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Ismail Cetinkaya: „Einer geht K.o. - das wird kein Kuschelkampf!“

Ismail Cetinkaya (Foto: Hajk Howhannisyan)

Für Ismail Cetinkaya wird es ernst. Am 15. März wird der 33 Jahre alte Türke aus Hamburg sein Comeback starten. Bei „La Onda – MMA Gladiators“ in Magdeburg wird der Headcoach vom Team Ismail nach fast vier Jahren Auszeit wieder die MMA-Handschuhe überstreifen und trifft dabei auf den Tschechen Olda Pospichil. Wir sprachen mit Cetinkaya vor der wohl wichtigsten Begegnung seiner Karriere.

Groundandpound.de: Wie ist es, nach nunmehr fast vier Jahren wieder ins aktive Geschehen zurückzukehren? Welche Gedanken gehen dir durch den Kopf?
Ismail Cetinkaya: Ich stehe unter sehr viel Druck, weil ich viel zu verlieren habe. Trotzdem denke ich nie an den Ausgang des Kampfes. Ich bin bereit und denke im Ring werde ich im richtigen Moment am richtigen Ort sein. Das ist meine Philosophie. Vorher Gedanken verschwenden, und „Was wäre wenn“ zu fragen - das bringt nichts. Die Natur nimmt ihren Lauf, ganz gleich welche Gedanken man sich macht. Druck ist dabei normal.

In den letzten Jahren hast du ab und an mit dem Gedanken gespielt, wieder zu kämpfen. Warum hat es nicht geklappt?
Ich habe mit vielen Verletzungen kämpfen müssen, wahrscheinlich weil ich ein hartes Training absolviere. Mein Kreuzband ist gerissen. Dann nach sechs Monaten wieder. Es war wie bei Georges St. Pierre oder Dominick Cruz. So ist das nun mal, wenn man zu früh anfängt. Der Kopf, der Wille will mehr, als der Körper kann.

Du warst abseits des Sports des Öfteren in den Medien und hast dich über soziale Ungerechtigkeit und gegen Terrorismus ausgesprochen. Wie wichtig ist dir das Thema?
Sehr wichtig. Ich bin einst selbst jung gewesen und habe viel erlebt. Ich komme aus ärmlichen Verhältnissen. Da ist es nicht einfach, erwachsen zu werden, ohne in den Dreck zu fallen. Doch das war meine Motivation, dass Jugendliche nicht dasselbe erleben wie ich. Ich sehe tagtäglich, dass es schlimmer wird und versuche meinen Teil zur Besserung beizutragen. Tausende von Menschen sterben zudem täglich an Alkohol und Drogen. Mein Verein „Schau nicht weg e.V.“ hilft bei der Prävention. Es ist ein Projekt von mir, das ich dieses Jahr wieder voll durchziehen werde. Ich sehe mich als Mensch. Das ist meine Pflicht. Solange ich gesund bin, werde ich anderen helfen. Das ist das wahre Leben für mich.

Was sagst du dazu, dass in sozialen Medien abscheuliche Taten von Terroristen glorifiziert oder verharmlost werden? Was fasziniert Jugendliche deiner Meinung nach daran?
Das sind Jugendliche, denen nicht klar ist wovon sie reden. Denen fehlt der Bezug zur Realität. Sie haben wohl zu viele Filme geguckt und nehmen das locker. Wenn sie dorthin gehen, werden sie sehen, wie schrecklich das Ganze ist und dass es absolut nicht das ist, was sie sich vorgestellt haben. Solche Menschen sind dumm und unbeholfen. Krieg ist nie schön, egal in welchem Land es stattfindet oder welches Land angreift. Unschuldige Menschen sterben dort. Kinder und Frauen, die nichts mit dem Krieg zu tun haben. Ganz gleich welche Religion oder Hautfarbe, niemand hat das Recht Leben zu nehmen. Jeder der ISIS und Co. Unterstützt, ist für mich krank.


Ismail Cetinkaya vs. Olda Pospichil

Olda Pospichil heißt dein nächster Gegner. Es gibt Gerüchte darüber, dass es böses Blut zwischen euch beiden gibt. Klär uns auf.
Ich habe ihn in Tschechien gesehen, wo er gekämpft hat. Er war frech und hat auch einige, meiner Meinung nach unschöne Äußerungen von sich gegeben. Ich habe ihn gefragt, ob er kämpfen will. Er war einverstanden. Das ist zwei Jahre her. Ich bin froh, dass mein Management das hinbekommen hat, trotzdem gab es im Vorfeld auch Probleme. Es sollte ein Kampf im Mittelgewicht (-84 kg) werden. Jetzt ist es ein Catchweight-Fight bis 90 Kilogramm. Pospichil packt es nicht. Vor 2 Wochen bot er 90 kg an, oder er würde den Kampf absagen. Ich habe zugesagt, obwohl es nicht mein Gewicht ist.

War es dir wichtig diesen Gegner für dein Comeback zu bekommen, für zusätzliche Motivation?
Ich bin ein Kämpfer. Ich kämpfe seit 2001 im MMA. Damals wussten viele nicht, was MMA überhaupt ist. Damals bin ich schon gegen Leute angetreten, die 10 Kämpfe mehr hatten oder 10 kg schwerer waren. Ich bin einer der alten Garde. Jeder, der aus der alten Schule kommt, weiß wovon ich rede. Wichtig für mich ist saubere Technik, Fairness und ein starker Wille. Es gibt nichts, was man damit nicht hinkriegt. Natürlich will ich gegen ihn kämpfen und das Gewicht ist jetzt zweitrangig. Mit Gottes Unterstützung werde ich mit den Sieg holen. Im Grunde genommen ist es egal welcher Gegner vor mir steht. Ich bin nicht der Theoretiker, der drei Jahre überlegt. Ich tauche ins Wasser ein und fließe mit. Ich reagiere darauf, was auf mich zukommt.

Mit welchem Kampfverlauf rechnest du? Was denkst du, welche Strategie wird er verfolgen?
Er ist ein Klopper und kann viel Fressen. Er verfügt aber auch über Qualitäten am Boden. Doch all das kann ich auch. Ich denke, es wird ein offensiver Kampf und schwer vorauszusehen. Einer von uns wird K.o. gehen. Das wird knallen, das wird kein Kuschelkampf, so viel kann ich schon mal versprechen.

Glaubst du, er kann dich besiegen? Oder anders gefragt, warum wirst du gewinnen?
Ganz ehrlich, jeder Kämpfer auf dieser Welt kann jeden besiegen. MMA ist Tagesform. Durch Stress oder Ablenkung kann alles passieren. Jake Shields war nicht mehr der Selbe, als sein Vater gestorben ist. Er kam nicht mehr klar in den letzten Kämpfen. Vitor Belfort, als seine Schwerster entführt, ermordet und verbrannt wurde. Er war am Ende. MMA ist Kopfsache. Mit Gottes Unterstützung hoffe ich, dass ich gewinnen werde. Ich glaube an Schicksal, ich bin ein gläubiger Mensch. Ich werde mein Bestes geben.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg bei deiner Rückkehr in Magdeburg.
Vielen Dank Groundandpound. Ich möchte mich noch bei meinem Team bedanken, das mich sehr unterstützt hat. Ich werde einen Tag vorher bei We Love MMA sein, als Coach. Ich hoffe meine Jungs kommen alle verletzungsfrei da raus. Zudem wird auch Spiegel TV vor Ort sein, bei meinem Comeback. Ich freue mich darauf. Wir sehen uns vor Ort!