MMA

Zmierzamy do UFC Krakau

Krakau: eine der geschichtsträchtigsten Städte Polens. (Foto: Pko/Creative Commons)

GnP1-Redakteur Florian Sädler befindet sich momentan in Polen, genauer gesagt in Krakau, wo am kommenden Wochenende die 64. UFC Fight Night stattfinden wird. Was man dort alles erlebt, erfahrt ihr in seinem Reisetagebuch.


Jien dobre! Die UFC kommt nach Polen, und wir kommen mit. Viele bekannte Gesichter hat die UFC Fight Night Nummer 64 nicht zu bieten, der ein oder andere Action-Garant ist aber dabei und die kampfsportbegeisterten Polen dürften die Krakauer Arena am Samstagabend in einen Hexenkessel verwandeln, wenn Mirko Cro Cop versucht, seine acht Jahre alte K.o.-Niederlage gegen Gabriel Gonzaga zu rächen - das will ich mir nicht entgehen lassen.

Mitte April ist ein guter Zeitraum für einen UFC-Event. Das Timing passt und so sitze ich bereits am Dienstag vor der Fight Night im Flieger Richtung Osten. Als ich nach der Landung mein Gepäck wiederbekommen habe und in der Ankunftshalle ankomme, springt mir gleich ein Papierschild mit der Aufschrift „David Allen – UFC“ ins Auge. Rund um meinen Ryanair-Flug sind nur andere Maschinen der Billig-Airline gelandet, scheinbar muss man sich also auch als Europa-Chef der UFC hin und wieder bei den berüchtigten Iren in die Holzklasse zwängen.

Dafür wird er allerdings mittlerweile per eigenem Shuttle-Service ins elf Kilometer entfernte Krakau gebracht, während ich noch immer die richtige Bushaltestelle suche. Der Fußweg durch den sich im Umbau befindlichen Krakauer Flughafen sollte dabei allerdings nicht die größte Herausforderung bleiben, denn Bus-Tickets kann man nur im Wagen am Automaten kaufen, der ausschließlich eben jenes Münzgeld annimmt, das gefühlt neunzig Prozent der gerade eingereisten Ausländer nicht zur Hand haben. Nach knapp 20 Minuten dann hat sich letztlich doch jeder irgendwie ein paar harte Zloty organisiert und eine weitere dreiviertel Stunde später leert sich der Bus schließlich am Krakauer Hauptbahnhof.

Mittlerweile zeigt ein Blick auf die Uhr, dass wir beinahe Mittwoch haben. Zwei weitere Blicke nach links und rechts bestätigen das, und nachdem ich beinahe in einer Filiale einer bekannten Fastfood-Kette eingeschlossen worden wäre, entschließe ich mich dazu, den leichten Weg zu wählen und ein Taxi zu meinem Hotel zu nehmen – irgendwann am frühen Mittwochmorgen falle ich ins Bett.

Gleicher Tag – mittags: Der obligatorische UFC Media Day steht an, also noch keine Zeit für Sightseeing und co. Die Tauron Arena in Krakau ist noch kein Jahr alt, die Fassade wird von einer LED-Konstruktion umhüllt, die am Samstagabend ein riesiges UFC-Poster in die Krakauer Luft hinausleuchten wird. Jetzt allerdings, unter der von grauen Wolken versteckten Mittagssonne, bestimmen leere Parkplätze und friedliches Vogel-Zwitschern das Bild. Außer einer handvoll Reporter ist weit und breit niemand zu sehen – die Ruhe vor dem Sturm, gewissermaßen. Die PR-Beauftragte der UFC muss dann auch erst einmal um das halbe Gebäude laufen, um unser kleines Grüppchen aufzuspüren, denn scheinbar hat sich kurzfristig der Eingang geändert. Egal, denn einen kurzen „ID-Check“ und vier Treppenabsätze später finden wir uns in einer riesigen VIP-Lounge mit Blick auf den Arena-Innenraum wieder. Unten wird gerade die aufwendige Beleuchtungskonstruktion an der Stelle zusammengeschraubt, wo in ein paar Tagen das Octagon stehen wird. Die Stille und die leeren Ränge befeuern dabei mächtig die Fantasie – wenn Jan Blachowicz hier am Samstag den Weg zum Käfig antritt, wird von der trügerischen Ruhe wohl nicht mehr viel übrig bleiben.

Einigermaßen pünktlich startet anschließend der Media Day. Bei diesen Veranstaltungen fällt immer besonders deutlich auf, wie unterschiedlich die Kämpfer mit ihren Pressepflichten umgehen. Während einige der vielen UFC-Debütanten all den Rummel sichtlich spannend finden, geben andere sich keine Mühe, ihr Desinteresse an dem Interview-Marathon mit den immer gleichen Fragen zu verbergen. Fast drei Stunden lang dauert das organisierte Chaos an – jeweils eine für jede der drei Kämpfer-Gruppen – bevor das eifrige Fotos- und Zitate-Sammeln mit den Staredowns seinen Abschluss findet. Wobei das deutsche „Blickduell“ das Geschehen heute weitaus besser beschreibt als das harte Wort „Staredown“, denn Anzeichen von Aggressivität oder gar einer Cormier/Jones-Gedächtnisschlägerei sucht man in Krakau vergebens.

Kurz darauf gibt es trotzdem noch eine Schrecksekunde – jemand ist vor dem Podium zusammengebrochen und von UFC-Europa-Boss David Allen und Kommentator John Gooden in die stabile Seitenlage gerollt worden. Während ein paar PR-Assistentinnen von oben mit ihren Pressemappen Luft zuwedeln, verbreitet sich in Windeseile das Gerücht, dass es wohl Weltergewicht Sheldon Westcott erwischt habe, der am Samstag eigentlich im Octagon stehen soll. Das stellt sich wenig später als falsch heraus und auch dem umgekippten Reporter geht es dem Lachen seines Kollegen nach zu Urteilen schon wieder besser.

Mit der Straßenbahn geht es für mich anschließend zurück ins Hotel, allerdings nicht für lange. Mitten in Krakaus Altstadt findet ein Couchsurfing-Treffen statt, und nach guten Erfahrungen mit diesem Konzept im letzten Herbst in Kanada frage ich mich, warum ich nicht auch in Krakau ein paar Leute kennenlernen sollte? Wenig später sitze ich mit knapp dreißig Leuten in einer Szene-Kneipe und komme mit einigen Polen, einem Deutschen, einer Chinesin aus Wien, einem Briten und einem US-Amerikaner ins Gespräch sowie mit einem 28-jährigen Mexikaner. Der versichert mir gut gelaunt, dass er drei Jahre lang Bürgermeister einer mexikanischen Großstadt war, mittlerweile als „Frührentner“ in verschiedenen europäischen Städten lebt und große Pläne für diverse Unternehmensgründungen schmiedet. 

Als aus dem Mittwoch schließlich der Donnerstag wird, habe ich eine gelallte Einladung nach Los Angeles und die Mailadresse meines mexikanischen Freundes in der Tasche, der mithilfe meines „Fachwissens“ Underground-Fights in einem Krakauer Vorort organisieren will. Trotz seiner eigentlich wasserdichten Argumentation, dass dabei durch Wettmanipulation „lotta, lotta money“ auf uns beide warten könnte, wird sich diese Idee nach momentanem Stand zu meinem größten Bedauern nicht realisieren lassen.

Um kurz vor drei Uhr beschließen ich und zwei meiner neuen Freunde, uns ein Taxi zu unseren Unterkünften zu teilen, um die dreißig Minuten später bin ich wieder zurück in meinem Hotel-Bett. Keine fünf Stunden später muss ich es allerdings schon wieder verlassen: Heute steht nichts vonseiten der UFC an, stattdessen geht es mit dem Bus ins 70 Kilometer entfernte Museum des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. Spaß macht ein solcher Trip nicht wirklich, zumindest nicht im klassischen Sinn. Trotzdem ist der ausgedehnte Rundgang durch die beiden Lager eine interessante und eingehende Erfahrung. Definitiv empfehlenswert, wenn man mal in Krakau ist. 

Zurück in der Stadt weist mich ein fünf Sekunden langes Magenknurren darauf hin, dass ich seit dem Frühstück außer einem labbrigen Hotdog rein gar nichts gegessen habe. Nach einer Stärkung in der „Galeria Krakowska“, einem großen Einkaufscenter mitten in der Innenstadt, komme ich gegen 19 Uhr wieder im Hotel an. Jetzt wartet jede Menge Material auf mich, das ich gestern beim Media Day gesammelt habe. Gleichzeitig kann ich zum ersten Mal seit meiner Ankunft Bilanz ziehen – keine 48 Stunden nach meiner Landung lässt sich nichts als Positives aus dem Nachbarland vermelden: Krakau ist eine wunderschöne Stadt mit vielen netten Leuten und momentan bestem Wetter, außerdem wird es hier am Wochenende im Käfig rund gehen. Behaltet groundandpound.de und auch unsere Facebook-Seite im Auge, um auf dem neuesten Stand zu bleiben.