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„Sheila ist keine Doping-Sportlerin!“

Gaff-Trainer Andre Balschmieter (l.) äußert sich zur Kampfabsage seiner Schülerin. (Foto: Max Pro MMA Academy)

Sheila Gaff ist die unbestrittene weibliche Nummer eins im deutschen MMA-Sport. Am kommenden Samstag hätte die Eschwegerin bei Cage Warriors 49 in Wales den bisher größten Fight ihrer Karriere bestreiten sollen und in einem Fliegengewichtstitelkampf gegen die Britin Rosi Sexton beweisen können, dass sie auch international an der Spitze steht. Doch vor wenigen Tagen sagte Gaff den Kampf überraschend ab. Sexton reagierte mit lautstarker Kritik. Nun äußert sich erstmals Gaffs Trainer Andre Balschmieter zu der Situation.

„Sheila hatte vor vier Wochen eine Erkältung, die wir versucht haben, auszukurieren“, beginnt Balschmieter die Absage seiner Schülerin zu erklären. „Wir haben umgehend auch Sheilas Management informiert und Cage Warriors vorgewarnt, dass der Kampf eventuell auf dem Spiel stehen könnte. Ich habe Sheila daraufhin fünf Tage Bettruhe verordnet, und daraufhin war das eigentlich auch wieder gut. In der vergangenen Woche ist sie mir aber plötzlich mehrfach im Training vor Erschöpfung zusammengeklappt. Wir sind also zum Arzt und haben ein EKG anfertigen lassen, das okay war. Anschließend sind wir zu einem Facharzt, der unter anderem auch Boxer aus der Bundesliga betreut, und der hat ein Belastungs-EKG angeordnet, bei dem herauskam, dass sie in ihrer derzeitigen Verfassung nicht einmal die erste Runde überstehen würde. Anschließend wurde ihr Blut abgenommen, die Ergebnisse bekommen wir in der kommenden Woche. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass der nicht vollständig auskurierte Infekt der Grund für ihre schlechte derzeitige Verfassung ist.“

Gegnerin Sexton reagierte wenig begeistert auf die Absage der Deutschen. Schon seit Wochen kam es immer wieder zu Verbalattacken der Britin, in deren Zentrum häufig Gaffs beeindruckende Physis stand, die Sexton als Anlass für Doping-Vorwürfen nutzte. Einem von der Britin geforderten freiwilligen Doping-Test bei der Agentur VADA hatte sich Gaff jedoch unterzogen, das Resultat war negativ.

„Natürlich war der Test negativ“, kommentierte Sexton die Situation. „Und es ist ein seltsamer Zufall, dass sie nun, ohne Doping im Blut, auf einmal nicht kämpfen kann und unseren Fight absagt.“

„Sheila wollte unbedingt kämpfen und hat mich angefleht, trotzdem antreten zu dürfen. Ich habe ihr das aber verboten“, konterte Balschmieter gegenüber GroundandPound. Seinem Schützling gehe es seit der Absage „sehr, sehr schlecht“.

„Wenn sie dann jetzt noch Vorwürfe hört, sie würde sich wegen ihrem Dopingtest nicht trauen zu kämpfen, dann ist sie natürlich richtig sauer über das, was Rosi da von sich gibt. Das ist ne richtig linke Nummer von denen.“

Der Dopingvorwurf ist in einem physisch so fordernden Sport wie MMA allgegenwärtig, vor allem Sportler mit beeindruckender Optik sehen sich immer wieder in der Pflicht, sich selbst zu erklären, zu entschuldigen. Regelmäßig auftretende positive Doping-Tests nähren zudem das Misstrauen von Kämpfern und Beobachtern zusätzlich, saubere Sportler von schwarzen Schafen zu unterscheiden ist kaum möglich. Auch Gaff stand in der Vergangenheit bereits vermehrt im Fokus öffentlicher Diskussionen. Balschmieter möchte klarstellen:

„Sheila ist selbst total dagegen (zu dopen). Auch wenn sie für eine Frau recht kräftig aussieht, dann liegt das an ihrer Genetik und nicht an irgendwelchen Stoffen, die sie sich reinpfeift. Sheila nimmt überhaupt nichts, ich muss sie schon überreden, wenigstens Supplemente wie Eiweiß zu sich zu nehmen. Sheila ist von Natur aus kräftig und hat eine gute Physis, aber sie ist keine Doping-Sportlerin. Dass jetzt so schlecht von ihr geredet wird, macht ihr psychisch stark zu schaffen.“

In der kommenden Woche werden die Ergebnisse der Blutprobe erwartet, dann kann eine abschließende Diagnose gestellt werden. Ob der Kampf gegen Sexton nachgeholt werden kann, ist jedoch fraglich. Die Britin hatte nach Gaffs Absage ihren Rücktritt verkündet, weil der Sport ihr „zu unsauber“ sei. Balschmieter ärgert sich über diesen Schritt:

„Der Kampf (zwischen Gaff und Sexton) sollte ja schon einmal stattfinden. Angeblich hatte Rosi damals eine schwere Verletzung, aufgrund derer sie nie wieder hätte kämpfen können, stand aber wenige Monate später schon wieder auf der Matte und hat gegrappelt, was ich sehr mysteriös fand. Jetzt hat sie Sheila zu dem Dopingtest aufgefordert und wir haben ihn gemacht. Sie kann gerne zurücktreten, aber soll dann bitte auch ihre Statements unterlassen, sie würde Sheila von zehn Versuchen zehnmal schlagen und Sheila würde den Kampf nur wegen des VADA-Tests absagen. Sheila ist jederzeit bereit zu kämpfen und würde sogar krank mit ihr in den Ring steigen. Jederzeit. Und ich hoffe, dass sich Rosi noch einmal dazu hinreißen lässt, mit Sheila in den Ring zu steigen.“