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Die UFC in Deutschland

UFC-Präsident Dana White zeigt sich von der Negativpresse bezüglich des MMA-Sports unbeeindruckt und wird die UFC im nächsten Jahr wieder nach Deutschland bringen. (Foto: Dorian Szücs/GroundandPound)

Blutkämpfe, Brutalo-Sport, gewaltverherrlichende Prügelei – das alles sind Bezeichnungen, die die Fans der gemischten Kampfkünste in den deutschen Medien immer wieder über den MMA-Sport lesen müssen. Trotzdem blieb die Ultimate Fighting Championship als weltweit größte MMA-Organisation hartnäckig, brachte den Sport ins Free-TV und organisierte Veranstaltungen in Deutschland, bis es letztendlich zum Verbot der Fernsehausstrahlung kam. Im Jahr 2013 wird die UFC nach Deutschland zurückkehren (GroundandPound berichtete exklusiv). Zu diesem Anlass fassen wir die bisherigen Stationen der UFC in Deutschland noch einmal zusammen.

Die ersten Schritte

Im Jahr 2004 – elf Jahre nach der Gründung der UFC – wurden erstmals Kämpfe der UFC in Deutschland gezeigt. Der Bezahlsender Premiere strahlte zum Start ins neue Jahr einen Zusammenschnitt einiger Veranstaltungen aus und bot den Zuschauern damit einen Vorgeschmack auf die kommenden Wochen.

Am 31. Januar wurde mit UFC 46 zum ersten Mal ein UFC Pay-Per-View in Deutschland live übertragen. Für 15€ konnten sich Zuschauer am frühen Morgen den Halbschwergewichtstitelkampf zwischen Randy Couture und Vitor Belfort ansehen. Bis UFC 57 wurden alle Veranstaltungen auf diese Weise übertragen.

Aufgrund von Verhandlungsschwierigkeiten war die dritte Schlacht zwischen Randy Couture und Chuck Liddell im Jahr 2006 vorerst der letzte Kampf, den die deutschen Fans sehen konnten. Premiere strich die UFC komplett aus dem Programm. MMA-Fans saßen somit vorerst auf dem Trockenen.

Die Ruhe vor dem Sturm

Knapp drei Jahre lang herrschte Funkstille, da kamen Berichte ans Licht, die den deutschen MMA-Fans ein Lachen aufs Gesicht zauberten. Die UFC plane eine Großveranstaltung in Deutschland. Auch ein TV-Vertrag sei kurz vorm Abschluss gewesen, wobei besonders Pro 7, DMAX und DSF (heute Sport1) im Gespräch waren.

Letztendlich sicherte sich das DSF die Rechte für die Übertragung der UFC, und so wurden ab März 2009 wöchentlich samstags nach 23 Uhr Kämpfe sowie Veranstaltungen übertragen. Mit UFC 99 wurde auch der erste Deutschland-Event der UFC verkündet. Dass solch eine Premiere nicht reibungslos vonstatten gehen würde, ahnten bereits im Vorfeld viele.

Rich Franklin und Wanderlei Silva haben die Lanxess Arena in Köln zum Kochen gebracht.Politiker und Medien gingen auf die Barrikaden, bevor es am 13. Juni 2009 in der Kölner Lanxess Arena zum lang erwarteten Event auf deutschem Boden kam. Aufgrund der negativen Presse sowie dem Druck der Politiker entschied man sich dafür, Zuschauern unter 18 Jahren den Eintritt zu verwehren – das, obwohl der UFC bis zu diesem Zeitpunkt eine Altersbegrenzung von 16 Jahren zugeschrieben wurde.

Die Veranstaltung selbst lief reibungslos ab. Die fast 13.000 Zuschauer brachten die Arena während des Hauptkampfes zwischen Wanderlei Silva und Rich Franklin zum Beben. Lediglich der blutige Kampf zwischen Stefan Struve und Denis Stojnic lieferte der Presse Material zur negativen Berichterstattung.

Das BLM-Debakel

Ein Jahr lang konnten sich die deutschen Fans Kämpfe der UFC im Free-TV anschauen, da kam es zu einer Entscheidung, die alles ändern sollte. Die bayerische Landesmedienanstalt (BLM), die noch ein Jahr zuvor die Ausstrahlung von MMA-Kämpfen genehmigte, hob ihre Entscheidung wieder auf, da sie das Programm nach erneuter Prüfung für zu brutal befand und „Tabubrüche“ wie das Schlagen eines am Boden liegenden Gegners nicht in das Leitbild der Behörde passen würden.

Da das DSF seinen Sitz in Bayern hatte, musste sich der Fernsehsender natürlich nach den Spielregeln der zuständigen Behörde richten. Somit war der Sender verpflichtet, jegliche Sendungen der UFC aus dem Programm zu nehmen. Doch hatte die BLM überhaupt das Recht für so eine Entscheidung?

Im Prinzip nicht! Aus diesem Grund zog Zuffa LLC, die Mutterfirma der UFC, Mitte 2010 vor Gericht. Da die BLM jedoch nicht Zuffa, sondern DSF die Ausstrahlung der UFC verboten hat, war das US-amerikanische Unternehmen nicht klageberechtigt. Trotzdem blieb Zuffa hartnäckig und ging den nächsten Schritt – man zog vor das Bundesverfassungsgericht, dem höchsten deutschen Gericht.

Dort feierte Zuffa den ersten kleinen Erfolg. Das Bundesverfassungsgericht nahm die Klage an, was bei der großen Anzahl der jährlich eingehenden Verfassungsbeschwerden bei weitem keine Selbstverständlichkeit ist. Gerichtsverfahren dauern bekanntermaßen recht lange. Bis heute wurde kein Urteil öffentlich verkündet.

Eine ausführliche Erläuterung zur rechtlichen Auseinandersetzung zwischen ZUFFA und der BLM findet ihr im Artikel „Vor dem Gesetz“ in der elften Ausgabe des GroundandPound Journals ab Seite 40.

Niemand kann uns aufhalten

Zur Freude der Fans ließ die UFC verlauten, dass deutsche Fans trotz des TV-Verbots nicht auf die Kämpfe verzichten müssen. Über einen HD-Stream dürfen Fans seit knapp zwei Jahren die Veranstaltungen der UFC live und kostenlos verfolgen. In den USA legt man dafür immerhin 50 US-Dollar auf den Tisch.

Trotz der fehlenden TV-Präsenz und der hetzerischen Berichterstattung der Medien gab die UFC den deutschen Markt nicht auf und kündigte prompt eine zweite Veranstaltung in Deutschland an.

„Nicht im Fernsehen zu sein, wird uns nicht stoppen“, erklärte UFC-Präsident Dana White. „Wir werden weiter nach vorne blicken. Wir dürfen nicht in Ontario veranstalten, also eröffnen wir dort ein Büro. Es interessiert uns nicht.“

Und so kam es 13. November 2010 zum zweiten Event auf deutschem Boden. Im Hauptkampf von UFC 122 trafen Nate Marquardt und Yushin Okami in der König-Pilsener-Arena in Oberhausen aufeinander, um den nächsten Herausforderer auf Anderson Silvas Mittelgewichtstitel zu ermitteln. Die fehlende Werbung durch die fehlende Fernsehausstrahlung der UFC machte sich letztendlich auch am Interesse der Fans an der Veranstaltung bemerkbar. Trotzdem schaffte man es, knapp 8.400 Zuschauer in die Arena zu locken.

Seitdem zeigte die UFC keine großen Ambitionen, nach Deutschland zurückzukehren. Marshall Zelaznik, der bis vor kurzem für die UFC in Europa verantwortlich war, erklärte im Gespräch mit GnP-TV, dass sich Deutschland auf einer B-Liste befinden würde. Das bedeute, dass eine Rückkehr in Erwägung gezogen wird, allerdings auf der Prioritätenliste weiter unten steht.

Deutsche Fans in der ersten Reihe bei UFC 138 in Birmingham, England. (Foto: Dorian Szücs/GroundandPound)Um die UFC live zu sehen, mussten deutsche Fans also durch die Welt reisen. Bei den Europa-Veranstaltungen konnte man in den Publikumsrängen immer mal wieder Deutschlandfahnen sehen, die zeigten, dass den Fans oft kein Weg zu weit ist, um sich ihren Lieblingssport anzusehen.

Und wie geht es weiter?

Gegenüber GroundandPound ließ Dana White nach der Veranstaltung in Nottingham verlauten, dass die UFC im nächsten Jahr zum dritten Mal in Deutschland veranstalten wird. Ob die UFC hier eine weitere Veranstaltung ohne jegliche TV-Präsenz organisieren würde, ist fraglich. Es liegt daher nahe, dass man bereits einen TV-Sender gefunden hat oder momentan noch in den Verhandlungen steckt.

Die Verpflichtung von Gary Cook als neuen Europa-Verantwortlichen dürfte einer weiteren Expansion nach Europa nur zu Gute kommen. Seine Fähigkeiten konnte der Brite bereits bei seiner Arbeit als Geschäftsführer des Fußballvereins Manchester City sowie als Leiter der Marke Jordan bei Nike unter Beweis stellen.

Passend zur Amtseinführung tätigte Cook vor zwei Wochen seine erste Geschäftsreise für die UFC – und zwar durch Deutschland, um mögliche Austragungsorte für eine UFC-Veranstaltung zu besichtigen.