MMA Deutschland

GMC 8: Ayari schlägt Ex-UFCler Lebout, Engizek und Azaitar mit vorzeitigen Siegen

Jessin Ayari holte sich den Sieg im Hauptkampf. (Alle Fotos: Dorian Szücs)

Die achte Ausgabe von GMC ist Geschichte. In der prall gefüllten Europahalle in Castrop-Rauxel gingen am Samstagabend zwölf hochklassige Kämpfe mit Top-Talenten aus Deutschland und Europa über die Bühne. Im Hauptkampf der Veranstaltung bekamen die Zuschauer dabei eine Ansetzung der Extra-Klasse zu sehen. Deutschlands Top-Weltergewicht Jessin Ayari bekam es mit Ex-UFC-Kämpfer Mickael Lebout zu tun und konnte sich am Ende den größten Sieg seiner Karriere sichern.

Nach einer sehr ausgeglichenen ersten Runde, in der beide gelegentlich Einzelaktionen brachten, ergriff Mickael Lebout im zweiten Durchgang die Initiative und feuerte einen Low Kick nach dem anderen ab. Jessin Ayari erhöhte das Tempo im Stand ebenfalls und holte sich kurze Zeit später einen Double-Leg-Takedown. Lebout feuerte aus der Rückenlage etliche Ellenbogen ab, erwischte Ayari aber auch am Hinterkopf, weshalb der Ringrichter kurz dazwischen ging. Beide kamen daraufhin wieder auf die Beine und lieferten sich einen Schlagabtausch. In der letzten Runde ließen beide noch einmal die Fäuste fliegen. Ayari machte nun eine bessere Figur im Stand und konnte mit einem weiteren Takedown wichtige Punkte sammeln.

Nach drei Runden mussten die Punktrichter in diesem äußerst knappen Kampf eine Entscheidung fällen. Alle drei werteten das Duell am Ende einstimmig für Jessin Ayari, der damit den sechsten Sieg in Folge feiern kann. Noch im Käfig äußerte Ayari den Wunsch nach einem UFC-Vertrag.

Drei Punkte Abzug bei Engizek vs. Mokoyoko

Turbulent ging es im lange erwarteten Duell zwischen Kerim Engizek und Mick Mokoyoko zur Sache. Wenige Sekunden nach Kampfstart bekam Mokoyoko direkt zwei Punkte abgezogen. Der Grund: Er soll Engizek im Clinch am Käfig mit einem illegalen Kopfstoß erwischt haben. Engizek hatte bei dem Zusammenstoß tatsächlich eine lange Platzwunde überm Auge davongetragen, doch in der Wiederholung konnte man Seitens Mokoyoko keinerlei Absicht erkennen. Der doppelte Punktabzug war daher auf jeden Fall diskussionswürdig. Mokoyoko hatte nun aber einiges aufzuholen und legte direkt mit einem Takedown los. Beim Versuch wieder aufzustehen, griff Engizek mehrfach in den Käfig. Dafür bekam auch er einen Punkt abgezogen.

Kerim Engizek in Aktion

Im zweiten Durchgang lieferten sich beide dann zu Beginn einen wilden Schlagabtausch. Engizek brachte dabei ein krachendes Knie zum Kopf durch, das Mokoyoko unkontrolliert nach hinten fallen ließ. Engizek ging mit harten Schlägen und Knien zum Körper hinterher, setzte aber letztendlich einen Rear-Naked Choke an. Eine Handbewegung Mokoyokos wurde schließlich als Abklopfen gewertet. Während Engizek seinen Sieg feierte, beschwerte sich ein enttäuschter Mick Mokoyoko beim Ringrichter und beteuerte, nie abgeklopft zu haben. Das schreit nach einer Wiederholung.

Azaitar holt nächsten K.o.-Sieg, Balschmieter gewinnt Veteranen-Duell

Ottman Azaitar ist seinem Spitznamen „Bulldozer“ im Kampf gegen den kurzfristig eingesprungenen Polen Lukasz Szczerek voll und ganz gerecht geworden. Der Kölner stürmte zügig nach vorne, schlug seinen Gegner zu Boden und hämmerte sich mit harten Fäusten zum Sieg. Damit konnte der Jüngste der Azaitar-Brüder auch seinen siebenten Kampf vorzeitig für sich entscheiden.

Ottman Azaitar ließ nichts anbrennen.

Die ersten MMA-Kämpfe von Cengiz Dana und Andre Balschmieter liegen bereits über 13 Jahre zurück. Nun bekamen es die beiden deutschen MMA-Veteranen bei GMC 8 erstmals miteinander zu tun.

Der erste Durchgang fand ausschließlich im Stand statt, beide Kämpfer konnten dabei vereinzelt Aktionen anbringen. Balschmieter konnte den Kampf in der zweiten Runde dann auf die Matte verlagern und landete in der Top Position. Lange Zeit zum Arbeiten hatte er dort aber nicht, denn Dana konnte ihn sweepen und fast die komplette restliche Runde aus der Oberlage punkten. 

In der letzten Runde machte Balschmieter einen frischeren Eindruck und sammelte im Stand wichtige Punkte. Dana ließ sich zwar nicht klein kriegen und teilte selbst weiter aus, er musste aber auch häufiger Schläge einstecken und wurde am Ende auch noch einmal zu Boden gebracht. Die Punktrichter mussten schließlich eine Entscheidung fällen und die fiel einstimmig für Andre Balschmieter aus.

Baal im Kampf des Abends, Gardan versaut Boekee-Comeback

Den Kampf des Abends lieferten sich Anatolij Baal und Abeku Afful. Die Begegnung startete mit einer längeren Abtastphase, nach der Baal als erster die Initiative ergriff und nach vorne stürmte. Afful stoppte den angreifenden Baal mit einem Konterschlag und schickte ihn auf die Matte. Baal kam wieder hoch, wurde jedoch kurz darauf von einem Highkick schwer getroffen - Afful feuerte gegen den 23-Jährigen im Clinch nun Knie und Ellenbogen ab. Baal hielt durch und konnte kurze Zeit später wieder Distanz zu seinem Gegner aufbauen und ließ es schließlich selbst knallen. Mit einer krachenden Rechten ans Kinn schickte er Afful auf die Bretter. Baal ging mit Schlägen hinterher, bis der Ringrichter das Duell schließlich abbrach.

Eine harte Nacht sollte es für Ben Boekee werden. Der frühere Respect.FC-Champion, der bereits vor Jahren einen UFC-Vertrag auf dem Tisch liegen hatte, diesen aber aufgrund von Streitigkeiten mit seinem Team nicht wahrnehmen konnte, kehrte bei GMC 8 nach einer fünf Jahre langen Pause in den Käfig zurück. Florin Gardan zeigte ihm aber schnell seine Grenzen auf.

Florin Gardan zeigte sich überaus dominant

Gleich mit der ersten Aktion verpasste Gardan dem Rückkehrer einen präzisen Spinning Back Kick, der seine Spuren hinterließ. Gardan konnte im Stand etliche Treffer ins Ziel bringen und den Kampf auch am Boden stets nach seinem Willen führen. Boekee versuchte im Stand dagegenzuhalten, wurde aber immer wieder ausgekontert. Auf Boeekes Takedowns folgte nach wenigen Sekunden stets der Sweep. Boekee wurde 15 Minuten lang in allen Belangen dominiert. Die Punktrichter hatten daher leichtes Spiel und werteten das Duell einstimmig für den Kämpfer vom Team Kiboju Mannheim.

Das Duell zwischen Mohamed Grabinski und Ehsan Molaei war erst knapp eine Woche vor der Veranstaltung zustande gekommen. Molaei - von vielen bereits im Vorfeld abgeschrieben - hielt dabei gut mit und machte es Grabinski alles andere als einfach.

Grabinski verlagerte den Kampf nach einem Schlagabtausch auf den Boden, musste in der North-South-Position dann aber ein illegales Knie einstecken. Nach einer kurzen Pause ging es weiter. Grabinski erarbeitete sich die Full Mount, doch Molaei konnte sich befreien und dem Kämpfer vom Pride Gym Düsseldorf bis zum Rundenende mit Ground and Pound zusetzen. Im zweiten Durchgang holte sich Grabinski nach einem wilden Brawl einen Takedown. Kurze Zeit später konnte er den Rücken seines Gegners erklimmen und einen Rear-Naked Choke ansetzen. Grabinski setzte den Griff mehrfach neu an, bis er schließlich saß und Molaei zum Abklopfen zwang.

Jonny Kruschinske konnte sich im Duell der Kultkämpfer gegen Sebastian Baron zu Beginn einen Takedown sichern, wurde dann aber am Käfig gesweept und mit Schlägen und Ellenbogen angegriffen. Kruschinske kam wieder hoch und beide kämpften im Stand weiter. Während sich Kruschinske vorwiegend auf seine Overhand verließ, griff Baron mit variablen Schlägen aus allen Richtungen an. Baron schien das Ruder allmählich in die Hand zu nehmen. In der Rundenpause dann aber die ernüchternde Nachricht: Baron konnte aufgrund einer Verletzung an der Hand nicht weitermachen.

Patrick Vallee und Kamil Lipski arbeiteten zu Beginn vorwiegend bedacht mit Einzelaktionen. Valle sorgte gegen Ende der Runde mit einem hohen Slam für Begeisterung. Im zweiten Durchgang flogen wieder die Fäuste, bis Vallee mit einer Rechten den ersten Knockdown landen konnte. Lipski erholte sich zwar wieder, zeigte sich im weiteren Verlauf aber offener für Konter. In der dritten Runde krachte es dann so richtig. Mit einem harten Uppercut knipste Vallee seinem Gegner komplett die Lichter aus. Ohne Frage der beste Knockout des Abends!

Im Kampf zwischen Aitek Emadi und Alice Ardelean wurde schnell klar, wer im Stand das Sagen hatte. Immer wieder konnte Ardelean die Kölnerin auskontern und mit präzisen Schlägen treffen. Ein erster Takedown-Versuch Emadis ging nach hinten los und resultierte darin, dass Ardelean die am Boden liegende Emadi mit Low Kicks angreifen konnte.  

In der zweiten und dritten Runde konnte Emadi den Standkampf dann weitestgehend mit Takedowns meiden und die Rumänin aus der Oberlage dominieren. Emadi setzte immer wieder Submissions an und blieb somit am Boden stets aktiv. Am Ende hatten die Punktrichter die Kölnerin einstimmig vorne.

Said Eidi lieferte von Anfang an eine unterhaltsame Show im Stand ab, versuchte Sami Aita mit wilden Handbewegungen zu täuschen. Aita hatte sichtlich Probleme, an den größeren Eidi heranzukommen. Und so konnte Eidi vor allem in der ersten Kampfhälfte den Kampfverlauf bestimmen. Aita fand im weiteren Verlauf zwar immer häufiger selbst das Ziel, insgesamt war es jedoch Eidi, der die besseren Treffer landete. Dies belohnten die Punktrichter am Ende mit einem einstimmigen Punktsieg.

Moez Schams und Ali Azizi eröffneten die Veranstaltung und lieferten sich zunächst einen abwechslungsreichen Kampf im Stand. Schams fand mit seinen Low Kicks zunehmend das Ziel und schickte Azizi mit einem harten Tritt zum Bein sogar zu Boden. Mit Schlägen ging er hinterher, Azizi verteidigte sich nicht mehr effektiv und wurde aus dem Kampf genommen. 

GNP1 Fight Night Awards

Kampf des Abends: Anatolij Baal vs. Abeku Afful
K.o. des Abends: Patrick Vallee bes. Kamil Lipski via K.o. 
Aufgabegriff des Abends: Mohamed Grabinski bes. Ehsan Molaei via Rear-Naked Choke

Die Ergebnisse der Veranstaltung im Überblick:

GMC 8
16. April 2016
Europahalle, Castrop-Rauxel

Jessin Ayari bes. Mickael Lebouteinstimmig nach Punkten
Kerim Engizek vs. Mick Mokoyoko via Rear-Naked Choke in Rd. 2
Ottman Azaitar bes. Lukasz Szczerek via T.K.o. (Schläge) in Rd. 1
Andre Balschmieter bes. Cengiz Dana einstimmig nach Punkten
Anatolij Baal bes. Abeku Afful via T.K.o. (Schläge) in Rd. 1
Florin Gardan bes. Ben Boekee einstimmig nach Punkten
Mohamed Grabinski bes. Ehsan Molaei via Rear-Naked Choke in Rd. 2
Jonny Kruschinske bes. Sebastian Baron via T.K.o. (Verletzung) nach 5:00 in Rd. 1
Patrick Vallee bes. Kamil Lipski via K.o. (Schlag) in Rd. 3
Aitek Emadi bes. Alice Ardelean einstimmig nach Punkten
Said Eidi bes. Sami Aita einstimmig nach Punkten
Moez Schams bes. Ali Azizi via T.K.o. (Schläge) in Rd. 1

Wer sich die Veranstaltung anschauen will, kann dies über ran FIGHTING tun. Als erste deutsche MMA-Veranstaltung überhaupt wird GMC 8 am Mittwoch, den 20. April ab 20 Uhr auf dem 24/7 Channel des Onlinesenders ausgestrahlt. Zum Schauen ist ein "Black Pass"-Abo notwendig, das 3,99€ pro Monat kostet und jederzeit gekündigt werden kann.