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Der Gewichtsklassenwechselwahn

Dennis Siver (Foto: Zuffa LLC)

In Nordamerika grassiert in den letzten Monaten der Gewichtsklassenwechselwahn. Verliert ein Kämpfer einen Kampf, liegt es nicht daran, dass der Gegner an diesem Abend einfach der bessere Kämpfer war, sondern daran, dass man in der falschen Gewichtsklasse gekämpft hat.

Das Einhalten einer strengeren Diät und eine größere Anstrengung beim Gewicht machen ist für manche Kämpfer ein Fluch, für manche ein Segen und für manche etwas, das irgendwo dazwischen liegt. UFC-Kämpfern wie Dominick Cruz, Michael Bisping, Mark Munoz oder Tim Boetsch hat es definitiv Aufschwung verliehen. Andere UFC-Kämpfer wie Brandon Vera oder James Irvin gingen hoffnungslos baden. BJ Penn und Kenny Florian hatten gemischten Erfolg.

Daniel Weichel (Foto: M-1 Global)Grundsätzlich bietet es sich an, in der niedrigstmöglichen Gewichtsklasse anzutreten, um dem Gegner nicht schon von vornherein einen Vorteil zu geben. Haben zwei Kämpfer ein ähnlich technisches Niveau, spielen Attribute wie Kraft und Masse eine nicht zu verachtende Rolle.

Auch Sportler aus Deutschland haben das erkannt und stehen ihren nordamerikanischen Kollegen im Gewicht machen mittlerweile in nichts nach – obwohl die meisten von ihnen keinen Background im Ringen haben.

Dennis Siver, heute Deutschlands erfolgreichster UFC-Kämpfer, gab im April 2007 als Weltergewicht sein Debüt im Octagon und verlor bereits nach 81 Sekunden durch Aufgabe. Fünf Monate später debütierte er im Leichtgewicht mit einem KO-Sieg. Bis im vergangenen Jahr erkämpfte er sich in der UFC eine Bilanz von 8-5. Am 14. April tritt er bei „UFC on Fuel TV 2“ erstmals im Federgewicht an. Es wird spannend zu sehen sein, ob sich sein zweiter Gewichtsklassenwechsel genauso positiv auswirken wird.

Die nach Siver größte Erfolgsgeschichte in Sachen Gewichtsklassenwechsel hat wohl Daniel Weichel aus Michelstadt hinter sich. Als Weltergewicht fuhr Weichel durchaus seine Erfolge in der europäischen Szene ein und kämpfte in England gegen spätere UFC-Kämpfer wie Dan Hardy und Paul Daley. Seine Kampfbilanz als Leichtgewicht beträgt aber eindrucksvolle 11-1. Im November gewann er den Leichtgewichtstitel von M-1 Global und ist seitdem die unangefochtene Nr. 1 in Europa.

Ähnlich erfolgreich ist Sheila Gaff, Deutschlands Kämpferin des Jahres. Gaff musste aufgrund eines Mangels an Gegnerinnen in der europäischen Szene in der Gewichtsklasse bis 66 Kilogramm kämpfen. Zwar gewann sie einige Kämpfe, doch Topkämpferinnen wie Romy Ruyssen war sie körperlich unterlegen. Seit ihrem Wechsel in die Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm ist Gaff unaufhaltsam durch ihre Gegnerinnen hindurchmarschiert: KO-Siege innerhalb von acht bzw. zehn Sekunden sowie ein TKO-Sieg in 94 Sekunden lautet die beeindruckende Bilanz. Ein ideales Beispiel für einen gelungenen und sinnvollen Wechsel.

Sheila Gaff (Foto: Tim Leidecker/GroundandPound)Dennis Sivers deutsche Kollegen, Pascal Krauss aus Freiburg und Carlos Eduardo Rocha aus Hamburg, nahmen die Aussicht auf einen Vertrag mit der UFC als Anlass, nach ungeschlagenen Läufen in Deutschland und Europa, vom Mittelgewicht in ihre natürliche Gewichtsklasse zu wechseln, das Weltergewicht.

Bei seinem ersten Kampf als Weltergewicht gewann Krauss gleich den Weltergewichtstitel der britischen Organisation Cage Warriors. Ein halbes Jahr später siegte er bei UFC 122 in Oberhausen in seinem ersten UFC-Kampf. Bei derselben Veranstaltung debütierte Rocha gleich zweimal: in der UFC und im Weltergewicht. Auch er passte sich gut an seine neue Gewichtsklasse an und siegte bereits nach zweieinhalb Minuten durch Aufgabe.

Nordin Asrih kämpfte im Schwergewicht, Halbschwergewicht und Mittelgewicht, durchaus mit ansehnlichem Erfolg, ehe er im Weltergewicht seinen Platz gefunden hatte. In dieser Gewichtsklasse nahm er auch an der dreizehnten Staffel des UFC-TV-Hits „The Ultimate Fighter“ teil. Nach seiner Teilnahme erfolgte dann die überraschende Ankündigung: Asrih wechselt ins Leichtgewicht! Somit ist er der erste Deutsche, der in fünf unterschiedlichen Gewichtsklassen gekämpft hat. Sein Debüt im Leichtgewicht gewann Asrih durch Aufgabe, der erste Härtetest erwartet ihn aber am 21. April bei Respect.7 – dann trifft er auf den vielseitigen Holländer Hyram Rodriguez.

Bei derselben Veranstaltung debütiert der Kölner Abu Azaitar, eigentlich die Nr. 3 im Halbschwergewicht, im Mittelgewicht – nur um gegen den Düsseldorfer Martin Zawada anzutreten, der seinerseits bei seinem Debüt im Mittelgewicht gegen Azaitars Teamkollegen Farbod Fadami gewann. Zawada, der lange Jahre die Nr. 1 im Halbschwergewicht war, gelang im Mittelgewicht direkt der Sprung an die Spitze seiner neuen Gewichtsklasse.

Pascal Krauss (Foto: Cage Warriors)Auch die Nr. 2 im Halbschwergewicht, Manuel Masuch, profitierte von einem Gewichtsklassenwechsel. Nachdem er seine ersten beiden Kämpfe im Schwergewicht verloren hatte, erkämpfte er sich im Halbschwergewicht eine Bilanz von 4-1.

Der Kölner Jonas Billstein, aktuell die Nr. 3 im Mittelgewicht, siegte in Deutschland neunmal hintereinander im Halbschwergewicht. Anlässlich seines Debüts für die amerikanische Organisation Bellator FC wechselte er ins Mittelgewicht. Zwar verlor er dieses Duell, allerdings nur durch Disqualifikation aufgrund eines illegalen Soccerkicks, nachdem er den Kampf zuvor dominiert hatte.

Auch wenn es schwierig ist, alle deutschen Gewichtsklassenwechsler in einem Artikel zu erfassen, scheint diese Auswahl doch aufzuzeigen, dass die Gewichtsklassenwechsel für die deutschen Sportler bislang durchaus erfolgreich gewesen waren. Vielleicht ja ein kleiner Anstoß in die richtige Richtung für diejenigen, die sich noch nicht dazu überwinden konnten, Burger und Fritten gegen Salat und Sauna einzutauschen…