MMA

Weltverband im MMA

Marc Ratner (links) und Lorenzo Fertitta haben große Pläne (Foto: Trace Lee/Yahoo! Sports)

Die UFC will ihre Expansion in andere Länder immer weiter vorantreiben. Zuletzt war die amerikanische Organisation nach jahrelanger Abwesenheit für UFC 144 wieder nach Japan zurückgekehrt. Dazu wird im April mit UFC on Fuel TV 2 die erste UFC-Veranstaltung in Schweden stattfinden. UFC CEO Lorenzo Fertitta sprach zuletzt zudem von Events in Italien, Spanien und Frankreich.

Bei Events in anderen Ländern steht die UFC allerdings häufig vor dem Problem, dass es dort keine Sportkommissionen gibt, die die Events und die Offiziellen überwachen oder Dopingproben nehmen. Dies traf zuletzt sowohl in Japan als auch in Brasilien zu. In beiden Fällen hat die UFC diese Aufgaben übernommen, weswegen sich natürlich die Frage stellt: Wie neutral wird sie diesen Aufgaben nachgehen?

Quinton „Rampage“ Jackson hat nach seinem Kampf gegen Ryan Bader zugegeben, dass er sich vorher auf Anraten seines Arztes mit Testosteron hat behandeln lassen. Würde die UFC bei einem positiven Dopingtest von „Rampage“ dies öffentlich machen und einen ihren größten Superstars über einen längeren Zeitraum sperren oder würden solche Testergebnisse irgendwo verschwinden?

Dazu gibt es sportliche Entscheidungen, wie im Fall von Erick Silva, der bei UFC 142 disqualifiziert wurde, nachdem er Carlo Prater, laut Ringrichter Mario Yamasaki, mehrfach auf den Hinterkopf geschlagen hatte. Die Entscheidung war sehr umstritten, wurde aber nachträglich von der UFC bestätigt. Hätte man auch so entschieden, wenn nicht Erick Silva sondern Anderson Silva von dieser Entscheidung betroffen gewesen wäre?

Um diesen Problemen in Zukunft aus dem Weg zu gehen, würde es die UFC begrüßen, wenn es einen unabhängigen, internationalen Verband gäbe, der diese Aufgaben künftig übernehmen würde; so äußerte sich zumindest UFC Vice President of Regulatory Affairs Marc Ratner, in einem Interview mit unseren Kollegen von MMAJunkie. Ein solcher Verband wäre sicherlich wünschenswert, nur stellt sich besonders bei der UFC die Frage: Wie viel würde man sich von einer anderen Organisation vorschreiben lassen?

Der Gedanke eines übergeordneten Verbandes ist schließlich nicht neu. 2006 unternahm unter anderem der ehemalige UFC Champion Pat Miletich mit der World Alliance of Mixed Martial Arts (WAMMA) den Versuch, eine solche Organisation ins Leben zu rufen. Sowohl die damals noch existierende MMA-Organisation Affliction, als auch DREAM und Strikeforce erkannten WAMMA als übergeordneten, unabhängigen Verband an, der mit Shinya Aoki und Fedor Emelianenko sogar zwei Champions gekrönt hatte. Lediglich die UFC wollte WAMMA damals nicht anerkennen, was einer der Gründe war, weshalb der Weltverband scheiterte.

Wäre somit eine der Bedingungen, die die UFC an einen solchen unabhängigen Verband hätte, dass dieser keine eigene Rangliste haben darf, oder hatte die UFC lediglich ein Problem mit den Personen, die bei WAMMA die wichtigen Positionen besetzt hatten? Ratner sprach in dem Interview nur über die Dinge, die für die UFC zusätzlichen Aufwand bedeuten, wenn sie in Länder gehen, die keine Sportkommission haben. Ob man es aber auch begrüßen würde, wenn diese Organisation eine eigene Rangliste betreiben würde und vielleicht sogar unabhängige Champions krönen würde, darüber wurde kein Wort verloren, dabei kennt man dies doch bereits aus anderen Sportarten.

Beste Beispiele für funktionierende und fehlgeschlagene Weltverbände gibt es im Fußball bzw. im Boxen. Im Fußball existiert ein Weltverband, die FIFA, die bei ihren Weltmeisterschaften auch ihre eigenen Weltmeister kürt. Ob der Gewinn der FIFA Klub-Weltmeisterschaft höher angesehen wird, als der Gewinn der Champions League sei mal dahingestellt, darüber, dass die FIFA-Weltmeisterschaft im Länderwettkampf allerdings den höchsten Stellenwert hat, kann man dagegen kaum streiten und auch die offizielle FIFA-Weltrangliste wird von allen anerkannt.

Anders sieht es dagegen im Boxen aus, wo alleine Wladimir Klitschko in seinem nächsten Kampf seine Schwergewichtstitel der Verbände WBA, WBO, IBF und IBO verteidigen wird. Nicht wenige machen die inflationäre Flut von Verbänden und deren zugehörigen Titelträgern verantwortlich für die immer weiter sinkende Glaubwürdigkeit und Attraktivität des Box-Sports. Abgesehen davon, dass diese ganzen Weltverbände ihre eigenen Champions haben, unterscheiden sie sich zum Teil auch noch in den Regeln - ein weiteres Problem, das die UFC gerne aus der Welt schaffen würde.

Wenn es nach Ratner geht, würde unter einem möglichen Weltverband nach den vereinheitlichten Regeln des MMA ("Unified Rules"), wie sie auch die UFC verwendet, gekämpft. Dies wäre aber auch gleichbedeutend damit, dass vor allem japanische Organisationen ihre Regeln anpassen müssten, wenn sie auch in diesen Verband aufgenommen werden wollen. Darin besteht ohnehin das größte Problem: Kann man die unterschiedlichen Organisationen unter einen Hut bringen?

Im Fußball werden zunächst die Meister in den jeweiligen Ländern ausgespielt, diese treten dann z.B. in Europa in der Champions League an und spielen schließlich bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft den Weltmeister aus. Würde die UFC ihre Titelträger gegen die Champions anderer Organisationen antreten lassen, um einen übergeordneten Champion zu krönen? Wohl eher nicht. Womit wir wieder bei der Frage sind: Wie viel würde man sich von einer anderen Organisation vorschreiben lassen?

Schließlich hat sich die UFC bereits bei so einer trivialen Entscheidung wie der Dauer des Kampfes zwischen Duane Ludwig und Jonathan Goulet über die Entscheidung der zuständigen Sportkommission hinweggesetzt und die Zeit in den eigenen Rekordbüchern auf sechs Sekunden herabgesetzt. Wenn man sich also schon bei so kleinen Sachen nicht mit der Entscheidung des zuständigen Verbandes abfinden kann, wie soll dann die Zusammenarbeit mit einem Verband funktionieren, der möglicherweise den UFC Schwergewichtschampion nicht als besten Schwergewichtskämpfer anerkennt?

Sollte die UFC tatsächlich bereit sein, eine solche Organisation anzuerkennen, dann wäre dies allerdings auch eine große Chance für den Sport. Schließlich hat man mit Boxen und der vielzitierten „Buchstabensuppe“, die dort herrscht, ein schönes Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte. Wenn man es schafft, diese Fehler nicht zu begehen, könnte am Ende tatsächlich ein MMA-Weltverband dabei herauskommen, dessen Champion allgemein als bester Kämpfer seiner Gewichtsklasse anerkannt wird. Überall auf der ganzen Welt könnte man nach den gleichen Regeln kämpfen und mit wettbewerbsunabhängigen, zufälligen Dopingtests könnte man zudem für einen sauberen Sport sorgen.

Die Gefahr einer Buchstabensuppe im MMA-Sport wäre zunächst nicht gegeben, da lediglich der Verband als weltweit legitim anerkannt werden würde, unter dessen Banner der Marktführer UFC seine Kämpfe organisiert. Was aber, wenn die Konkurrenten der UFC langfrisitg an Fahrt gewinnen und sich Konkurrenzverbänden anschließen? Ein Szenario wie im Box-Sport, mit vier "bedeutenden" Weltverbänden und unzähligen kleineren wäre ein Graus für den MMA-Sport.

Ebenso wie die Vorstellung von Interims-Champions, Super-Champions, Champions im Wartestand, Silberchampions, Diamant-Champions und all den anderen aus dem Boxen bekannten Stilblüten. Es bleibt die Frage: Wer überwacht die Überwacher? Ein falsch geführter (vielleicht gar korrupter) Weltverband könnte den noch jungen MMA-Sport schnell zugrunde richten.

Die Absichten und Visionen von Ratner lassen sich durchaus verstehen, ob es am Ende dazu kommt, hängt zum großen Teil aber auch von der UFC ab. Nur wenn sie sich einem Weltverband unterordnet, kann dieser auch erfolgreich arbeiten.