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GnP Awards 2012: Bester Neuling National

Konnte die Faust im vergangenen Jahr gleich fünf Mal zum Himmel strecken: Der Münchner Stephan Pütz (25) Foto: © Tim Leidecker

Wir drehen die Uhr ein Jahr zurück: Im Januar 2012 hätte man selbst in der Impact Fight Academy in München-Giesing nach Stephan Pütz fragen können und hätte als Antwort lediglich "Stephan wer?" bekommen. Der baumlange Personal Trainer und Ernährungsberater war selbst in seinem eigenen Gym ein völlig unbeschriebenes Blatt. Was in den nächsten elf Monaten folgen sollte, war ein kometenhafter Aufstieg, der in der jüngeren deutschen MMA-Geschichte beispiellos gewesen ist.

Der damals 24-jährige Modellathlet bekam vom Frankfurter Promoter Superior FC Ende März die Gelegenheit, als einer von insgesamt acht Sportlern in ihrem Turnier im Halbschwergewicht zu starten. Ohne jegliche Erfahrung war er neben dem deutschen Amateurmeister im Shooto Tomislav Iverac, dem erfahrenen Grappler Sascha Ernst oder dem Dritten bei der BJJ-Europameisterschaft Marco Knöbel nur ein krasser Außenseiter. Gleich im ersten Kampf musste Pütz gegen den mit bereits fünf Profikämpfen deutlich erfahreneren Ruben Wolf ran. Das Resultat: Die Ecke des "Vikingers" warf nach einer Serie von Schlägen und Kniestößen kurz vor Ende der zweiten Runde das Handtuch.

Nach einem kurzen Ausflug ins schweizerische Olten, den er ebenfalls siegreich gestalten konnte, stand das Halbfinale gegen Sascha Ernst auf dem Programm. Der Cheftrainer des Bremer Carabao-Teams hatte sich in seinem Erstrundenmatch souverän gegen den Mainzer Grappler Christoph Kuolt durchgesetzt. Gegen Pütz bekam der 38-jährige Hansestädter jedoch seine Grenzen aufgezeigt. Der vierzehn Jahre jüngere Hüne kämpfte den Norddeutschen mit seiner überragenden Physis und Kondition nieder und konnte ihn seinerseits mit einem Rear-Naked Choke zum Abklopfen bringen.

Es bedurfte also lediglich einem halben Jahr und zweier Kämpfe und Pütz stand im Finale des Turniers. Er hatte das Vertrauen, das Matchmaker Wladimir Stoppel in ihn gesetzt hatte, bereits zu diesem Zeitpunkt mehr als gerechtfertigt. Vor dem Finalkampf gegen Nils Wernersbach stand jedoch zunächst noch ein Superfight gegen Danny Stritzke an. Ursprünglich sollte Ernst gegen den jungen Schalker in den Käfig steigen, nachdem sich dieser jedoch verletzungsbedingt abmelden musste, sprang Pütz kurzerhand in die Bresche und entschied auch dieses Duell zwischen zwei der hoffnungsvollsten Nachwuchstalenten in Deutschland für sich.

Weniger als einen Monat später stand dann also der große Finalkampf auf dem Programm. Pütz war mittlerweile bereits in die German Top 10 im Halbschwergewicht einsteigen und galt vor dem Duell mit dem Mainzer Wernersbach als Favorit. Zusätzlich zur Arbeit mit seinem eigenen Trainerteam um den Montenegriner Mio Markotic hatte sich der Münchner auf diesen Kampf auch bei Peter Sobottas Team Planet Eater in Balingen vorbereitet. Wernersbach hatte sich in seinem Lauf durch das Turnier jedoch den Ruf erarbeitet, über übermenschliche Nehmerqualitäten zu verfügen und wie ein Zombie auch nach unglaublich harter Prügel noch stark zurückkommen zu können.

Gegen Wernersbach waren jedoch abermals Kondition, Durchhaltevermögen und Physis die ausschlaggebenden Kriterien. In einer absoluten Abnutzungsschlacht, die über vier Runden ging und in der viel geclincht, gerungen und um Positionen gerangelt wurde, war es erneut der Münchner, der am Ende mehr zuzusetzen hatte. Mit konstantem Druck und harten Schlägen und Kniestößen forcierte er den zweiten Handtuchwurf im Turnier. "Es fühlt sich gut an, jetzt Superior FC Champion zu sein", gab der 1,98m-Riese im Interview mit GnP-TV zu Protokoll. "Es war mein Ziel in diesem Jahr ungeschlagen zu bleiben, und das habe ich auch geschafft."

Auch unsere Leser honorierten den Run des Süddeutschen zum Titelgold und wählten ihn mit knapp einem Drittel aller Stimmen zum "besten Neuling national". Auf den Plätzen zwei und drei folgen die beiden Saarbrücker Grappler Alexander Neufang und Roman Kapranov vor dem Berliner Kickboxer Ali Hassan, dem Wahl-Greifswalder Sascha Sharma und Planet-Eater-Rookie Alexandros Michailidis.

Die exakte Stimmverteilung im Überblick:

1. Stephan Pütz 31,82%
2. Alexander Neufang 22,42%
3. Roman Kapranov 14,85%
4. Ali Hassan 13,18%
5. Sascha Sharma 11,67%
6. Alexandros Michailidis 6,06%