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GnP Awards 2011: Mannschaft des Jahres national

Wer es sich hierzulande zum Ziel gesetzt hat, ein erfolgreicher MMA-Kämpfer zu werden, sollte seine Trainingsausrüstung zusammensuchen und in Richtung Frankfurt am Main aufbrechen – so oder so ähnlich würde zumindest der Rat von jedem vierten Teilnehmer der Abstimmung zu den GnP-Awards des Jahres 2011 lauten. 25,5 Prozent unserer Leser wählten das dortige MMA Spirit-Team zur Mannschaft des Jahres national.

Die vielen anderen renommierten Teams des Landes sind teilweise kaum weniger beliebt – mit über 22 Prozent ist besonders der Combat Club Cologne den Frankfurtern dicht auf den Fersen, und auch die Planet Eater um Peter Sobotta bekamen mit knapp über 16 Prozent der Stimmen eine ansehnliche Resonanz. Letzten Endes setzte sich das MMA Spirit aber gegen die insgesamt fünf anderen Nominierten durch, was wohl von mehreren Faktoren beeinflusst wurde.

Was einer dieser Gründe sein könnte, wird dem Besucher schlagartig bewusst, sobald er durch die Tür tritt: Man hat das Gefühl, nicht in einem Kampfsportgym, sondern in einer Wellnessoase gelandet zu sein. Der mit Sofas, Holzboden und angenehmer Beleuchtung ausgestattete Eingangsbereich und die top ausgestatteten Duschen, Umkleiden, Massageräume sowie eine Sauna lassen schnell Zweifel an der beworbenen Bestimmung dieser Einrichtung aufkommen.

Betritt man dann jedoch die eigentlichen Trainingsflächen, erledigen sich solche Spekulationen von selbst. Vom Sparringskäfig über die Sandsäcke bis hin zum Krafttrainingsbereich ist das gesamte Areal hochqualitativ ausgestattet. Bei dem Anblick verwundert es kaum, dass die hier trainierenden Kämpfer in diesem Jahr so große Erfolge feiern konnten.

Qualitative Ausstattung und freundliche Atmosphäre alleine bringen einem allerdings keine Auszeichnungen ein – tolle Kämpfe und greifbare Erfolge dagegen schon, und in dieser Hinsicht war das vergangene Jahr eine Erfolgsgeschichte für die Frankfurter.

Der kämpferische Höhepunkt des Jahres 2011 liegt dabei noch gar nicht so weit zurück, genaugenommen nicht einmal zwei Monate. Am 20. November durfte Daniel Weichel bei der M-1 Global in Moskau für den Leichtgewichtstitel der Organisation antreten – als Co-Hauptkampf vor Fedor Emelianenko vs. Jeff Monson.

Daniel Weichel nach dem Gewinn des M-1-Titels. (Foto: M-1 Global)Den damaligen Champion Jose Figueroa schlug er dabei nach gerade einmal einer Minute und fünfzig Sekunden KO und durfte sich anschließend selbst den Gürtel um die Hüfte schnallen. Wann und gegen wen er seinen neuen Titel verteidigen wird, steht zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht fest.

Weichel, in den GnP-Rankings die aktuelle europäische Nummer eins, schloss damit ein sehr erfolgreiches Jahr stilvoll ab. Zuvor konnte er – ebenfalls für M-1 – Magomedrasul Khasbulaev und Beau Baker besiegen und damit international auf sich aufmerksam machen.

Einen weiterer im Kämfer, der regelmäßig im MMA Spirit-Gym trainiert und mit 2011 ein recht gutes Jahr hatte, ist UFC-Leichtgewicht Dennis Siver. Nachdem er aufgrund seiner ruhigen Art immer ein gutes Stück unter dem Radar geflogen war, erreichte er im Jahr 2010 bereits einige Aufmerksamkeit durch Siege gegen Spencer Fisher und Andre Winner.

Wirklich ins Rampenlicht geriet er allerdings erst Ende Februar 2011, bei UFC 127 in Sydney, Australien. Dort war er für einen Kampf gegen den damals hoch gehandelten Grappler George Sotiropoulos eingeplant und die meisten Fans waren im Vorfeld der Ansicht, dass dieser Kampf von der UFC zusammengesetzt wurde, um Sotiropoulos vor heimischem Publikum gewinnen zu lassen und einen möglichen Titelherausforderer weiter aufzubauen.

Falls das wirklich der Plan gewesen sein sollte, ging er allerdings gründlich schief, denn Siver zeigte eine stark verbesserte Verteidigung gegen Takedowns, was den Grappler Sotiropoulos dazu zwang, mit dem versierten Kickboxer im Stand zu kämpfen. Das Resultat daraus: eine einstimmige Punktentscheidung für Dennis Siver.

Auch seinen nächsten Kampf bei UFC 132 in Las Vegas gewann der Mannheimer nach Punkten, was ihn endgültig ins Gespräch um einen Titelkampf brachte. Eine Niederlage gegen Donald Cerrone, Ende Oktober, ließ diesen Traum zwar platzen, aber mit dem Gewichtsklassenwechsel ins Federgewicht könnte das Jahr 2012 der Startschuss für viele weitere Erfolge werden.

Doch Weichel und Siver sind nicht die einzigen erfolgreichen Kämpfer aus dem MMA Spirit.

Wie Weichel gelang es auch Mittelgewichtler Sunay Hamidov, das Jahr 2011 unbesiegt abzuschließen. Er erkämpfte sich eine beeindruckende Jahresstatistik von vier Siegen ohne Niederlage und machte ebenfalls seinen Weg zu M-1, wo er am 12. November in Astrakhan, Russland, Alexei Martinov mithilfe eines Triangle Chokes bezwingen konnte.

Desweiteren haben die Frankfurter einige vielversprechende Newcomer am Start. Da wäre unter anderem der ebenfalls im Mittelgewicht antretende Rafal Lewon zu nennen, der im Juli seinen ersten Kampf durch einen Rear-Naked Choke gewann, und seither außerdem Michael Gassan und Murat Haykir vorzeitig aus dem Käfig schickte.

Der erst 22-Jährige Max Coga startete 2011 in der Federgewichtsklasse durch. Im Dezember musste er sich zwar Jean-Mark Howel nach Punkten geschlagen geben, davor gelangen ihm dafür Siege gegen Marcin Ziokowski und Kristian Hansen.

Darüber hinaus holten 2011 Ole Noerz, Marc Bockenheimer und Semsettin Aktas Siege für das MMA Spirit, aus dem ganze fünf Kämpfer das Jahr über ungeschlagen blieben.

All diese Erfolge dürften dazu geführt haben, dass für die GnP-Leser das MMA Spirit das Team des Jahres hervorgebracht hat. Wenn man sich allerdings die beiliegende Stimmverteilung anschaut, wird man sehen, dass diese Abstimmung durchgehend knapp war – keines der teilnehmenden Teams unterschritt die 10%-Marke.

Was sich daraus schließen lässt? Alle der sechs Teams konnten im Jahr 2011 Erfolge feiern, darunter viele Siege in der internationalen Szene und sogar in Organisationen wie M-1 und der UFC. Die Trainingsmöglichkeiten für die Mixed Martial Arts in Deutschland sind offensichtlich auf einem generellen Niveau angekommen, das sich im Vergleich zu anderen Ländern nicht mehr zu verstecken braucht, und das ist doch eine gute Nachricht.

Die exakte Stimmverteilung im Überblick:

1. MMA Spirit (Frankfurt) 25.55%
2. Combat Club Cologne (Köln) 22.31%
3. Planet Eater (Balingen) 16.14%
4. Bushido Free Fight Team (Leipzig) 14.29%
5. Stallion Cage (Stuttgart) 11.29%
6. Pride Gym (Düsseldorf) 10.42%