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„Ich habe eine zweite Chance verdient!“

Sebastian Risch (Foto: Elias Stefanescu/GroundandPound)

Eine der größten Schlagzeilen des vergangenen Wochenendes war die Trennung von Ex-Respect-Champion Sebastian Risch und seinem früheren Trainer Michael Rüdiger. Nachdem Rüdiger seinem Ärger über Risch, dessen Management und eine Respect.FC-Kampfabsage in einem Exklusiv-Interview Luft gemacht hatte, antwortete Rischs Manager Koray Akbiyik umgehend mit einem offenen Brief. Nun äußert sich der Betroffene selbst:

Statement Sebastian Risch

Nachdem in den letzten Tagen eine Menge "dreckige Wäsche" gewaschen wurde, möchte ich jetzt einmal selbst Stellung beziehen, zur Trennung vom Free Fight Team Bremen und den damit verbundenen Konfliktpunkten. Wie bei den meisten Dingen im Leben gibt es immer zwei Seiten der Medaille, und diese sollten beide angehört werden, bevor man ein endgültiges Urteil fällt.

Es stimmt, dass die Idee im Raum gestanden hat, aufgrund einer Verletzung nicht zu kämpfen. Aber ich betone hiermit ausdrücklich, dass es sich lediglich um eine Idee gehandelt hat, die seitens meines Managements aufgekommen ist, aufgrund einer falsch angegebenen Kampfhistorie zum einen, und zum anderen war der Gedanke dahinter, in der neuen Gewichtsklasse zunächst mit ein oder zwei Aufbaukämpfen zu starten.

Hierzu gibt es nun folgende Dinge zu sagen: Zum einen möchte ich mich erst auf die Aussagen meines früheren Trainers beziehen. Er stellt die Dinge falsch dar, denn die Idee wurde vom Management angetragen, mit dem Trainer besprochen und zunächst von allen Seiten "akzeptiert". Sprich: Michael Rüdiger, Koray Akbiyik und ich waren uns einig, wie in der Sache verfahren werden könnte. Jedoch ist uns diese Entscheidung keineswegs leicht gefallen und wir konnten uns nur mit ungutem Gefühl dazu durchringen, da dies weder unserem Stil, noch unserer Philosophie entspricht. Und entgegen aller derzeit kursierenden Gerüchte und Behauptungen, hatten wir meinen Gegner Michael Erdinc stets im Hinterkopf, da der sportliche Gedanke immer für uns im Vordergrund steht.

Aber letztlich – und das ist hier der ausschlaggebende Punkt – hat es sich nur um eine Idee gehandelt, die nicht weiter verfolgt, sondern verworfen wurde, da Michael Rüdiger im Anschluss an unser erstes Gespräch die letzten Kämpfe Erdincs doch noch einmal genauer analysiert hat und zum Entschluss gekommen ist, dass es durchaus machbar ist, den Kampf – trotz der bereits erwähnten falsch angegeben Kampfhistorie – zu kämpfen. Damit hatte sich die Nicht-Teilnahme bei Respect.8 erledigt und es stand wieder die Vorbereitung im Fokus.

Der beste Beweis dafür, dass es tatsächlich nur als Idee gedacht wurde und dieses Statement hier keineswegs ein Versuch der Wiedergutmachung ist, ist meine körperliche Verfassung. Ich habe hart trainiert und mich auf den Fight vorbereitet, Gewicht gemacht etc. Hätten wir diese Sache tatsächlich geplant und durchsetzen wollen, dann hätte ich mich in den vergangen Wochen sicherlich nicht derart auf meine Vorbereitung konzentriert. Denn jeder Fighter, Trainer, oder auch diejenigen, die sich mit der Materie der Kampfvorbereitung beschäftigen, wissen, wie hart es ist, und dass man so was nicht einfach aus Spaß macht.

Dass meine Teilnahme an den von mir angegebenen Gründen gescheitert ist, und dass die Aussage von Micheal Rüdiger, ich hätte mich nicht rechtzeitig um Urlaub gekümmert, gelogen ist, kann ich durch meinen schriftlich und vor allem rechtzeitig eingereichten Urlaubsantrag beweisen. Es ist Fakt, dass im Betrieb meines Arbeitgebers enormer Personalmangel herrscht und mir aus diesem Grund der Urlaub nicht genehmigt werden konnte. Es existiert ein Schriftstück, welches die rechtzeitige Beantragung meines Urlaubes, und zwar am 13. Juni 2012, für den Zeitraum vom 17. September 2012 bis zum 28. September 2012, bestätigt. Dieses Dokument kann ich aufgrund von Betriebsinterna leider nicht der Öffentlichkeit zugänglich machen, jedoch konnte sich GroundandPound stellvertretend von dessen Existenz überzeugen (der Urlaubsantrag lag der Redaktion in der Tat vor, d. Red.).

Ich gebe zu, es war keine gute Idee, eine Verletzung vorzutäuschen. Aber das möchte ich hier nochmals betonen: Es war eine Idee, nicht mehr und nicht weniger. Und ich finde es nicht richtig, jemanden für eine Idee zu verurteilen. Vor allen Dingen finde ich es von Michael Rüdiger sehr enttäuschend, diese Sache derart auszuschlachten, nachdem sie längst vom Tisch war. Ich weiß, dass mein Management und mein Trainer sich in diversen Dingen nicht einig waren. Doch kann niemand sich außen vor nehmen und alle Schuld den Anderen zuweisen.

Ich entschuldige mich bei meinem Gegner Michael Erdinc, seinem Trainer und Verein, bei meinen Fans und Freunden für die Schlammschlacht der letzten Tage. Ich weiß, es wäre nicht die feine englische Art gewesen, doch letztlich habe ich mich für den Kampf entschieden und die Teilnahme wurde mir aus anderen Gründen verwehrt. Jeder der mich kennt weiß, dass ich MMA liebe und das Kämpfen liebe. Deshalb finde ich, dass ich eine zweite Chance verdient habe. Denn letztlich zählt das, was man tut, nicht das, was man in Erwägung gezogen hat. Es ist schade, wenn ich in meiner Person und als Kämpfer in Frage gestellt werde, wegen eines Fehltrittes, den ich letztlich nicht getan habe.

-- Sebastian Risch