MMA - CH/AT

Hard Fighting Championship

Poster via HFC

Alles klang sehr vielversprechend. Am 6. Mai 2011 sollte die Hard Fighting Championship ihren vierten Anlass in der Schweiz abhalten. Die HFC ist eine kleinere französische Promotion, welche eine französische Delegation zusammenstellte, welche gegen eine europäische Auswahl antreten sollte. Schützenhilfe bekamen sie dabei aus dem schweizerischen Martigny von der FILA, dem weltweiten Ringerverband. Und so wurde der Anlass in einer öffentlichen Sporthalle in Martigny ausgetragen. Beinahe die ganze Infrastruktur und auch der Cage wurden von der FILA und dem ortsansässigen Ringerverein in Martigny gestellt. Ausserdem betrieb die FILA die Rekrutierung für die europäsche Delegation, welche gegen die französische Auswahl antreten sollte. Eine Woche zuvor hatte die Strength & Honor in Genf bereits vorgemacht, wie man einen gut organisierten und ausverkauften Cage-Event durchführt. Dementsprechend hoch waren natürlich die Erwartungen an diesen Event, bei dem anscheinend ja zwei der ganz grossen Fische mitwirkten: Eine vielversprechende französische MMA-Promotion und der Verband, der immerhin drei olympische Disziplinen vertritt... doch wie das Wilhelm Busch einst so schön sagte: Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.

Bereits im Vorfeld zeichneten sich Probleme ab, viele der französischen Kämpfer wurden ausgewechselt auf Grund von Verletzungen. Was aber bei einem Kamfpsportanlass ja eigentlich noch normal ist. Jeder Veranstalter hat mit verletzungsbedingten Ausfällen zu kämpfen. Was eher ungewöhnlich war, war das der Veranstalter die Kämpfer nicht direkt informierte, dass sie einen Wechsel vornahmen. Die betroffenen Sportler erfuhren es meist erst auf Anfrage, oder direkt am Eventtag.  Weiter wurden teilweise Leute eingewechselt, welche von ihrem kämpferischen Niveau weit über dem lagen, was angepriesen wurde, Missmatches waren dadurch vorprogrammiert. Die Männer hinter der HFC versuchten wohl bereits im Vorfeld das Gleichgewicht zu stören und die französische Delegation zu bevorteilen. Das ist ein altbekanntes Problem bei Veranstaltungen, dass gewisse Organisatoren ihren Schützlingen einfachere Kämpfer besorgen um sie vor heimischem Publikum gewinnen zu lassen. Doch genau hier hätte es eine ausgleichende Kraft benötigt, welche sich für die nicht-französische Delegation einsetzt. Und klar trifft im Matchmaking die Hauptschuld den Veranstalter, schliesslich wählte er die Paarungen aus und sorgte für Ersatz. Trotzdem muss man auch der FILA hier einen Vorwurf machen, dass die Matchmakings nicht geprüft wurden, und da die FILA die europäischen Kämpfer rekrutierte, hätte sie dort auf ausgeglichene Paarungen beharren sollen, anstatt sich vom Veranstalter einlullen zu lassen. Die finale Entscheidung über die Paarungen übernahm die HFC, welche schlussendlicha uch Verträge aufsetzen sollte und das finanzielle Risiko trug. Die FILA trifft zwar direkt keine Schuld, doch böse gesagt, wurde ihr Vertrauen vom Veranstalter missbraucht, was aber am Ergebnis nichts ändert. Als institutioneller Partner wären sie ja genauso verantwortlich gewesen, wenn sich ein Sportler gegen einen unverhältnismässig stärkeren Kämpfer verletzt hätte. Auch das Wägen verlief sehr unprofessionell. So konnte die Wage nicht eingesehen werden, und manche Kämpfer konnten Videos vom Wägen im heimischen Gym mitnehmen, welche aber nie begutachtet wurden. Und so sahen manche Paarungen schon vom Gewicht her sehr ungleich aus. Weiter weigerte sich der Veranstalter ein Hotel vor dem Anlass zu bezahlen, weshalb es kein offizielles Wägen gab, keine Regelkonferenz und für viele Kämpfer auch keine Ruhe vor dem Sturm.

Manche der jungen Kämpfer gaben hier ihr Profi-Debüt, nachdem sie sich erfolgreich als Amateure geschlagen haben. Zwei der jungen Profis waren Gabriel Sabo und Azdren Thaqi aus dem Fight Gym Aarau (Schweiz). Nachdem sie sämtliche ihre Gegner in den Amateurklassen aus dem Ring gefegt hatten, wurde es Zeit für sie, ins Profilager zu wechseln. Für die beiden starken Striker aus Aarau ein grosser Tag. Dementsprechend vorbereitet gingen sie an den Event heran. Da aber auch bei ihnen die Gegner krankheits- und unfallbedingt wechselten als wäre eine Epidemie in Frankreich ausgebrochen, gestaltete sich eine gezielte Vorbereitung als schwierig. Doch die beiden jungen Wilden waren gekommen um zu kämpfen, willigten mit jedem Wechsel ein, sobald sie diese erfuhren. An der Veranstaltung selber war die beiden erfahrenen Thaiboxer mit weiteren Problemen konfrontiert, wie den Regeln. Weder im Vorfeld noch am Veranstaltungsort selber gab es ein Regelbriefing. So gelang es Marius Maissen, dem Coach der beiden aufstrebenden Kämpfer, erst rund dreissig Minuten vor dem Kampf jemanden aufzutreiben, der ihm die Regeln im Detail erklären konnte.

Der Event startete dann mit sage und schreibe anderthalb Stunden Verspätung. Hier waren definitiv die Zuschauer die leidtragenden, und die armen Kämpfer der ersten Begegnung, welche sich eine ganze Trainingseinheit warm machten, da sie niemand im Detail informierte, wann sie beginnen sollen.

Der Anlass selber war dann wie sich das ganze schon im Vorfeld angekündigt hatte: Die französische Delegation fegte über die europäische Auswahl hinweg. Die beiden jungen Aargauer lieferten sich tolle Kämpfe mit ihren französischen Gegnern, im Falle von Gabriel Sabo konnte er den Kampf nach Punkten klar gewinnen. Er dominierte den Franzosen Pierre-Alexandre Brouillard deutlich nach Punkten. Seinem Teamkollegen Azdren Thaqi gelang ein Unentschieden gegen den starken Ringer Michael Ignaczak, ebenfalls eine sehr respektable Leistung, wenn man bedenkt, dass Thaqi erst siebzehn Jahre alt ist. Sicher ein Kämpfer, welchen man auf dem Radar behalten sollte.

Schlechter erging es Alexandre Bioley vom Octogen Team aus Vevey. Ihm wurde ein Striker als Gegner versprochen, dieser wurde aber kurzfristig gegen einen Grappler ausgetauscht, der laut Veranstalter keinerlei Standqualitäten hatte. Doch in Yusup Baysultanov hatte er einen erfahrenen Ringer mit unglaublich hartem Ground and Pound als Gegner, was sich dann in der ersten Hälfte von Runde Eins offenbarte, als er Bioley per TKO bezwang. Hier gilt es nicht nur, ausgeglichene Matches zu machen, sondern durch qualifiziertes Matchmaking auch die Gesundheit der Sportler zu schützen. Im Zusammenhang mit der Gesundheit der Kämpfer gab es übrigens auch keine Arztkontrolle. Weder vor, noch nach dem Kampf.

Ansonsten gibt es zu den Kämpfe nicht viel spezielles zu berichten, da die Sportler an sich ja keine Schuld trifft und sie das machten, weshalb sie gekommen sind: Um sich im Ring fair zu messen. Was nach dem Event geschah, war dann der grosse Skandal. Der Veranstalter verschwand in der Nacht nach dem Event, und viele der Kämpfer waren noch nicht bezahlt worden. Einige reisten aus der Ukraine an, bezahlten die Fahrt selber, da ausgemacht wurde, sie kriegen das Geld nach dem Anlass für sämtliche Fahrspesen. Besonders die weit angereisten Kämpfer aus Osteuropa dürfte es am härtesten treffen. Doch was blieb ihnen anderes übrig, als dem Veranstalter zu trauen. Da die europäische Delegation von Anne Pellaud vorgeschlagen wurde, hatte man zwar keine Verträge für die Kämpfer, doch die Kämpfer vertrauten darauf, dass der weltweite Ringerverband ja sicher ein vertrauenswürdiger Ansprechpartner wäre. Viele der zusammengewürfelten europäischen Delegation hatten ja bereits unter dem Banner der FILA gerungen. Obwohl die FILA ihr Bedauern über die ausstehenden Zahlungen beteuerte, war den über den Tisch gezogenenen Kämpfern dadurch auch nicht gross geholfen. Noch weniger am nächsten Morgen, als sie im Hotel auschecken wollten und erfuhren, dass der Veranstalter kein einziges Hotelzimmer bezahlt hatte und sie nicht nur gratis gekämpft und umsonst gefahren sind, sondern auch noch ihre eigene Übernachtung bezahlen dürfen.

Veranstalter wie die HFC sorgen dafür, dass der MMA-Sport mancherorts einen schlechten Ruf besitzt, sämtliche Sicherheitsregeln und Regeln des Anstandes wurden gebrochen und junge, motivierte Sportler ausgenutzt. Sämtliche Beteiligten sollten die Lehren aus dem ganzen ziehen, solche unseriösen Veranstaltungen meiden und auf altbewährte Promotionen ausweichen. Die FILA sollte sich eine Lehre daraus ziehen, und genau prüfen, welches Label sie mit ihrem Logo schmücken wollen, denn darunter kann ihr Ansehen massiv leiden. Mitgefangen, mitgehangen dürfte hier die FILA-Devise lauten. Denn nach diesem Debakel sind die Verantwortlichen der FILA, obwohl sie in manchen Punkten sicher keine Schuld trifft, ihren Sportlern sicher eine Erklärung schuldig, da sie Mitorganisator waren, und auch ihnen die genaue Überprüfung ihres Partners, des Matchmakings, der Sicherheitsvorkehrungen, der Verträge und der Bezahlung der Kämpfer und Hotels, eine Pflicht war. Auf Seiten der FILA sollte man auch bedenken, dass man das Matchmaking von szeneerfahrenenen Leuten überprüfen lässt, welche auch stichfeste Verträge aufsetzen, hier dürfte der zwar sehr engagierten, doch in diesem Bereich unerfahrenen Anne Pellaud schlichtweg die Erfahrung gefehlt haben. Im Sport ist es wie überall, machmal ist es schwer ein klares "Nein" durchzusetzen, doch dieses eine Wort verschafft einem manchmal sehr viel Respekt.

Die klaren Hauptschuldigen finden sich aber sicher in den beiden französischen Herren, Ariz Raguig und Jean Michel Fossard, welche systematisch ihre Partner, die Kämpfer und das Publikum über den Tisch zogen und seither nicht mehr erreichbar sind. Hier bleibt es wohl dabei, dass die FILA ihr Lehrgeld bezahlen muss und für die Zukunft ihre Partner vorsichtiger aussucht und bessere Verträge aufsetzt, welche ihnen mehr rechte einräumen. Laut Anne Pellaud hatte die FILA keinerlei Veto-Recht, falls ihnen eine Entscheidung nicht gefallen sollte. Weiter wählten sie einen Partner aus, der im Falle von Problemen, wie sie nun aufgetreten sind, zu wenig finazielle Mittel besitzt um diese abzudecken. Anne Pellaud von der FILA entschuldigte sich bei sämtlichen Betroffenen und merkte an, dass sie soweit als möglich  die ausstehenden Gelder aus der eigenen Tasche bezahlen werden und der HFC in Rechnung stellen. Sollten diese nicht bezahlen, werden sie wohl rechtliche Schritte einleiten, doch auf Grund der internationalen Natur des Verfahrens und teilweise fehlender Verträge, dürfte es schwierig werden, das Verfahren vor Gericht zu bringen. Anne Pellaud bekräftigte, dass sie keinen Aufwand scheut, um die geprellten Sportler nachträglich noch zu ihrer Kampfgage kommen zu lassen und würde sich noch öffentlich entschuldigen bei allen Leidtragenden.