MMA - CH/AT

Herb, Omer und Musardo siegen in Zürich

Alle Fotos von Valentino Kerkhof (sportmma.eu)

Mit der mittlerweile siebten Ausgabe von Shooto Switzerland untermauerten die Veranstalter der prestigeträchtigsten eidgenössischen Kampfsportgala ihre Vormachtstellung im Bereich der Mixed Martial Arts in der Schweiz. Die begeisterten Zuschauer im Züricher Volkshaus bekamen am 4. September zwölf aufregende Kämpfe präsentiert, die durchgängig für große Unterhaltung sorgten. Die Schweizer Nachwuchstalente konnten ebenso glänzen wie die Spitzensportler aus Deutschland.

Der glücklichste Gewinner des Abends war vermutlich Gregor Herb, der im Hauptkampf der Veranstaltung seinen ersten Sieg in diesem Jahr eingefahren hat, nachdem er den Ring zuvor zweimal als Verlierer verlassen musste. Bei Shooto Switzerland 7 musste unbedingt ein Erfolg her. Dementsprechend entschlossen ging der Freiburger in den Kampf gegen Lee McKibbin. Herb verlagerte das Geschehen in Windeseile mit einem Takedown in die Half Guard auf den Boden. Er erarbeitete sich die Side Control und nahm McKibbin aus dieser Position in den Inverted Triangle Choke. Nur wenige Augenblicke später zwang Herb den Nordiren mit einem Keylock zur Aufgabe.


Claudemir „Tico“ Souza musste im Kampf gegen Kriss Larcin einiges einstecken, verlor jedoch nie die Ruhe und kam so schließlich noch zu einem cleveren Aufgabesieg. Larcin startete gut und warf Souza aus dem Clinch auf die Matte, doch der Brasilianer konterte und nahm die Back Mount ein. Larcin drehte sich in die Guard und wurde von Souza in den Triangle Choke genommen. Der belgische „M-1 Challenge“-Veteran befreite sich mit Schlägen und hatte anschließend kein Interesse mehr an einem Grappling-Duell. Stattdessen schlug er aus dem Stand auf Souza ein. Souza versuchte einen Fußhebel anzusetzen, den Larcin zunächst mit weiteren Schlägen abwehrte. Beim zweiten Versuch gelang jedoch der Aufgabegriff und Larcin musste in einem Kniehebel abklopfen.

Vom heimischen Publikum am lautstärksten angefeuert, fertigte der Italo-Schweizer Ivan Musardo den bis dato unbesiegten Nordiren Michael Reid binnen 35 Sekunden ab – und zwar mit derselben Vorgehensweise, mit der er im Mai bereits Reids Landsmann Peter Duncan besiegt hatte. Die beiden Kämpfer begannen unmittelbar mit einem offenen Schlagabtausch, den Musardo mit einem kräftigen Schwinger für sich entschied. Reid ging zu Boden, Musardo sprang ihn an und beendete den Kampf mit einem Guillotine Choke. Die Zuschauer tobten.

Der ehemalige BAMMA Federgewichtschampion Alan Omer kehrte gegen den Schweizer Rouven Kurath in die Erfolgsspur zurück. Kurath nahm Omer gleich zu Beginn des Kampfes mit einem Tritt in den Unterleib kurzzeitig die Luft weg, doch anschließend agierte nur noch der junge Stuttgarter. Omer legte mit Schlagkombinationen los, die Kurath dazu brachten, ihn in der Ringecke zu clinchen. Nach einem Reversal pullte Kurath Guard, woraufhin Omer oben in der Half Guard landete. Er passierte in die Side Control und wollte einen Befreiungsversuch Kuraths zum Rear Naked Choke nutzen. Kurath entkam, weil Omer sich nicht mit den Beinen eingehakt hatte, fand sich aber sodann im Triangle Choke wieder. Kurath zeigte sich sehr widerstandsfähig und verteidigte sich lange Zeit gegen den Würgegriff. Omer setzte zusätzlich zum Triangle Choke noch einen Kimura an, der den zähen Schweizer schließlich zum Abklopfen brachte. Somit befindet sich Omer in einer optimalen Ausgangslage für seinen Kampf am 1. Oktober bei Cage Warriors 38 in England.

Die Rückkehr des Schweizer Bodenkampfspezialisten Patrick DeCaro verlief alles andere als glücklich. Nachdem sich der Belgier Mike Wiatko mit seiner Jab-Gerade-Lowkick-Kombination in der Anfangsphase die Vorteile im Stand erarbeitete, nahm DeCaro ihn in den Thaiclinch und feuerte schnelle Kniestöße zum Kopf ab. Wiatko ging zu Boden und DeCaro setzte im Eifer des Gefechts mit zwei weiteren Kniestößen ins Gesicht nach. Laut Regelwerk ist das verboten und DeCaro entschuldigte sich sofort bei seinem Gegner und beim Publikum. Da Wiatko anschließend nicht mehr weiterkämpfen konnte, wurde ihm der Sieg durch Disqualifikation zugesprochen.

Shooto Switzerland scheint einfach kein gutes Pflaster für Martin Vath zu sein: Nachdem er im vergangenen September bereits in Zürich unglücklich verloren hatte, musste sich der Tauberbischofsheimer nun dem starken Schweizer Nachwuchstalent Volkan Oezdemir in dessen Profidebüt geschlagen geben. Oezdemir klingelte Vath früh mit einer Schlagkombination an und konterte anschließend dessen verbissene Takedownversuche mit weiteren Schlägen. Als Vath zum Single-Leg ansetzte, erwischte Oezdemir ihn mit seiner Linken an der Schläfe, woraufhin Vath zu Boden sank und der Ringrichter den Kampf beendete.

Positionskontrolle am Boden war für den BJJ-Spezialisten Geraldo Huvet der Schlüssel zum Erfolg gegen den Omer-Schützling Alessandro Plog vom Stuttgarter Stallion Cage, der mit nur sechs Tagen Vorbereitungszeit antrat. In der ersten Runde ging Huvet dem Striking von Plog mit einem Takedown in die Half Guard aus dem Weg. Huvet passierte in die Side Control und versuchte sich an Arm- und Schulterhebeln, die Plog jedoch allesamt abwehrte. Plog gelang es, wieder aufzustehen, doch Huvet brachte ihn kurz vor Schluss der Runde wieder zu Boden.

Der zweite Durchgang begann wie der erste: Huvet mit dem Takedown, diesmal in die Guard. Erneut der Pass in die Side Control. Huvet verzichtete zunächst auf Aufgabegriffe und attackierte stattdessen mit Kniestößen zum Körper. Das ermöglichte Plog, sich die Half Guard zu holen und Huvet zu sweepen. Plog stand auf und wollte mit einem Flying Knee die Wende einleiten. Huvet fing ihn jedoch ab und verfrachtete ihn erneut auf die Matte, wo er ihn bis zum Kampfende kontrollierte. Das Ergebnisse der Punktrichter war einstimmig: Der Sieg ging nach zwei Runden an Geraldo Huvet.

Vor Volkan Oezdemir gab bereits ein anderer Schweizer Nachwuchskämpfer sein erfolgreiches Profidebüt: Gregor Weibel. Weibel machte von Beginn an Druck und beförderte den Belgier Raphael Campagna mit einem Takedown auf die Matte in die Side Control. Er wechselte zur Mountposition, aber Campagne sweepte ihn und stand wieder auf. Weibel antwortete mit dem zweiten Takedown in die Side Control. Abermals kam er in die Mountposition. Campagna entzog sich Weibels Ground and Pound mit einem Sweep, doch Weibel konterte und landete in der Side Control und kurz darauf wieder in der Mountposition. Beim Befreiungsversuch gab Campagna seinen Rücken frei, was Weibel schließlich zum siegbringenden Rear Naked Choke ausnutzte.

Eines der spannendsten Duelle des Abends lieferten sich Aladin Ganguin und Mehmet Demirci. Die beiden Schweizer tauschten in der Anfangsphase Kicks aus, ehe Demirci im Stand in einen Guillotine Choke sprang. Ganguin stieß ihn zu Boden, passierte die Guard und versuchte anschließend aus der Mount einen Triangle Choke. Demirci befreite sich. Zurück im Stand klingelte Ganguin ihn mit einer Schlagkombination an und versuchte es seinerseits mit dem Guillotine Choke – ebenfalls ohne Erfolg.

In der zweiten Runde erzielte Ganguin im Stand ein paar Treffer, die Demirci zum Guardpull verleiteten. Nach einem längeren Gerangel auf dem Boden befand sich Ganguin in der Back Mount. Er erarbeitete sich mühevoll den Rear Naked Choke und Demirci gab schließlich nach etwas Gegenwehr auf – allerdings zwei Sekunden nach dem Gong. Saved by the bell! Der einstimmige Punktsieg wurde daraufhin Aladin Ganguin zugesprochen.

Der flinke Nordire Mark Curry setzte sich problemlos gegen den Belgier Gaetano Pirello durch. Curry initiierte flugs den Clinch und holte Pirello von den Beinen. Er wechselte von der Mount in die Side Control und zurück in die Mount. Dann nahm er Pirello in den Triangle Choke. Als Pirello versuchte, sich zu befreien, setzte Curry zusätzlich noch einen Armhebel an. Pirello blieb nichts mehr übrig als abzuklopfen.

Es dauerte nur wenige Sekunden bis klar war: Die Schweizer Yves Marthaler und Jorge Moreira sind nicht für eine Grappling-Gala in den Ring gestiegen. Zwischen ihnen entstand sofort ein wilder Schlagabtausch mit Treffern auf beiden Seiten. Die Vorteile lagen in der ersten Runde leicht bei Marthaler, der zudem mit zwei Takedowns erfolgreich war, nach denen er jedoch gleich wieder aufstand. Der Schlagabtausch wurde im zweiten Durchgang nahtlos fortgesetzt. Marthaler und Moreira brachten einige Schläge ins Ziel, insbesondere ihre linken Haken saßen. Da Marthaler häufiger und effektiver getroffen hat, werteten nach den zwei Runden alle drei Punktrichter den Kampf für ihn.

Im ersten Kampf des Abends standen sich die Schweizer Daniel Abraham und Patrick Drees gegenüber. Drees begann mit Lowkicks, Abraham clinchte und drückte ihn in die Ringecke. Drees gelang ein Reversal und antwortete mit Kniestößen zu den Beinen. Abraham drehte den Spieß um, woraufhin ein wilder Schlagabtausch entstand, der damit endete, dass Drees kurzzeitig zu Boden ging. Drees ging weiter aggressiv nach vorne und wurde noch einmal hart getroffen. Dann änderte er seine Taktik und nahm Abraham in den Guillotine Choke, doch der gab nicht auf.

Abraham eröffnete die zweite Runde mit einem Superman Punch. Nach einem Schlagabtausch schaffte Drees ein Single-Leg-Takedown in die Half Guard. Drees passierte in die Mountposition. Einen Positionswechsel nutzte Abraham aus, um wieder aufzustehen. Im Stand setzte Drees noch einmal zum Guillotine Choke an und sprang in die Guard, doch es reichte nicht mehr zum Aufgabesieg. Nach den zwei Runden sahen zwei Punktrichter Abraham vorne, einer wertete den Kampf als Unentschieden.


Shooto Switzerland 7
4. September 2010
Volkshaus in Zürich, Schweiz

A-Klasse
Gregor Herb bes. Lee McKibbin via Keylock nach 3:18 in Rd. 1
Claudemir Souza bes. Kriss Larcin via Kneebar nach 2:50 in Rd. 1
Ivan Musardo bes. Michael Reid via Guillotine Choke nach 0:35 in Rd. 1
Alan Omer bes. Rouven Kurath via Triangle Kimura nach 3:44 in Rd. 1
Mike Wiatko bes. Patrick DeCaro via DQ nach 2:04 in Rd. 1

B-Klasse
Volkan Oezdemir bes. Martin Vath via TKO nach 0:56 in Rd. 1
Geraldo Huvet bes. Alessandro Plog nach Punkten (einstimmig)
Gregor Weibel bes. Raphael Campagna via Rear Naked Choke nach 4:06 in Rd. 1

C-Klasse
Aladin Ganguin bes. Mehmet Demirci nach Punkten (einstimmig)
Mark Curry bes. Gaetano Pirello via Triangle Armbar nach 2:40 in Rd. 1
Yves Marthaler bes. Jorge Moreira nach Punkten (einstimmig)
Daniel Abraham bes. Patrick Drees nach Punkten (Mehrheitsentscheid)

Vielen Dank für die Bilder an Valentino Kerkhof (www.sportmma.eu)!