MMA Deutschland

Maiez Schams über die WGL, Titel und die Zukunft

Maiez Schams (Foto: Florian Ziegler)

Vor wenigen Tagen fand in Karlsruhe die vierte Ausgabe der Battle Of Gladiators statt. Die gemischte Veranstaltung bot Fans neben diversen Box- und MMA-Kämpfen auch den letzten Kampf in der Karriere von Marcus Fuckner. Zudem sicherte sich der junge Karlsruher Maiez Schams den Continental-Titel nach "World Gladiators League"-Regelwerk. Groundandpound.de hat mit dem Champion gesprochen.

Groundandpound.de: Maiez, viele Fans draußen kennen Dich noch gar nicht, bitte stell Dich unseren Lesern einmal vor.
Maiez Schams: Ich bedanke mich erst mal für das Interview. Also mein Name ist Maiez Schams, ich bin 25 Jahre alt und lebe seit 1996 in Karlsruhe, genauer gesagt in Pfinztal. Geboren bin ich eigentlich in Afghanistan. Als sich die Lage in Afghanistan verschlimmerte, flüchteten meine Familie und ich zunächst einmal in die Türkei. Nach vier Jahren reisten wir dann 1996 nach Deutschland weiter. Im Moment mache ich ein BA-Studium an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken.

Wie bist Du zum MMA gekommen?
Mit 18 Jahren begann ich mit dem klassischen Kickboxen ohne Lowkicks. Später nahm ich an einigen Turnieren teil. Mit 22 bekam ich dann immer mehr Interesse am MMA und hatte vor einem Jahr, am 11. Mai 2013 gegen Jasmin Paocic meinen ersten MMA-Kampf auf der Battle of Gladiators 3, den ich nach 29 Sekunden durch Submission gewinnen konnte.

Du hast bei der letzten Battle Of Gladiators Dino Cavrk nach 32 Sekunden getappt. Beschreib uns doch einmal bitte den Kampfverlauf.
Kurz nachdem der Ringrichter den Kampf eröffnete, teilte ich schon die ersten zwei Lowkicks aus, die Dino ohne weiteres einsteckte. Ich merkte schnell, dass einer seiner Schwachpunkte darin lag, die Lowkicks abzublocken. Kurz darauf verpasste ich ihm auch schon den dritten Lowkick und der saß perfekt, so perfekt, dass ich ihm den Schmerz im Gesicht ansah. In diesem Moment habe ich sofort die Gelegenheit genutzt, ihn mit Schlägen und Tritten zu einem K.o. zu zwingen. Als ich an ihm dran war, habe ich seinen Nacken gepackt und einen Guillotine Choke im Stand angesetzt. Der Griff saß gut, aber erst, als wir auf dem Boden landeten, gab er auf. Meine Freude nach seiner Aufgabe war sehr groß. Und als mir dann Jürgen Lutz [Präsident der World Gladiators League, Anm. d. Red.] noch den Gürtel überreichte war ich sehr stolz.

War das auch Dein Gameplan, den Gegner schnell zur Aufgabe zu bringen?
Natürlich bevorzuge ich immer, den Kampf von der ersten Sekunde an unter meine Kontrolle zu bringen. Um ehrlich zu sein, ist mir ein sauberer und fairer Kampf sehr wichtig. Damit meine ich saubere Schläge und klare Treffer. In diesem Fall aber wollte ich es frühzeitig beenden, nachdem ich das beim Wiegen bereits angekündigt hatte.

Ursprünglich hättest du ja gegen einen anderen Gegner antreten sollen. Wie war das für Dich, so kurzfristig umzuplanen?
Ja, zwei Tage vor dem Kampf erfuhr ich, dass ich gegen einen anderen Gegner antreten sollte als ursprünglich vorgesehen. Das bedeutete für mich im Ring, auf alles gefasst zu sein, denn zuvor hatte ich meinen neuen Gegner nur einen Tag vor dem Kampf beim Wiegen getroffen.

Wie hast Du Dich auf diesen Kampf vorbereitet?
Ich bin ständig am trainieren. Selbst wenn ich an der Hochschule in Saarbrücken bin, besuche ich dort mögliche Gelegenheiten zum Trainieren. Für diesen Kampf hatte ich aber nur zwei Wochen Vorbereitungszeit. Ich war in meinem Hotelzimmer in Saarbrücken, als mich WGL-CEO Rainer Gottwald anrief und mir die Chance gab, um einen Titel zu kämpfen. Da konnte ich natürlich nicht nein sagen. Diese zwei Wochen waren sehr anstrengend, ich musste gleichzeitig noch 6 Kilogramm abnehmen. Speziell auf den Gegner konnte ich mich ja nicht vorbereiten, denn am Ende war es ja ein anderer Gegner als gedacht. Aber egal, ich habe das Beste aus den zwei Wochen rausgeholt.

Wer macht Dich für Deine Kämpfe fit?
Normalerweise hätte ich mich im Karlsruher Bulldog Gym mit Frank Becker vorbereitet, aber da Markus Fuckner seinen 100. und letzten Kampf hatte, blieb wenig Zeit für mich. Gemeinsam mit Philipp Hochreiter konnte ich das Boxen und die Ausdauer trainieren. Bernd Hergesheimer nahm mich an die Pratzen und mit Lavdim Ramaj, den ich eine Woche vor dem Kampf kennengelernt hatte, verfeinerte ich meine Bodentechniken. Zu guter Letzt besuchte ich noch ein paar Mal das Ausdauertraining von Ruven Zaburov. Da wir gerade an dieser Stelle sind möchte ich mich nochmals bei denen bedanken, die sich die Zeit genommen haben, mich bestens mental und körperlich für diesen Kampf fit zu bekommen.

Ist Dein Plan jetzt, dauerhaft MMA zu kämpfen oder willst Du auch weiterhin Kämpfe im Kickboxen machen?
Ich werde mich in Zukunft auf MMA konzentrieren, denn ich habe mir klare Ziele gesetzt. Es macht mir großen Spaß, neue Techniken im Bereich Grappling und BJJ kennenzulernen und sie dann auch gezielt einzusetzen. Aber ich bin sehr flexibel in dieser Hinsicht. Es macht mir nichts aus, auch mal K-1 zu kämpfen, aber ich kann auf keinen Fall dauerhaft auf MMA verzichten.

Kaum die Karriere begonnen und gleich ein erster Gürtel bei der World Gladiator League. Was bedeutet Dir dieser Titel?
Dieser Titel bedeutet mir sehr viel und ich bin Rainer Gottwald sehr dankbar für diese Chance. Ich möchte mit meiner Karriere vorwärts kommen und dieser Titel gibt mir die nötige Motivation, weiterhin am Ball zu bleiben um Schritt für Schritt an das nächste Ziel zu kommen. Was ich mit diesem Titel und hoffentlich mit den nächsten Titel erreichen möchte, ist die Aufmerksamkeit der Menschen in Afghanistan zu erlangen, Ihnen ein Stück Hoffnung zu geben und somit auch zu zeigen, dass wir Afghanen, die in Europa leben, immer an sie denken werden. Damit möchte ich zeigen, dass man mit Sport viel mehr erreichen kann als mit Waffen. Es ist mir eine große Ehre, sowohl Afghanistan als auch Deutschland im Ring zu repräsentieren.

Das Regelwerk der WGL ist ja ein wenig anders als bei anderen MMA-Events (Nachzulesen hier: WGL-Regelwerk). Inwieweit beeinflusst das Deine Vorbereitung auf einen Kampf?
Das beeinflusst mein Training überhaupt nicht, denn ich trainiere MMA und sobald ich in den Ring steige und nach WGL-Regeln kämpfen muss, lasse ich die Sachen weg, die nicht erlaubt sind. Ich meine, das ist eben eine Disziplin für sich. Bis auf das Schlagen auf dem Boden ist alles andere erlaubt.

Glaubst Du, dass die World Gladiator League mit diesem Konzept in Deutschland Erfolg haben kann?
Absolut ja. Bisher waren alle Veranstaltungen sehr gut besucht und die Kämpfer wurden bestens versorgt. Die World Gladiators League hat starke Partner als Sponsoren, die das Ganze auch ermöglichen. Ich meine, die letzte Battle fand in der Europahalle mit ca. 2500 Zuschauern statt und ich wüsste nicht, ob es auch ohne das Konzept der WGL möglich wäre, so etwas Großes in kurzer Zeit auf die Beine zu stellen und die Sponsoren für sich zu gewinnen. Wenn Jürgen Lutz, der schon einige berühmte Kämpfer im Bulldog Gym Karlsruhe geschmiedet hat, auf Rainer Gottwald trifft und sie gemeinsam an einem Projekt arbeiten, kann sich das Ergebnis auch sehen lassen. Die nächste WGL ist schon am 07.06.14 in Dachau. Dort wird unter anderem Senad Hadzic um den Weltmeisterschaftstitel bis 120 kg kämpfen. Auf diesen Kampf bin ich sehr gespannt, denn schon auf der Battle Of Gladiators 3 machte Senad Hadzic eine gute Figur.

Markus Fuckner hat bei der Battle Of Gladiators seinen 100. und damit letzten Kampf in seiner Karriere bestritten. Bedeutet Dir das etwas, dass Du diesen Moment miterleben konntest?
Ja natürlich. Denn es war sein letzter und 100. Kampf und bei mir fängt das ganze erst an. Sowas wird dann schon immer in Erinnerung bleiben. Am Tag von Fuckners letztem Kampf meinen ersten Titel bekommen zu haben. Das motiviert einen. Außerdem habe ich vor meinem Kampf in der Kabine noch ein paar Tipps und Tricks vom Weltmeister persönlich bekommen.

Wann sehen wir Dich das nächste Mal im Ring und wann wird Dein Gürtel verteidigt?
Ich werde auf jeden Fall bei der nächsten Battle of Gladiators in Karlsruhe am 27. Dezember dabei sein. Ob ich den Titel verteidigen muss oder dann schon um den Intercontinental-Titel kämpfen darf, kann ich jetzt noch nicht sagen.

Danke für das Interview. Die letzten Worte gehören natürlich Dir.
Ich möchte mich auf diesem Weg noch einmal herzlich bei meiner Familie, meinen Trainern, Freunden und Fans, die mich unterstützt haben, immer noch unterstützen und mir das alles ermöglicht haben, bedanken. Ganz besonders würde ich mich freuen, Euch alle bei einem meiner Kämpfe willkommen zu heißen. Das bleibt nicht mein letzter Titel gewesen sein, mit Unterstützung meiner Fans werde ich mir noch mehr Titel holen. Abschließend noch ein großes Dankeschön an Groundandpound.de für das Interview.

 

Maiez Schams nach dem Titelgewinn bei Battle Of Gladiators (Foto: Viktor Bräutigam)