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UFC entlässt Benjamin Brinsa

Nazi-Vorwürfe kosten deutschen UFC-Kämpfer seinen Vertrag. (Foto: Mark Bergmann/Groundandpound.de)

Er hätte der fünfte deutsche Kämpfer in der Ultimate Fighting Championship werden sollen. Doch nun ist der Traum von der UFC für Benjamin Brinsa ausgeträumt. Nach wochenlanger juristischer Prüfung hat der MMA-Marktführer den Vertrag des 24-jährigen Leipzigers aufgekündigt – bevor er auch nur einen einzigen Kampf für die Organisation bestritten hat. Grund sind seit Jahren gegen ihn erhobene Vorwürfe von Verbindungen ins rechtsradikale Milieu.

Als im Juli plötzlich ein Foto des Leipzigers Benjamin Brinsa in der Online-Kaderübersicht der UFC auftauchte, verbreitete sich die Nachricht im Internet wie ein Lauffeuer. Per Kurznachrichtendienst Twitter ging die Neuverpflichtung um die Welt. Brinsa ist eines der vielversprechendsten Talente des deutschen MMA-Sports, 24 Jahre jung, unbesiegt in 13 Kämpfen, der erst fünfte Deutsche in der UFC – doch bis auf zwei Auslandseinsätze in Rumänien und Abu Dhabi global bislang wenig bedeutend. Warum also interessierte sich die weltweite MMA-Gemeinde so für den UFC-Neuzugang?

Seit Jahren werden im Internet Vorwürfe gegen Brinsa erhoben, Verbindungen ins rechtsradikale Lager zu pflegen, wodurch 2012 unter anderem ein lang erwarteter Superfight gegen Sebastian Risch, bei Respect.FC, auf Druck der Öffentlichkeit abgesagt wurde.

Wenigen Stunden nach Bekanntwerden der UFC-Verpflichtung liefen die sozialen Medienkanäle deshalb heiß, weltweit begannen MMA-Fans Fragen zu stellen, US-amerikanische Blogs berichteten über das Thema. Brinsa selbst äußerte sich auf seinem offiziellen Facebook-Profil folgendermaßen:

"Ich bin und war nie ein Neo-Nazi. Zu keinem Zeitpunkt meines Lebens habe ich fremdenfeindliche, antisemitische oder rassistische Äußerungen von mir gegeben, weder privat noch in der Öffentlichkeit. Ja, ich besitze eine Vergangenheit als Fußball-Hooligan. Doch das war in meiner Jugend. In den letzten Jahren habe ich mich einzig auf meine Karriere als Profi-Sportler konzentriert.“ Und weiter: „Ich habe versucht, gegen die Person, die im Internet eine Hetzkampagne gegen mich führt, rechtliche Schritte einzuleiten. Bisher jedoch leider ohne Erfolg, da diese Person sich hinter Pseudonymen verbirgt und ihre Diffamierungen auf Webseiten ohne Impressum o.ä. verbreitet. In den vergangen zwei Jahren kontaktierte diese Person Promoter, Sponsoren, Behörden und Journalisten, um meine Reputation zu zerstören und meine Karriere zu sabotieren.“

UFC-Präsident Dana White kommentierte die Situation wenigen Stunden nach der Verpflichtung Brinsas zunächst zurückhaltend: „Sollte er in irgendeiner Weise mit rassistischen Gruppen, Neo-Nazi-Vereinigungen oder etwas in der Art zu tun haben, wird er gefeuert. Ich will hier aber keine voreiligen Schlüsse ziehen, nur weil irgendjemand irgendetwas getwittert hat, und so das Leben dieses Jungen ruinieren, sollte all das nicht stimmen. Wir werden uns die Sache ganz genau anschauen. Ich habe eine ganze Mannschaft von Anwälten in Las Vegas, die sich der Geschichte momentan annimmt. Sollte etwas an den Vorwürfen dran sein, wird er entlassen.“

Nun, über einen Monat später, ist klar: Benjamin Brinsas Vertrag mit der UFC wurde aufgelöst. Dies bestätigte die UFC gegenüber einer großen US-Nachrichtenseite. Brinsas Management gab gegenüber Groundandpound.de bekannt, die Hoffnung noch nicht aufgegeben zu haben, an eine Rückkehr Brinsas in die UFC zu glauben. Brinsa selbst zeigte sich auf Nachfrage von Groundandpound.de indes kämpferisch und gab einen Ausblick auf seine Zukunft:

„Ich habe mich immer respektvoll gegenüber anderen Kämpfern verhalten, egal welcher Nation oder Herkunft sie angehörten. Ich distanziere mich von rassistischem oder nationalsozialistischem Gedankengut. [...] Ich werde natürlich weiter trainieren und kämpfen. Ich bin niemand der aufgibt und da ich eh nicht arbeiten muss, um mir mein Leben zu finanzieren, habe ich weiterhin Zeit, um zweimal täglich zu trainieren. Wie oft ist die Welt schon im Abendrot versunken? Natürlich bin ich enttäuscht, dass mir die Chance meines Lebens genommen wurde, aber das Leben geht weiter. Wer weiß für was es gut ist? Vielleicht wäre der Schritt jetzt zu früh gewesen und ich hätte keinen Kampf gewonnen. Wer weiß das schon? Doch eins sei den Leuten gesagt, die sich jetzt darüber freuen: Totgesagte leben länger.“

Brinsa begann seine MMA-Karriere 2006, nach dreizehn fast ausschließlich vorzeitigen Siegen - zuletzt einer Submission gegen UFC-Veteran Dan Stittgen, nach nur 33 Sekunden - schaffte er den Sprung in die MMA-Champions League. Ein Debüt beim Manchester-Event der UFC im Oktober galt als sicher. Wann und wo der Leipziger nun stattdessen seinen nächsten Kampf bestreiten wird, ist bislang unklar.

Anfragen von Groundandpound.de für einen offiziellen Kommentar von der UFC blieben bislang unbeantwortet.