MMA - CH/AT

Shooto Switzerland: Swiss MMA Championships 2012

Volles Haus bei den Schweizermeisterschaften von Shooto Switzerland. (Alle Fotos: Shooto Switzerland)

Shooto Switzerland hatte sich einiges vorgenommen für das gestrige Finale im GZ Heuried in Zürich. Die Versprechen: rasante Kämpfe, volles Haus und klasse Stimmung. Gehalten wurde diese drei Versprechen, und viele neue kamen hinzu, zum Beispiel verrückte Submissions (wie ein Gogoplata), spektakuläre Knockouts und ein übervolles Haus mit kochender Stimmung. In 15 Kämpfen konnten sich sowohl Profis als auch Amateure beweisen und zeigen, was sie können. Das GZ Heuried bot einmal mehr den ehrenwerten Rahmen für diese Veranstaltung, und die in großen Scharen angereisten Zuschauer trugen ihren Teil zur Stimmung bei.

In den Vorkämpfen lieferten sich Maiol Serrallach und Eric Valentin einen heißen Auftaktkampf, der im Stand ein Hin und Her war. Beide punkteten mit harten Fäusten, Kicks und Kniestößen. Serrallach wurde sogar einmal zu Boden geschickt, doch bewies Herz und kämpfte sich zurück in den Kampf. Am Schluss war es Serrallach, der sich den Rücken von Valentin sichern konnte und so eine knappe Punkteentscheidung gewann.

Den Kampf von Stefan Meier gegen Michael Dubois sahen viele schon als klare Entscheidung an, ist Dubois doch der erfahrenere Mann und äußerst siegreich. Meier kümmerte das wenig, er schickte Dubois mit einer harten rechten zu Boden, dieser schien sich zu erholen und wollte den Takedown suchen, doch exponierte seinen Hals für eine Guillotine, die Meier dann auch zuzog und einen Blitzsieg einfuhr.

Kadi Berisha gelang sein Comeback gegen Lars Rütimann. In einem unterhaltsamen Kampf konnte sich Berisha einen Sidechoke sichern und somit nach seiner zuletzt bitteren Niederlage gegen Anthony Müller wieder zurück auf die Siegerstraße finden.

Kenji Bortoluzzi und Aziz Julaidan lieferten sich einen Rückkampf, das letzte Duell war von Julaidan gewonnen worden. Die beiden bewiesen ihre Erfahrung und lieferten einen spannenden und kurzweiligen Kampf auf allen Ebenen. Diesmal war es Bortoluzzi, der sich einen Punktsieg einfahren konnte. Eine dritte Ausgabe dieser Paarung dürfte man dann unter Profiregelen sehen und mit Spannung erwarten.

Alain Hermès und Gold Omotayo lieferten sich in der ersten Runde eine Schlacht, die Omotayo mit leichten Vorteilen gewinnen konnte. In der zweiten Runde war dann der Benzintank von Omotayo leer und Hermès holte auf, war sogar kurz davor in zur Aufgabe zu zwingen. Die Rundenglocke rettete Gold und der Kampf endete in einem verdienten Unentschieden.


Die Finalkämpfe der Schweizermeisterschaft

65kg: Alysson Gustavo vs. Cris Hadji
Hadji dominierte den Kampf von Anfang an, brachte harte Schläge und Kicks ins Ziel. Gustavo versuchte vergeblich den Takedown zu suchen und landete am Schluss in der Guard. Dort passierte dann nicht mehr so viel, da Hadji das Groundgame des BJJ-Braungurtes Gustavo blockierte. Die zweite Runde verlief ähnlich, Hadji holte sich einen etwas umspektakulären, aber sicheren Sieg nach Punkten.

70kg: Loic Gerber vs. Lois Cadet
Cadet und Gerber lieferten sich einen sehr ausgeglichenen Kampf im Stand und am Boden. Beide sind erfahrene Athleten und dies war auch klar zu sehen in der Routine der Aktionen. Schnelle Wechsel am Boden und ein dynamischer Standkampf kennzeichneten diesen Kampf, den Lois Cadet um Haaresbreite vorneliegend gewinnen konnte.

76kg: Ange Loosa vs. Alex Coringa
Dieser Kampf wurde bereits im Vorfeld heiß gehandelt, denn zwei der stärksten Amateure in der dicht besetzten Gewichtsklasse treffen hier aufeinander. Der bullige Loosa startete furios im Stand, spielte sein starkes Thaiboxen aus und lieferte harte Schläge und Tritte. Coringa suchte verzweifelt den Takedown, doch Loose war vorbereitet, sprawlte und Coringa war es, der in der Guard landete. Dort schien Loosa zu dominieren, bis Coringa sich eindrehte und sich aus einem Strample einen überraschenden Kniehebel holte und diesen durchzog. Somit heißt der Sieger durch Aufgabe Alex Coringa aus Genf.

83kg: Daniel de Madalena vs. Marcello de Simone
Technik gegen Rohkraft war hier das Motto, doch der amtierende Europameister Madalena hatte keine Probleme, Marcello de Simone auf den Boden zu befördern, und somit in seine Welt. Dort sicherte er sich nach einem Triangle Choke, der von einem zähen de Simone verteidigt wurde, einen Armbar. Ein gutes Jahr für Madalena, ungeschlagen in seiner Kategorie und mit dem Europameister- und Schweizermeistertitel im Gepäck. 2012 dürfte er einer der heißesten Kandidaten für die B-Klasse sein.

91kg: David Moscatelli vs. Nico Fadi
Moscatelli wusste um seine Stärke am Boden, Fadi um seine im Stand. Doch am Ende war es Moscatelli, der seine ausspielte. Er ging kein Risiko ein und dominierte Fadi den Großteil der Runde in der Mount, doch ohne Akzente im Bereich der Submissions zu zeigen. Die zweite Runde startete genau gleich, doch diesmal konnte sich Moscatelli durchsetzen und einen Americana zu Ende bringen. Somit hat auch Moscatelli in seinem letzten Amateurkampf, wie er anmerkte, einen Titel im Gepäck, nachdem er ihn letztes Jahr knapp verpasste.

Zerari und Strelecek beim Wiegen.
Die Superfights

Im ersten Superfight trafen Laurent Beranger und Lokalmatador Daniel Abraham aufeinander. Beranger war fast einen Kopf größer als Abraham. Beranger blieb außer Reichweite von Abrahams Bomben und beförderte ihn zu Boden. Dort erkämpfe er sich gegen Ende von Runde 1 die Mount, doch Abraham ist zäh und kompakt, eine Submission lag also nicht drin. In der zweiten Runde das ähnliche Bild: Abraham hatte kein Mittel gegen Berangers Kontrolle am Boden und musste sich so nach Punkten geschlagen geben.

Der Basler Pascal Strelecek machte gegen den bereits aus einem Profikampf erfahrenen Issam Zerari sein Debüt. Der kräftige ehemalige Eishockeyspieler Strelecek begann den Kampf gut im Stand, konnte gute Treffer landen, aus dem Clinch gelangen ihm harte Knie zum Körper und Kopf von Zerari. Doch eines wollte Strelecek nicht gelingen: der Takedown. Schlussendlich war es Strelecek, der unten lag, von dort aber aktiver war als Zerari. Dieser konnte sich zwar die Sidecontrol sichern, aber von dort nicht viel Schaden anrichten.

In der zweiten Runde entfaltete sich der Kampf zu Gunsten von Strelecek, der nicht nur im Stand seine Schläge ins Ziel brachte, sondern auch am Boden mit Ground and Pond Schaden anrichtete. Dann sicherte er sich den Rücken von Zerari und war drauf und dran zu gewinnen, doch dann folgte ein fataler Fehler, der sicherte den Rücken nicht gut genug, wurde abgeworfen, landete in der Guard und im Scramble gab er selbst seinen Rücken auf. Nun war es Zerari, der sich blitzschnell den Rear Naked Choke sicherte. Ein unterhaltsamer und guter Kampf mit zwei Kämpfern mit unerschöpflichen Potenzial und sicher weiteren unterhaltsamen Kämpfen in der Zukunft.

Vinko Roditi gab seinen Platz im Finale auf, um gegen Simon Berset sein Profidebüt zu geben. Der Jiu-Jitsu-Spezialist Roditi zeigte, zu was seine Gummibeine alles so fähig sind und lieferte den Zuschauern ein Submissionansatz nach dem anderen, welche Berset aber blockte, doch dann ein Wechsel und eine Submission, mit welcher niemand gerechnet hätte. Roditi setzte zu einem Gogoplata an und zog diese sehr selten gesehene Submission auch durch.

Benjamin Brander aus Zürich traf in seinem zweiten Profikampf auf Fares Jmour aus Frankreich, der ebenfalls seinen zweiten Kampf machte. Der großgewachsene Brander legte gleich zu Beginn schon mit schnellen Geraden los und traf den bulligen Jmour mit einigen Jabs. Eine Lücke in dessen Deckung nutzte er eiskalt aus und lieferte einen sensationellen Kick zum Kopf von Jmour, der diesen ins Land der Träume schickte. Der junge Zürcher sah bereits, dass sein Gegner außer Gefecht war, und als fairer Sportsmann setzte er keine Schläge mehr nach. Brander lieferte somit den schnellsten Sieg des Abends, und sicher auch einer der spektakulärsten.

Im Hauptkampf traf Cedric Rozcko aus dem Icon Jiu-Jitsu Team Genf auf Samuel Tischhauser aus dem Blackwasp Team in Vevey. Rozcko konnte das Swiss Las Vegas 4-Mann Turnier zu Beginn des Jahres gewinnen, während Tischhauser sich den Schweizermeistertitel im Jahr 2011 sicherte. Rozcko hatte keine Mühe, nach einigen Schlägen Tischhauser zu Boden zu befördern, dort erarbeitete er sich schnell den Rücken und kontrollierte dort Tischhauser. Dieser wehrte sich zwar verbissen, doch nach zwei Minuten war Schluss und er musste auf Grund des Würgers abklopfen.

Shooto hat zum Ende von 2012 wieder einmal klar gezeigt, was man von den Schweizern erwarten kann und auch darf. Auch wurden die Standards gesetzt für ein 2013 voller spanender Kämpfe. Die Organisatoren ließen uns wissen, dass sie noch einige Pfeile im Köcher haben und es im nächsten Jahr wieder eine ganz große Show geben wird, bei der dann auch wieder große internationale Namen aufeinandertreffen werden. Man darf also gespannt sein, wenn man bedenkt, dass für Shooto in der Schweiz bereits Namen wie JZ Calvacante, Pascal Krauss, Nordin Asrih, Augusto Frota, Gregor Herb, Alan Omer, Ivan Musardo oder Yasubei Enemoto gekämpft haben.


Shooto Switzerland - Swiss MMA Championships
3. November 2012
GZ Heuried in Zürich, Schweiz

Vorkämpfe
70kg: Maiol Serrallach bes. Eric Valentin nach Punkten
76kg: Stefan Meier bes. Michael Dubois via Guillotine nach 0:41 in Runde 1
76kg: Kadri Berisha bes. Lars Rütimann via Sidechoke nach 2:05 in Runde 1
70kg: Kenji Bortoluzzi bes. Aziz Julaidan nach Punkten
91kg: Alain Hermès geg. Gold Omotayo endet unentschieden

Shooto MMA-Schweizermeisterschaft
65kg: Cris Hadji bes. Alysson Gustavo nach Punkten
70kg: Lois Cadet bes. Loic Gerber nach Punkten
76kg: Alex Coringa bes. Ange Loosa via Kneebar nach 1:23 in Runde 1
83kg: Daniel de Madalena bes. Marcello de Simone via Armbar nach 2:00 in Runde 1
91kg: David Moscatelli bes. Nico Fadi via Americana nach 1:44 in Runde 2

Superfights
83kg: Laurent Beranger bes. Daniel Abraham nach Punkten
83kg: Issam Zerari bes. Pascal Strelecek via Rear-Naked-Choke nach 2:03 in Runde 2
60kg: Vinko Roditi bes. Simon Berset via Gogoplata nach 2:03 in Runde 1
70kg: Benjamin Brander bes. Fares Jmour via K.o. nach 0:37 in Runde 1
70kg: Cedric Rozcko bes. Samuel Tischhauser via Rear-Naked-Choke nach 2:27 in Runde 1