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MMA - CH/AT

"Das nenne ich Kampfgeist!"

Jana Lorenz (l.) und Ania Fucz (r.) nach der Waage. (Fotos: Mike Hans (l.) & Elias Stefanescu/Groundandpound.de)

Es war der einzige Frauenkampf des Abends bei GMC 4. Jana Lorenz gegen Ania Fucz. FMMA-Supporter waren im Vorfeld begeistert, dass diese Begegnung auf großer Bühne in einem Käfig mit UFC-Maßen stattfinden konnte. Durch einen Ausfall der ursprünglich geplanten Kontrahentin für Fucz, Jannie Schmits, war der Kampf zeitweise in Gefahr, bis Lorenz mutigerweise kurzfristig einsprang.

Die Begegnung war zwar nicht das von manchen erhoffte Highlight, jedoch von Kämpferherz und Taktik geprägt - eine sprichwörtliche Materialschlacht.

Am Ende konnte die mehrfache Muay-Thai-Weltmeisterin Ania Fucz einen Punktsieg in ihrem MMA-Debüt einfahren und sich von ihren zahlreich angereisten Fans feiern lassen, die jedoch auch Lorenz mit stehenden Ovationen für die beherzte Leistung belohnten.

Wir sprachen nach den Begegnungen mit beiden Parteien – mit dem Team vom Shuri Gym via Telefoninterview, Fucz sowie Göbkes standen bei GnP-TV vor der Kamera.

„Es wurde vor dem Kampf viel geschrieben, diskutiert, genörgelt und gepöbelt“, erklärte uns Henryk Kretzschmar, Lorenz Trainer. „In allem Schlechten steckt aber auch etwas Gutes, denn mehr geht nicht an Aufmerksamkeit. Nach der Absage von Anias Gegnerin haben wir uns, nach langer Verhandlung mit dem Veranstalter, bereit erklärt das Gewichtslimit von Jana (52kg) auf 56,5kg mitzugehen. Jana musste zu- und Ania genügend abnehmen, um den Kampf Wirklichkeit werden zu lassen.“

Noch entspannt: Jana Lorenz vor dem Kampf. (Foto: Mike Hans/Groundandpound.de)

„Fast wäre der Kampf zur Regelbesprechung doch noch geplatzt, wenn wir nicht noch einmal Kompromisse gemacht hätten“, führte Kretzschmar fort. „Ich würde es technischen Fehler nennen, der von den Teams nicht verschuldet wurde. Das war für alle Beteiligten sehr nervenaufreibend. Dann war es endlich soweit: Uns war klar, dass wir auf den Boden müssen und Ania stehen bleiben will und je länger der Kampf dauern wird, wird es umso schwerer, sie zu besiegen.“

Fucz hingegen hatte sich genau das Gegenteil als Ziel gesetzt, wie sie uns erzählte: „Unser Plan war einfach nicht zum Boden zu gehen. […] Sie hat mehrere MMA-Fights, sie ist eine gute Ringerin. […] Ich bin halt eine Standup-Fighterin. […] Ich habe mich strikt an den Plan gehalten.“

„Als die erste Runde begann, hatte Jana die Marschrute abzuwarten, denn die Erwartungshaltungen durch den Heimvorteil von Ania waren riesig“, beschrieb Kretzschmar. „Also wollten wir, dass sie die Initiative ergreift, Jana sich in den Clinch arbeitet, um dann zum Wurf anzusetzen. Innensichel, Außensichel, Hüftkopfwurf, Fußfeger am Käfig, aber Ania hat mit ihrer physischen Überlegenheit alles gut neutralisiert. Respekt dafür. Das hat Jana in der ersten Runde Kraft gekostet und wir wussten, in der zweiten Runde darf Jana sich keinen Fehler erlauben. Die Devise war, nicht mitzuschlagen, sondern sich an den vorderen Fuß von Anja heranzuschieben und dann Takedown zu versuchen. Dann knallte ein Schlag an Janas Kopf. Sie ging kurz runter und schob sich wieder an ihre Gegnerin heran. Wir dachten, dass sie jetzt wirft oder um sie herum geht und dann wirft. Anstatt das zu tun, ging sie wieder ganz hoch in den Clinch und fand nie wieder in den Kampf zurück. Dann kam es wie es kommen musste. Ania konnte nach Belieben agieren, musste aber mit Jana trotzdem über die volle Distanz gehen. Glückwunsch zum Sieg Ania.“

„Um den Kampf Wirklichkeit werden zu lassen, haben die Kämpferinnen viele Entbehrungen auf sich genommen. Jana hat ihren Jahresurlaub dafür hergegeben, das Training intensiviert und 15 Trainingseinheiten pro Woche absolviert inkl. Gewichtszunahme. Sie sitzt nach diesem Fight seit Montag um 8 Uhr im Büro bei Ihrem Chef und arbeitet. Das nenne ich Kampfgeist! Meinen größten Respekt an beide Kämpferinnen!“

„Ich will auf jeden Fall MMA weitermachen“, so Fucz abschließend. „Wir haben Zeit“, so Göbkes darauf. „Warum nicht? Wir kämpfen nicht nur einmal, wir kämpfen hoffentlich zwanzig- oder dreißigmal MMA.“

Das GnP-TV Interview mit Ania Fucz und Uwe Göbkes ist anbei zu finden:

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