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Daniel Weichel: Ich tue immer noch das, was ich liebe.

Daniel Weichel (Foto: Elias Stefanescu/GNP1.de)

In der Nacht von Freitag auf Samstag steht Daniel Weichel zum zweiten Mal in seiner Karriere Emmanuel Sanchez gegenüber. Die beiden Federgewichte bestreiten das Viertelfinale im großen Grand Prix mit einer Million Dollar Preisgeld und kämpfen um eine mögliche Titelchance im Halbfinale. GNP1.de hat vor der Abreise nach Connecticut mit ihm gesprochen.

Bellator 241 findet in der Nacht von Freitag auf Samstag in Uncasville im US-Bundesstaat Connecticut statt. DAZN überträgt die Veranstaltung ab 3 Uhr nachts live.

GNP1.de: Daniel, bevor wir beginnen, darf man dir ja gratulieren. Sechs Jahre bei Bellator. Glückwunsch dazu. Am 28. Februar 2014 hast du gegen Scott Cleve dein Debüt bei Bellator gefeiert.
Daniel Weichel: Ok. Krass. Das hatte ich als Datum gar nicht mehr auf dem Schirm. Aber ja, stimmt. Das war auch in Connecticut, genau wie mein Kampf gegen Sanchez.

Was bedeutet es dir, so lange schon bei Bellator zu kämpfen?
Es bedeutet mir viel. Ich fühle mich sehr wohl bei Bellator. Das hat mehrere Gründe, aber der Wichtigste ist, dass ich in einer Top-Liga gegen die Top-Federgewichte der Welt kämpfe. Die kümmern sich gut um mich, ich fühle mich auf eine andere Art gut aufgehoben. Und als Deutscher dann Frankfurt und Deutschland repräsentieren zu können, ist jedes Mal ein Highlight.

Du hast vor anderthalb Jahren gegen Goiti Yamauchi deinen 50. Profi-Kampf gemacht. Heutzutage werden solche Zahlen immer seltener. Weißt du überhaupt noch, gegen wen du alles schon gekämpft hast?
Doch, das weiß ich schon noch. Klar, aus dem Stehgreif alle 51 Kämpfe aufzuzählen, da sind natürlich die letzten Kämpfe viel präsenter. Aber ich habe das alles noch sehr bewusst in Erinnerung. Ich gehe das auch gerne immer wieder noch durch, bestimmte Kämpfe und bestimmte Locations schwimmen ganz anders mit und tragen eine ganz andere Erinnerung. Manchmal überrascht es mich selbst, wenn ich auf die Zahl blicke. Es ist schon echt viel. Aber ich schaue immer gern darauf zurück und freue mich, dass es in den letzten 18 Jahren mein Lebensweg gewesen ist. Ich tue immer noch das, was ich liebe.

Du bist in einer Zeit zu Bellator gekommen, als jährliche Turniere noch an der Tagesordnung waren, jetzt sind sie zurück. Wie stehst du zu den Turnieren und wie siehst du die Entwicklung bei Bellator allgemein?
Turniere gefallen mir immer extrem gut. Es ist sehr überschaubar, wann und gegen wen man seine Kämpfe hat. Das ist ein Luxus. Wir wissen, wie es ist, wenn man ganz normal von Kampf zu Kampf geht und auch im Titelrennen ist, dann kann sich das über einen längeren Zeitraum ziehen und man macht vielleicht nur einen Kampf im Jahr. Im Turnier weiß man genau, wann und wo man kämpft. Also etwa Herbst, Januar, März, oder wie früher eben alle vier oder fünf Wochen Schlag auf Schlag. Und das ist etwas, das mir sehr gut gefällt, weil ich gerne sehr aktiv bin als Kämpfer. Ich finde das Turnierformat jetzt im Prinzip fantastisch, weil die ganze Aufmachung so spannend ist. Die "Selection Show" für das Achtelfinale war der Hammer. Die Show war bombastisch, es gibt einen tollen Countdown. So bekommt das Turnier für die Zuschauer mehr Spannung. Man bekommt wieder mehr Möglichkeiten, die Kämpfer kennen zu lernen und ihnen näher zu kommen. Nicht zuletzt geht es um eine Million Dollar und zwei Gürtel. Ich habe die Möglichkeit, Geschichte schreiben. Das ist für mich als Kampfsportler, der so lange dabei ist und alles beobachtet, der Höhepunkt. Man weiß genau, ich habe die besten Leute geschlagen. Ich konnte mit einer Sache, die mir so viel Freude bereitet, einem Sport, den ich liebe, meine Zukunft absichern und habe sportlich das erreicht, was ich erreichen wollte. In dem Sinne ist das Format für mich der Hammer.

Das sollte dir sehr entgegenkommen. Du hast in der Vergangenheit öfters darüber geklagt, dass du von Bellator so selten eingesetzt wirst.
Das stimmt. Dadurch, dass ich immer unmittelbar vor dem Titelkampf stand und es mit dem Champion immer Dinge gab mit Verletzungen oder anderen Herausforderern, hat sich das immer gezogen. Nur einmal im Jahr zu kämpfen ist nicht befriedigend.

Wäre es dir lieber gewesen, vor einer Woche in Europa zu kämpfen, als jetzt wieder in den USA? Für deine Fans ist ein Kampf von dir in Dublin einfacher zu erreichen als in Connecticut.
Ich bin über jeden Fan dankbar, egal wo und egal wie. Zwei sehr gute Freunde kommen jetzt mit, mein Bruder kommt mit Freunden mit und dafür bin ich von Herzen dankbar. Aber auch für jeden, der zuhause wach bleibt und mitschaut, das macht mich stolz und ich bin von Herzen dankbar. Europa hat natürlich Vorteile, man hat einen kürzeren Flug und mehr Leute können dabei sein. Aber das habe ich für mich derzeit ausgegrenzt. Ich habe mich aufs Datum fokussiert. Das Drumherum schwingt mit, die positive Energie ist immer willkommen, egal auf welche Art. Ob es jetzt die Leute sind, die mitfahren oder auch die, die mir über Social Media schreiben, das trage ich mit mir mit und da ist es egal, wo ich hinfliege.

Da du den Termin erwähnt hast, du hattest bei der „Selection Show“ das Wahlrecht des Termins, dein Gegner Emmanuel Sanchez hat sich dich als Gegner ausgesucht. Jetzt kämpft ihr aber trotzdem nicht im Februar, wie du es eigentlich wolltest. Woran lag das?
Das kann ich gar nicht genau sagen. Ich vermute, dass es einfach eine interessante Sache für Bellator war, beide Viertelfinalkämpfe an einem Abend zu haben, damit die Sieger sich schon direkt den Staredown liefern. Welche Gründe aber da genau mitgespielt haben, darüber habe ich keine Information. Aber verletzt war zumindest keiner.

Habt ihr nach der Auslosung schon ein paar Worte gewechselt?
Ich wusste, dass er den Rückkampf gegen mich immer haben will, das hat er immer wieder erwähnt. Ich hatte es im Gefühl, dass er mich auswählen würde. Aber ansonsten haben wir uns vorher nur mal ganz kurz begrüßt und unterhalten und sonst aber nicht miteinander gesprochen.

Wie siehst du seine Entwicklung seit eurem ersten Duell vor knapp vier Jahren? Er hat sich seitdem auch einen Titelkampf gegen Freire erkämpft, das war seit eurem Kampf die einzige Niederlage.
Ich finde, dass er seinen Stil beibehalten hat. Natürlich variiert er immer mal wieder im Tempo und dem Druck. Er ist ein Volume-Fighter und versucht, das Tempo zu bestimmen. Das bringt er mittlerweile vielleicht ein wenig mehr zum Tragen und macht mehr Druck. Im Großen und Ganzen ist er sich aber treu geblieben.

Was willst du anders machen als damals? Es war damals ein geteilter Punktsieg, der auch gegen dich hätte ausgehen können.
Im Prinzip kennen wir seinen Stil, die Einstellung dafür steht. Es ging mir darum, meine Fähigkeiten zu schärfen, vor allem in den Punkten, in denen ich aggressiver sein möchte. Mehr Druck im Stand, mehr Druck im Ringen und am Boden. Es geht darum, ihn kontrolliert meinem Druck auszusetzen und dafür die richtigen Lücken und Kanäle zu finden.

Was ist deine Prognose?
Meine Prognose? Ich bin kein Fan davon, aber ich werde ihn unter Druck setzen. Ich werde die Lücken suchen und ihn dann finishen.

Du wolltest eigentlich gegen „Pitbull“ das Finale bestreiten, um dort den Titel und die Million zu holen, nun kommt es eventuell schon im Halbfinale dazu. Findest du das schade?
Ich beurteile das gar nicht konkret. Ich finde es gut, mit ihm in einem Zweig des Turniers zu sein. Dann hole ich mir halt den Titel im Halbfinale und gewinne dann die Million im Finale. Ob es jetzt schöner gewesen wäre, im Finale auf Freire zu treffen? Ich glaube, das spielt keine Rolle.

Wie schätzt du die anderen beiden Halbfinalisten ein?
AJ McKee hat sich stark entwickelt. Das konnte man in seiner Laufbahn gut beobachten, er ist ein sehr ernstzunehmender Gegner, wie eigentlich jeder im Turnier. Aber bei ihm sieht man eine deutliche Entwicklung in seiner Zeit bei Bellator. Darrion Caldwell ist auf jeden Fall sehr gut, man hat gesehen, wie er in seine Kämpfe hineingeht. Ich meine, er war schließlich auch Bantam-Champion und ist auf jeden Fall einer der Top-Leute, zu hundert Prozent. Ich beobachte die Konkurrenz, das gehört zu meiner Arbeit. Aber ich sehe bei jedem einen Weg, ihn zu besiegen.

Wenn du das Turnier gewinnst, hast du die Million, den Titel und auf dem Weg dahin ein paar starke Kämpfer in der Gewichtsklasse ausgeschaltet. Was gäbe es da für dich noch bei Bellator zu holen? Oder würdest du vielleicht sogar noch einmal ins Leichtgewicht zurückkehren?
Das Federgewicht ist meiner Meinung nach die stärkste Gewichtsklasse bei Bellator. Es sind extrem viele gute Kämpfer da. Auch, wenn ich das Turnier gewinne, gibt es dort noch viele Herausforderungen für mich. Mein Ziel wäre dann, den Titel so oft es geht, zu verteidigen. Aber das Leichtgewicht würde ich nicht komplett ausschließen.

Also müssen sich die Federgewichte nicht darauf einstellen, dass ein Champion Daniel Weichel wie jetzt der Doppel-Champion Freire eine Gewichtsklasse blockiert, weil er in einer anderen kämpft?
Ich fände es generell interessant, in zwei Gewichtsklassen aktiv zu sein. Aber das wichtige Stichwort ist das aktiv sein. Wenn da eine komplette Gewichtsklasse blockiert wird, finde ich das nicht gut. Der Champion sollte da schon bereit sein, den Titel regelmäßig verteidigen zu können. Wenn das nicht der Fall ist, sollte er ihn einfach für vakant erklären.

Bellator hat in der letzten Zeit viele neue Dinge ausprobiert und seit etwas mehr als einem Jahr auch eine Partnerschaft mit Rizin in Japan unter der alten Pride-Geschäftsführung. Wäre Japan auch für dich noch einmal interessant?
Definitiv. In Japan zu kämpfen, wäre für mich definitiv ein anderes Highlight meiner Karriere weil ich Pride natürlich noch aus der Vergangenheit kenne und immer ein großer Fan war, auch vom japanischen Publikum und der Atmosphäre dort. Es wäre auf jeden Fall nochmal eine coole Sache, mit bei Rizin am Start zu sein. Das interessante ist, diese unbekannte Atmosphäre dort zu spüren. Jedes Land, jedes Publikum ist anders. Ob Deutschland, USA, Russland, Japan, diese Unterschiede spüren zu dürfen, ist ein Luxus. Jedes Publikum hat so seine spezielle Energie, das ist einfach großartig.

Wie lange müssen die Fans noch auf ein Bellator-Event in Deutschland warten?
Ich hoffe nicht mehr lange. Ich bin ab und zu mit Scott Coker im Gespräch und spreche ihn immer wieder drauf an. Ich denke, Bellator ist nicht abgeneigt und es wird früher oder später passieren.

Hoffentlich früh genug, damit du dann noch den Main Event machen kannst. In diesem Zusammenhang passt dann auch die Frage, die man irgendwann wohl jedem Kämpfer stellen muss: Wie lange hast du vor, noch weiterzukämpfen?
Ach, der Gedanke kommt natürlich immer mal wieder auf. Trotzdem versuche ich das gar nicht so in meinen Kopf zu lassen. Im Moment habe ich Spaß daran und meinem Körper geht’s gut. Solange ich dieses Level an Leistung halten kann, sehe ich für mich keinen Grund, ein Ende ins Auge zu fassen. Die Frage bekomme ich aber immer wieder gestellt. 35 ist jetzt auch nicht mehr das jüngste Alter im Sport und 51 Kämpfe sind auch nicht gerade wenig, aber wie gesagt, solange ich noch den Spaß habe, den ich derzeit habe und mein Körper es mitmacht, wird es erstmal weitergehen.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei Bellator 241.

Das Interview führte Alexander Petzel-Gligorea.