MMA

Werdum, Hunt, Ellenberger und Gastelum bei UFC 180

Zwischen Fabrício Werdum und Mark Hunt wird sich am Wochenende entscheiden, wer in Abwesenheit von Cain Velasquez als Champion gilt (Foto: Zuffa LLC).

Viva la México! Zum ersten Mal in ihrer Geschichte ist die UFC über die Grenze nach Mexiko City gereist und wird dort am Samstag vor 21.000 Zuschauern elf Kämpfe präsentieren.

In den vergangenen Wochen musste das Programm so einige Schläge einstecken – allen voran die verletzungsbedingte Absage von Schwergewichtschampion Cain Velasquez. Trotz allem sind drei hochkarätige Duelle im Schwer-, Welter- und Federgewicht übriggeblieben, die neben relevanten Verschiebungen in den Ranglisten vor allem eine Menge Action versprechen.

UFC 180 kann in Deutschland über den UFC Fight Pass verfolgt werden, der ab monatlich 5,99 Euro auf ufc.tv erhältlich ist. Während das Vorprogramm für Abonnenten kostenlos übertragen wird, werden für das Hauptprogramm noch einmal 15,99 Euro (SD) bzw. 17,99 Euro (HD) fällig.

Fabrício Werdum vs. Mark Hunt
Und wieder ist es passiert: Mit Schwergewichtschampion Cain Velasquez musste einmal mehr eine Hauptattraktion eines großen UFC-Events verletzungsbedingt absagen und sorgte damit für Unmut bei den in dieser Hinsicht leidgeprüften Fans. Fabrício „Vai Cavalo“ Werdum (18-5-1) stand somit kurz vor dem größten Kampf seiner Karriere ohne Gegner dar, glücklicherweise hat die UFC aber Mark „Super Samoan“ Hunt (10-8-1) unter Vertrag, der die Chance mit beiden Händen am Schopf packte.

Werdum vs. Hunt heißt es jetzt also aus Mexiko City, und aus dem hohen Underdog Werdum wurde im Zuge dessen der klare Favorit gegen den kurzfristig eingesprungenen Hunt. Das hat seine Gründe, denn „Vai Cavalo“ sah seit seiner Rückkehr in die UFC grandios aus. 2009 noch nach einer überraschenden T.K.o.-Niederlage gegen den damals noch unbekannten Junior dos Santos entlassen, hat Werdum seitdem sieben seiner letzten acht Kämpfe gewonnen. Unterbrochen von einer Punktniederlage gegen Alistair Overeem konnte der Brasilianer bei Strikeforce u.a. Antonio Silva und Fedor Emelianenko und später in der UFC Roy Nelson, Mike Russow, Rodrigo Nogueira und zuletzt Travis Browne besiegen. Besonders beeindruckend war im Octagon dabei der stark verbesserte Standkampf des hochdekorierten BJJ-Experten. Vor allem gegen Roy Nelson und Travis Browne konnte Werdum mit seinem Thaiboxen überzeugen, was ihm gegen den Ex-K-1-Kämpfer Hunt sicherlich zugute kommen wird.

Hunt dagegen hat in dieser Woche gleich zwei Kämpfe zu gewinnen. Neben Werdum musste Hunt sich vor allem um sein Gewicht kümmern, denn der „Super Samoan“ war nach seinem K.o.-Sieg gegen Roy Nelson im September nicht wirklich in Form, als er den Anruf mit der Nachricht von Velasquezs Verletzung bekam. Falls Hunt am Samstag tatsächlich den Interims-Titel gewinnen sollte, wäre das die wohl größte Rocky-Story seit langem in der UFC, vielleicht sogar in der Geschichte der Liga. Als vor einigen Jahren auffiel, dass Hunt nach dem Aufkauf von Pride FC durch die UFC vertraglich an die neuen Eigentümer gebunden war, versuchte man in Las Vegas, Hunt gegen eine Abfindung loszuwerden. Mit einer 5-6-Bilanz und fünf Niederlagen in Folge hatte man schlicht keine Verwendung für den ehemaligen K-1 Grand Prix-Champion. Hunt bestand jedoch darauf, zu kämpfen, und wurde wenig später im ersten Vorkampf von UFC 119 nach 63 Sekunden von Sean McCorkle zur Aufgabe gezwungen.

Wirklich überraschend kam dieses Ergebnis nicht, dafür aber das, was folgte: vier aufeinanderfolgende Siege gegen zunehmend namhafte Gegner – u.a. Cheick Kongo und Stefan Struve und drei davon durch Knockout – brachten Hunt einen Kampf um den Status des nächsten Herausforderers ein. Zwar verlor er diesen im Mai 2013 gegen Junior dos Santos, mit einem Unentschieden in einem der spannendsten Schwergewichtskämpfe aller Zeiten gegen Antonio Silva und dem K.o. gegen Nelson hat sich der 40-Jährige aber wieder an die Spitze manövriert. Dort bekommt er am Samstag die Chance, mit einem weiteren Sieg Geschichte zu schreiben.

Jake Ellenberger vs. Kelvin Gastelum
Ordentlich knallen könnte es im Co-Hauptkampf, in dem die Weltergewichte Jake „The Juggernaut“ Ellenberger (29-8) und Kelvin Gastelum (9-0) aufeinandertreffen werden. Beide gehören zur Elite ihrer Gewichtsklasse, stehen aber an ganz unterschiedlichen Positionen in ihren Karrieren.

Ellenberger ist seit 2009 Teil der UFC und machte sich mit beängstigender K.o.-Power schnell einen Namen – so mussten sich unter anderem Mike Pyle, John Howard und Fitch den harten Händen des gelernten Ringers geschlagen geben. Mehrfach konnte der „Juggernaut“ sich dadurch bis kurz vor einen Titelkampf hocharbeiten, scheiterte jedoch stets wenige Meter vor der Ziellinie. Zuletzt verlor Ellenberger eine Punktentscheidung gegen Rory MacDonald und wurde im vergangenen Mai in der dritten Runde von Robbie Lawler ausgeknockt, am Samstag steht er also unter immensem Erfolgsdruck, wenn er sein Image als Top-Kämpfer behalten will.

Kelvin Gastelum dagegen sind Niederlagen bisher fremd. Im vergangenen Jahr noch wurde er von Chael Sonnen während der 17. „The Ultimate Fighter“-Staffel als letztes ins Team gewählt, zeigte sämtlichen Zweiflern in den folgenden Wochen jedoch, wo der Hammer hängt. Drei Siege durch K.o. oder Aufgabe brachten ihm den Finaleinzug gegen den hoch favorisierten Uriah Hall ein, der zuvor während der Staffel mit Knockout über Knockout für Angst und Schrecken gesorgt hatte. Gastelum zeigte sich unbeeindruckt und punktete Hall drei Runden lang aus. Seitdem er in der „echten“ UFC antritt, läuft es ähnlich gut für den erst 23-Jährigen: Aufeinanderfolgende Siege gegen Brian Melancon, Rick Story und Nico Musoke haben dafür gesorgt, dass ihm jetzt im Co-Hauptkampf einer Pay-per-View-Veranstaltung die größte Chance seiner Karriere gegenübersteht.

Ricardo Lamas vs. Dennis Bermudez
Der dritte Hochkaräter auf dem Programm wird zwischen Ricardo „The Bully“ Lamas (14-3) und Dennis „The Menace“ Bermudez (14-3) ausgetragen. Die beiden Federgewichte gehören zur Spitze der Gewichtsklasse und haben sich damit natürlich den Titelgürtel zum Ziel gesetzt, stehen dabei aber momentan ebenfalls an ganz unterschiedlichen Punkten ihrer jeweiligen Karriere.

Lamas war bereits in der WEC ein bekanntes Gesicht und konnte sich im Anschluss auch schnell in der UFC etablieren. Vorzeitige Siege gegen Matt Grice, Cub Swanson und Erik Koch sowie ein Punktsieg gegen Hatsu Hioki brachten dem 32-Jährigen einen Titelkampf gegen Champion José Aldo ein. Auf diesen musste Lamas nach seinem beeindruckenden technischen Knockout gegen Erik Koch im Januar 2013 jedoch letztlich ein knappes Jahr warten – im vergangenen Februar stieg er schließlich doch gegen Aldo ins Octagon und musste nach fünf Runden eine einstimmige Punktentscheidung abgeben. Im Juni kam „The Bully“ dafür mit einem Punktsieg gegen Hacran Dias zurück und will nun gegen Dennis Bermudez einen weiteren großen Schritt zurück an die Spitze hinter sich bringen.

Bermudez dagegen wird mit Lamas den wohl stärksten und am meisten respektierten Gegner seiner bisherigen Karriere vor die Fäuste bekommen und hat einen potentiellen Titelkampf noch vor sich. Ende 2011 verlor Bermudez das Finale der 14. TUF-Staffel durch Aufgabe gegen Diego Brandao, nachdem er seine beiden vorherigen Profi-Kämpfe auf die gleiche Art und Weise verloren hatte. Seit 2012 dagegen ist „The Menace“ ungeschlagen – sieben Siege in Folge hat Bermudez mit seiner Mischung aus gutem Ringen, solider Schlagkraft und stetiger Weiterentwicklung eingefahren. Unter anderem Max Holloway, Steven Siler, Jimy Hettes und Clay Guida mussten sich ihm in diesem Zeitraum geschlagen geben. Aus dem Titelgeschehen wurde Bermudez trotz all dieser Erfolge bisher herausgehalten – mit einem möglichst spektakulären Sieg gegen Lamas soll sich das am Wochenende ändern.

Augusto Montano vs. Chris Heatherly
Im Weltergewicht wird Augusto “Dodger” Montano (13-1) auf Chris “Stump” Heatherly (8-2) treffen. Montano wird sein Debüt mit einer beeindruckenden Bilanz von 13 Siegen bei nur einer Niederlage gegen den ebenfalls kürzlich von der UFC verpflichteten Sam Alvey geben. Wenn der 30-jährige Mexikaner in den Käfig steigt, darf man Action erwarten, denn lediglich seine Niederlage gegen Alvey ist an die Punktrichter gegangen. Jeden seiner anderen Kämpfe hat das mit 1,87 Meter sehr große Weltergewicht durch Aufgabe oder (technischen) K.o. beendet.

Das gleiche Resultat soll auch am Samstag folgen, und die Quoten dafür scheinen gut zu stehen. Montano wird in Mexiko auf Chris Heatherly treffen, einen 15 Zentimeter kleineren Gegner, der in seinem UFC-Debüt im August von Ben Saunders in der ersten Runde zur Aufgabe gezwungen wurde. Bis auf diesen Kampf sowie eine Aufgabe-Niederlage gegen den ebenfalls bei der UFC unter Vertrag stehenden Alex Garcia hat Heatherly nie verloren und will nun mit Erfolgsdruck im Rücken seinen ersten UFC-Sieg einfahren.

Edgar García vs. Héctor Urbina
Eröffnet wird das Hauptprogramm am Samstag im Weltergewicht von Edgar García (14-3) und Héctor „El Toro“ Urbina (16-8-1). Für García ist dies die zweite Chance in der UFC – und angesichts seiner prestigeträchtigen Position auf dem Hauptprogramm eine riesengroße noch dazu. Bereits 2009 war García im Octagon zu sehen, wurde jedoch nach Niederlagen gegen Brad Blackburn und DaMarques Johnson von der Organisation vor die Tür gesetzt. Seitdem hat der 30-jährige Mexikaner sieben seiner letzten acht Kämpfe gewonnen und sich damit einen zweiten Anlauf in der UFC verdient.

Dort wird er auf den Debütanten Héctor Urbina treffen. Der 27-Jährige aus dem American Top Team startete seine Profi-Karriere 2006 und war seitdem recht aktiv – 25 Kämpfe hat er bis 2013 bestritten, von denen er 16 gewinnen konnte, 13 davon vorzeitig. Seit Juni des letzten Jahres stand „El Toro“ nicht mehr offiziell im Käfig, war jedoch Teil der 19. TUF-Staffel, aus der er in der ersten Runde gegen Cathal Pendred ausschied.


Anbei das gesamte Programm:

UFC 181: Werdum vs. Hunt
Samstag, 15. November 2014
Arena Cuidad de México in Mexiko City, Mexiko

Schwergewichts-Interimstitelkampf (ufc.tv)
Fabricio Werdum vs. Mark Hunt

Hauptprogramm (ufc.tv)
Jake Ellenberger vs. Kelvin Gastelum
Ricardo Lamas vs. Dennis Bermudez
Augusto Montano vs. Chris Heatherly
Edgar García vs. Héctor Urbina

Vorprogramm (ufc.tv)
Yair Rodríguez vs. Leonardo Morales
Alejandro Perez vs. José Alberto Quinónez
Jessica Eye vs. Leslie Smith
Gabriel Benítez vs. Humberto Brown

Vorprogramm (UFC Fight Pass)
Enrique Briones vs. Guido Cannetti
Marco Beltrán vs. Marlon Vera