MMA - CH/AT

Bald wieder im deutschen Ring zu sehen?

Jonas Billstein (Foto: Archiv)

Vor drei Wochen bestritt Team-Andyconda-Kämpfer Jonas Billstein (10-3) bereits seinen dritten Kampf für die nordamerikanische MMA-Organisation Bellator FC. In einem hart umkämpften Fight unterlag der derzeitige GMC Halbschwergewichtschampion dem Lokalmatadoren Perry Filkins knapp nach Punkten. Nach einem mehrwöchigen Aufenthalt in den USA ist der 21 Jahre alte Kölner wieder zurück in seine Heimat gekehrt. Wir sprachen mit ihm über seine Zeit in den Vereinigten Staaten, seinen Kampf mit Perry Filkins, GMC und seine Zukunft.

GroundandPound: Hi Jonas, danke, dass Du Dir Zeit für dieses Interview nimmst! Wie geht es Dir derzeit?
Jonas Billstein: Immer gerne! Mir geht's soweit gut. Bin unverletzt zurück in Deutschland und wieder ins Training eingestiegen.

Dein Kampf mit Perry Filkins ist nun knapp drei Wochen her. Hast Du den Kampf schon analysiert?
Positiv wie ich bin, freue ich mich vor allem, aus diesem viel gelernt zu haben. Leider habe ich deutlich unter meinen Fähigkeiten gekämpft. Mittlerweile habe ich den Kampf an die 100 Mal gesehen. Auch wenn viele offensichtlich anderer Meinung sind, war die Punktentscheidung absolut korrekt. Ich habe in der ersten Runde nicht gut in den Kampf gefunden und extrem viele Fehler gemacht. In der zweiten Runde ging es etwas besser, aber trotzdem fehlte es den ganzen Kampf hindurch einfach an Konsequenz. Über die Dritte will ich eigentlich gar nicht berichten (grinst). Ich habe jetzt viel, an dem ich arbeiten kann. Das wird mir nicht noch einmal passieren.

Du hast zu Beginn den Standkampf akzeptiert. War das auch der Gameplan?
Nicht wirklich. Ich wollte aber nicht ausschließlich an den Takedown denken, weil ich davon ausging,  dass er dies von mir erwartete (lacht). Ich hatte mir im Stand aber einfach mehr zugetraut und seine Überlegenheit hatte mich etwas vom Bodenkampf weggedrängt. Hört sich vielleicht etwas komisch an, ist aber so. Ich wollte es einfach nicht einsehen und bin zu sehr auf sein Game eingegangen. Meine Takedowns waren total halbherzig, weil ich mich mental nicht vom Standup gelöst hatte.Theoretisch war es aber mein Gameplan, den Kampf relativ zügig auf den Boden zu verlagern.

Jonas Billstein (l.) gegen Hans Stringer. (Foto: Tim Leidecker/GroundandPound)

Was wusstest Du überhaupt von Filkins?
Ich hatte ein paar Kämpfe von ihm gesehen, die waren aber sehr alt. Also im Endeffekt so gut wie nichts. Ich hatte jemandem aus meinem Team, der schon einmal mit ihm trainiert hatte. Allerdings beschränkten sich seine Tipps auf Sachen wie: "You just gonna smash that guy" (dt.: "Du musst diesen Kerl zerstören“).

In der zweiten Runde bist Du besser in den Kampf gekommen und hast auch einen schönen Takedown anbringen können. Hat in der dritten Runde einfach die Kraft gefehlt, an dieser Leistung fortzusetzen?
Leider. Ich weiß nicht genau, warum ich auf einmal so extrem zugelaufen bin. Aber am Anfang der dritten Runde war ich von jetzt auf gleich komplett durch, obwohl es mir gegen Ende der zweiten Runde noch echt gut ging.

Es sah streckenweise so aus, als ob Du ihn immer wieder mit einem kraftvollen Suplex zu Boden bekommen wolltest. Warst Du von seiner Takedown-Defense überrascht?
Abgesehen davon, dass der Suplex totaler Müll war... Nein. Ich wusste, dass er aus einem guten Ringerteam kommt und natürlich dementsprechend speziell gegen meine Takedowns trainieren wird.

Du bist warst nun einige Wochen in den Staaten. Was nimmst Du aus dieser Zeit mit nach Hause?
Das Training in den USA ist sehr gut. Ich werde auf jeden Fall oft dieses Gym besuchen. Für die direkte Kampfvorbereitung aber nicht mehr. Wegen des hohen Staraufkommens auf der Matte fehlt es leider etwas an der persönlichen Betreuung durch die Trainer. Ich habe sehr viel Sparringserfahrung dazu gewonnen, konnte aber technisch einfach nicht speziell an meinen Schwächen arbeiten. Ich war hauptsächlich im Alliance Gym in San Diego. Dort hatte ich jeden Tag meine Früheinheiten gehabt und zwei Mal die Woche abends Pratzeneinheiten. Die restlichen Tage meiner Trainingswoche war ich im Victory Gym, ebenfalls in San Diego, um unter Dean Lister an meinem Bodenkampf zu arbeiten. Zwischen den Einheiten waren wir meistens am Strand oder unterwegs in der Stadt. Einen ungefähren Eindruck gibt es in Ruben Crawfords San Diego Videoblog.

Billstein (l.) in seinem Debüt bei Bellator FC gegen Goodman (Foto: Bellator)

Wirst Du nun regelmäßig in den Staaten trainieren?
Ich werde schon bald zurück in den Staaten sein und weiter regelmäßig im Ausland trainieren.

Du hast jetzt bereits drei Kämpfe für Bellator bestritten. Wirst Du einen neuen Vertrag erhalten?
Mir wurde nach dem Kampf direkt zugesichert, dass man weiter mit mir arbeiten will. Jetzt muss ich für mich noch planen, wie ich am Besten vorgehe. Ich werde mich auf jeden Fall in Europa noch neu aufbauen, bevor ich wieder in den Staaten einen Kampf bestreiten werde.

Im Februar wird GMC sein Comeback geben. Du bist der derzeitige Halbschwergewichtschampion der Organisation. Zwar kämpfst Du jetzt im Mittelgewicht, aber wie hoch stehen die Chancen, Dich vielleicht bald wieder auf deutschen Boden zu sehen?
Ich habe immer gerne bei der German MMA Championship gekämpft, und da ich definitiv nach Kämpfen suche, ist das sogar mehr als wahrscheinlich.

Das Jahr neigt sich ja dem Ende zu. Was können wir von Jonas im Jahr 2013 erwarten?
Ich werde viel kämpfen. Hoffentlich auch bald in Deutschland.

Jonas, vielen Dank für das Interview! Hast Du zum Abschluss noch etwas auf dem Herzen, was Du los werden möchtest?
Grüße an alle Deutschen die mich in San Diego begleitet haben und vielen Dank an American Supps und Label23, die mich während meines Aufenthalts unterstützt haben.