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Gökhan Aydin: "Wir werden die Fans mit einbinden!"

Gökhan Aydin will Norddeutschland aufkrempeln. (Foto: Valentino Kerkhof/SportsMMA)

Im nächsten Jahr gibt es große Pläne für Norddeutschland, denn Veranstalter und Krav Maga Head-Instructor Gökhan Aydin wird die neue Veranstaltungsserie „No Compromises“ auf die Beine stellen. Unterstützt von der „European Krav Maga Organization“ sind zwei Events bereits in Planung, in Bremen sowie in Hamburg (GnP berichtete).

GroundandPound sprach exklusiv mit dem Mann hinter den Kulissen, der uns wenige Monate vor dem großen Debüt darüber aufklärt, was die Zuschauer und Kämpfer erwarten wird.

GroundandPound: Gökhan, wann war es für Dich soweit zu sagen: Jetzt zeig ich es allen und mache mein eigenes Ding? Denn Du hast schon länger mit dem Gedanken gespielt, Events in Norddeutschland auf die Beine zu stellen.
Gökhan Aydin: Da möchte ich gleich schon zu Anfang etwas klar stellen. Ich möchte es nicht allen „zeigen“. Wir haben in Deutschland schon einige klasse Veranstaltungen. Mit den Veranstaltern von Respect.FC verstehe ich mich zum Beispiel sehr gut und werde dort auch gerne zukünftig weiterhin als Referee tätig sein.

Ben und Sebastian haben mich bei meinem Vorhaben auch stets unterstützt und mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Generell bin ich dafür, dass wir mehr gemeinsam machen sollten, um den Sport in Deutschland voran zu bringen. Gegner haben wir zur Genüge; da müssen wir zusammenhalten und uns nicht gegenseitig im Weg stehen.

Wie kam die Idee zu „No Compromises“?
Wir waren der Auffassung, dass gerade in Norddeutschland wenig passiert. Außer „We love MMA“ in Berlin fällt mir gerade nichts Großes ein. Und für uns Nordlichter ist das eben nicht Norddeutschland (lacht). Deshalb wollten wir gerne etwas in und um Hamburg herum etablieren. Da wir mittlerweile seit sechs Jahren die Norddeutschen Meisterschaften im Brazilian Jiu-Jitsu in Hamburg gemeinsam mit der SVP organisieren, waren wir der Meinung, dass wir auch ein MMA-Event organisieren können.

Da wir aber erst zum Mai 2013 einen Termin in Hamburg bekommen haben, wollten wir nicht mehr so lange warten und haben den Start von „No Compromises“ nach Bremen gelegt.

Was willst Du den Zuschauern bieten?
Die Zuschauer sollen spannende MMA-Kämpfe zu sehen bekommen. Dazu noch einige andere Kampfsportarten, welche die Fight Card abrunden und verschiedene Stile zeigen soll, welche die Kämpfer trainieren.

Nicht nur MMA, sondern auch Grappling, Boxen, K-1?
Wir wollen den Zuschauern MMA gerne näher bringen und aufzeigen, aus welchen Teilbereichen es besteht. Aus welchen Disziplinen die verschiedenen Kämpfer kommen bzw. wie facettenreich sie trainieren müssen, um im MMA antreten zu können. Ähnlich wie bei der Leichtathletik der Zehnkampf die Königsklasse darstellt, wollen wir eben auch MMA als Königsdisziplin der Kampfkünste zeigen.

Wo wird gekämpft? Im Käfig oder im Ring? Was erwartet die Zuschauer abseits der Matte?
Wir haben uns dazu entschlossen, dass die Kämpfe von „No Compromises“ im Ring stattfinden sollen. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Jörg Lothmann, von dem wir den Ring beziehen. Natürlich werden wir auch Ringgirls haben, aber das Hauptaugenmerk soll auf den Kämpfen und den Kämpfern liegen. Da wollen wir nicht zu viel „Beiwerk“.

Die Fightcard haben wir so aufgebaut, dass die Bremer Kämpferinnen und Kämpfer gegen Herausforderer aus anderen Städten antreten. Es kommt zu keiner einzigen Begegnung zwischen Bremer Kämpfern.


Das ist schon mal ein gutes Konzept, das die heimischen Fans anheizen wird. Wie wirst Du Dich denn explizit von deiner Konkurrenz, oder den bestehenden Veranstaltern, unterscheiden?
Ich denke, wir haben einige Alleinstellungsmerkmale, welche uns von anderen Veranstaltungen unterscheiden. Allen voran werden all unsere Titel mittels 4-Mann-Turnieren ermittelt. Die Jungs müssen also zweimal an einem Abend kämpfen, um sich den Gürtel zu sichern. Außerdem ist auf der Hamburger Fightcard das erste 4-Frauen-Turnier um den Titel im Federgewicht.

Somit wären wir wohl die erste deutsche Promotion, die ein deutliches Zeichen in Richtung Frauen-MMA setzt und eine eigene Championess kürt. Wir wollen auch die Zuschauer, die Fans, stärker in unsere Veranstaltungen einbinden, als es andere tun. Sie sollen die Möglichkeit haben, aktiv mitzugestalten und „No Compromises“ zu formen.

Können wir solche innovativen Interaktionen des Öfteren bei „No Compromises“ sehen?
Ja, auf jeden Fall! Das soll ein fester Bestandteil von „No Compromises“ werden, dass wir die Fans mittels Social Media in die Veranstaltungen einbinden. Als ersten Schritt hatten die Fans ja bis letzten Montag die Möglichkeit, bei der Gestaltung unseres Regelwerks mitzuwirken.

Als nächstes wird man auf unserer Facebook-Seite über die ersten Paarungen im 4-Mann-Turnier um den Weltergewichtsgürtel abstimmen können. So entscheiden die Fans darüber, wer zuerst aufeinandertreffen soll.

Man kann für eine Kampfpaarung stimmen, weil man gerne eine bestimmte Kampfpaarung sehen möchte. Wer von uns kennt das nicht? Man wünscht sich ein Aufeinandertreffen von Jon Jones und Anderson Silva oder von Brock Lesnar und Fedor Emelianenko. Oder in Deutschland zum Beispiel von Hendrik Oschmann und Matthias Schuck, oder von Fabian Loewke und Daniel Kimmling. Letzteres könnte ja in Bremen bereits der Fall sein.

Im Anschluss an das Event werden wir möglichst zeitnah die Kämpfe online setzen und die Fans werden zwei Tage Zeit bekommen, um über

- Fight of the Night
- K.o. of the Night
- Submission of the Night

ebenfalls auf unserer Facebook-Seite per Voting abzustimmen. So bestimmen die Fans darüber, wer diese Prämien erhält. Wie oft gibt es auf Facebook oder zum Beispiel in Foren kontroverse Diskussionen darüber, wer welchen Bonus verdient hat oder eben nicht. Bei uns können die Fans ganz demokratisch darüber abstimmen.

Sobald die vier Teilnehmer um den Titel im Bantamgewicht feststehen, werden auch diese zur Abstimmung freigegeben.

Wie viele Veranstaltungsreihen sind bereits jetzt von dir geplant?
Am 23. Februar sind wir im PIER 2 in Bremen. Hierfür startet in Kürze der Kartenvorverkauf. Am 25. Mai sind wir dann in der Alsterdorfer Sporthalle in Hamburg. Wir hoffen stark auf den Support der Fans, damit wir die Veranstaltungsreihe etablieren können. Wenn alles gut läuft, werden wir auch in anderen Städten Norddeutschlands zu Gast sein.

Aydin ist auch als Referee bekannt und seit Jahren im Einsatz. (Foto: Valentino Kerkhof/SportsMMA)Was ist das große Ziel? Norddeutschland zu erobern oder sich weiter ausbreiten?
Wir wollen uns erst mal auf den norddeutschen Raum konzentrieren. Bremen und Hamburg habe ich ja bereits genannt. Aber auch in anderen Städten haben wir bereits lokale Kooperationspartner, die uns vor Ort unterstützen und Interesse am Ausrichten eines Events haben.

Wie werden die Regeln aussehen? Euer Voting ging gestern zu Ende, bezüglich UFC-Regeln (Ellenbogen am Boden etc.).
Wir haben uns von Anfang an für die „Unified Rules“ als Grundlage entschieden. Diskussion gab es dann über den Punkt, ob wir die „Ellbogen am Boden zum Kopf“ ebenfalls zulassen. Diese sind meiner Meinung nach am Boden selten kampfentscheidend. Vielmehr verursachen sie Cuts, welche zum Kampfabbruch führen. Ich persönlich finde es sehr schade, wenn spannende Kämpfe wegen Cuts abgebrochen werden. Da fallen mir ad hoc alleine in der deutschen Szene einige Kämpfe ein, deren Ausgang ich sehr gerne gesehen hätte, die aber bedingt durch Cuts abgebrochen wurden.

So zum Beipsiel zuletzt der Kampf zwischen Abu Azaitar und Marcin Naruszczka sowie Michael Erdinc und Djamil Chan bei RESPECT 8. Spannende Kämpfe, welche vorzeitig abgebrochen wurden. Natürlich dient das dem Schutz der Kämpfer und hat absoluten Vorrang. Dennoch ärgerlich für den Kämpfer als auch die Fans.

Der Einsatz von Ellbogen erhöht die Gefahr eines solchen vorzeitigen Endes. Das waren u.a. meine Argumente, als wir über das Regelwerk diskutiert haben. Dem wurde durch den einen oder anderen in meinem Team entgegengehalten, dass die „Unified Rules“ nun mal weltweit am meisten verbreitet sind und auch zum Beispiel durch die UFC angewendet werden, und unsere MMA-Kämpfer Gelegenheit erhalten sollten, auf Veranstaltungen nach diesem Regelwerk kämpfen zu können, um bestmöglich auf internationale Events vorbereitet zu sein.

Wir haben letztendlich die Entscheidung über diesen Punkt in die Hände der Fans gelegt. Die Abstimmung auf unserer Facebook-Seite hat dann dazu geführt, dass die Pro-Seite gewonnen hat. Somit sollte den Fans deutlich sein, dass es uns mit der Einbindung der Fans sehr ernst ist. Denn obwohl ich selbst dagegen gestimmt habe, habe ich mich dem Mehrheitsentscheid gebeugt und die Regel zugelassen.

Vielen Dank für die aufschlussreichen Informationen und viel Erfolg bei deiner ersten Großveranstaltung.
An dieser Stelle möchte ich mich bei allen ganz herzlich bedanken, die das Projekt „No Compromises“ mit aus der Taufe gehoben haben und mich bei der Umsetzung unterstützen. Ich hoffe, wir können den Anforderungen gerecht werden und liefern eine tolle Veranstaltung in Bremen ab.

Auch ein großes Dankeschön an unsere Sponsoren Boxhaus, OneManArmy, Sportsdentist und mein eigenes Team von der EKMO für ihren Support sowie euch, GroundandPound, für eure super Berichterstattung!