Allgemein

WFC 9 - Der Restart ist geglückt

Sekunden vor Bruno Carvalhos Titelgewinn.

„Restart“ hieß der Untertitel der neunten Veranstaltung der World Freefight Challenge, die nach achtmonatiger Pause wieder zurückkehrte, um den Fans in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana Kampfsport der Extraklasse zu bieten. Die Show war allerdings kein wirklicher Neubeginn, denn das Organisatorenteam um Zlatko Mahic knüpfte genau da an, wo man im April dieses Jahres aufgehört hatte und präsentierte wieder einmal einen Abend spannungsgeladener Kämpfe, die durchgehend auf einem hohen Niveau geführt wurden.

Zwischen Bruno Carvalho, dem in Schweden beheimateten Brasilianer, und Jean-Francois Lenogue stand die WFC-Weltmeisterschaft im Mittelgewicht auf dem Spiel. Ihr Duell wurde den hohen Erwartungen mehr als gerecht und sorgte zum Abschluss einer großartigen Veranstaltung dafür, dass die Zuschauer in der ausverkauften Hala Tivoli noch einmal aus ihren Sitzen sprangen.

Carvalho legte einen furiosen Start hin und überrannte seinen französischen Kontrahenten schlichtweg. Auf dem Boden setzte er blitzschnell einen Omoplata an. Lenogue befreite sich und fand sich prompt in einem Kniehebel wieder, aus dem er ebenfalls entkommen konnte. Zurück im Stand ging es in den Clinch und Carvalho arbeitete mit Kniestößen zu den Beinen. Lenogue riss sich los, musste dafür jedoch ein paar Lowkicks einstecken. Carvalho warf ihn zu Boden und deckte ihn mit Ground & Pound ein.

Nachdem Lenogue wieder aufstand, ging er erstmals in die Offensive und gewann einen Schlagabtausch. Aber bevor es für Carvalho zu heikel wurde, ließ er Lenogue mit einem Double Leg Takedown auf die Matte krachen. Lenogue wollte auf die Beine kommen, aber Carvalho nahm seinen Rücken ein und arbeitete erneut mit Kniestößen. Dann beendete er die Runde mit einem weiteren Double Leg Takedown.

Der zweite Durchgang gehörte ganz dem Franzosen. Die Kämpfer tauschten Lowkicks aus, lieferten sich einen Schlagabtausch nach dem anderen und gingen immer mal wieder in den Clinch. Carvalho schien dringend eine Verschnaufpause zu benötigen, er ging kaum noch in die Offensive. Lenogue provozierte ihn zusätzlich, indem er um ihn herum tänzelte. Dabei landete er einige gute Treffer mit seinen variablen Schlagkombinationen.

Zu Beginn der dritten Runde stand es Unentschieden. Die Stimmung in der Halle war zum Zerreißen gespannt. Lenogue startete aggressiv mit einer Schlagsalve. Carvalho nutzte einen Kick von ihm zu einem krachenden Double Leg Takedown aus. Der Brasilianer legte mit Kniestößen aus der Sidecontrol los und sicherte sich nach einem Befreiungsversuch von Lenogue die Back Mount. Sofort ging Carvalho zum Rear Naked Choke über. Lenogue versuchte tapfer, dem Würgegriff zu widerstehen, aber Carvalho ließ nicht locker – Lenogue ging schlafen und der englische Ringrichter Grant Waterman brach den Kampf ab.

Der Sieg im WFC-Weltmeisterschaftskampf war Carvalhos fünfter in diesem Jahr. Ein hervorragender Abschluss eines erfolgreichen 2009 für den Mann von GBG MMA in Göteborg.

Härte, Durchhaltevermögen, Kampfgeist – diese spartanischen Tugenden legte auch Andreas Kraniotakes an den Tag, der in der Kleidung eines Spartaners den Ring betrat, um sich dem gefährlichen Striker Nandor Guelmino aus Wien zu stellen. Guelmino fackelte nicht lange und setzte Kraniotakes zum Start der ersten Runde mit Schlagkombinationen zu. Kraniotakes ging in den Clinch, aber Guelmino zeigte sich sehr versiert im Dirty Boxing. Einige Aufwärtshaken bereiteten sein Takedown vor.

Kraniotakes musste in der Half Guard weiter harte Schläge einstecken. Guelmino arbeitete sich über die Sidecontrol in die Mountposition vor und feuerte aus allen Rohren. Kraniotakes, der schon aus der Nase blutete, nahm in großer Bedrängnis noch einmal alle Kraft zusammen und vollzog einen Sweep. Aus der Guard von Guelmino fing er seinerseits mit gewaltigem Ground & Pound an. Kraniotakes passierte die Guard und ging in die Mountposition über. Nach weiteren kräftigen Schlägen zu Guelminos Kopf brach der Ringrichter den Kampf ab. Ein beeindruckender Comebacksieg von Kraniotakes – „Big Daddy“ hat seine internationale Feuertaufe bestanden.

Ein unglückliches Ende fand die Begegnung zwischen dem Serben Aleksandar Radosavljevic und dem Kroaten Dino Kusic. In einer ausgeglichenen, vom Bodenkampf geprägten ersten Runde gelangen Kusic mehrere Takedowns, während Radosavljevic ihn eine Zeitlang aus der Sidecontrol und North-South Position kontrollierte und beinahe einen Kimura ansetzen konnte.

Mit Beginn der zweiten Runde drückte Radosavljevic gehörig aufs Tempo. Er entschied fast jeden Schlagabtausch für sich und war mit einem Double Leg Takedown in die Sidecontrol erfolgreich. Nachdem Kusic wieder aufstand, ging er mit einem Single Leg Takedown in die Offensive, aber er erweckte den Eindruck, als würde ihm langsam die Kondition schwinden. Radosavljevic witterte seine Chance und griff mit einem Lowkick an, doch der traf Kusic mit voller Wucht im Unterleib.

Kusic ging sofort zu Boden und blieb minutenlang mit schmerzverzerrtem Gesicht auf der Matte liegen. An ein Weiterkämpfen war definitiv nicht mehr zu denken. Da der Tritt unabsichtlich war, kam eine Disqualifikation nicht infrage. Gemäß dem Regelwerk der WFC müssen die Punktrichter in einem solchen Fall über den Kampfausgang entscheiden. Zwei von ihnen sahen Radosavljevic vorne, einer wertete den Kampf Unentschieden.

Alan Carlos aus Brasilien und der Lokalmatador aus Ljubljana, Marko Drmonjic, gingen nach einem wilden Schlagabtausch in den Clinch. Carlos packte ein Double Leg Takedown aus und von da an befand sich Drmonjic ganz in der Welt des BJJ-Schwarzgurts. Hammerfists aus der Half Guard ermöglichten Carlos die Back Mount. Er ging zum Rear Naked Choke über und breitete Drmonjic sogar auf dem Bauch aus, doch der bewies große Willensstärke und wehrte sich verbissen gegen den Würgegriff. Carlos versuchte, ihn mit Schlägen etwas aufzuweichen und setzte den Rear Naked Choke anschließend erneut an. Wieder befreute sich Drmonjic. Mit dem Schlussgong wurde er in den Triangle Choke genommen.

Drmonjic begann die zweite Runde, vom lautstarken Publikum angefeuert, mit einer Schlagkombination. Carlos pullte Butterfly Guard und ging kurz darauf in die Full Guard. Geschickt wehrte Drmonjic jegliche Versuche zu Aufgabegriffen ab und deckte Carlos immer wieder mit Ground & Pound ein. Carlos, der kurzfristig für Marcelo Lopez eingesprungen war, gelang fast ein weiterer Triangle Choke und fast ein Flower Sweep – aber eben nur fast.

Drmonjic und Carlos verhielten sich zum Start der dritten Runde etwas abwartend. Drmonjic initiierte einen Schlagabtausch. Carlos wollte ein Double Leg Takedown ausführen, doch das misslang ihm und er pullte Guard. Dann wiederholte sich das Spiel aus der zweiten Runde. Drmonjic setzte sein Ground & Pound effektiv ein und ließ Carlos keine Chance, irgendwelche Aufgabegriffe anzusetzen. Was folgte, war ein einstimmiger Punktsieg für den Slowenen.

Pascal Krauss, eines von Deutschlands hoffnungsvollsten Nachwuchstalenten, machte seinem Spitznamen „Panzer“ wieder einmal alle Ehre, als er mit Srdjan Sekulic auch seinen achten Gegner platt wälzte. Der Musterschüler von Gregor Herb stand vor keiner leichten Aufgabe, denn auch Sekulic war bis dato ungeschlagen. Umso beeindruckender war dann die Leichtigkeit, mit der der junge Krauss den Serben dominierte.

Sekulic wollte mit Krauss boxen, zog aber in jedem Schlagabtausch den Kürzeren. Krauss konzentrierte sich auf die Basics und setzte Sekulic mit Links-Rechts-Kombinationen zu, denen er hin und wieder harte Lowkicks folgen ließ. Als Sekulic merkte, dass die Gefahr bestand, im Stand vom „Panzer“ überrollt zu werden, versuchte er, den Kampf auf den Boden zu verlagern. Krauss verteidigte sich problemlos und bestrafte jeden Wurfversuch mit Kniestößen zum Körper. Mit jedem abgewehrten Takedown wurde Sekulic frustrierter.

In der zweiten Runde forcierte Krauss das Tempo. Er slammte Sekulic mit einem Double Leg Takedown auf die Matte und schlug aus dem Stehen auf ihn ein. Krauss passierte die Guard und ging von der Sidecontrol in die Mountposition über. Der Rest war nur noch Formsache. Sekulic musste heftiges Ground & Pound über sich ergehen lassen, ehe der Ringrichter einschritt und den Kampf beendete. Dies war der achte vorzeitige Sieg von Krauss, der damit seine weiße Weste weiterhin behalten kann. 2010 könnte das Jahr des Freiburgers werden.

Im Duell zwischen Ivan Mussardo vom Frota Team aus Zürich und Dorial Pridal vom Fox Gym in Wien steckte einiges an Brisanz – Anfang November zwang Mussardo mit Philipp Schranz einen Teamkollegen Pridals beim Manto Cup von La Onda zur Aufgabe. Zu Beginn des Kampfes tauschten beide Schläge aus, Pridal kam zusätzlich mit ein paar Lowkicks durch. Plötzlich explodierte Mussardo mit einem Schlagsturm und riss Pridal damit um. Auf dem Boden schlug Mussardo weiter auf Pridal ein, bis er in die Mountposition kam. Pridal drehte ihm den Rücken zu. Mussardo, der eine Gewichtsklasse höher kämpfte als normalerweise, setzte aus der Drehung von der Back Mount aus einen wunderschönen Armhebel an. Pridal blieb nichts anderes mehr übrig als aufzugeben.

Der Albaner Jetmir Emruli und Lenogues Teamkollege Yannis Jacquet eröffneten dene Abend. Sie lieferten sich über drei Runden einen ausgeglichenen Kampf, in dem sich keiner große Vorteile erarbeiten konnte. Es gab einige Takedowns auf beiden Seiten, aber die Versuche, die Auseinandersetzung mit Aufgabegriffen zu beenden, schlugen ein ums andere Mal fehl. Am Ende setzte sich Emruli knapp, aber einstimmig nach Punkten durch.

Nicht nur die Fans der Mixed Martial Arts, auch die Anhänger des K-1 kamen bei WFC 9 voll auf ihre Kosten. Im Hauptkampf der Veranstaltung machte der absolute Publikumsliebling Miran Fabjan kurzen Prozess mit dem Italiener Evan Valerii, der kurzfristig für Nikola Bozic eingesprungen war. Fabjans WFC-Weltmeistertitel im Halbschwergewicht stand allerdings wider Erwarten nicht auf dem Spiel.

Fabjan dominierte von Beginn an das Geschehen und landete einige Treffer zum Körper und Kopf von Valerii. Mit einem linken Haken schickte er Valeri der Länge nach auf die Bretter. Valerii konnte nach dem 8-Count weitermachen, fing sich aber Schlagkombinationen zum Kopf sowie etliche Körperhaken ein. Nach einem Haken zum Kopf wurde er im Stehen bis acht angezählt. Valeri rettete sich in die zweite Runde. Fabjan spulte weiter sein Programm ab und schlug Valerii erneut nieder. Der Ringrichter hatte genug gesehen und brach den Kampf ab.

Der andere slowenische Publikumsliebling, Ivan Budimir, konnte sich ebenfalls über einen Sieg freuen. Sein Gegner war der Kroate Srdjan Spirk. Beide mixten ihre Schlagkombinationen mit Lowkicks und Kicks zum Kopf, aber Budimir war der aktivere Kämpfer und landete die deutlicheren Treffer. An dem einstimmigen Punktsieg gab es nichts zu rütteln.

Muamer Tufekcic aus Bosnien fand gegen den Armenier Grigor Aschugbabjan sehr gut in den Kampf. Er traf mit Kicks, Schlagkombinationen und Kniestößen aus dem Clinch. Aschugbabjan legte die ganze Zeit seine Kraft in einen einzigen Schlag und kam damit in der ersten Runde überhaupt nicht zum Erfolg. Tefkic machte im zweiten Durchgang mit seinen variablen Angriffen weiter, während Aschugbabjan lediglich vereinzelt mit Inside Lowkicks punktete. Auch in der dritten Runde hatte er Tufekcic überhaupt nichts entgegenzusetzen. Der verdiente Punktsieger konnte dann nur Tufekcic heißen.

WFC 9 – Restart
20. Dezember 2009
Hala Tivoli in Ljubljana, Slowenien

Miran Fabjan bes. Evan Valerii via TKO in Rd. 2 [K-1]

WFC Weltmeisterschaft im Mittelgewicht
Bruno Carvalho bes. Jean-Francois Lenogue via Rear Naked Choke in Rd. 3

Ivan Budimir bes. Srdjan Spirk nach Punkten (einstimmig) [K-1]
Andreas Kraniotakes bes. Nando Guelmino via TKO in Rd. 1
Aleksandar Radosavljevic bes. Dino Kusic nach Punkten (mehrheitlich)
Marko Drmonjic bes. Alan Carlos nach Punkten (einstimmig)
Muamer Tufekcic bes. Grigor Aschugbabjan nach Punkten (einstimmig) [K-1]
Pascal Krauss bes. Srdjan Sekulic via TKO in Rd. 2
Ivan Mussardo bes. Dorian Pridal via Armhebel in Rd. 1
Jetmir Emruli bes. Yannis Jacquet nach Punkten (einstimmig)