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Österreich schlägt Serbien 6:3

Gerald Turek

Die gestrige „Ultimate Cage Fighters 3“-Gala in der gut gefüllten Bank Austria Halle in Wien war für die Österreicher gleich ein doppelter Erfolg: In einem Ländervergleichskampf besiegte die österreichische Nationalmannschaft das serbische Team nach einer spannenden Aufholjagd mit 6:3 und Jasminka Cive gelang es, als erste Österreicherin einen Frauen-MMA-Titel in das Alpenland zu holen.

Sieg für Jasminka CiveEine sehr erfolgreiche Thaiboxerin war sie schon, am 8. Mai fügte Cive ihrer Trophäensammlung im Zuge ihres MMA-Debüts eine weitere hinzu: den Internationalen Österreichischen Titel der ISKA. Die erste österreichische MMA-Kämpferin stand im Hauptkampf von „Ultimate Cage Fighters 3“, die vom Iron Fist Gym organisiert wurde, der Ukrainerin Olga Denisenko gegenüber. Nach einem anfänglichen Schlagabtausch gingen die Damen in den Clinch. Denisenko zerrte Cive auf den Boden in deren Guard. Cive sweepte sie, gelang dadurch in die Halfguard und landete ein paar Schläge aus der Oberlage. Daraufhin drehte Denisenko den Spieß wieder um. Cive hatte Denisenko nun in ihrer Guard und erarbeitete sich einen Arm Triangle Choke aus der Unterlage. Denisenko konnte dagegen keinen Widerstand leisten und gab auf. Ein gelungener Start in die MMA-Karriere.

Für den Ländervergleichskampf zwischen Österreich und Serbien waren nach dem Ausfall von Lincon Rodrigues, der sich kurz vor der Veranstaltung Kiefer gebrochen hatte, neun Kämpfe angesetzt. Zwar anwesend, aber nicht für ihr Heimatland im Käfig aktiv – und das sollte sich bemerkbar machen – waren die beiden momentan besten serbischen Kämpfer Aleksandar Radosavljevic und Dragan Tesanovic.

Den ersten Kampf im Ländervergleich bestritten Vaso Bakocevic (Serbien) und Ivan Rodrigues (Österreich). Die ersten Minuten ihres Duells verbrachten die beiden damit, sich im Clinch wechselweise gegen den Käfig zu pressen und vereinzelt den einen oder anderen Schlag anzubringen. Dann erwischte Bakocevic seinen Gegner im Schlagabtausch plötzlich mit einer schnellen Kombination, woraufhin Rodrigues zu Boden ging und gegen die Käfigwand lehnte. Bakocevic stürmte sofort auf ihn zu und schenkte ihm einen Treffer ins Gesicht ein. Noch ehe Bakocevic richtig nachsetzen konnte, klopfte Rodrigues ab.

Österreich 0 – 1 Serbien

Josif Il Said (Serbien) baute die Führung der Serben anschließend weiter aus. Gleich zu Beginn des Kampfes gegen Klaus Kienzle (Österreich) landete er mit seinen mächtigen Schwingern schwere Treffer. Ein linker Haken legte den Österreicher nur wenige Sekunden später schlafen. Il Said behält weiterhin seine weiße Weste.

Österreich 0 – 2 Serbien

Nach diesem Fehlstart lag es an Markus Di Gallo (Österreich), für den Anschluss zu sorgen. Er und Marko Milosavljevic (Serbien) tauschten zunächst Schläge und Tritte aus, ehe Di Gallo das Geschehen mit einem Takedown auf den Boden verlagerte. Schnell war die Halfguard passiert und der Weg frei für die Mountposition. Di Gallo ließ kräftiges Ground and Pound auf Milosavljevic herunterprasseln und zwang den Ringrichter dadurch, den Kampf zu beenden.

Österreich 1 – 2 Serbien

Für reichlich Unmut unter den Zuschauern sorgte die sehr zähflüssige Begegnung zwischen Dejan Topalski (Österreich) und Bojan Vojnovic (Serbien). Sie tasteten sich drei Runden lang nur ab und ließen über weite Strecken jegliche Aktivität und Aggressivität vermissen. Topalski punktete bisweilen mit Lowkicks und versuchte sich ab der zweiten Runde vereinzelt auch an höheren Tritten. Vojnovic konterte seinerseits mit Tritten, jedoch ohne nennenswerten Erfolg. In der dritten Runde versuchte Vojnovic, das Blatt mit Buttscooting und halbherzigen Takedowns, die Topalski allesamt abwehrte, zu wenden. Der Punktsieg war Topalski jedoch nicht mehr zu nehmen – der Ausgleich für Österreich, wenn auch ein schmeichelhafter.

Österreich 2 – 2 Serbien

Dzukic vs. AbdulrachmanovWesentlich aufregender wurde es beim Kampf zwischen Dusan Dzakic (Serbien) und Valid Abdulrachmanov (Österreich), die sich in der ersten Runde auf der Matte beharkten. Abdulrachmanov versuchte es mit einem Triangle Choke und einem Armhebel, doch Dzakic befreite sich aus beiden Aufgabegriffen. Aus der Guard von Abdulrachmanov heraus agierte er mit Ground and Pound. Dem wiederum gelang es, die Backmount einzunehmen. Den Rear Naked Choke konnte Abdulrachmanov jedoch nicht anbringen und Dzakic fand sich in dessen Guard wieder. Dann die große Überraschung: Mit der allerersten Aktion des zweiten Durchgangs, nur wenige Sekunden nach dem Rundenstart, knockte Dzakic seinen Gegner eiskalt aus. Ein gewaltiges eingesprungenes Knie schickte Abdulrachmanov ins Land der Träume.

Österreich 2 – 3 Serbien

Als nächstes waren Mirsad Bogucanin (Österreich) und Zika Zaketa (Serbien) an der Reihe. Bogucanin eröffnete die Auseinandersetzung mit einer gepfefferten Schlagsalve. Danach brachte er Zaketa mit einem Trip-Takedown auf den Boden. Ohne Zeit zu verschwenden, legte Bogucanin mit hartem Ground and Pound aus der Mountposition los. Zaketa zeigte keine Gegenwehr und der Ringrichter beendete den Kampf. Erneut war Österreich der Ausgleich gelungen.

Österreich 3 – 3 Serbien

Die Hoffnung lag jetzt beim MMA Austria Heavyweight Champion Sascha Weinpolter (Österreich), sein Land erstmals in Führung zu bringen. Kein leichtes Unterfangen gegen einen zähen Kämpfer wie Stevan Tuovic (Serbien). Nach einer längeren Abtastphase in der ersten Runde gab es einen wilden Schlagabtausch nach dem anderen. In Runde zwei ging es genauso weiter. Weinpolter und Tuovic ließen rücksichtslos die Fäuste fliegen und schwangen um sich, was das Zeug hielt. Weinpolter landete zunehmend die besseren Treffer. Der Spezialist für Standkampf stellte Tuovic an der Käfigwand und feuerte eine Schlagsalve ab. Tuovic schien fast stehend KO zu sein und kassierte weitere Treffer von Weinpolters linker Klebe. Er weigerte sich strikt, umzufallen, doch der Ringrichter hatte genug gesehen und brach den Kampf ab. Die Führung für Österreich!

Direkt nach Kampfende forderte Aleksandar Radosavljevic den siegreichen Sascha Weinpolter zu einem Kampf bei der nächsten Veranstaltung der Ultimate Cage Fighters heraus.

Österreich 4 – 3 Serbien

Gerard GorewodaNun hatte Gerard Gorewoda (Österreich) die Möglichkeit, mit einem Sieg über Srdjan Sekulic (Serbien) den Matchball für die Gastgeber zu verwandeln. Zwar nennt sich Sekulic „Crazy Serbian Dancer“, den höchsten Unterhaltungswert beim Einmarsch gab es jedoch bei Gorewoda, der zu dem Titellied von „Wickie und die starken Männer“ komplett mit Kostüm in den Käfig getänzelt und gegroovt kam. Die amüsante Tanznummer dauerte dann auch länger als der eigentliche Kampf. Nachdem Gorewoda und Sekulic ein paar Schläge und Kicks ausgetauscht hatten, fällte Gorewoda den Serben mit einem platzierten Tritt zum Kopf. Gorewoda ließ noch den einen oder anderen Schlag folgen, um sicherzustellen, dass der Ringrichter den Kampf auch beendet. Damit war der Sieg Österreichs im Ländervergleich sichergestellt. Die Frage war nur noch, wie hoch er ausfallen würde.

Österreich 5 – 3 Serbien

Diese wurde von Gerald Turek (Österreich) eindrucksvoll beantwortet. Ilija Loncar (Serbien) ging mit einer Schlagkombination auf Turek zu, was dieser zu einem Takedown in die Halfguard ausnutzte. Von da an gab „Geri“ diese Position nicht mehr auf. Loncar verteidigte sich eine Weile ziemlich geschickt gegen das Ground and Pound des österreichischen Schwergewichts, aber Turek blieb geduldig und mit der Zeit kamen immer mehr Treffer durch. Schließlich war der Weg frei für Tureks starke Linke und er setzte Loncar damit so schwer zu, dass dem Ringrichter nichts anderes übrig blieb, als einzuschreiten. Der fünfte Sieg in Folge für Turek. Somit hatte Österreich nach kleinen Startschwierigkeiten auch den zweiten Ländervergleich bei Ultimate Cage Fighters (im Februar besiegte man die Slowakei 7:2) souverän für sich entschieden.

Österreich 6 – 3 Serbien

Nicht zum Ländervergleich gehörte der erste Kampf des Abends zwischen Leonhard Liauw und dem Tschechen Vlada Jasek. Liauw strengte sich zu Beginn sehr an, ein Double-Leg-Takedown zu bekommen, wurde dafür jedoch von Jasek in die Sidecontrol gesweept. Im folgenden Gerangel setzte Liauw zum Triangle Choke an. Jasek wollte nicht aufgeben und so sweepte ihn Liauw in die Mountposition, die Beine immer noch fest zum Triangle Choke verhakt. Aus der Oberlage hämmerte Liauw einige Male auf Jasek ein, ehe der Ringrichter dazwischen ging.

Fadi MerzaNeben den zehn MMA-Kämpfen bot die Veranstaltung auch drei Kickboxkämpfen nach Oriental Rules. Selbstredend ließ es sich der ISKA-Weltmeister Fadi Merza nicht nehmen, vor heimischem Publikum einen Auszug seines Könnens zu zeigen. Gegen den Ungarn Christian Jaszhk war der „Man of many Colors“ drei Runden lang der variablere Kämpfer mit den vielseitigeren Aktionen. Schlüssel zum Erfolg waren die Lowkicks, die Jaszhk bereits in der ersten Runde Probleme bereiteten. In Runde drei holte Merza seinen Gegner zweimal mit seinen harten Lowkicks von den Beinen. Beim zweiten Mal wurde Jaszhk angezählt. Kurz darauf gelang Merza mit einem eingesprungenen Kniestoß der zweite Niederschlag, der dann auch das Kampfende herbeiführte. Eine gelungene Generalprobe für seinen bedeutenden Kampf am 5. Juni gegen Foad Sadeghi.

Sehr souverän war auch die Leistung von René Hackl, der sich mit dem Tschechen Jan Zahradník eine ausgeglichene erste Runde lieferte. Zahradník punktete mit Körpertreffern, während Hackl einige Lowkicks und Kniestöße aus dem Thaiclinch anbrachte. Auch im zweiten Durchgang arbeitete Zahradník viel mit Schlägen zum Körper. Hackl hingegen sorgte mit einem rechten Highkick für den ersten Niederschlag des Kampfes. Kurz darauf setzte Hackl seinem Gegner abermals mit Kniestößen aus dem Thaiclinch zu. Ein weiterer Highkick beförderte Zahradník wieder auf die Bretter. Er wurde erst angezählt und anschließend vom Ringrichter aus dem Kampf genommen.

Den Eröffnungskampf der Veranstaltung bestritten Cem Dursan und der Tscheche Petr Vondrášek. Dursan war sehr oft mit der 1-2-Kombination plus Lowkick erfolgreich, Vondrášek arbeitete viel mit seiner harten Rechten. Der Kampfverlauf war über weite Strecken relativ ausgeglichen. Vermutlich war daher der Niederschlag, den Vondrášek in der ersten Runde mit einem rechten Haken erzielte, der entscheidende Faktor für seinen Punktsieg nach drei Runden.

Ultimate Cage Fighters 3 – „Austria vs. Serbia“
8. Mai 2010
Bank Austria Halle (Gasometer B) in Wien, Österreich


ISKA MMA Frauentitelkampf
Jasminka Cive bes. Olga Denisenko via Arm Triangle Choke in Rd. 1

MMA
Gerald Turek bes. Ilija Loncar via TKO in Rd. 1
Gerard Gorewoda bes. Srdjan Sekulic via TKO in Rd. 1
Sascha Weinpolter bes. Stevan Tuovic via TKO in Rd. 2
Mirsad Bogucanin bes. Zika Zaketa via TKO in Rd. 1
Dusan Dzakic bes. Valid Abdulrachmanov via KO in Rd. 2

Kickboxen (Oriental Rules)
Fadi Merza bes. Christian Jaszhk via TKO in Rd. 3

MMA
Dejan Topalski bes. Bojan Vojnovic nach Punkten

Kickboxen (Oriental Rules)
René Hackl bes. Jan Zahradník via TKO in Rd. 2

MMA
Markus Di Gallo bes. Marko Milosavljevic via TKO in Rd. 1
Josif Il Said bes. Klaus Kienzle via KO in Rd. 1
Vaso Bakocevic bes. Ivan Rodrigues via Aufgabe in Rd. 1
Leonhard Liauw bes. Vlada Jasek via TKO in Rd. 1

Kickboxen (Oriental Rules)
Petr Vondrášek bes. Cem Dursan nach Punkten

Vielen Dank an Daniel Milinovic und Nenad Krnjaić für die Bilder! Eine schöne Galerie mit vielen weiteren Fotos findet ihr unter www.ks-foto.at sowie in Kürze auch bei den österreichischen Kollegen von freefighter.at und kampfsport1.at.