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Das Schwergewicht

Am 08. November startet "Das Schwergewicht" in den deutschen Kinos. Darin versucht sich "King of Queens"-Star Kevin James als Drehbuchautor und Hauptdarsteller an einer MMA-Komödie, die zum einen natürlich lustig sein soll - zum anderen aber auch die UFC ins richtige Licht rücken will. GroundandPound hat sich den Film vorab schon einmal angesehen.

Sobald eine Kampfsportart an Popularität gewinnt, wird sie früher oder später von Hollywood zu einem mehr oder minder sehenswerten Film verwurstet. Ob "Karate Kid", "Der Kickboxer" oder der Übervater aller Kampfsport-Filme, "Rocky", fast jede Disziplin hatte bereits ihren großen Auftritt im Kino. Selbstverständlich kann das beim MMA-Sport nicht anders sein. Während erste Versuche, das Thema filmisch umzusetzen, wie „Never Back Down“, aufgrund einer flachen Story und noch flacheren Besetzung eher mäßig abschnitten, erreichte das Drama „Warrior“ im vergangenen Jahr als erster MMA-Streifen durchaus positive Kritiken. Der Film setzte sich ernsthaft mit der MMA-Thematik auseinander und erzählte die Geschichte eines Mannes, der sich von ganz unten nach ganz oben fightete – die typische Rocky-Story.

Einen gänzlichen anderen Weg schlägt nun die Action-Komödie „Das Schwergewicht“ ein (Originaltitel: „Here Comes the Boom“), von und mit Hauptdarsteller Kevin James. James, deutschen Fans besser bekannt als übergewichtiger Paketauslieferer in der Sitcom „King of Queens“, ist seit Jahren bekennender MMA-Fan. Aufmerksame Zuschauer haben den 47-Jährigen schon häufiger bei diversen UFC-Events im Publikum sitzen sehen, UFC-Kämpfer wie Quinton Jackson, Dan Henderson oder Bas Rutten hatten Auftritte in seiner Serie. Nach neun Staffeln der überaus erfolgreichen „King of Queens“-Saga widmete sich James seiner Karriere auf der großen Leinwand – mit ähnlich durchschlagendem Erfolg. Mit Filmen wie „Der Kaufhaus Cop“ oder „Der Zoowärter“ blieb er seinem Genre treu und blödelte sich auch im Kino in die Herzen unzähliger Zuschauer.

Nun nutzte James, mittlerweile selbst ein Schwergewicht in Hollywood, seine Position, um ein Projekt umzusetzen, dass ihm seit Jahren am Herzen liegt: „Das Schwergewicht“, einen Film über Mixed Martial Arts.

Darin spielt er den vom Schulsystem gefrusteten Lehrer Scott Voss, der sich mehr schlecht als recht durch den Schulalltag faulenzt. Der Wendepunkt kommt für Voss, als das Schuldirektorat ankündigt, aufgrund fehlender Mittel den Musikunterricht zu streichen und damit Musiklehrer Marty Streb (Henry Winkler) zu entlassen. Streb hatte Voss kurz zuvor gesteckt, dass er in hohem Alter noch einmal Vater wird; das weckt den Kampfgeist im lethargischen Voss und er verspricht, das benötigte Geld für Strebs Stelle aufzubringen. Auch seine Gefühle für die schöne Schulkrankenschwester Bella Flores (Salma Hayek), der er mit seiner mutigen Kampfansage gegen die Schul-Obrigkeit imponieren will, mag dabei eine Rolle spielen.

Durch den wenig lukrativen Zweitjob als Lehrer für Einbürgerungskurse an der Volkshochschule, kommt Voss beim Nachhilfeunterricht mit Holländer Niko (Bas Rutten) zum ersten Mal in Kontakt mit der UFC. Und er begreift, wie viel Geld mit diesem Sport zu verdienen ist, selbst wenn man seine Kämpfe verliert. Der ehemalige College-Ringer Voss beschließt: Er wird MMA-Kämpfer – und will oft genug verlieren, um das benötigte Geld für seine Schule aufzutreiben.

Diese Geschichte, die ihn schlussendlich bis in die MMA-Champions League UFC führt, mag zwar reichlich weit hergeholt sein und stellenweise mit hollywood-typischen Klischees aufwarten, ist aber durchaus unterhaltsam umgesetzt, was nicht zuletzt am wie immer urkomischen Hauptdarsteller James selbst liegt. Und dass der ein eingefleischter MMA-Fan ist, beweisen jede Menge Insider-Gags, die allen langjährigen MMA-Jüngern auffallen dürften, sowie unzählige Cameo-Auftritte bekannter Persönlichkeiten aus der MMA-Welt, wie Chael Sonnen, Wanderlei Silva, Mark DellaGrotte oder Voss-Nemesis "Ken Dietrich" (Krzysztof Soszynski).

Während „Das Schwergewicht“ durchaus auch für Nicht-UFC-Fans eine sehenswerte Angelegenheit ist, ist er für Anhänger des MMA-Sports fast schon ein Muss. Zu zahlreich sind die Momente, in denen man schmunzeln muss, wenn sich z.B. Voss und Dietrich richtig vermöbeln und Kommentator Joe Rogan aufgeregt eine Referenz zum Klassiker zwischen Don Frye und Yoshihiro Takayama herausbrüllt. Zu lustig ist es, zuzuschauen, wie dem Ottonormalpublikum der Sport auf eine lustige Art und Weise vermittelt werden soll.

Und zu angenehm ist es, ausnahmsweise mal keine martialischen Stereotypen im Zusammenhang mit dem MMA-Sport sehen zu müssen.