MMA Deutschland

Kallenbach gewinnt Europameisterschaft, Feucht und Henze mit Siegen

John Kallenbach war siegreich. (Foto: Dorian Szücs)

John Kallenbach ist der neue Europameister der WFCA in der Gewichtsklasse bis 76,2 Kilogramm. Zwei harte Treffer zur Leber seines Kontrahenten Mark Casserly haben ihm den Gürtel am Samstagabend bei der 8. La Familia Fightnight in Halle an der Saale eingebracht.

Kallenbach zeigte sich zu Beginn als der aktivere Kämpfer, arbeitete viel mit langen Händen und Knien. Mit einem Knie erwischte er Casserly nach der Hälfte der ersten Runde an der Leber. Der Ire ging runter und wurde angezählt, kam jedoch schnell wieder auf die Beine und lieferte sich mit Kallenbach bis zum Rundenende einen taktischen Schlagabtausch.

Ab der zweiten Runde bewegte sich Casserly dann deutlich besser durch den Ring. Kallenbach marschierte stets nach vorne, Casserly konnte jedoch viele Angriffe meiden und selbst gute Treffer landen. Vor allem mit Geraden und knackigen Front Kicks machte er Kallenbach das Leben schwer.

Im vierten Durchgang packte Kallenbach dann erneut ein präzises Knie zur Leber aus. Casserly musste zum zweiten Mal angezählt werden, konnte nach einer kurzen Verschnaufpause aber weiterkämpfen und gab bis zum Schluss noch einmal alles. Der Sieg war aber nicht mehr drin.

Nach fünf hart umkämpften Runden wurde John Kallenbach zum Sieger erklärt. Nach dem Gewinn der ISKA-Weltmeisterschaft Anfang des Jahres wandert somit der nächste Gürtel zu dem Kämpfer aus Pößneck.

Timo Feucht mit dem Guillotine Choke.

Die aktuelle Nummer zwei der German Top Ten im Halbschwergewicht – Timo „Teddy“ Feucht – stieg im Co-Hauptkampf der Veranstaltung gegen den Tschechen Vita Mrakota in den Ring. Nach kurzer Zeit im Clinch konnte Mrakota den Kampf zu Boden verlagern, Feucht kam aber schnell wieder auf die Beine. Im Stand landeten beide wieder im Clinch, diesmal wollte Mrakota den Leipziger aber hochheben und per Slam auf die Matte befördern. Feucht setzte in der Luft jedoch einen Guillotine Choke an und zog diesen beim Aufprall fest. Mrakota blieb nichts anderes übrig, als abzuklopfen. 

Ex-UFC-Kämpfer Marcin Bandel hätte eigentlich auf Vincent del Guerra treffen sollen. Der verletzte sich jedoch kurz vor der Veranstaltung und wurde nach langer Gegnersuche von dem im MMA eher unerfahren Niederländer Amir Sheikh Hossein ersetzt. Hossein ist ein starker Judoka, was er im Kampf auch mit zwei erfolgreichen Würfen gut unter Beweis stellte. Dass mit Submission-Spezialist Bandel aber nicht unbedingt der Bodenkampf gesucht werden sollte, bekam Hossein kurze Zeit später zu spüren. Nach dem zweiten Wurf schnappte sich Bandel das Bein seines Gegners, setzte einen Heel Hook an und zwang ihn zur Aufgabe.

Unglücklich verlief das Comeback von Christopher „Joker“ Henze, der auf den Italiener Marco Manara traf. Henze drängte seinen Gegner zeitig in die Ringecke und bombardierte ihn dort mit Schlägen. Immer wieder schlugen seine Fäuste ein, sodass Manara sogar kurzzeitig zu Boden ging. Der Leipziger war im Stand klar überlegen und es schien für ihn alles wie geschmiert zu laufen. Dann bekam er während eines Schlagabtauschs aber einen Finger ins Auge - so schlimm, dass er nicht weiterkämpfen konnte. Die Begegnung war somit nach knapp zweieinhalb Minuten gelaufen. Der Ringrichter erklärte Henze anschließend zum Sieger durch Disqualifikation, obwohl bei Manara bei der verbotenen Aktion nicht unbedingt eine Absicht zu erkennen war. 

Den Kampf des Abends lieferten sich Leo Bönniger und Florian Sulejmani. Sulejmani gab zu Beginn ordentlich Gas, feuerte Bönniger Schläge sowie zahlreiche Push- und Drehkicks um die Ohren. Verschnaufpausen gab es für Bönniger in der ersten Runde nur aufgrund von zwei Tritten unter die Gürtellinie, die er während Sulejmanis Angriffswelle einstecken musste. Im zweiten Durchgang musste Sulejmani dann ein wenig das Tempo herausnehmen. Bönniger marschierte nun selbst nach vorne und wurde deutlich aktiver. Mit einer krachenden Rechten schickte er Sulejmani schwer zu Boden. Der Kämpfer vom Fightclub Solching kam wieder auf die Beine, musste bis zum Rundenende aber viele weitere Fäuste einstecken. In der dritten Runde konnte Sulejmani ebenfalls kaum Gegenwehr leisten, während Bönniger aus allen Rohren feuerte. Mit einem Körpertreffer schickte er Sulejmani erneut zu Boden. Wenig später sackte Sulejmani im Schlaghagel erneut auf die Knie, woraufhin der Ringrichter sich für den Kampfabbruch entschied.

Theo Weiland bleibt ungeschlagen.

Der ungeschlagene Theo Weiland vom La Familia Fightclub Halle konnte seine weiße Weste gegen Kevin Schötz beibehalten. Weiland übte Druck auf seinen Gegner aus und war insgesamt aktiver als sein Kontrahent. Vor allem mit harten Kicks und Knien konnte er Punkte auf den Zetteln der Punktrichter sammeln. Nach drei Runden hatte er den Sieg am Ende in der Tasche.

Daniel Jung und Ramazan Bakis schenkten sich von Anfang an nichts. Beide lieferten sich drei Runden lang einen ansehnlichen Schlagabtausch, in dem Jung im späteren Kampfverlauf vermehrt mit Kombinationen punktete, während Bakis harte Einzelaktionen brachte. Der äußerst knappe Kampf wurde am Ende von den Punktrichtern einstimmig für Daniel Jung gewertet.

Unterhaltsam war auch das K-1-Duell zwischen Prince Kargbo und Ebrahim Hosseinpour. Letzterer legte einen deutlich besseren Start hin, doch Kargbo sollte das nicht auf sich sitzen lassen und drehte ab der zweiten Runde richtig auf. In einer wahrlichen Schlacht hämmerten sich beide knüppelharte Kicks und Schläge um die Ohren. Nach drei Runden konnten die Punktrichter keinen Sieger bestimmen. Ganz zur Freude der Zuschauer musste also eine Zusatzrunde her. Hier konnte Kargbo dann noch ein paar mehr Reserven als sein Gegner abrufen und bessere Treffer landen. Nach der vierten Runde wurde er verdient zum Sieger erklärt.

Erik Schmidt konnte gegen den Italiener Silvano Bolognani nach anderthalb Jahren Auszeit sein erfolgreiches Comeback im MMA feiern. Gleich zu Beginn fanden sich beide in einem wilden Schlagabtausch wieder, in den beide Bantamgewichte Takedowns einstreuten. Nach drei Minuten konnte Schmidt dann einen Rear-Naked Choke aus dem Hut zaubern, in dem Bolognani abklopfen musste.

Im einzigen Boxkampf des Abends stieg Viviane Kuhlmann gegen Henrietta Mathieu in den Ring. Mathieu startete gut in den Kampf, gab das Zepter dann aber allmählich an Kuhlmann ab. Kuhlmann, die eigentlich im K-1 aktiv ist, aufgrund einer Verletzung aber momentan nur boxen darf, ließ im Kampfverlauf viele harte Hände einschlagen. In der dritten Runde musste Mathieu angezählt werden. Am Punktsieg für Kuhlmann gab es daher nichts zu rütteln.                                                                 

Die Ergebnisse der Veranstaltung im Überblick: 

8. la familia Fightnight: Viva Brasil
20. Mai 2017
Erdgas Sportarena in Halle an der Saale

Europameisterschaft der WFCA (bis 76,2 kg)
John Kallenbach bes. Mark Casserly einstimmig nach Punkten

K-1
Leo Bönniger bes. Florian Sulejmani via T.K.o. in Rd. 3
Theo Weiland bes. Kevin Schötz einstimmig nach Punkten
Daniel Jung bes. Ramazan Bakis einstimmig nach Punkten
Prince Kargbo bes. Ebrahim Hosseinpour einstimmig nach Punkten (Zusatzrunde)
Tobias Menzel bes. Paul Werner einstimmig nach Punkten
Martin Bissinger bes. David Bodenstedt einstimmig nach Punkten
Henrike Graumann bes. Isabel Hardies einstimmig nach Punkten
Tizian Schülbe bes. Nino Hagen via T.K.o. nach Rd. 2

MMA
Timo Feucht bes. Vita Mrakota via Guillotine Choke in Rd. 2
Marcin Bandel bes. Amir Sheikh Hossein via Heel Hook in Rd. 1
Christopher Henze bes. 
Marco Manara durch Disqualifikation (Augenstich) in Rd. 1
Gerado Atti bes. Maximilian Hanke via T.K.o. in Rd. 2
Erik Schmidt bes. Silvano Bolognani via Rear-Naked Choke in Rd. 1

Boxen
Viviane Kuhlmann bes. 
Henrietta Mathieu einstimmig nach Punkten

Muay Thai
Mohammed Al-Maawi bes. Vladi Melnik einstimmig nach Punkten