Gegner verdient habe.

Wo siehst Du die Stärken und Schwächen von ihm? Wo kann er Dir gefährlich werden?
Er sieht aus wie ein Striker, der trotzdem viele Lücken im Stand hat. Es gibt nichts, was mich an ihm beeindruckt. Ich unterschätze niemanden, ich respektiere jeden und ich dominiere sie. Wenn ich meinen Fokus den Kampf über halten kann, sollte ich in jedem Bereich überlegen sein.

Hast Du eine Prognose?
Ich habe im Gefühl, ihn durch Leber-KO zu finishen.

Wie sieht es danach aus? Gibt es bei BAMMA nach Young überhaupt noch Gegner für Dich? Chris Miah, gegen du ja schon öfter antreten solltest, hat mittlerweile ja auch seine Titelchance verspielt.
Nein, es gibt gerade keinen mehr. Erinnert mich bisschen an die Zeit als Kind, als ich Super Mario durchgespielt habe und ein neues Spiel haben wollte.

Da liegt ein Schritt zu einer größeren Organisation nahe. Die UFC zum Beispiel, die derzeit mit einer TUF-Staffel sogar Herausforderer auf Demetrious Johnsons Titel in Deiner Gewichtsklasse sucht. Hat sie bei Dir für die Staffel angefragt?
Die UFC hat angefragt, jedoch konnte ich aus Vertragsgründen nicht teilnehmen. Die verschiedenen Organisationen scheinen in der Staffel selbst auch große Aufmerksamkeit zu bekommen. Wenn BAMMA sich dagegen entscheidet, dann muss ich damit leben.

Also erstmal noch kein Schritt dahin. Wie war es für Dich, bei der UFC Fight Night in Hamburg vergangenen Samstag nur zuzuschauen?
Ich hätte ich da gerne gekämpft, klar. Aber am Ende ist es mir egal. Las Vegas und andere große internationale Kämpfe sind das Ziel. Ich bin auf dem Weg dahin, seit neun Jahren arbeite ich daran. Je länger die UFC wartet, desto stärker werde ich dort auftauchen.

Anfang der Woche hast Du auf Twitter geschrieben, dass du der Welt zeigen willst, dass Deutsche kämpfen können. War das eine Reaktion auf die Leistungen der deutschen Vertreter in Hamburg?
Ich fand die Leistung der Jungs nicht schlecht, aber irgendwie scheint jeder unzufrieden zu sein. Es kommt mir bei manchen deutschen Kämpfern nicht so vor, als ob sie dort wirklich kämpfen wollen. Wenn das deutsche Publikum seine eigenen Kämpfer ausbuht, wie soll dann die restliche Kampfsportwelt von uns denken?

Trotz dessen gab es eine volle Halle und keine deutsche Niederlage. Kann das die Initialzündung zu einem MMA-Boom in Deutschland sein?
Auf den Boom warte ich schon seit der ersten UFC-Veranstaltung in Deutschland. Mir ist nur wichtig, dass es voranschreitet und das tut es. Ich bin gerade in Irland und habe erfahren, dass es hier auch keinen richtigen Boom des Sports gab. Was jedoch geboomt hat, war Conor McGregor. Unser Zugpferd muss sich erst noch etablieren.

Bei unserem letzten Interview hast Du gesagt, dass es dein Ziel sei, kämpfend die Welt zu entdecken. Wie lange bleibst Du noch bei BAMMA? Und wie sieht deine Zukunftsplanung aus?
Bisher sehe ich mich erstmal Andy Young ausknocken. Die Zukunft danach besteht aus einer Woche Eiscreme und Hamburgern. Wann und wo ich danach kämpfe ist unklar. Ich habe ein kleines eigenes Projekt am Laufen und schreibe ein Buch zum Thema Ernährung. Meinen Uni-Abschluss will ich auch beenden. Allerdings würde ich für einen guten Kampf alles zur Seite schieben.

Vielen Dank Rany und viel Erfolg am Samstag.
Danke an alle meine Supporter! Ich werde alles dafür tun, euch stolz zu machen.