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"Ich werde das tun, was ich am besten kann!"

Nicolas Penzer (Foto: Valentino Kerkhof/SportMMA)

Die Tageszeitung „taz“ kennt ihn als einen „sympathischen Studenten“, die deutschen Kampfsportfans als eines der größten Talente im Mittelgewicht: Nicolas Penzer ist ein BJJ-Braungurt mit einer MMA-Bilanz von 6-0, bestehend aus sechs Aufgabesiegen in Runde eins. Am 21. April stellt sich der 23 Jahre alte Stuttgarter der größten Herausforderung seiner Karriere. Bei Respect.7 in der Eishalle Essen kämpft er gegen Sebastian Risch um den Mittelgewichtstitel von Deutschlands renommiertester MMA-Organisation.

Ursprünglich war für Respect.7 ein anderer Titelkampf für Titelverteidiger Sebastian Risch. Penzer bereitete sich zu der Zeit gerade auf einen Kampf gegen den Bremerhavener Maurice van Waeyenberghe vor, als er dazu bestimmt wurde, im Titelkampf anzutreten.

Training beim Weltmeister: Anderson Silva und Nicolas Penzer. (Foto: Nicolas Penzer)„Zuerst musste ich eine Nacht drüber schlafen, aber dann war mir ziemlich schnell klar, dass ich diese Chance nutzen muss und den Kampf gewinnen kann“, sagt Penzer. „Sebastian Risch ist bestimmt nicht grundlos Champion geworden. Ich denke, das wird für mich meine größte Herausforderung bisher.“

Weder der Gegnerwechsel noch die Tatsache, dass der prestigeträchtige Titel von Respect.FC auf dem Spiel steht, haben Penzer in seiner Vorbereitung beeinflusst. „Am Gegner-Typ hat sich ja nicht viel geändert“,  erklärt er. „Der einzige Unterschied ist, dass ich noch motivierter bin.“

Penzer, ein Braungurt im brasilianischen Jiu-Jitsu, gehört zu den am höchsten graduierten MMA-Kämpfern in Deutschland. Er gewann alle seine sechs Kämpfe durch Aufgabe in Runde eins, dreimal durch Armbar und dreimal durch Rear Naked Choke. Risch, der aus dem Thaiboxen stammt, erlitt seine einzigen beiden Niederlagen durch Aufgabe. Man muss kein Wissenschaftler sein, um herauszufinden, welche Strategie Penzer am 21. April verfolgen wird.

Penzer mit dem Armhebelsieg Nummer drei. (Foto: Valentino Kerkhof/SportMMA)„Es ist kein Geheimnis, dass ich der Grappler bin und er der Striker“, sagt Penzer. „Ein klassisches Matchup also. Ich werde das tun, was ich am besten kann!“

Vom Musikunterricht auf die Matte

Fragt man einen Kämpfer, wie er zum Kampfsport gekommen ist, erzählt er oftmals Geschichten von Personen, die ihn dazu inspiriert oder motiviert haben, zu seiner ersten Trainingseinheit zu gehen. Die einen waren von den Filmen von Bruce Lee oder Jean-Claude Van Damme begeistert, die anderen ließen sich von Royce Gracie bekehren und wiederum andere haben Familienmitglieder, die schon im Kampfsport erfolgreich waren. Im Fall von Penzer ist der ehemalige Musiklehrer daran schuld, dass er diesen Samstag bei Respect.7 in den Ring steigt.

„Mein Musiklehrer in der Schule, der auch Weng Chun Sifu war, hat mir gesagt, ich soll doch mal ins Training kommen“, sagt Penzer. „Früher war das noch Kinder Kung Fu. Glücklicherweise hatte mein Trainer ziemlich früh auch schon Interesse an der UFC und dem BJJ. Mit ungefähr 15 hab ich dann BJJ angefangen und auf der Submissao gekämpft. Für mich war es klar, dass ich irgendwann den Schritt zum MMA machen werde. Ende 2006 hatte ich dann auch schon meinen ersten Fight. Ich konnte mich aber nie wirklich auf MMA konzentrieren, weil ich eben viel auf Grappling-Turnieren unterwegs war.“

Training im Mutterland des BJJ

Unterwegs war und ist Penzer sehr häufig, unter anderem auch in Brasilien, wo er zuletzt einige Monate verbrachte. Offiziell war es ein Auslandssemester im Rahmen seines Studiums, aber man kann sich denken, dass er diese Zeit intensiv fürs Training genutzt hat – und fürs Medaillensammeln bei örtlichen BJJ-Turnieren.

Penzer und sein Bruder Félix mit Marcio Corleta. (Foto: Nicolas Penzer)„Ich habe in Porto Alegre mit Prof. Marcio Corleta trainiert, sein Team heißt Winner Behring Jiu-Jitsu und sein wohl berühmtester Kämpfer ist Fabricio Werdum“, erzählt Penzer. „Dort habe ich zweimal am Tag Jiu-Jitsu trainiert. Außerdem war ich noch drei Wochen in Rio de Janeiro, wo ich im X-Gym trainiert habe, bei Sylvio Behring. Da gab es auch ein richtiges MMA-Team, in dem unter anderem auch Feijao, Jacare, Erick Silva und Anderson Silva trainieren.“

„Das Training an sich ist nicht sehr unterschiedlich zu den Trainingseinheiten in Deutschland“, berichtet Penzer, der hierzulande beim Stallion Cage in Stuttgart trainiert. „Was mich aber sehr beeindruckt hat, war die ganze Trainingsatmosphäre. Schon nach zwei Wochen hatte ich das Gefühl, Teil einer Jiu-Jitsu-Familie zu sein. Auch außerhalb vom Gym hat der Kampfsport einen ganz anderen Stellenwert. Dort muss man nicht erklären, was BJJ oder MMA ist. Wenn man erzählt, dass man Jiu-Jitsu trainiert, wird man gefragt, ob man eher jemand ist, der die Guard passiert oder lieber aus der Guard arbeitet.“

Penzer ist jemand, der beides hervorragend beherrscht, und so wäre es nicht verwunderlich, wenn er am 21. April nach zahlreichen Grappling-Titeln seinen ersten MMA-Titel gewinnen würde. Bereits im Juni 2009 adelte ihn die deutsche Fighters Only als eines der hoffnungsvollsten Nachwuchstalente unseres Landes, doch seitdem stand bei ihm meist das BJJ im Vordergrund – Penzer kämpfte öfters auf der Matte als im Ring. Mit dem Titelkampf bei Respect.7 will er im MMA wieder richtig durchstarten.

„Ich will dieses Jahr auf jeden Fall noch ein- bis zweimal kämpfen“, sagt Penzer und fügt mit einem Lachen hinzu: „Ich muss ja sowieso meinen Titel bei Respect.FC verteidigen.“