MMA - CH/AT

Auf nach Jordanien: Teil 1

Andreas "Big Daddy" Kraniotakes (Foto via Milos Markovic/WFC)

Wie wir bereits berichteten wird die englische MMA-Organisation Cage Warriors am 16. Juni ihre erste Veranstaltung in Jordanien abhalten. Hierbei wird es zum Aufeinandertreffen zwischen dem German-Top-Five Kämpfer Andreas „Big Daddy“ Kraniotakes (9-4) und dem 120 Kilogramm schweren Engländer Jay Mortimore (6-1) kommen.

GroundandPound sprach mit den beiden charismatischen Kämpfern über das bevorstehende Duell und das Gefühl, in einem MMA-Sport untypischen Land, vor einem völlig neuen Publikum zu kämpfen.

In unserer zweiteiligen Interviewreihe findet ihr nun im ersten Teil das vollständige Interview mit Andreas „Big Daddy“ Kraniotakes:

GroundandPound: Grüß Dich Andreas! Vielen Dank, dass Du Dir Zeit für dieses Interview nimmst!

Andreas Kraniotakes: Es ist mir wie immer ein Vergnügen!

Du wirst bereits nächstes Wochenende in Jordanien,  bei der Cage Warriors Fight Night, auf den Engländer Jay Mortimore treffen. Wie ist bislang Dein Trainingscamp in San Diego verlaufen?

Ich war schon hier bevor ich wusste, dass ich für Cage Warriors antreten werde und habe meinen Aufenthalt dann sozusagen zum Camp umfunktioniert. Es verlief bislang sehr gut. Ich hatte die Gelegenheit mit sehr vielen namhaften Trainingspartnern mein Wissen auszutauschen und mich von deren Trainern betreuen zu lassen. Wie immer habe ich hier sehr viel gelernt und ich freue mich schon darauf, die neuen Techniken mit meinem Team vom Kampfsportgym (Koblenz) zu festigen.

Was kannst Du uns über Deinen Gegner sagen?

Er ist ein aufsteigender Kämpfer aus England mit einer Bilanz von 6-1. Die Tatsache dass er alle seine gewonnenen Kämpfe vorzeitig beendete spricht für ein paar schlagkräftige Argumente, die er mit sich herumträgt.

Mortimore verfügt mit knapp 120 kg über einen enormen Gewichtsvorteil Dir gegenüber. Siehst Du dies als einen großen Nachteil?

Es gibt wie immer zwei Seiten der Medaille. Auf der einen Seite macht ihn das zusätzliche Gewicht weniger beweglich und schnell, auf der anderen Seite kann er es auch zu seinem Vorteil einsetzen. Insbesondere im Clinch und aus der Top-Position und auch bei Schlägen kann Gewicht ein großer Vorteil sein. Dem bin ich mir natürlich bewusst. Zudem habe ich in meinem letzten Kampf gelernt, dass ich wieder ein paar Pfunde zunehmen muss, um gegen einige Leute im Schwergewicht mithalten zu können. Auf diesem Pfad befinde ich mich derzeit und ich bin mit den bisherigen Ergebnissen zufrieden. Ende des Jahres wäre ich gerne wieder bei meinem früheren Kampfgewicht von 113 kg angelangt. Mal sehen ob ich das hin bekomme.

Die meisten seiner Kämpfe gewann Mortimore durch seine außerordentlich harten und gefährlichen Schlagkombinationen. Für wie gefährlich hälst Du seine Standqualitäten?

Naja, in diesem Fall sprechen ja die Fakten für sich. Er hat alle seine Siege durch seine Fäuste geholt und ich gehe davon aus, dass er damit auch gerne weiter machen möchte gegen mich. Ich werde ihn auf keinen Fall unterschätzen. Dennoch denke ich, dass ich ihm einiges entgegenzusetzen habe. Wer weiß, vielleicht sehen wir ja ein Kickbox-Duell?

Ist Jay Mortimore ein Wunschgegner?

Jay ist aus mehreren Gründen ein sehr guter Gegner für mich. Der wichtigste Grund ist, dass er ein paar Probleme bereitstellt die interessante Herausforderungen für mich darstellen. Ich möchte nicht gegen Gegner kämpfen, die mich nicht fordern. Ich brauche jemanden, der mir einen Grund gibt morgens aus dem Bett zu kommen und mein Training mit großer Hingabe zu absolvieren. Abgesehen davon wollte ich immer schon für Cage Warriors kämpfen. Ich mag das Flair der Veranstaltungsreihe und ich mag auch den Umstand dass es eine englische Promotion ist. Die Veranstalter waren an mir sehr interessiert. Ich denke, dass sie meinen Kampfstil mögen und ich weiß nicht genau, ob sie vielleicht denken dass ich ein guter Name im Kampfrekord von ihrem aufstrebenden Talent wäre. Wenn es so sein sollte, dann habe ich auf jeden Fall vor ihnen da einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Du solltest ja bereits schon im letzten Jahr mit Igor Swonkin auf einen sehr gefährlichen Striker treffen. Siehst Du nun diesen Kampf als eine erneute Chance, den Zuschauern beweisen zu können, dass Du auch mit einem sehr gefährlichen Striker im Stand mithalten kannst?

Ich habe gelernt, dass es nur zu Blockaden kommt wenn man in einem Kampf bestimmte Dinge unbedingt zeigen will. Vielleicht wird es tatsächlich so sein, dass ich mir mit Jay eine Schlacht im Stand liefere. Eventuell wird das dann den ein oder anderen von meinen Fähigkeiten überzeugen. Es kann aber auch sein, dass der Kampf anders verläuft. So genau weiß man das ja nie und das ist ja auch eines der spannenden Dinge an unserem Sport. Ich habe nicht vor in der nächsten Zeit die Handschuhe an den Nagel zu hängen und somit sollte ich noch genügend Möglichkeiten haben, die Leute die an meinen Standup-Fähigkeiten zweifeln vom Gegenteil zu überzeugen. Aber letztlich wird es immer Experten geben denen das ein oder andere nicht gefällt. Von daher mache ich mir darum nicht wirklich viele Gedanken.

Big Daddy vs. Nandor Guelmino (Foto: Simon Plestenjak)Hast Du nach der Niederlage gegen Ajlin Ahmic etwas an Deinem Training umgestellt bzw. einige Veränderungen vorgenommen?

Wie bereits erwähnt habe ich aus dem Kampf gelernt, dass ich einfach an Körpergewicht zunehmen muss. Wir haben viel geclincht und das hat mich aufgrund des zu geringen Gewichts stark ermüdet. Zudem habe ich ein paar taktische Veränderungen für meinen nächsten Kampf vorgenommen. Abgesehen davon gab es nicht wirklich grundlegenden Änderungen. Eine Niederlage zeigt einem Kämpfer immer in besonderer Weise Schwächen auf. Ich habe diese analysiert und versuche sie auszumerzen. Das ist der ewige Kreislauf in unserem Sport. Selbst nach gewonnenen Kämpfen komme ich mit meinem Team nach Hause und wir versuchen herauszufinden was hätte besser sein müssen.

Eine weitere Niederlage auf internationalem Boden könnte Dich weit zurückwerfen. Verspürst Du bezüglich dieser Situation einen besonderen Druck?

Um ehrlich zu sein ist der Druck diesbezüglich gerade ziemlich gering. Im Kampf gegen Ahmic stand aus verschiedenen Gründen mehr auf dem Spiel und ein Sieg hätte mich weit nach vorne katapultieren können. Aber ich glaube daran, dass es einen Grund für alle Dinge gibt, die in unserem Leben geschehen.

Wer mich kennt weiß, dass eines meiner Karriereziele ist früher oder später in der UFC zu kämpfen. Vor einem Jahr war ich ungeduldig und konnte es kaum erwarten bis es endlich so weit ist. Das hat mich unter ständigen Druck gesetzt. Mittlerweile habe ich gelernt den Weg als mein Ziel zu betrachten. Der Grund warum ich mit diesem Sport angefangen habe war, weil ich etwas über mich lernen wollte. Der Lernprozess hat nie aufgehört und ich entwickel mich nicht nur sportlich sondern insbesondere auch menschlich immer weiter. Ich glaube an harte Arbeit und daran, dass Träume in Erfüllung gehen können wenn man nur fest genug daran glaubt und genügend Hingabe an den Tag legt.

Früher saß ich in meiner Kabine vor dem Kampf und habe mir gesagt: „Du musst gewinnen, Andreas!“ Heute sage ich: „Du musst kämpfen und alles geben.“ Der Rest kommt von alleine – und wenn nicht, dann sollte es nicht sein.

Der Event wird ja in der jordanischen Hauptstadt Amman ausgetragen. Ein doch recht ungewöhnlicher Ort für einen MMA-Event.

Ich war selbst sehr überrascht, als ich von dem Austragungsort erfuhr. Aber ich bin ein abenteuerlustiger Typ und es ist für mich spannend zu sehen wie das Land und die Kultur auf unseren Sport bzw. auf uns als Athleten reagieren werden. Ich sehe neue Dinge als Herausforderung und somit durchweg als positiv an. In meinem Bekanntenkreis gibt es natürlich einige besorgte Stimmen, die mir abgeraten haben an so einen „gefährlichen“ Ort zu reisen. Aber ich habe sie versucht zu beruhigen indem ich ihnen klar gemacht habe, dass ich auch dort nur gegen einen Mann in den Käfig steige.

Was wird Dich Deiner Meinung nach in Jordanien erwarten?

Ich gehe davon aus, dass insbesondere das Drumherum außergewöhnlich sein wird. Als Kämpfer ist es immer wichtig vor dem großen Tag anständig zu essen. Wer schon einmal in orientalischen Ländern war, der kann sich vorstellen dass es durchaus eine Herausforderung darstellen kann dort leicht bekömmliche Kost aufzutreiben. Wenn man Hochleistungen vollbringen will, dann empfiehlt es sich nicht, wenn der Magen-Darm-Trakt gerade in Streiklaune ist. Vom Publikum und der gesamten Resonanz lasse ich mich einfach mal überraschen. Ich gehe mit dem Vertrauen dort hin, dass sich die Leute von Cage Warriors wahrscheinlich etwas dabei gedacht haben genau diesen Veranstaltungsort zu wählen. Gäbe es kein Interesse oder Potential, dann würden sie glaube ich nicht die lange Reise machen.

Hast Du vielleicht zum Abschluss noch eine Botschaft an Deine Fans oder sogar an Deinen Kontrahenten selbst?

Ich bin kein Freund von Trash-Talk, deshalb wünsche ich Jay und mir lediglich einen spannenden und verletzungsfreien Kampf.

Meinen Fans möchte ich jedoch von ganzem Herzen danken! In meiner Karriere ging es die letzten zwei Jahre auf und ab und zu jeder Zeit standen sie zu mir und haben mir Mut und Kraft gegeben meinen Weg weiter zu gehen und mich als Kämpfer und als Mensch weiter zu entwickeln. Als Gegenleistung versuche ich ihnen von meiner Geschichte zu erzählen und sie an meinem Leben als Kämpfer, aber auch als Privatperson teilhaben zu lassen. Zu diesem Zweck ist seit Januar meine Homepage (www.kraniotakesmma.com) online, auf der ich regelmäßig Neuigkeiten und sehenswertes aus meinem Leben zeige. Insbesondere meine Blogs erfreuen sich großer Beliebtheit und so versuche ich Euch fleißig damit zu versorgen. Jeder, der sich als Big Daddy Fan angesprochen fühlt, soll wissen, dass ich nicht da wäre wo ich bin, nicht der Mensch wäre der ich bin, ohne ihn. Dafür danke!