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Jeder Kampf ist wichtig!

Andreas „Big Daddy“ Kraniotakes im Interview vor zwei wichtigen Kämpfen. (Foto: Elias Stefanescu/Groundandpound.de)

Am 1. Juni sicherte sich Andreas Kraniotakes (17-7-1) bei Gladiators FC 2 den ersten MMA-Titel seiner Karriere. Bei GMC 4 heimste "Big Daddy" nur einen Monat später bereits das nächste Gold ein. Jetzt soll am 26. September ein weiterer Gürtel dazukommen, denn dort wird der Koblenzer bei „European MMA: The Real Deal“ in Kopenhagen um den Schwergewichtstitel der Organisation kämpfen. Kurz darauf ist ein Einsatz bei Roundhouse in Berlin geplant. Wir sprachen mit Deutschlands Schwergewicht Nummer eins.

Groundandpound.de: Dein nächster Gegner ist Christian Colombo. Was weißt du über ihn?
Andreas Kraniotakes: Ich weiß, dass er ein bisschen so aussieht wie Antonio "Big Foot" Silva und dass er in seinem letzten Kampf einen Deutschen besiegt hat. Ich vermute, dass sie jetzt bei dem Titelkampf einen weiteren Deutschen buchen wollen, um den dann zu verprügeln. Da habe ich aber natürlich auch noch ein Wörtchen mit zu reden. Hoffen wir mal, dass mich meine Rhetorik nicht im Stich lässt.

Wie schätzt du ihn ein als Kontrahent? Mit welchem Kampfverlauf rechnest du?
Er ist relativ offensiv, was mir sehr zugute kommt. Ich freue mich auf einen ereignisreichen Kampf. Ausgänge sage ich nicht vorher, aber wie die meisten da draußen wissen, hasse ich es, über die komplette Zeit zu kämpfen. Also mal sehen was man dagegen machen kann.

Hast du ihn bereits studiert bzw. Schwachstellen analysiert?
Schwachstellen haben wir alle. Ich bin mir sicher, dass er auch bei mir schon welche ausgemacht hat. Ich versuche mich jedoch eher auf meine Stärken zu konzentrieren als auf die Schwächen oder das Können meines Gegners. Was ich tue, kann ich beeinflussen und deshalb liegt darauf mein Fokus.

Mit wem bereitest du dich auf diesen Kampf vor?
Ich bin wie immer häufig in Aschaffenburg und auch bei meinen Planeten Fressern um Peter Sobotta, um mich angemessen vorzubereiten. Natürlich trainiere ich aber auch mit meinen Freunden aus Köln, Frankfurt und Nürnberg wann immer ich kann. Ich bin ja der Meinung, dass wir innerhalb der deutschen MMA-Szene mehr und häufiger zusammen trainieren sollten und lieber den anderen auf die Mütze hauen sollten, als uns gegenseitig die Profi-Rekorde zu vermiesen. Daher ist meine Philosophie, mit jedem zu trainieren.

Der Kampf wird in Dänemark stattfinden, zu Hause bei Colombo. Wird das ein Problem?
Bislang habe ich keinen Grund davon auszugehen, dass die Punktrichter bewusst gegen mich sein werden bei diesem Kampf. Allerdings habe ich in meiner Karriere noch keine einzige Punktentscheidung gewonnen. Deshalb versuche ich einfach, keine Zweifel zu hinterlassen, nachdem der letzte Gong ertönt ist.

Es geht erneut um einen Titel. Es wäre dein dritter, diesmal der der European-MMA-Organisation. Was würde dir der internationale Erfolg bedeuten?
Es wäre natürlich schön, noch einen Gürtel mit nach Hause zu nehmen. Ab drei darf man doch schon von einer Sammlung reden, oder (lacht)? Aber am Ende des Tages ist es zwar schön, um ein paar nette Bilder mit dem glänzenden Ding zu machen, letztlich bleibt es jedoch "nur" ein Kampf. Wenn ich Leute treffe, die nicht so viel mit dem Sport zu tun haben, werde ich oft gefragt: "Und, wann ist Dein nächster Kampf? Ist der wichtig?" Und ich antworte immer gleich: "Jeder Kampf ist wichtig." Es gibt da für mich keine Abstufungen. Champion bin ich für mich sowieso maximal an dem Abend, an dem ich den Gürtel gewinne. Danach ist wieder alles offen. Bei der nächsten Titelverteidigung kann ich genauso schnell wieder alles verlieren, und wenn man sich als Champion sieht, dann ist die Gefahr denke ich zu groß, dass man aufhört, hart an sich zu arbeiten!

Ist ein Titelkampf mit mehr Druck belastet?
Wie ich eben beschrieben habe, für mich eigentlich nicht. Das einzige, was sich natürlich erheblich unterscheidet, ist die Kampfdauer. Selbst Leichtgewichte fragen mich häufig, wie ich das nur geschafft habe, in der Vergangenheit fünf mal fünf Minuten zu kämpfen. Es ist wirklich sehr sehr anstrengend und für viele, die das erste Mal in dieser Situation sind, ist es auch schwer, den Kampfstil entsprechend anzupassen. Ich halte mich jedoch für erfahren genug, das richtige Tempo zu finden.

In einem unserer letzten Interviews sagtest du, dass jetzt endlich deine Zeit gekommen ist. Du solltest Recht bewahren, denn es folgten zwei Titelgewinne. Was hast du verändert, damit dies möglich wurde?
Es ist so simpel wie es schwierig ist: Ich habe meine Einstellung geändert. Eigentlich ist nicht wirklich viel passiert. Aber die Minuten vor dem Kampf stimme ich mich anders ein. Mein Team weiß das und hilft mir dabei, in den für mich geeigneten Modus zu kommen. Das ist eigentlich schon alles. Jeder, der schon einmal gekämpft hat, weiß, dass man nur einen bestimmten Prozentsatz dessen abruft bzw. zeigen kann, wessen man eigentlich fähig wäre. Die Stimmung, mit der man in den Käfig steigt, ist da ein sehr wichtiger Faktor.

Hat sich etwas durch das Titelgold in deinem Leben geändert?
Nein. Jedenfalls nichts, das ich bemerkt hätte.

Andreas Kraniotakes hat ein Ziel vor Augen. (Foto: Artur Lik)

Nur etwas mehr als eine Woche darauf wirst du bei Roundhouse in Berlin antreten. Denkst du schon an den Kampf oder steht erstmal nur Dänemark im Vordergrund?
Ich versuche mich immer auf die nächste Aufgabe zu fokussieren. Allerdings ist ja der nächste Kampf wirklich fast unmittelbar nach diesem in Dänemark. Demnach denke ich schon hin und wieder daran und muss auch einige organisatorische Schritte jetzt schon angehen. Das ist aber eigentlich kein Problem für mich. Ich fühle mich sehr gut bei dem Gedanken, zweimal hintereinander zu kämpfen.

Eine mögliche Verletzung könnte deinen Roundhouse-Auftritt verhindern. Spielt das irgendeine Rolle im Hinterkopf? Könnte das evtl. den Kampf negativ beeinflussen, dass man weniger riskiert oder sich zurückhält?
Wahrscheinlich werde ich die Flying Armbars weglassen. Dabei kann man ja auf den Kopf fallen und sich wehtun. Für alle meine Fans, die sich auf meinen beinahe schon legendären Signature Move gefreut haben, tut es mir natürlich leid. Abgesehen davon werde ich nicht viel an meiner Taktik ändern. Meistens bin ich nach einem Kampf schon montags wieder im Gym und trainiere normal weiter. Training ist für mich sowieso immer schwerer als das Kämpfen, daher ist das kein großer Faktor für mich. Verletzen kann man sich immer, aber ich denke, das steht geschrieben und deshalb mache ich mir da keine Gedanken. Maktub.

Du wirst bei der Debütshow von Roundhouse gegen Peter Tornow antreten. Beschäftigst du dich bereits mit dem Gegner oder kommt die Analyse erst nach Dänemark?
Nein, mein Team und ich haben die Analyse schon abgeschlossen. Tornow ist ein gefährlicher Gegner und entwickelt sich noch sehr stark. Das bringt immer einen gewissen Unsicherheitsfaktor mit sich. Aber ich bin selbstbewusst und guter Dinge.

Du hast das Fünffache an Kampferfahrung auf dem Papier vorzuweisen. Birgt das die Gefahr, dass du ihn womöglich unterschätzt und an einen leichten Sieg glaubst?
Ganz im Gegenteil. Für meinen Gegner ist es viel einfacher, mich zu studieren anhand meiner bisherigen Kämpfe. Ich bin ja schon ein alter Köter und die lernen ja einem englischen Sprichwort zu Folge kaum noch neue Tricks. Wie bereits beschrieben, entwickeln sich Kämpfer insbesondere innerhalb ihrer ersten zehn Kämpfe am meisten. Daher sehe ich meine Erfahrung seinem Entwicklungspotential gegenüber. Den Fehler, einen Gegner zu unterschätzen, habe ich noch nie gemacht und ich habe auch nicht vor, damit anzufangen. Das Einzige, was im MMA-Sport sicher ist, ist die Tatsache, dass nichts sicher ist.

Was ist dir über Tornow bekannt - und womit können die Fans in Berlin rechnen?
So wie ich die Veranstalter kennengelernt habe und einschätze, wird es eine Show, die sich von den bisherigen MMA-Veranstaltungen abgrenzen soll. Sie möchten ein bestimmtes Ambiente schaffen und auf diese Weise helfen, unseren Sport salonfähig zu machen. Ich denke, der Ansatz ist ziemlich gelungen und ich traue ihnen zu, ihn auch gut umzusetzen. Peter Tornow ist Berliner und wird wohl ziemlich viel Unterstützung haben an dem Tag. Aber ich bin an die Rolle des Außenseiters gewöhnt. Ich bilde mir sogar ein, dass ich besser kämpfe, wenn ich weiß, dass im Publikum Leute sitzen, die mir den Erfolg nicht gönnen.

Hast du ein paar abschließende Worte für deinen Gegner bei Roundhouse?
Peter, ich hoffe Du wirst eine gute Vorbereitung haben und Du trainierst so gut und hart wie ich. Ich möchte nämlich gegen den besten Peter Tornow kämpfen, den es gibt.

Ich weiß, dass du ungern Prognosen abgibst, aber ich frage trotzdem: Wie würdest du am liebsten die Duelle beenden?
Gesund!

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