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Dennis Siver: „Ich werde Conor McGregor bestrafen“

Dennis Siver (Foto: Elias Stefanescu/Groundandpound.de)

Dennis Siver steht vor dem größten Kampf seiner Karriere. Nach seinem Sieg gegen Charles Rosa bei UFC Stockholm wird der erfolgreichste deutsche UFC-Kämpfer am 18. Januar im Hauptkampf der UFC Fight Night 59 auf den den irischen Top-Star Conor McGregor treffen. Zum ersten Mal wird ein deutscher Kämpfer im Hauptkampf einer UFC-Veranstaltung ins Octagon steigen. Wir hatten die Gelegenheit, mit dem Mannheimer über seinen letzten Kampf und die anstehende Herausforderung zu sprechen.

Groundandpound.de: Vor deinem letzten Kampf ging es drunter und drüber. Erst hat sich dein Gegner verletzt, dann wurde dein Ersatzgegner von der Sportkommission nicht genehmigt. Eine Woche vor dem Kampf sprang dann Charles Rosa ein. Konntest du dich da überhaupt noch irgendwie auf deinen Gegner einstellen?
Dennis Siver: Nein, nicht wirklich. Das war zu kurzfristig. In einer Woche kannst du nicht mehr viel machen. Wir haben ganz grob die Taktik geändert. Er war ja Normalausleger und mein vorheriger Gegner war Rechtsausleger. Wir haben den Gameplan grob angepasst. Alles andere konnte man nicht mehr ändern. Aber das war auch nicht so schlimm.

Der Kampf gegen UFC-Newcomer Charles Rosa war sehr abwechslungsreich. Hast du damit gerechnet, dass er so gut dagegen halten kann?
Ich habe schon gedacht, dass ich den Kampf schnell beenden kann, aber er hat mich überrascht. Respekt an ihn. Er hat sehr gut mitgehalten, hat viel geblockt, sich herausgedreht und verteidigt. Auch konditionell war er in einer guten Form. Wahrscheinlich hat er sich schon auf einen anderen Kampf vorbereitet. Du kannst normalerweise nicht drei Runden so kämpfen ohne gute Vorbereitung. Das Tempo war schon hoch. Ich habe nicht erwartet, dass es so verläuft.

In der dritten Runde hast du mal wieder dein Markenzeichen ausgepackt: den Spinning Back Kick. An Rosas Reaktion konnte man sehen, dass der saß. Was ging dir in dem Moment durch den Kopf?
Zu erst hat er ja so gelächelt. Da dachte ich erst einmal: „Was ist denn jetzt los?“ Ich habe gemerkt, dass ich voll getroffen habe, aber er hat erst einmal keine wirkliche Reaktion gezeigt. Dann ist er aber eingeknickt. (lacht) Da dachte ich mir, dass ich den Kampf schnell beenden muss und bin hinterher. Hat aber nicht ganz geklappt. Das Knie war nicht richtig drin. Wenn das Knie richtig getroffen hätte, wäre es vermutlich vorbei gewesen, aber er hatte glaube ich seinen Arm dazwischen. Er ist zwar umgefallen, aber nicht K.o. gegangen. Leider.

„K.o. of the Night“ war es nicht, dafür aber „Fight of the Night“ mit einem einstimmigen Punktsieg. Ein perfekter Wiedereinstig nach der Sperre, oder?
Ja, also ich bin ganz zufrieden mit dem Kampf, mit dem Ergebnis und mit dem „Fight of the Night“-Bonus sowieso. Das ist eine besondere Anerkennung und es ist super neben dem Sieg in der Champions League (des MMA-Sports) noch so einen Bonus zu bekommen. Ich bin zufrieden.

Im letzten Groundandpound-Interview hattest du gesagt, dass du gerne gegen Conor McGregor kämpfen würdest. Jetzt wird der Kampf tatsächlich stattfinden. Was hast du gedacht, als die UFC anrief und dir den Kampf anbot?
Das war schon überraschend. Viele haben mich gefragt, ob ich gegen ihn kämpfen würde, aber ich hätte nicht gedacht, dass die mich jetzt sofort gegen ihn antreten lassen. Ich habe damit gerechnet, dass ich erst mal noch einen Kampf machen muss. Ich war überrascht, ich habe mich aber auch gefreut. Das ist ein großer Schritt nach vorne. Er ist die Nummer fünf in der UFC-Rangliste und wenn ich ihn schlage, bin ich wieder in der Reichweite eines Titelkampfes und das freut mich auf jeden Fall. Ich bin heiß auf diesen Kampf.

Würdest du das als größten Kampf deiner Karriere bezeichnen?
Das kann man sagen. Der Rummel, das Publikum, alles Drumherum – das ist das größte, was ich je hatte. So viel Aufmerksamkeit habe ich bis jetzt noch nicht bekommen.

Das ist das erste Mal, dass du im Hauptkampf einer Veranstaltung stehst. Lastet da ein besonderer Druck auf dir?
Ach nein, das macht mir jetzt nicht viel aus. Ich habe ja genug Erfahrung. Ich habe schon gegen gute Leute überall auf der Welt gekämpft. Das macht mir nichts. Es ist nur so, dass man mehr Aufmerksamkeit von den Medien bekommt, man viel mehr Interviews gibt. Jetzt muss ich nach Las Vegas fliegen zu einer Pressekonferenz. Da gibt es noch mehr Interviews und Fotoshootings. Ich habe so was auch schon früher gemacht, nur halt nicht in dem großen Stil wie jetzt. Im Endeffekt ist es aber nichts anderes.

Das erste Mal Hauptkampf heißt auch, dass du das erste Mal einen UFC-Kampf bestreitest, der auf fünf Runden angesetzt ist. Wie bereitest du dich darauf vor?
Ja, das ist der einzige Unterschied. Ich werde jetzt noch mehr Kondition trainieren müssen. Die eigentliche Vorbereitung fängt jetzt erst an, wenn ich aus den USA zurückkomme. Ich werde viel auf Kondition gehen. Ich werde mit einem extra Konditionscoach arbeiten, der mich dabei unterstützt. Ansonsten mehr Sparring, mehr laufen gehen, einfach alles mehr.

Ihr seid beide für eure Fähigkeiten im Stand bekannt. Was erwartest du denn für einen Kampf?
Das wird wohl auch ein Standkampf werden. Ich denke, ich bin gut genug im Stand, um ihn auch da zu besiegen. Deshalb werde ich auch probieren, meine ganzen Techniken auszupacken: meine Kicks, meine Schläge und so weiter. Natürlich kann der Kampf auch sehr lang werden. Sollte er über fünf Runden gehen, wird es vielleicht auch mal einen Clinch oder einen Takedown geben. Aber wir werden sehen. Es ist schwer das vorauszusagen. Ich werde mich auf alles vorbereiten, wie ich das bei all meinen Kämpfen mache. Wenn irgendwas mal nicht klappt, muss man Plan B auspacken. Das trainiere ich auch. Ich versuche immer alles abzudecken. Ganz einfach.

McGregor ist für seine große Klappe bekannt und hat auch schon ein paar Dinge über dich gesagt. Motiviert dich das noch mehr oder gehen seine Provokationen an dir vorbei?
Ich versuche das professionell zu sehen, ich versuche mich da nicht so provozieren zu lassen. Natürlich motiviert mich das schon. Wenn mich einer beleidigt, will ich ihm das ganze zurückzahlen und das werde ich auch tun im Kampf. Ich werde ihn dafür bestrafen. Aber ich lasse mich da nicht aus der Fassung bringen. Das ist vermutlich auch das Ziel, die Leute psychisch zu verunsichern und das kann er mit mir nicht machen. Ich bin da nicht so empfindlich was das angeht. Ich stelle mich nur auf den Kampf ein, ziehe das dann kalt durch und das war's.

Auf Twitter hattest du ja auf eine von McGregors Sticheleien geantwortet. Kann man solche Konter jetzt häufiger von dir erwarten?
Wenn er jetzt wieder mit solchem Quatsch anfängt, werde ich da sicher mal wieder antworten. Es wird vermutlich nicht jede Kleinigkeit sein, nur wenn es mich berührt. (lacht) Nur wenn es notwendig wird, gibt es von mir auch mal eine Antwort. Ich lasse mich von ihm nicht einfach so verarschen. Das geht nicht. Natürlich bekommt er auch was zurück. Mal sehen, was das wird.

Jetzt steht hinter McGregor eine ganze Menge Hype und es wurde schon sehr viel über einen Kampf zwischen ihm und Jose Aldo gesprochen. Fühlst du dich da ein wenig übersehen und unterschätzt?
Unterschätzt schon, aber das ist auch nicht das erste Mal. Es gab da in der Vergangenheit schon solche Fälle. Ich habe schon gegen Leute gekämpft, die mit einem Sieg einen Titelkampf bekommen hätten und das ist dann doch nicht passiert, weil sie verloren haben. (lacht) Das stört mich wenig. Die pushen und hypen ihn so sehr. Er ist auch nur ein Mensch und wenn er den Kampf verliert, dann ist es (mit dem Hype) auch schon wieder vorbei. Dann wird die Ruhe einkehren. Umso motivierter bin ich, das Ganze jetzt hier zu unterbrechen  und der Welt zu zeigen, dass er doch nicht der Typ ist, für den sie ihn halten.

Im Jahr 2011 gab es ja eine ähnlichen Situation mit George Sotiropoulos, der mit einem Sieg über dich einen Titelkampf bekommen hätte.
Ja, genau das meine ich. (lacht)

Am 18. Januar werden wir ein ähnliches Bild sehen?
Genau, genau. Wenn das Ergebnis am Ende noch genauso ausfällt, ist alles gut.

Mit einem Sieg wird Conor McGregor wohl einen Titelkampf bekommen. Denkst du, dass du mit einem Sieg einen Titelkampf bekommst oder zumindest in unmittelbare Nähe kommst?
Ich denke, ich werde nicht sofort einen Titelkampf bekommen. Da sind noch ein paar andere Jungs, die erst einmal an der Reihe sind. Aber mit einem Sieg mehr kommt man da schon in unmittelbare Nähe. Wenn du auf Platz vier oder fünf bist, dann bist du immer im Gespräch. Da kann es immer mal sein, dass du mal für einen Titelkampf nominiert wirst. Da muss sich nur einer verletzen und schon bist du der nächste. Es ist alles möglich.

Letze Frage: Am 18. Januar sollte jeder den Kampf schauen, weil….
Weil ich der Welt zeigen werde, dass McGregor nicht der Mann ist, für den ihn alle halten. Ich werde einen guten Kampf zeigen und mein Bestes geben. Schaut euch das an.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast.
Ich danke euch.