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Free Fight Team Bremen trennt sich von Sebastian Risch

Kein Herz und eine Seele mehr: Sebastian Risch (l.) und Ex-Trainer Michael Rüdiger. (Foto: Valentino Kerkhof/SportMMA)

Der frühere Respect.FC-Mittelgewichtschampion Sebastian Risch ist kein Teil des Free Fight Team Bremens mehr. Dies erklärte FFTB-Cheftrainer Michael Rüdiger nun exklusiv gegenüber GroundandPound. Grund für den Rauswurf sind Differenzen zwischen Rüdiger und Risch bezüglich der Absage des Respect.8-Titelkampfes gegen Michael Erdinc.

“Ich möchte heute bekanntgeben, dass ich und das Free Fight Team Bremen sich von Sebastian Risch trennen werden”, beginnt Rüdiger das Gespräch. “Ich werde Sebastian nicht mehr in meinem Team lassen, egal ob ich ihn nun noch mag oder nicht. Das geht einfach nicht.”

Der Bremer Chefcoach und frühere Mentor von Risch begründet den drastischen Schritt mit einem Vorfall aus der vergangenen Woche: Sebastian Risch sagte seinen für den 22. September bei Respect.8 geplanten Kampf gegen den Sparta Essen-Fighter Michael Erdinc ab. Im Video-Interview mit GroundandPound erklärte Risch, sein Arbeitgeber hätte ihm den zur Wettkampfvorbereitung nötigen Urlaub verwehrt.

“Der Kampf gegen Michael Erdinc wurde offiziell abgesagt, wegen Sebsatians Arbeit”, so Rüdiger gegenüber GroundandPound. “Da ist natürlich was faul. Der Kampf sollte nicht gekämpft werden und damit kann ich nicht leben. Ich bin der Meinung, Sebastian hätte ihn schlagen können. Wenn sein Management aber der Meinung ist, den Kampf zwei Wochen vorher absagen zu müssen, das alles auf einen Bänderriss zu schieben und sich den von einem befreundeten Orthopäden auch noch attestieren zu lassen, dann ist das nicht meine Philosophie. [...] Ich habe 100 Leute, die bei mir trainieren, darunter auch mein eigener Sohn. Die wollten sich alle Karten für den Kampf holen, die hätte ich dann ja alle anlügen müssen. Und zwei Wochen vorher hätte es geheißen: ‘Pech gehabt, die Karten habt ihr umsonst gekauft’. Sebastian meinte nur, die können die Karten trotzdem kaufen. Er sei ja als Gast da, da könnten sie ihn schließlich auch sehen. Ist der abgehoben?”

Schwere Vorwürfe. Fest steht bisher nur, dass es zu einem fingierten Bänderriss nicht gekommen ist, Risch seine Respect-Teilnahme wegen des mangelnden Entgegenkommens seines Arbeitgebers absagte. Rüdiger dazu:

“Die haben den Arbeitgeber ja wirklich angerufen, das ist nicht gelogen. Aber wenn man da zu spät anruft, weil man weiß, dass man sowieso nicht kämpfen wird, dann ist ja klar, wie deren Entscheidung ausfällt. [...] Wenn man das Video (mit der Absage) gesehen hat und Mimik und Körpersprache versteht, dann weiß man eigentlich Bescheid. Sebastian hat sich da selbst unwohl gefühlt.”

Laut Rüdiger habe er selbst versucht, seinen Schützling zu beschwören, den Kampf doch anzutreten. Doch höre der momentan ausschließlich auf die Ratschläge seines Managements, mit dem Rüdiger nach eigener Aussage selbst “nicht mehr konform geht”.

“Ich habe gesagt: ‘Du musst auf jeden Fall gegen den (Erdinc) antreten’”, so der Free Fight Team Bremen-Chefcoach. “Ich meine, der ist ja nicht aus der Welt. Die nächste Veranstaltung kommt doch – und was dann? Aber angeblich hätte man bis dahin vielleicht schon etwas bei Bellator unterschrieben. Das geht doch nicht, man muss sich doch den Kämpfen stellen! [...] Sebastian lässt sich von seinem Management zu leicht beeinflussen. [...] Aber selbst wenn er leicht zu beeinflussen ist, er kann ja immernoch frei entscheiden. Und für seine Entscheidungen muss man geradestehen.”

Spannungen zwischen Rüdiger und Rischs Manager sind während des Gespräches nicht zu überhören. Laut Rüdiger ist deshalb der Gedanke, sich von seinem einst besten Pferd im Stall zu trennen, kein neuer:

“Ich bin schon vor einiger Zeit auf Sebastian zugekommen und habe ihm gesagt, dass ich mich trennen möchte. Damals hat er mich angefleht und gesagt, dass er mich und das Team braucht. Wenn man solche Worte später aber nicht mit Leben füllt, dann kann man sie schließlich auch nicht ernst gemeint haben. [...] Ich möchte meinen Weg weitergehen, und das kann ich mit Sebastian und seinem Management nicht mehr.”

“Ich kann mir vorstellen, dass jetzt sicher viele sagen: ‘Wieso lässt du denn den Sebastian Risch gehen? Andere würden den mit Kusshand nehmen!' Und das werden sie auch tun, keine Frage”, erklärt Rüdiger weiter, sieht in dem Rauswurf seines bekanntesten Gesichts aber nicht gleich das Ende seines Teams: “Das Free Fight Team Bremen bestand schon vor Sebastian und wird auch danach noch bestehen. Ich habe viele aufstrebende Kämpfer.”

“Ich möchte Sebastian keine Steine in den Weg legen, weil wir eine schöne Zeit hatten. Aber man muss wissen, wann es genug ist.”