MMA - CH/AT

"Im Boxen habe ich mich nur auf zwei Fäuste zu konzentrieren"

Gerald "Geri" Turek in der Trainingspause.

Passend zum kommenden Großevent in Österreich sprachen wir mit Gerald „Geri“ Turek (12-2) über seinen Einsatz bei der „Mix Fight Night III“ in Velden am Wörthersee. Der international erfolgreiche Österreicher wird im Open-Air Eisstadion in einem Boxkampf in den Käfig steigen. Exklusiv dazu äußerte sich "Geri" über seinen geplanten Einsatz und über seine Karriere in Hinblick auf seine Zukunft sowie Vergangenheit.

GroundandPound: Du gehörst zu den talentiertesten Mixed-Martial-Arts-Kämpfern Österreichs. Wie kommt es, dass Du demnächst in einem Boxkampf zu sehen bist?
Gerald Turek: Boxen hat mich immer schon interessiert, es ist ein großer Teil meines MMA-Trainings und darum lege ich viel Wert darauf. Außerdem wollte ich das schon immer einmal ausprobieren, den reinen Boxkampf, und ich glaube nicht, dass es mein letzter sein wird!

Warum betreibst Du nun reines Boxen, anstatt wie sonst von Dir gewohnt, MMA? Ist es aus der Gegnerarmut entstanden?
Also der Boxkampf ist sicher nicht wegen Gegnerarmut entstanden. Ich wollte einfach immer schon mal boxen, ich finde wenn sich zwei reine Boxer wirklich gut bewegen, dann sieht das einfach geil aus. Ein In-Fight kommt ja so im MMA gar nicht zustande, wenn man Kopf an Kopf steht und sich Körperhaken und Uppercuts gibt - das ist etwas, was mir wirklich Spaß macht. Ich bereite mich nicht speziell auf den Boxkampf vor, ich trainiere einfach mehr Boxen und mache mehr Sparring, obwohl ich weiterhin auch MMA-Sparring und Jiu-Jitsu jede Woche trainiere, nur halt nicht mehr ganz so intensiv. Wir haben aber auch ein paar wirklich harte Brocken, mit denen wir uns regelmäßig treffen zum Boxsparring: Mario Ivkic, Lazar Tomic und auch unser Trainer Hermann Bendl versorgen uns mit blauen Augen (lacht).

Gerald Turek (links) beim Sparring mit Nandor Guelmino (rechts).Ist Boxen eine Deiner neu gefundenen Stärken, die Du ausbauen willst? Du wirst schließlich auf dem Boden als sehr gefährlich angesehen.
Na ja, meine ersten Kämpfe, auch meinen letzten, habe ich alle am Boden gewonnen, aber ich würde sagen, dass ich mich mittlerweile im Stand sehr wohl fühle und es auf jeden Fall eine meiner Stärken geworden ist, mit den Fäusten zu kämpfen.

Dein Gegner steht noch nicht fest, macht Dir das Sorgen?
Über meinen Gegner weiß ich auch nichts, der wird noch ermittelt, aber das ist bei einem Boxkampf nicht so schlimm für mich. Im MMA hingegen will ich immer viel über meinen Gegner wissen: Ist er mehr ein Bodenkämpfer oder ein Standup-Fighter, ist er im Clinch gefährlich, oder wenn er auf dem Rücken liegt, oder oben auf ist und so weiter - da gibt es so viele Variationen, dass man sich besser vorher informieren sollte. Im Boxen hab ich mich "nur" auf die zwei Fäuste zu konzentrieren, was aber nicht heißen soll, dass ich das auf die leichte Schulter nehme.

Was hälst Du von der Open-Air Location? Die „Mix Fight Night 3“ wird im Käfig abgehalten, ist das ein Nachteil fürs Boxen?
Der Käfig bereitet mir keine Probleme, ich bin primär MMA-Kämpfer und freue mich nicht nur, wie meistens, im Ring zu kämpfen. Die MFN3 ist mittlerweile ein wirklich toller Event hier in Österreich und wird von Jasminka Cive veranstaltet. Nandi (Nandor Guelmino, Anm. d. Red.) und ich haben ja schon in Wels im Januar bei Cives ausverkauften Shows gekämpft, allerdings wird dieser Event um einiges größer. Es kämpfen diesmal unter anderem meine Trainingspartner und Freunde, Nandor (MMA) und Mario Ivkic (Boxen), somit wird das für uns alle hoffentlich ein erfolgreicher Abend! Ein Open Air Stadion im Sommer, und wir sind dort mitten am Wörthersee... also das kann ja nur geil werden (lacht).

Du hast manchmal größere Pausen zwischen Deinen Kämpfen und dann bist Du wieder sehr aktiv, woran liegt das?
Ich würde sagen Faulheit (lacht). Nein, mal ehrlich, ich versuche alle drei Monate zu kämpfen und das gelingt mir auch, sofern ich mich nicht verletze. Bis auf eine längere Auszeit habe ich nur aufgrund von Verletzungen pausiert, aber dieses Jahr hatte ich im Januar einen Kampf, dann im April und jetzt im Juli. Weiter will ich im September wieder in Action sein. Klar könnte ich auch alle acht Wochen kämpfen, aber ich habe meine Frau, Familie, Arbeit und deshalb bin ich froh, dass ich nach jedem Kampf 3-4 Wochen mehr Zeit für das alles habe. Wäre ich nicht berufstätig, dann würde ich sicher öfter kämpfen.

Gerald Turek (unten) beim Training mit Nandor Guelmino (oben).Wie bist Du eigentlich zum Kampfsport gekommen?
Komplexe (lacht). Kampfsport hat mich immer schon begeistert, irgendwie wollte ich immer der Stärkste sein bzw. vor niemanden Angst haben müssen. Ist das nicht der Traum eines jeden jungen Burschen? Richtig angefangen mit Vollkontaktsportarten habe ich eigentlich erst mit 21, ziemlich spät also.

Wann und wie kam der erste Kontakt zu MMA zustande?
Ich habe ein paar UFC-Videos mit Nandor gesehen und das wars. Das wollten wir dann auch trainieren. Eigentlich wusste ich ja gar nicht, was das eigentlich ist, aber es war schnell klar, das sind die härtesten Typen, die ich je gesehen habe. Für mich waren das damals ein paar Verrückte, die sich mit diesen kleinen Handschuhen in einen Käfig sperren ließen und dann wirklich kämpften. Das war unglaublich, an Wettkämpfe hatte ich damals ja gar nicht gedacht, das hat sich dann mit der Zeit so ergeben.

Welche Kampfsportarten hast Du noch so in deiner Jugend ausprobiert? Welche Personen haben Dich beeinflusst?
Es war Kickboxen, durch Jean-Claude van Damme (lacht). Also wirklich trainiert hab ich mal Wing Tsung Kung Fu, und auch wenn ich mir jetzt wieder ein paar böse Worte von Anhängern dieser Kampfkunst einfangen werde, mit richtigem Kämpfen hatte das nicht viel zu tun. Das merkt man aber nicht, solange man dort trainiert, erst bis man mal in ein richtiges Thaibox-Sparring geht und die ersten Schläge einsteckt, dann wird einem schnell klar, dass das doch nicht alles so einfach ist wie dort eingeredet!

Als Kind war ich logischerweise Fan von Van Damme, Schwarzenegger, Lundgren und wie sie alle heißen. Später war ich sieben Jahre im Foxgym in Wien, da lernten wir schon Andreas Stockmann kennen, der uns dann nochmals die Augen geöffnet hat, und in den letzten paar Jahren habe ich vieles Hans Senfter, Hermann Bendl und auch Fernando Paulon zu verdanken. Wie gesagt, all diese Leute haben mich sowohl beeinflusst als auch inspiriert, jeder auf eine andere Art, aber ich würde sagen, der Mix hat es gemacht!

Was war Dein größter Erfolg?
Mein größter Erfolg war mein Titelkampf bei der Ettl-Bros Cagefight Series. Fünf Runden gegen Slavomir Molnar, das war mein härtester Kampf und auch der Sieg, auf den ich am meisten stolz bin. Ich wurde Freefighter des Jahres 2010, das hat mich sehr geehrt, weil diese Auszeichnung anhand der Erfolge in diesem Jahr vergeben wurde. Das sind schöne Momente, an die ich mich gerne erinnere.

Ein stolzer Champion: Gerald Turek.

Wie hat sich für Dich das MMA in Österreich, Deutschland und Europa in den letzten Jahren verändert?
Unglaublich schnell ist dieser Sport gewachsen, auch bei uns. Es gibt so gut wie keine eindimensionalen Kämpfer mehr, jeder trainiert schon alles, ob Standup oder Boden, und so wie es bei uns im Ironfist Gym ist, werden Trainer aus dem Ausland geholt, welche fix hier leben und uns trainieren. Als ich angefangen habe, da gab es ja gerade mal ein Gym, welches MMA angeboten hat, heute hat man schon alleine in Wien fünf oder so davon. Außerdem ist dank Facebook usw. die Info über den Sport auch sehr gestiegen, denn das Internet trägt natürlich auch sehr viel dazu bei. Wenn ihr mal genau überlegt, ihr, also GroundandPound, tragt im europäischen Raum unglaublich viel dazu bei, dass sich dieser Sport so entwickelt, so etwas wie euch gibt es ja sonst nicht. Stellt euch mal vor, wo wir ohne euch stehen würden. Bei der Gelegenheit, danke, dass ihr mir so viel Platz auf eurer Seite gönnt und ich hier so viel quatschen kann (lacht).

Bist Du mittlerweile hauptberuflich Sportler oder wie hat sich Dein Leben dahingehend durch MMA verändert?
Hauptberuflich arbeiten Nandor und ich als Personenschützer für einen sehr wohlhabenden ausländischen Geschäftsmann. Vollzeit, und das seit fünf Jahren. Ich stehe jeden Tag um 6 Uhr auf und fahre, wie alle anderen, zur Arbeit. Dann kommen halt Auslandseinsätze für ein paar Tage immer dazu, mein Training absolviere ich nach dem Dienst am Abend und wenn es der Dienstplan erlaubt, dann können wir auch unter der Dienstzeit für eine schnelle Vormittags-Einheit von der Arbeit weg, je nach dem, was so zu tun ist. Man kann MMA nicht als Hobby bezeichnen, es ist eher eine Lebenseinstellung, und für ein Hobby trainiert man nicht sechsmal die Woche, zweimal am Tag. Aber das Wichtigste in meinem Leben ist noch immer mein Beruf, meine Arbeit und mein regelmäßiges Einkommen. Müsste ich mich heute für eine dieser zwei Sachen entscheiden, dann würde ich meinen Job wählen, da dieser meine Familie und mich ernährt und er mir nebenbei sogar Spaß macht. Vielleicht haben wir deshalb auch keinen Druck in puncto Sport, weil wir kämpfen können, wann wir wollen und finanziell nicht davon abhängig sind. Das ist jedoch ein bekanntes Problem, dass man, jedenfalls in Europa, nicht durchs Kämpfen allein leben kann.

Was steht nach der „MFN 3“ für Dich an?
Nach meinem Boxkampf konzentriere ich mich wieder voll und ganz auf MMA. Wo ich als nächstes kämpfen werde, steht noch nicht fest, aber ich hoffe es wird dann vielleicht sogar eine noch größere Bühne als die WFC sein.

Die Tätigkeit als Trainer scheint Dir zu liegen, man sieht Dich schließlich des Öfteren in Seminaren. Siehst Du darin Deine Zukunft?
Da ich selber so wenig Zeit habe, tue ich mich mit Trainerstunden im Moment wirklich sehr schwer. Seminare mache ich gemeinsam mit Nandor alle paar Wochen, aber ich habe jetzt keine wirklichen Wettkämpfer, die ich regelmäßig trainiere, so dass ich Headcoach spielen kann. Allerdings werde ich sicher mal nebenbei die Trainierrolle etwas intensivieren, wenn ich selber nicht mehr aktiv bin. Es macht mir großen Spaß, ich kann Wissen weitergeben und ein bisschen Geld nebenbei ist es ja auch.

Turek ist ein stets gefragter Interviewgast.

Was machst Du privat, um Dich abzulenken vom Sport?
Um ehrlich zu sein... schlafen! Weil das die einzige Zeit ist, die ich nicht auf der Arbeit oder im Training verbringe (lacht). Im Ernst, meine größte Ablenkung ist meine Frau, dafür danke ich ihr natürlich sehr, sie hilft mir wirklich abzuschalten, was manchmal wirklich sehr schwer für mich ist. Aber wir lachen sehr viel gemeinsam, gehen oft gut essen, im Sommer schwimmen und so weiter. Im Moment bin ich mit unserem Hausbau beschäftigt, also ich lenke mich schon genug ab, so gut es geht.

Geri, wir danken Dir für Deine sehr ausführliche Stellungnahme und den Einblick in Dein Leben. Zudem wünschen wir Dir viel Erfolg bei Deinem Boxkampf und ebenfalls bei Deinem professionellen Werdegang, damit du Deinen Träumen näher kommst.
Ich danke euch für die Möglichkeit mich bei GroundandPound zu äußern und danke zudem meinem Sponsor Phantom-MMA. Ein weiteres großes Dankeschön geht auch an all meine anderen Sponsoren und natürlich meine 2-3 Fans (lacht). Drückt mir am 7. Juli die Daumen!