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„Mein Ziel war es schon immer, Weltmeisterin zu werden“

Sheila Gaff und ihr Trainer Andre Balschmieter. (Foto: Tim Leidecker/Groundandpound.de)

Für Deutschlands erfolgreichste MMA-Kämpferin ist ein Traum in Erfüllung gegangen, der vor einigen Monaten noch unerreichbar schien. Sheila Gaff (10-4-1) kämpft an diesem Samstag erstmals in der UFC. Das 23 Jahre alte Fliegengewicht aus Eschwege tritt bei UFC 159 in Newark, New Jersey gegen die ungeschlagene Sara McMann (6-0) an, eine olympische Silbermedaillengewinnerin im Freistilringen. Fans in Deutschland können den Kampf ab ca. 2.30 Uhr live und kostenlos unter diesem Link auf UFC.tv verfolgen.

Groundandpound.de: Sheila, wie glücklich bist du über dieses Ereignis?
Sheila Gaff: Ich freue mich sehr, mein Können in Zukunft im Octagon unter Beweis stellen zu können. Den Vertrag mit der UFC zu diesem Zeitpunkt zu bekommen, wo es als Europäerin sehr schwierig ist, verpflichtet zu werden - und da durch die Übernahme der ganzen Strikeforce-Kämpfer ohnehin zu viele Sportler im Kader stehen -, macht mich umso glücklicher und ist ein Beweis dafür, wie professionell mein Team gearbeitet hat.

War es dein ultimativer Traum, in der UFC zu kämpfen?
Ich will ehrlich sein: Zu diesem Zeitpunkt gab es für mich nur zwei Optionen. Entweder es hätte mit der UFC geklappt, und darüber bin ich sehr glücklich, oder ich hätte mit dem MMA-Sport aufgehört und mich im Profiboxen versucht. Ich denke, es ist der Traum jedes ambitionierten Kämpfers und jeder ambitionierten Kämpferin, sich einmal im Leben mit den allerbesten messen zu können. Mein Ziel war es schon immer, Weltmeisterin zu werden, und diesem Ziel bin ich jetzt ein großes Stück näher gekommen.

Was bedeutet es für dich, als erste deutsche Kämpferin in das Octagon steigen zu können?
Um ehrlich zu sein, kann ich es immer noch nicht so richtig glauben. Ich werde es wahrscheinlich wirklich erst zu hundert Prozent realisieren, wenn ich im berühmten Octagon der UFC stehe und Bruce Buffer meinen Namen ruft. Als erste deutsche Kämpferin und zweite Europäerin überhaupt diese Chance zu bekommen, macht mich sehr stolz! Ich weiß, dass ich eine große Verantwortung habe, nicht nur mich selbst, meinen Trainer und mein Team zu repräsentieren, sondern dort im Octagon kämpfe ich für alle deutschen Fans. Ich nehme das sehr ernst und werde alles dafür tun, das in mich gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen und mit guten Leistungen zurückzuzahlen.
Du hast sonst im Fliegengewicht (56kg) gekämpft. Nun machst du dein Debüt im Bantamgewicht (61kg). Befürchtest du einen Gewichtsnachteil gegenüber deiner Gegnerin?
Ich habe in der Vergangenheit sogar bis 66kg gekämpft und bin immer konkurrenzfähig gewesen. Sicherlich ist das Fliegengewicht meine beste Gewichtsklasse, aber vor den vier Kilo mehr, die meine Gegnerinnen jetzt haben werden, ist mir nicht bange.

Sheila Gaff nach einem Sieg bei Cage Warriors. (Foto: Dolly Clew/Cage Warriors)
Sara McMann war im Ringen in der 63kg-Klasse sehr erfolgreich und kocht vor Kämpfen einiges an Gewicht ab. Wie gehst du mit dem Gewichtsunterschied um?
Ich denke nicht, dass die paar Kilo einen großen Ausschlag geben werden. Ich werde auch im Bantamgewicht genug Kraft haben, um mit allen meinen Gegnerinnen mitzuhalten. Mein Kampfstil ist es ohnehin nicht, meine Gegnerinnen zu werfen und dann auf ihnen zu liegen, sondern vom ersten Ringgong an mit schnellen Händen Druck zu machen und den Knock-out zu suchen.
McMann ist bekannt als eine der besten Ringerinnen im Frauen-MMA. Mit wem bereitest du dich darauf vor, wie gehst du mit dieser neuen Herausforderung um?

Ich werde mich auf den Kampf wie gehabt mit meinem Cheftrainer Andre Balschmieter vorbereiten. Andre trainiert mich jetzt schon seit über zehn Jahren, und er ist auf jeden Fall der Vater des Erfolgs. Außerdem habe ich vor, auf diesen Kampf in der Arena Aschaffenburg bei Franco de Leonardis und Achilleas Chalkidis zu trainieren. Franco und Achilleas haben sehr gute Kontakte zu Weltklasseringern und sehr viel Erfahrung mit den Trainingsmethoden aus dem Ringen, deshalb ist das Training in der Arena das Beste, was mir in dieser Situation passieren kann.

Sicherlich werde ich mein Ringen innerhalb von zwei Monaten nicht auf das Niveau von Sara McMann bringen können, aber wir messen uns in einem Faustkampf, nicht in einem Ringkampf. Ich muss also "bloß" wissen, wie ich ihre Würfe abwehren kann, bzw. gar nicht erst in die Situationen gerate, in denen sie mich werfen kann.

Hast du spezielle Trainingspartner besorgt, um dich ans Gewicht zu gewöhnen?
Ich habe schon immer sehr gut mit schwereren Trainingspartnern trainiert und habe kein Problem damit, wenn meine Gegnerinnen ein paar Kilo mehr wiegen.

McMann legte offen, dass sie über einen Titelkampf gegen Rousey nachdenkt, davor jedoch einige Aufbaukämpfe will. Wo siehst du dich bei einem Sieg – womöglich in der Nähe eines eigenen Titelkampfes?
An einen Titelkampf denke ich noch nicht. Sicherlich wäre es ein Traum, einmal um den Titel antreten zu dürfen, aber das ist noch ganz weit weg. Sara McMann ist die mit Abstand stärkste Gegnerin meiner Karriere bis dato und sie zu schlagen, wäre ein unglaublicher Erfolg für mich. Mir ist sehr wohl bewusst, dass die Bantamgewichtsklasse der Damen in der UFC quantitativ noch nicht sehr tief besetzt ist und es im Erfolgsfall alles ganz schnell gehen kann. Deshalb bin ich umso mehr in der Pflicht, mich so gut wie möglich vorzubereiten und alles zu geben. Ob und wann das jedoch so weit sein wird, lasse ich alles auf mich zukommen.

Ist das UFC-Debüt im April nun eher mit Druck belastet oder liefert es ganz im Gegenteil Stolz und erwartungsvolle Freude?
Druck verspüre ich überhaupt keinen. Im Gegenteil, ich sehe es als große Belohnung und als Privileg an, in der größten und besten Liga der Welt kämpfen zu dürfen. Ich bin ein 23-jähriges Mädel aus Hessen, Sara McMann hat bei Olympia gerungen und Medaillen gewonnen. Sie wird deutlich mehr Druck haben als ich, weil sie auf dem Papier die haushohe Favoritin ist. Mir gefällt die Rolle der Außenseiterin aber sehr gut. So war das auch vor meinen letzten Kämpfen und am Ende konnte ich mich immer durchsetzen.

MMA-Deutschland drückt dir die Daumen. Danke für das Interview und viel Erfolg bei UFC 159.
Ich möchte mich bei meinem Trainer Andre Balschmieter für die jahrelange Arbeit und bei meiner Familie für ihr Verständnis und ihre Unterstützung bedanken. Ein besonders großer Dank gilt meinem Papa, der immer an mich geglaubt hat, auch als es einmal nicht so rund lief. Vielen Dank auch an meine Fans und die Leser von GroundandPound. Ich hoffe, dass ich euch auch weiterhin mit tollen Kämpfen glücklich machen kann und ihr mir weiter so toll die Treue haltet!