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Marcin Bandel über Kampf gegen Jangubaev, UFC in Lodz, Brinsa

Marcin Bandel (Foto: Dorian Szücs/Groundandpound.de)

Marcin Bandel (11-2) zählt zu den besten Mittelgewichten Polens. Seit März lebt der BJJ-Braungurt in Halle an der Saale, wo er das MMA- und BJJ-Training im la familia Fightclub leitet. Seinen Aufenthalt in Deutschland nutzt der 24 Jahre junge GMC-Mittelgewichtschampion zugleich dafür, seine Fähigkeiten im Stand zu verbessern. Im November wird er zum zweiten Mal unter dem Banner von la familia in den Ring steigen. Bei der la familia Fightnight in Saalfeld wird er auf Musa Jangubaev (9-2) treffen und es auf den elften Sieg in Folge abzielen. Mit Groundandpound.de hat er sich über das Training im halleschen Verein, seinen kommenden Kampf, die geplante UFC-Veranstaltung in seiner Heimatstadt Lodz sowie über seinen Trainingspartner Benjamin Brinsa unterhalten.

Groundandpound.de: Wie gefällt es dir momentan hier in Deutschland im la familia Gym?
Marcin Bandel: Ich trainiere hier viel an meinem Stand-up. Das ist eines der besten Kickboxgyms, das ich je gesehen habe. Ich trainiere mindestens einmal täglich K-1 oder Boxen mit den Cheftrainern und ich glaube, dass es unmöglich ist, hier keine Fortschritte zu machen.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit la familia?
Das ist eine lustige Geschichte. Peter Sobotta hat hier schon (in einem Seminar) gute Arbeit geleistet und die polnische Website GrapplerINFO hat mich letztendlich angerufen und gesagt, dass in Deutschland ein junger Mann gesucht wird, der nicht schlecht am Boden ist und im MMA kämpft. Ich sagte: „Okay, ich kann es ja mal versuchen". Und jetzt bin ich hier.

Du bist für deine Fähigkeiten am Boden bekannt. Denkst du, dass dich dein Aufenthalt hier als MMA-Kämpfer weiterbringen wird?
Ja, auf jeden Fall. Ich bin am Boden nicht perfekt, aber es ist okay. Jetzt arbeiten wir stetig an meinem Stand-up. Meine Trainer sagen, dass ich gute Fortschritte mache. Ich werde von Tag zu Tag besser, aber das ist alles nur ein winziger Teil des Ganzen. Ich muss noch viel mehr trainieren, doch ich bin motiviert.

Wirst du dich in deinen Kämpfen in Zukunft variabler zeigen?
Ich will eigentlich keine große Show machen. Wenn ich die Möglichkeit zur Submission sehe, dann will ich den Kampf auch damit beenden. Ich habe jetzt aber keine Angst, mich mit anderen im Stand zu messen. Ich kann dort genauso kämpfen. Es sitzt mir möglicherweise noch immer tief im Kopf, den Takedown zu suchen. In meinem letzten Kampf war ich aber bereit dazu, lange Zeit mit Veselin Dimitrov zu stehen.

Du hast jetzt schon einige Veranstaltungen in Deutschland besucht und auch auf manchen gekämpft. Wo siehst du MMA in Deutschland im Vergleich zum MMA in Polen?
Ich denke, dass das polnische MMA das beste in Europa ist. Dort herrscht das höchste Level. Euer MMA ist vergleichbar mit KSW vor sieben Jahren. Ihr hinkt da noch etwas zurück. Es muss noch Aufklärungsarbeit bezüglich MMA geleistet werden. Boxen hat hier auch einen sehr hohen Stellenwert. Wenn Boxen mit der Zeit ausstirbt, dann wird MMA durchstarten. Das ist die Zukunft.

Du hast deinen ersten Kampf unter dem Banner von la familia im September bestritten und Veselin Dimitrov nach einer Minute zur Aufgabe gezwungen. Was war der Gameplan?
Ich wollte den Kampf erst im Stand halten und auf seinen ersten Schritt warten. Ich glaube, dass er meine Kicks gespürt hat und darum versucht hat, mich zu Boden zu bringen. Das konnte ich dann kontern und ich habe genommen, was er mir am Boden angeboten hat. Er hat mir die Möglichkeit zum Omoplata gegeben, also habe ich ihn mit einem Omoplata zur Aufgabe gezwungen.

Marcin Bandel beim Training.Dein nächster Kampf ist im November gegen Musa Jangubaev. Ich habe gehört, dass es ein paar Probleme gab, einen Gegner für dich zu finden.
(lacht) Was soll ich sagen. Wir haben viele Leute angerufen. Ich weiß, dass einige von ihnen ein bisschen gelogen haben. Ich will gegen die besten Kämpfer antreten. Wir haben Pläne und ich denke, dass wir gute Arbeit leisten. Es ist aber das gleiche Problem, wie bei Benny (Brinsa) und Max (Birkner). Das ist also keine neue Situation für Madi und Matze (Cheftrainer vom la familia Fightclub) keine Gegner zu finden. Dann muss halt der nächste ran.

Was weißt du über deinen nächsten Gegner?
Ehrlich gesagt weiß ich nicht allzu viel. Ich weiß, dass er ein Ringer ist. Er hat bei der 4. la familia Fightnight gegen einen meiner Schüler gekämpft. Es interessiert mich auch nicht wirklich, was er kann. Ich denke da eher über meine Fähigkeiten nach.

Wird der Kampf im Weltergewicht stattfinden?
Nein, der Kampf findet bis 80 Kilogramm statt. Ich denke, dass mein übernächster Kampf im Weltergewicht stattfinden wird. Ich gehe Schritt für Schritt im Gewicht nach unten.

Du bist der GMC-Mittelgewichtschampion. Wirst du den Titel irgendwann verteidigen?
Bislang hat mich noch keiner deswegen angerufen. Ich habe momentan keine Pläne dafür. Wenn ich ein gutes Angebot bekomme und die Zeit es zulässt, können wir das gerne machen. Momentan ist das aber nicht wichtig für mich.

Du bist auf dem Weg, deine Siegesserie auf elf Kämpfe auszubauen. Die UFC will nächstes Jahr eine Veranstaltung in deiner Heimatstadt Lodz abhalten (GnP berichtete). Die Chancen stehen nicht schlecht, dass du ein Angebot bekommst. Fühlst du dich bereit dazu, ins Octagon zu steigen?
Ich denke, dass ein Kämpfer nie vollkommen dazu bereit ist, diesen Schritt zu gehen. Wenn ich die Chance bekomme, kann ich natürlich nicht nein sagen. Das ist aber jedem Kämpfer sehr wichtig. Ich würde vorher kompetentere Leute fragen, ob ich bereit bin. Wenn sie sagen, dass ich kämpfen kann, dann würde ich es annehmen. Sagen sie, dass meine Zeit noch nicht gekommen ist, dann werde ich vermutlich warten. Ich habe ja noch Zeit. Ich bin jetzt 24 Jahre alt. Ich muss nicht unbedingt nächstes Jahr dort kämpfen. Wenn ich aber weiter hart trainiere, dann wird meine Zeit kommen.

Du wirst Deutschland bald verlassen, um dein Studium in Polen zu beenden. Was würdest du tun, wenn die UFC dir gerade dann einen Vertrag anbieten würde?
Das Studium ist wichtig, aber ich könnte ja auch noch ein Jahr Pause machen, um zu trainieren (lacht). Ich weiß, dass die UFC nächstes Jahr nach Lodz kommen will, aber ich will im nächsten Jahr auch mein Studium fertig bringen. Dann wird alles leichter für mich. Ich will im Mai oder Juni fertig werden und dann habe ich viel Zeit. Jetzt konzentriere ich mich aber nur auf meinen Kampf im November. Dann können wir über die nächsten Schritte reden.

Wirst du nach dem Studium zurückkommen?
Das kann ich noch nicht hundertprozentig sagen. Die Jungs wollen, dass ich wieder komme. Ich denke, dass das auch für mich gut wäre. Wir werden sehen.

Einer deiner Trainingspartner ist Benjamin Brinsa. Er wurde von der UFC verpflichtet und direkt wieder entlassen (GnP berichtete). Was sagst du zu dieser ganzen Sache?
Das ist so bescheuert. Ich verstehe nicht wirklich, warum die Leute die UFC so sehr unter Druck gesetzt haben. Ich denke, dass es gute Werbung für euer Land gewesen wäre, so einen talentierten Kämpfer in der UFC zu haben. Er ist ein sehr guter Kämpfer. Sicher hat er in der Vergangenheit einige Dinge getan. Aber jetzt trainiert er hier jeden Tag mit mir zusammen. Ich denke, dass MMA für ihn so etwas wie eine Resozialisierung ist. Warum sollte man so etwas blockieren? Manche Leute wollen sein Leben zerstören. Das ist so dämlich. Aber es geht nicht nur um Benny. Benny trainiert hier und es wird gesagt, dass er ein Nazi ist. Es wird außerdem gesagt, dass hier sehr viele Nazis trainieren. Ich komme aus Polen und ich sehe hier sehr viele Ausländer trainieren. Manchmal sind in der Umkleide vielleicht zwei von zehn Leuten deutsch und jeder respektiert hier jeden. Ich habe hier noch nie etwas Fremdenfeindliches erlebt. Das ist totaler Schwachsinn. Wenn das hier einer von den anderen Medien liest, die so etwas verbreitet haben: Ihr seid Idioten. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Möchtest du noch jemanden grüßen?
Ich will alle Kämpfer in Polen, meine Familie, Drysdale Jiu-Jitsu Lodz, den la familia Fightclub, meine Trainer Matze, Madi, Ferenc, Marco, Ronny, meinen Sparringspartner und guten Kumpel Benny grüßen. Und ich wünsche mir, dass ihr zu Sinnen kommt und aufhört, talentierte Kämpfer wie Benny zu blockieren. Außerdem möchte ich meinem Sponsor Pitbull danken.

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Marcin Bandel steigt am 16. November bei der la familia Fightnight in Saalfeld gegen Musa Jangubaev in den Ring. Informationen zum weiteren Programm sowie zum Ticketverkauf gibt es unter www.la-familia-fightclub.de