MMA - CH/AT

Ilunga und Jotko gewinnen Turniere

Turniersieger Danyo Ilunga (Alle Fotos: Franz Schwerdtmann/GroundandPound)

Die 5. Merseburger Fightnight ist vorüber und es gibt zwei glückliche Turniersieger. Zum einen Favorit Danyo Ilunga, der im Acht-Mann-K-1-Turnier 10.000 US-Dollar abräumen konnte. Zum anderen der ungeschlagenen Pole Krzyzstof Jotko, der sich im Finale des MMA-Turniers gegen die deutsche Nummer drei im Mittelgewicht, Martin Zawada, durchsetzen und 3.000 Dollar mit Heim nehmen konnte. Im Superfight des Abends besiegte K-1 MAX-Veteran Gago Drago den deutschen Baker Barakat knapp nach Punkten.

Gago Drago vs. Baker Barakat
Wie Barakat GroundandPound vor dem Kampf verriet, hatte er sich kürzlich gemeinsam mit Ex-Box-Weltmeister Robert Stieglitz vorbereitet. Das konnte man im Kampf sehen, Barakat kickte ungewohnt wenig und attackierte dafür viel mit den Händen. Vor allem seine Körperhaken waren sehr effektiv. Drago konterte aber immer wieder mit harten Kicks und eigenen schweren Haken, so dass das Punktgericht nach drei Runden zu keiner Entscheidung gekommen war. Es gab eine Extrarunde, in der Drago ein wenig mehr Druck machte als Barakat und deshalb einstimmig nach Punkten gewann.

Das K-1-Turnier
Im ersten Viertelfinalkampf hatte Utley Meriana Probleme mit dem größeren Slavo Polugic, der vor allem mit seinen Kniestößen immer wieder punkten konnte. Meriana war zu Beginn zu verhalten, verschanzte sich hinter der Doppeldeckung, konnte später aber mit viel Herz ein wenig Boden gut machen. Zum Sieg reichte es dennoch nicht, „Eisenknie“ Polugic gewann einstimmig nach Punkten.

Senad Hadzic war kurzfristig in das Turnier eingesprungen und konnte sich sehr deutlich gegen den größeren Martin Jahn durchsetzen. Jahn wusste seine Reichweitenvorteile nicht zu nutzen und zog im Schlagabtausch immer wieder den Kürzeren. Hadzic schlug Bomben – der 41-Jährige, der erst mit 30 Jahren seine Kampfsportkarriere begann, setzte Jahn dermaßen zu, dass dessen Ecke im zweiten Durchgang gezwungen war, das Handtuch zu werfen.

Vladimir Toktasynov war sich am Vortag im Gespräch mit GroundandPound noch siegessicher, letztlich reichte es aber nicht für den Einzug ins Halbfinale. Uguz Övgür von Golden Glory Berlin machte von Beginn an Druck mit Lowkicks und langen Händen, Toktasynov schlug nicht so variabel wie sonst und musste immer wieder harte Treffer einstecken. Zwar kam er immer wieder stark zurück, doch fehlte ihm am Ende schlicht die Substanz um den größeren Övgür zu besiegen.

Turnierfavorit Dany Ilunga entledigte sich im vierten Viertelfinalkampf eines alten Bekannten: Wendell Roche. Beide kennen sich noch aus dem vergangenen Jahr, auch damals gewann Ilunga. Dessen Druck, Kniestöße und präzise Attacken waren schlicht zu viel für Roche, der über drei Runden harte Treffer einstecken musste und schließlich nach Punkten verlor.

Im ersten Reservekampf des Turniers konnte sich Steven Kitzing mit seinen patentierten Schwingern gegen den 1,98 Meter großen Romano Romasco durchsetzen. Kitzing schlug einen Heumacher nach dem anderen und landete viele, doch Romasco steckte sie alle weg. Gegen Ende von Runde zwei zeigten die Treffer dann aber doch Wirkung, Kitzing setzte mit einem High-Kick nach und schickte Romasco zu Boden. Der stand nach dem Anzählen zwar noch einmal auf, nahm aber auch im dritten Durchgang wieder einige Overhands der „Machine Gun“ Kitzing, der damit nach Punkten gewann.

Der zweite Reservekampf endete mit einem krachenden K.o. Der Magdeburger „Bomber“ Jerry Otto stand dem Hünen Sergio Pique gegenüber. Zwei urgewaltige Schwergewichte mit jeder Menge Power. Ein vorzeitiges Ende war hier eigentlich vorprogrammiert. Leider erwischte es den Kämpfer aus der Region, im zweiten Durchgang fällte Pique den „Bomber“ mit einem Highkick. Der Kampf war damit vorüber, und durch Pique fand sich später sogar im Finale wieder. Denn:

Im ersten Halbfinalkampf kam es zu unschönen Szenen. Der Schweizer Slavo Polugic attackierte immer wieder mit Kicks, die Gegner Senad Hadzic abfangen konnte. Dabei stieß er ihn zu Boden und trat noch einmal nach, wofür er verwarnt wurde. Kurz darauf wiederholte er die Aktion jedoch und es kam zu Tumulten im Ring, in die unter anderem auch Hadzics Trainer Asmir Burgic involviert war. Glücklicherweise beruhigten sich die Gemüter schnell. Dennoch wurde kam es zur Disqualifikation – von beiden Kämpfern! Der zweite Halbfinalkampf zwischen Danyo Ilunga und dem für den verletzten Uguz Övgür eingesprungenen Reservekämpfer Sergio Pique wurde somit zum Finale.

Das endete schließlich auch zügig. Nach nur kurzer Zeit schickte Ilunga den überforderten Pique mit einer Linken zu Boden. Pique wurde angezählt, kam aber nicht mehr auf die Beine und gab den Finalkampf damit ab. Ilunga gewann somit mit zwei statt drei Kämpfen an einem Abend das große Acht-Mann-Turnier und die 10.000 US-Dollar Siegprämie.

Das MMA-Turnier
Das MMA-Turnier eröffneten Krzysztof Jotko und Fabian Loewke. In der Abtastphase konnte Loewke einige Low-Kicks und rechte Hände ins Ziel bringen, nach einem Takedown Jotkos ging es jedoch schnell bergab. Der Pole war eine Macht am Boden, gab keine Position her und attackierte mit Ground and Pound, in Form von Fäusten, Ellenbogen und vor allem Kniestößen zum Kopf, die dem Dortmunder sichtlich zusetzen. In der zweiten Runde war die Strategie Jotkos klar: Den Kampf schnell zu Boden bringen. Nach einem eingesprungenen Knie gelang ihm auch genau das, wo er Loewke zügig mit einem Rear-Naked Choke finalisierte.

Davit Koberidze – eigentlich der große Turnieraußenseiter – machte Gegner Martin Zawada zu Beginn einige Probleme und verfolgte die korrekte Taktik: Den starken Thaiboxer Zawada brachte er sofort zu Boden, konnte aus der Guard jedoch nicht viel ausrichten, da Zawada gut verteidigte. Zurück im Stand gab es einen weiteren Takedown. Zawada attackierte aus der Unterlage mit einem Triangle-Choke und bekam ihn kurz vor Ende der ersten Runde.

Den Reservekampf bestritten Lokalmatador Thomas Wichmann und der Bulgare Veselin Dimitrov, von der Fightfabrik Bremerhaven. Der marschierte von Beginn an mit Bomben, doch Wichmann bewegte sich clever und vermied so Treffer. Als beide clinchten, wollte Wichmann den Ringer per Abbrecher zu Boden bringen, musste aber selbst eine Schleuder nehmen und flog. Am Boden versuchte Dimitrov aus der Guard mit Ground and Pound zu arbeiten, jedoch ging ihm schnell die Luft aus. So gelang es Wichmann schließlich selbst, aus der aufzustehen, Dimitrov zu überlaufen und ihn aus der Mount mit hartem Ground and Pound zu finalisieren.

Das Finale zwischen Martin Zawada und Krzyzstof Jotko war auf drei mal fünf Minuten angesetzt – und die nutzten beide Kämpfer auch aus. Mit viel Respekt tasteten sie sich ab, vermieden größeren Kontakt und taktierten. Zawada wollte selbstverständlich den Bodenkampf mit Jotko meiden, der shootete aber auch zu halbherzig. So ließ er sich auf ein Standduell mit Zawada ein, wo er den Kürzeren zog. Gegen Ende der Runde gelang dem Polen aber immer wieder ein Takedown, was bei zwei von drei Punktrichtern offenbar genug Eindruck gemacht hatte, um den Kampf Jotko zu geben, der damit 3.000 Dollar Siegprämie abgeräumt hat.

Die Superfights
Im ersten K-1-Superfight des Abends trennten sich Peter Bäumler und Mahmut Yesilat unentschieden. Ein unverständliches Urteil, Bäumler schien über drei Runden die besseren Treffer zu haben. Dabei nutzte er seine größere Reichweite nicht, sondern ließ sich immer wieder in den Infight ziehen, wo es sich beide Kämpfer ordentlich gaben. Das der sicher geglaubte Sieg am Ende doch nur ein Unentschieden wurde, nahm Bäumler sportlich: „Wenigstens keine Niederlage“, erklärte er GroundandPound im Anschluss grinsend.

Im zweiten Superfight – dieses Mal nach Muay Thai-Regeln – bekam es der Merseburger Peter Chobanov mit dem bislang schwersten Gegner seiner Karriere zu tun, dem I.K.B.O. Europameister Mikail Bajramov. Chobanov kontrollierte den Kampf von Beginn an, obwohl Bajramov stark gegenhielt. Eine der gefürchteten Ellenbogenattacken Chobanovs öffnete aber schließlich einen Cut am Kopf von Bajramov, wegen dem der Kampf in Runde eins abgebrochen wurde.

Zurück im K-1 standen sich Alban Ahmeti und Onur Karaoglan gegenüber. Ahmeti gab in der ersten Runde gehörig Gas und entschied den Durchgang deutlich für sich, in Runde zwei hatte er aber arge Probleme, vor allem mit dem linken Haken Karaoglans und fiel zurück. In Runde drei rappelte er sich allerdings noch einmal auf, fuhr wichtige Punkte ein und gewann schließlich auf allen Punktrichterzetteln.

WKA-Weltmeister Max Baumert setzte sich im bislang größten Fight seiner Karriere gegen den Veteran Marco Pique durch. Beide lieferten sich ein extrem enges Gefecht, wobei Pique mit Kicks, Baumert vor allem mit Fäusten glänzte. Letztlich hatte der Golden Glory Berlin-Fighter genug getan, um die Punktrichter auf seine Seite zu ziehen und gewann einstimmig.

Das Vorprogramm
Den letzten Vorkampf bestritten Ali El Saleh und Maik Brändel. Nachdem Brändel die erste Runde für sich entscheiden konnte, baute er ab Runde zwei sukzessive ab. Es waren die Leg-Kicks von El Saleh, die Brändel immer wieder heftig zusetzen. Im dritten Durchgang konnte er sich kaum noch auf den Beinen halten und der Ringrichter winkte den Kampf ab.

Christopher Grolle hatte einen harten Fight mit Hozan Mohammed. Nachdem er die erste Runde dominiert hatte, baute er nach einem harten Kick und schweren Treffern Mohammeds in der zweiten Runde ab. Er rettet sich noch durch Runde drei und damit zu einem Unentschieden.

Ronny Kiolbasa sicherte sich seinen zweiten Sieg innerhalb von gut zwei Monaten. Diesmal war es jedoch eng – obwohl er seinen Gegner Anh Pham Hoang klar kontrolliert hatte. Kiolbasa landete nämlich dreimal mit seinen Kicks tief, bekam zwei Punkte abgezogen. Zum Glück für ihn stoppte er seinen Gegner in Runde drei durch TKO. Der Ringrichter ging nach einer Schlagserie dazwischen und winkte den Kampf ab.

Im ersten MMA-Kampf des Abends besiegte Ali Hassan den deutlich unterlegenen Nicolas Villalon durch TKO in Runde eins. Referee Christian Schwäblein ging dazwischen, nachdem Hassan seinen liegenden Gegner stehend mit Schlägen bearbeitet hatte.

Den Abend in Merseburg eröffneten Felix Schmidt und Maik Mittasch mit einer wahren Materialschlacht, die Felix Schmidt einstimmig nach Punkten für sich entscheiden konnte.

Eine Galerie mit Fotos vom Kampfabend findet sich in Kürze auf der Facebook-Präsenz von GroundandPound. Videos der Kämpfe sowie Interviews mit den Sportlern folgen ebenfalls in Kürze, auf www.GnP-TV.de.

5. Merseburger Fightnight
8. September 2012
Rischmühlenhalle in Merseburg, Sachsen-Anhalt

K-1-Turnier Finalkampf
Danyo Ilunga bes. Sergio Pique via T.k.o. in Rd. 1

K-1-Superfight
Gago Drago bes. Baker Barakat einstimmig nach Punkten

MMA-Turnier Finalkampf
Krzysztof Jotko  bes. Martin Zawada geteilt nach Punkten

K-1-Superfights
Max Baumert bes. Marco Pique einstimmig nach Punkten
Alban Ahmeti bes. Onur Karaoglan einstimmig nach Punkten
Peter Chobanov bes. Mikail Bajramov via T.k.o. (Cut) in Rd. 1

K-1-Turnier Halbfinalkämpfe
Senad Hadzic vs. Slavo Polugic endete im Doppel-DQ, dadurch wird Halbfinale zwei zum Finalkampf

K-1-Superfight
Peter Bäumler vs. Mahmut Yesilat endete Unentschieden

MMA-Turnier Reservekampf
Thomas Wichmann bes. Veselin Dimitrov via T.k.o. nach 3:53 in Rd. 1

K-1-Turnier Reservekämpfe
Sergio Pique bes. Jerry Otto via K.o. (Highkick) in Rd. 2
Steven Kitzing bes. Romano Romasco einstimmig nach Punkten

MMA-Turnier Halbfinalkämpfe
Martin Zawada bes. Davit Koberidze via Submission (Rear-Naked Choke) nach 4:29 in Rd. 1
Krzysztof Jotko  bes. Fabian Loewke via Submission (Rear-Naked Choke) nach 1:12 in Rd. 2

K-1-Turnier Viertelfinalkämpfe
Gruppe 2
Danyo Ilunga bes. Wendell Roche einstimmig nach Punkten
Uguz Övgür bes. Vladimir Toktasynov einstimmig nach Punkten

Gruppe 1
Senad Hadzic bes. Martin Jahn via TKO (Handtuch) in Rd. 2
Slavo Polugic bes Utley Meriana einstimmig nach Punkten

Vorprogramm K-1
Ali El Saleh bes. Maik Brändel via TKO in Rd. 3
Hozan Mohammed vs. Christopher Grolle endete unentschieden
Ronny Kiolbasa bes. Anh Pham Hoang via TKO in Rd. 3

Vorprogramm MMA
Ali Hassan bes. Nicolas Villalon via TKO nach 4:35 in Rd. 1

Vorprogramm K-1
Felix Schmidt bes. Maik Mittasch einstimmig nach Punkten