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GnP Awards 2009: Bester junger Kämpfer national

Alan Omer

Die deutsche Nummer eins im Federgewicht ist er schon, jetzt wurde Alan Omer bei den GnP Awards 2009 auch zum besten jungen Kämpfer national gewählt.

Das vergangene Jahr begann für den 21 Jahre alten Stuttgarter am 4. April. An diesem Tag musste er gleich seinen schwierigsten Kampf des Jahres bestreiten. Bei WFC 7 in Slowenien stand er Kostadin Tabakov gegenüber. Omer brachte den gefährlichen Bulgaren in der dritten Runde mit einem Triangle Choke zur Aufgabe, nachdem sich Tabakov zuvor aus mehreren Aufgabegriffen herausgepowert hatte. Irgendwann musste er sich doch gefragt haben, wie er diesen Mann überhaupt zum tappen bekommt.

Omer vs. Tabakov„Das war schon verrückt“, erzählt Omer. „Erstens muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich an dem Tag konditionell nicht auf der Höhe war, da ich mehr als eine Woche vor dem Kampf aufgrund einer Verletzung nicht trainieren konnte und ich das erste Mal im Leben auf 65,5 kg gecuttet habe. Damit bin ich wohl nicht klargekommen. Im Vorhinein wusste ich schon, dass Tabakov ein starker Samboka war und dementsprechend gefürchtete Fußhebel hatte, deswegen habe ich mich im Training auf Fußhebelescapes konzentriert – zum Glück. Bin dann im Kampf glaube ich zweimal in seine Fußhebel geraten, konnte mich jedoch jedes Mal befreien. Ich hatte im Verlauf des Kampfes selbst einige Submissions angesetzt, doch er ist jedes Mal herausgekommen. Aber ich hatte eigentlich ständig die Top-Position und habe mir keine Sorgen gemacht. Er hat sich zwar immer befreien können, doch habe ich ihm auch stark mit Ground & Pound zugesetzt.“

Weiter ging es für Omer am 3. Mai bei der ersten Cage Challenge in Salzgitter. Dort besiegte er den Spanier Jose Adan Gonzales kurz vor Schluss der ersten Runde durch TKO aufgrund von Ellenbogenschlägen. Online hieß es danach, Omer hätte anfangs nicht so gut gegen ihn ausgesehen. Was meint er selbst dazu?

„Haha, ja, im Internet gab’s da einen Schlaumeier, der behauptet hat, ich wäre bis zum TKO total dominiert worden“, lacht Omer. „Tatsache war, mein Gegner hat 'nen Takedown gelandet und er stand noch und ich lag auf dem Boden mit einer Open Guard. Er konnte keinen Schaden anrichten, hatte für zwei Sekunden meine Guard gepasst, ich bin dann aber gleich zurück zur Full Guard. Dann hab ich nen Upkick direkt in sein Gesicht gelandet und danach einen Fußhebel, aus dem er herauskam. Dann wurde der Kampf unterbrochen, weil er ständig meine Hose gegriffen hat, um mich damit zu kontrollieren. Es ging im Standup wieder weiter. Habe dann den Kampf nach weniger als zwei Minuten beendet. Ich bin sehr zufrieden mit dem Kampf. Ist alles sehr gut verlaufen. Und aus meiner Sicht wurde ich zu keiner Zeit dominiert. Wenn jemand was anderes denkt, dann ist das wohl seine Sache. Ich habe wohl einen besseren Eindruck vom Kampf als alle anderen, war ja live am Ort des Geschehens dabei...“

Nach diesem Kampf legte Omer eine unfreiwillige Sommerpause ein und kehrte am 18. Oktober beim Käfig Kiel zurück. Diesmal war der slowakische Ringermeister Miroslav Kuban sein Gegner. Nach zweieinhalb Minuten war die Sache gelaufen und Kuban gab in einem Armhebel auf.

Drei Kämpfe, drei Siege – so Omers tadellose Bilanz aus dem vergangenen Jahr. Für seine Verhältnisse hat er sich 2009 etwas rar gemacht, denn 2007 und 2008 kämpfte der Mann vom Stallion Cage und Arte Suave Grappling Team jeweils fünfmal. Woran lag es – war er lange verletzt oder hat sich niemand mehr getraut, gegen ihn zu kämpfen?

„Nein, von Angst ist glaube ich nicht zu sprechen“, meint Omer. „Ich denke, es hat vielleicht mit dem Wechsel meiner Gewichtsklasse zu tun, vom Leichtgewicht ins Federgewicht. Im Federgewicht ist es schwieriger, einen Gegner zu finden, als in den höheren Gewichtsklassen. Ich hatte 2009 mit drei Kampfabsagen zu tun. Das erste Mal ist bei einer Veranstaltung von Gods of War mein Gegner einfach nicht aufgetaucht. Bei Shooto Switzerland hatte sich mein Gegner verletzt und ein Ersatz konnte nicht gefunden werden. Und als letztes wurde im Dezember die XFC abgesagt, bei der ich gegen einen Amerikaner kämpfen sollte. Also wie man sieht, hing das nicht immer nur von den Gegnern ab, sondern auch von einem Veranstalter.“

Omer vs. KubanTrotz der drei Absagen konnte Omer seine Kampfbilanz souverän auf stattliche 13-2 erhöhen. In den kommenden Monaten soll es genauso erfolgreich weitergehen. „Ich hoffe mal, dass das Jahr 2010 brisant wird“, sagt Omer. „Ich trainiere gerade viel und arbeite auch gezielt an meinen Schwächen. Möchte ja schließlich nicht so wie in Salzgitter ‚dominiert’ werden... Ich hätte auch gerne die Möglichkeit, gegen einen der Jungs aus den European Top Ten zu kämpfen. Ich fühle mich bereit. Im Vergleich zum letzten Jahr habe ich mich kämpferisch um 300% gesteigert und von Tag zu Tag werde ich besser.“

Dieser Meinung schlossen sich die Leser von GroundandPound an und wählten Omer mit 2,3% Vorsprung vor Pascal Krauss auf Platz eins. Alle sechs nominierten Kämpfer haben im Jahr 2009 mit starken Leistungen überzeugen können und sind anschauliche Beispiele dafür, dass in Deutschland immer bessere Kampfsportler nachwachsen. Die sportliche Zukunft ist hierzulande auf jeden Fall gesichert.

Die exakte Stimmverteilung im Überblick:

1. Alan Omer (Stuttgart) 26,4%
2. Pascal Krauss (Freiburg) 24,1%
3. Dominik Tschense (Wuppertal) 16,8%
4. Nicolas Penzer (Stuttgart) 15,9%
5. Sebastian Nowak (Rostock) 11,0%
6. XXX 5,8%