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Andreas Kraniotakes: „Solange man seinem Herzen folgt, kann man sich nicht verlaufen“

Andreas Kraniotakes denkt ans Aufhören. (Foto: Pervin Inan-Serttas/Foto Seven Sport)

Als Schwergewichtschampion von GMC griff Andreas Kraniotakes am vergangenen Samstag bei GMC 10 in Hamburg nach dem Gold im Halbschwergewicht, um der erste Doppel-Champion der Organisation zu werden. Geklappt hat es gegen Martin Zawada nicht. Nun denkt der deutsche MMA-Veteran ans Aufhören.

„Ich weiß nicht ganz genau woran es lag“, sagte Kraniotakes nach dem Kampf im Interview mit GNP1 TV. „Ich weiß, dass wenn ich dieses Feuer in mir hätte entfachen können, das ich von mir kenne von früheren Kämpfen, wo das einfach raus wollte und ausgebrochen ist, dass ich das Ding mit großer Sicherheit hätte gewinnen können heute Abend. Und die Art und Weise wie ich den Kampf verloren habe und wie er sich entwickelt hat, war für mich eine große Überraschung und ich bin gerade sehr vor den Kopf gestoßen. Nicht weil Martin kein würdiger Gegner ist, einfach weil ich überrascht darüber bin, dass ich es nicht mehr geschafft habe, das abzurufen, was ich kann. Und deswegen habe ich auch gesagt, ich muss ernsthaft darüber nachdenken, ob ich nicht meine Handschuhe an den Nagel hänge.“

Kraniotakes kehrte bei GMC 10 nach über einem Jahr Auszeit in den Käfig zurück, fand gegen Martin Zawada aber nicht wirklich in den Kampf. Immer wieder wurde er von Zawada mit Fäusten getroffen, bis er in der zweiten Runde schließlich aus dem Kampf genommen wurde. Dass er nun ans Aufhören denkt, hat einen einfachen Grund.

„Es gibt genug Beispiele da draußen, an guten Kämpfern, die viel geleistet haben und einfach den Absprung verpasst haben und zu einer Zeit abgetreten sind, an der einfach ihre besten Tage schon hinter ihnen lagen, auf der Suche nach altem Ruhm oder alter Glorie“, erklärte Kraniotakes. „Ich möchte nicht zu diesen Leuten gehören. Ich habe sehr viele gute Kämpfe gemacht, auch gute Kämpfe verloren, aber ich habe es damals wenigstens geschafft, alles im Ring zu lassen und alles abzurufen, was ich konnte, und habe trotzdem verloren. Das ist mir heute nicht gelungen.“

„Big Daddy“ zählt zu den bekanntesten Figuren der deutschen MMA-Szene. Seit 2005 kämpft der heute 35-Jährige bereits in Käfigen in aller Welt, stand namhaften Kämpfern wie Andrei Arlovski oder Tim Sylvia gegenüber. Eigentlich wollte Kraniotakes in diesem Jahr noch an einem Turnier in Italien teilnehmen, nun scheint er aber nach 40 Kämpfen ernsthaft sein Karriereende in Erwägung zu ziehen.

„Die Leute sehen mich hier traurig stehen, weil ich verloren habe“, so Kraniotakes. „Fakt ist aber, dass ich meinen Weg gegangen bin. Und meinen Weg gegangen bin, unabhängig davon, dass ich mir Ruhm oder Geld oder irgendwas erhofft habe. Mir ging es nie darum, dass andere Leute mir applaudieren. Mir ging es nie darum, dass ich reich werde. Mir ging es nie darum, dass ich Frauen oder Ruhm oder Facebook-Likes oder sowas bekomme. Mir ging es immer darum, meinem Herzen zu folgen. Und solange man seinem Herzen folgt, kann man sich nicht verlaufen. Und nur weil ihr mich jetzt hier seht, weil ich traurig bin, am Ende dieses Weges – oder vielleicht geht es auch noch weiter – heißt das noch lange nicht, dass ihr nicht auch euren Weg gehen sollt. Nur weil es steinig wird und weil man an irgendeinem Punkt vielleicht mal traurig ist, heißt das nicht, dass sich das alles nicht gelohnt hat. Ich bin sehr, sehr glücklich, dass ich den Weg gegangen bin. Ich bin sehr, sehr glücklich, dass ich es so weit geschafft habe, wie ich es geschafft habe. Und was mich am allermeisten glücklich macht, ist, dass mich die Leute auf diesem Weg begleitet haben. Ich habe selten so viel Unterstützung bekommen wie vor diesem Kampf.“

Das komplette Post-Fight-Interview mit Andreas Kraniotakes nach GMC 10 findet ihr hier:

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