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Interviews

Jonas Billstein Exklusiv-Interview

Jonas Billstein nach seinem Titelgewinn. (Foto von Valentino Kerkhof/sportmma.eu)

Er ist erst 19 Jahre jung, aber mittlerweile gehört Jonas Billstein zu den besten Kämpfern Deutschlands. Am vergangenen Wochenende gewann er nach einem harten Duell gegen Mathias Schuck den Europatitel im Halbschwergewicht. Wir sprachen mit dem unbesiegten Kölner über den Kampf, sein Training und vieles mehr.

Hallo Jonas! Zuerst einmal herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des GMC Europatitels im Halbschwergewicht!

Hallo zusammen und danke für die Glückwünsche.

Billstein teilt gegen Schuck aus. (Foto von Uwe Tersek/youte.info)Mit Mathias Schuck hattest Du einen ehemaligen Bundesligaringer als Gegner. Wie wirkte sich dies auf Deine Trainingsvorbereitung aus?
Natürlich habe ich versucht, mich in meiner Vorbereitung an das, was ich von Mathias schon gesehen hatte, bestmöglich anzupassen. Ich bin deshalb viel nach Neuss gefahren, um unter Max Schwindt im KSK-Neuss weiter an meinem Ringen zu arbeiten. Dort waren für mich ideale Trainingsbedingungen. Die Jungs sind allesamt Top-Ringer und haben mich voll unterstützt. Im Combat Club habe ich weiter mein Standup und Bodenspiel verbessert. Für den Kampf selber hatte ich keine klare Taktik. Ich wollte einfach seine Takedowns verhindern um ihm die Möglichkeit zu nehmen, wie gewohnt entscheiden zu können, ob im Stand oder auf dem Boden gekämpft wird.

Mathias lobte im GnP-TV Interview Deine enormen Kampfqualitäten und betonte, dass er Dich einfach nicht auf dem Boden halten konnte. War dies der Schlüssel zum Sieg, dass Du den Kampf im Stand-Up halten konntest?
Ich habe schon drüber nachgedacht, wie der Kampf am Boden wohl verlaufen wäre, aber kann von der kurzen Bodenphase nicht darauf schließen, wie es über längere Zeit abgelaufen wäre. Ich würde auf keinen Fall sagen, dass ich nur im Stand hätte gewinnen können, immerhin habe ich im Bodenkampf wesentlich mehr Erfahrung als im Stand.  Fest steht: Für mich war es eine völlig neue und wichtige Erfahrung. über längere Zeit im Stand zu kämpfen. Zudem war Mathias' Stand-Up um Längen besser als in seinen vorherigen Kämpfen. Und es war deshalb wie gesagt ein besonders wertvoller Kampf für mich, in dem ich viel Neues gelernt habe.

Wie zufrieden bist Du mit Deiner Leistung?
Mathias war wirklich ein harter Gegner und gegen ihn zu gewinnen war mir von Anfang an sehr wichtig. Demzufolge bin ich mächtig stolz auf den Sieg. Meine Leitung an sich betrachte ich immer objektiv und mir fallen immer Fehler auf. Für mich ist das wichtig, um besser zu werden. Ich glaube, ab dem Moment in dem man mit seiner Leistung zufrieden ist, hört man auf, aktiv an seinen Fehlern zu arbeiten. Man hat immer Fehler und ich werde immer an ihnen arbeiten, also bin ich nie wirklich zufrieden und das ist auch gut so.

Schuck vs. Billstein (Foto von Uwe Tersek/youte.info)Obwohl Du gerade einmal 19 Jahre bist, verfügst Du schon über eine unglaubliche Ruhe und Gelassenheit vor und während des Kampfes. Nervosität ist für Dich ein Fremdwort?
Ich bin wirklich nie nervös wegen meinen Kämpfen. Der Grund ist ziemlich simpel: Ich liebe das Kämpfen über alles. Die Zeit vor, während und nach dem Kampf genieße ich sehr.

Bist Du auch Abseits vom Kampfgeschehen so ruhig und souverän?
Meine Ruhe im Kampf  kommt und geht natürlich nicht mit dem Kampftag. Privat bin ich im Grunde ziemlich gelassen und wahre einen kühlen Kopf. Ich habe viel Spaß und nehme fast nichts zu ernst. Daraus resultiert dann aber auch, dass ich in manchen Bereichen ein ziemlicher Chaot bin. Besonders Mike Cüppers wird euch Bücher darüber schreiben können - wenn er es nicht schon getan hat. In anderen Dingen bin ich wiederum recht ehrgeizig.

Aufgrund deiner außerordentlichen Leistungen im MMA-Sport bist Du nun vielen deutschen MMA-Fans ein Begriff. Beschreibe uns bitte einmal Dein Leben außerhalb des Käfigs.
Wenn ich mich gerade nicht kämpfe oder trainiere, führe ich ein ziemlich geordnetes Leben. Ich besuche die 13. Klasse eines Kölner Gymnasiums. Nach der Schule bleibt ein bisschen Zeit, um mich mit Freunden und Freundinnen zu treffen, abends geht’s ab zum Training. Im Groben ist mein Leben sehr vom Sport geprägt, was nicht heißen soll, dass ich der typische Spartaner bin. Im Gegenteil, ich genieße doch sehr alles was das Leben so zu bieten hat und bin für jeden Scheiß zu begeistern, aber meine große Leidenschaft ist einfach MMA.

Du bist nun in acht Kämpfen ungeschlagen. Siehst Du eine Gefahr der Selbstzufriedenheit?

Ich weiß, das ist der 08/15 Spruch, aber bin erst zufrieden, wenn ich der Beste bin.

Unter der typischen Kölner Mentalität versteht man die offene Lebensfreude, Kameradschaft und auch viel Herzlichkeit. Würdest Du sagen, dass die Kämpfer und Trainer des Combat Club Colognes genau diesem Klischee entsprechen?
Hätte man mich gefragt, mit welchen drei Worten ich unser Team beschreiben würde, wären das genau diese drei gewesen. Abgesehen von dem sportlichen Aspekt profitieren wir auch menschlich stark voneinander. Im CCC kommen Charaktere zusammen wie sie unterschiedlicher nicht seien könnten, trotzdem haben wir immer eine tolle Atmosphäre und man merkt jedem einzelnen an, dass er sich hier einfach wohlfühlt und gerne da ist. Ich will gar nicht wissen, wo ich ohne die Sicherheit, die ich aus unserer Kameradschaft nehme, stehen würde.  Auf meine Jungs kann ich immer zählen und ich würde für jeden einzelnen die Hand ins Feuer legen.

Billstein siegt bei GMC 1. (Foto von Valentino Kerkhof/sportmma.eu)Am 13. November wird die UFC ihren zweiten Event in Deutschland, in Oberhausen, abhalten. Dort werden mittlerweile vier deutsche MMA-Kämpfer in den berühmten achteckigen Käfig steigen. Wie hoch schätzt Du ihre Siegeschancen?
Ich habe mich extra für dieses Interview erstmals wirklich mit unseren Repräsentanten und ihren Gegnern auseinandergesetzt. Keiner unserer Jungs hat einen leichten Gegner, das steht fest. Ich kann wirklich für keinen Kampf eine Prognose machen, die ich bereit wäre hier abzugeben. Alle  haben alle gute Chancen zu gewinnen, weil sie auf ihren Gebieten absolute Spezialisten sind und ich wünsche ihnen den größten Erfolg.

Wie sehen Deine Pläne für die Zukunft aus?
Ich will natürlich auch in Zukunft weiter an mir arbeiten und viel kämpfen. Ein ganz wichtiger Kampf steht für mich am 27.11. gegen einen der besten Halbschwergewichte Europas an, Hans Stringer. Ich denke, dieser Kampf ist so entscheidend, dass ich konkrete Pläne erst danach schmieden sollte. Dieser Kampf ist erst mal alles, was mich in naher Zukunft interessiert.

Jonas, vielen Dank, dass Du Dir für uns Zeit genommen hast und viel Erfolg für die Zukunft! Möchtest Du zum Schluss noch etwas loswerden?
Ich habe zu danken. Ich möchte des Weiteren die Gelegenheit nutzen, ein paar Danksagungen loszuwerden. Natürlich danke ich meinen Trainern Mike Cüppers und Raphael Wohlgemuth, die mich von Anfang an unterstützt haben und wirklich ein super Gym auf die Beine gestellt haben. Einer wahren Bereicherung für unser Team gebührt für diese Vorbereitung ein besonderer Dank: Max Schwindt und das gesamte Neusser-Ringerteam haben mich, obwohl sie selbst mitten in der Saison steckten, mit allem unterstützt was ich brauchte und mich wirklich weitergebracht. Ich bedanke mich auch bei allen Trainingspartnern von denen ich zum Glück zu viele habe um sie alle aufzuzählen. Dem Ganzen  GnP-Team gebührt der volle Respekt eines jeden, der sich zu diesem Sport verbunden fühlt! Ohne euch wäre MMA in Deutschland nicht annähernd, was es heute ist.  Des Weiteren grüße ich alle MMA-Fans aus Deutschland und alle anderen, die helfen den Sport zu fördern. Ich bedanke mich auch bei allen die ich vergessen habe - es ist schon echt spät...

Billstein und sein Team.

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