MMA

Von Lederhandschuhen zu Lederhosen

Muss man sich hassen, um im MMA gegeneinander anzutreten? Nicht, wenn es nach Nick Hein und Drew Dober geht (Foto: Privat).

Auf den ersten Blick war UFC Berlin ein Desaster für Drew Dober: Gegen Nick Hein verlor der junge US-Amerikaner seinen zweiten Kampf in der Organisation, was beim Branchenprimus oft genug die Entlassung bedeutet. Für Dober steht der 31. Mai 2014 jedoch für mehr als das: An diesem Tag traf er seine große Liebe Gloria – dabei war die junge Frau eigentlich wegen ihres Bruders nach Berlin gekommen, der dort sein langerwartetes UFC-Debüt gegen einen Fremden aus den USA geben sollte, der ihnen dieses große Wochenende gehörig versauen wollte.

Das gab’s noch nie: Im Käfig waren Nick Hein und Drew Dober Gegner, heute sind sie Schwager. Im vergangenen Mai in Berlin hielten die beiden Leichtgewichte die Zuschauer mit einem höchst unterhaltsamen Drei-Runden-Kampf bei Laune, in der der debütierende Hein sich bereitwillig dem Thaibox-Experten Dober im Stand stellte und so für jede Menge Feuerwerke sorgte.

„Der Kampf war eine Schlacht, resümiert Dober im Rückblick. „Ich habe mehr Schläge gelandet, er dafür die härteren. Ich habe das Octagon kontrolliert, dafür aber auch den ganzen Käfig vollgeblutet, weshalb es für mich wirklich auf die dritte Runde angekommen ist. Wer die Runde gewann, würde den Kampf gewinnen.“

Letztlich war es Hein, der von den Punktrichtern einstimmig den Sieg zugesprochen bekam. Glücklich ist Dober mit der Entscheidung der Punktrichter natürlich nicht, ein zweites Duell steht jedoch außer Frage: „Nein, ein Rückkampf mit Nick Hein steht momentan nicht auf meiner To-Do-Liste“, lacht Dober. Verständlich, denn Hein ist mittlerweile so etwas wie ein Teil der Familie: „Nick und ich sind so ziemlich seit dem Wiegen vor dem Kampf Buddies, so komisch sich das auch anhört. Wir haben das dann auf die Seite geschoben und unseren Kampf abgeliefert. Aber Nick ist ein wahrer Sportsmann und ein wirklich guter Kerl. Wir haben uns einfach direkt verstanden.“

Nach fünfzehn actiongeladenen Minuten trafen sich die beiden Backstage wieder. Wer je mit den zwei extrovertierten Gentlemen gesprochen hat, den wundert es nicht, dass die beiden anschließend Planungen für den restlichen Abend anstellten, anstatt einfach nur die Hand des anderen zu schütteln und sich danach vermutlich nie mehr wiederzusehen. „Nach unserem Kampf waren wir beide begeistert, dass wir so eine Show abliefern konnten, wir haben uns ein bisschen unterhalten und dann hat er mich zur After-Party eingeladen. Ich hatte eine tolle Zeit mit der ganzen Familie“, erinnert sich Dober an die Stunden nach dem Kampf. Irgendwann in diesem Zeitraum traf er auch, mehr oder weniger zufällig, auf Heins Schwester Gloria – und an diesem Punkt wich die schmerzende Enttäuschung über das Ergebnis des Kampfes schnell einem viel angenehmeren Gefühl: „Ich habe mich mit Nicks Schwester unterhalten, wir haben Kontakte ausgetauscht und naja, sie ist einfach eine fantastische Person. Wir sind in Kontakt geblieben und dann ist es so gekommen, wie es gekommen ist. Wir haben uns in New York getroffen und uns einfach super verstanden. Danach waren wir in Denver, wo ich momentan lebe und im Dezember habe ich sie dann in Deutschland besucht.“

„Ich habe den Kampf verloren, was unglücklich ist, aber dafür habe ich Gloria getroffen – die Reise steht für mich also für mehr als diese Niederlage“, bewertet Dober seinen Berlin-Trip im Rückblick. Monate später ist er nun auf eine höchst ungewöhnliche Weise mit den Geschwistern Hein verbunden – während er sich mit dem Bruder vor 8.000 Zuschauern eine Schlacht geliefert hat, ist er nun mit der Schwester verbandelt. Als Dober im Dezember zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate nach Deutschland kam, hat er sogar Weihnachten mit der Familie seines ehemaligen Gegners gefeiert: „Er hat mir Lederhosen-Unterwäsche geschenkt und ich ihm ein Buch“, erzählt Dober über Heiligabend mit den Heins, bevor er mit einem Lachen hinzufügt: „Eins mit vielen Bildern.“

Aber ist die Vorstellung nicht trotzdem ein kleines bisschen komisch, dass er und Nick Hein neben dem Weihnachtsbaum zusammen ein üppiges Festessen genießen? „Nein, überhaupt nicht. Ich kämpfe jeden Tag im Gym gegen meine besten Freunde“, erklärt Dober. „Das Kämpfen ist ein Sport, ein Wettkampf. Ich finde – und Nick sieht das genau so – dass das nicht großartig anders ist als Tennis oder Fußball zu spielen. Ich will natürlich gewinnen, aber dafür muss ich dich nicht hassen. Ich sehe es als Wettkampf, und das ist meiner Meinung nach der Unterschied zwischen einem puren Kämpfer und einem Kampfsportler.“

Nick Hein und Drew Dober beim gemeinsamen Weihnachtsfest 2014

Obwohl seine Niederlage gegen Hein Dobers UFC-Bilanz auf 0-2 verschlechtert hat, hat er noch eine weitere Chance in der Organisation bekommen und das Beste daraus gemacht, indem er den ehemaligen WEC-Champion Jamie Varner im Dezember bei UFC on FOX 13 mit einem Rear Naked Choke zur Aufgabe zwang: 'Ist es wirklich schon vorbei?', erinnert Dober sich an seine Verwunderung, nachdem er den größten Kampf seiner Karriere gewonnen hatte, ohne überhaupt richtig ins Schwitzen zu kommen. „Zwölf Wochen Training und Stress waren innerhalb von zwei Minuten einfach erledigt. Das war wirklich nicht das, was ich erwartet hatte.“

Nach dem Sieg gegen den haushohen Favoriten und Lokalmatadoren Varner steht für Dober nun ein weiterer Trip hinter feindliche Linien an – am 21. März wird der Kämpfer aus Colorado in Rio de Janeiro auf den hoch gehandelten Brasilianer Leandro Silva treffen: „Ihr könnt das gleiche Herzblut und die gleiche Motivation wie immer erwarten, aber mit viel mehr Können“, gibt sich Dober vor dem anstehenden Kampf selbstbewusst. Und wenn alles glatt geht, könnten wir ihn sogar schon im Juni wieder in Berlin sehen, wenn die UFC die für die 69. Ausgabe ihrer Fight Night-Serie an die Spree zurückkehrt. Dober, der bis zu unserem ersten Interview gar nichts von dem geplanten Event wusste, zeigte sich begeistert von der Aussicht, einmal mehr in den Flieger Richtung Deutschland zu steigen: „Ich liebe Deutschland und ich kann es nicht erwarten, wieder zurück zu kommen. Ich hoffe wirklich, (auf dieser Veranstaltung zu kämpfen), ich werde das sofort (bei der UFC) anfragen.“

 

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From leather gloves to leather pants
How Nick Hein and Drew Dober turned from foes to family

At first sight, UFC Berlin was a disaster for Drew Dober: Placed opposite local hero Nick Hein, the young American lost his second straight fight for the promotion, a result that usually puts a fighter on the edge of unemployment. In Dober’s mind, though, May 31, 2014 stands out for a different and much more pleasant reason: That day, he met his love Gloria – who originally had travelled to Berlin to cheer on her brother, who was set to make his UFC debut against some stranger from the US who would try to ruin what Gloria hoped to be a big night for her family.

It’s something that has never happened before: Inside the cage, Nick Hein and Drew Dober were opponents, now they’re family. Last May in Berlin, the two lightweights got the crowd on their feet during a three round battle that saw the debuting Hein engage in an entertaining striking contest with Muay Thai expert Dober. “The fight was a war”, Dober recalls the experience looking back. “I landed more punches but he landed the harder ones. I controlled the Octagon, but I was also cut and bled all over the place. To me, whoever won the third round would win the fight.”

In the end, it was Nick Hein who would get the judge’s unanimous nod. Dober of course is not happy with the result but doesn’t currently see a rematch in his future: “No, a rematch against Nick is not on my To-do-list at the moment”, he laughs off the idea. That’s not surprising: “Nick and I became buddies pretty much at the Weigh-ins, as strange as that sounds. We put that aside and delivered our fight, but Nick is a good sport and a really good guy, we just clicked right away.”

After delivering fifteen action packed minutes, the two ran across each other backstage. If you’ve ever talked to either one of these extroverted gentlemen, it won’t surprise you that they immediately made plans for the night instead of just shaking hands and probably never seeing each other again. “After our fight, we were both stoked that we put on such a show, we talked for a bit and then he invited me to the After-Party. I had a great time with the whole family”, Dober recalls the hours after the fight. At some point during this stretch and more or less coincidentally, he ran across Nick Hein’s sister Gloria – that was when the painful disappointment in the result of the fight was suddenly drowned out by a way better feeling: “I talked to Nick’s sister, we exchanged contacts and yeah, she is just a fantastic person. We stayed in contact and then it just happened as it happened. We met in New York and then went to Denver where I am living right now and in December, I visited her in Germany.

“I lost the fight, which was unfortunate, but I met Gloria, so the trip stands for more than just that loss”, Dober evaluates on his May 2014 trip. Months later, he has developed a truly unique connection to the Hein siblings – after putting on a bloody scrap with the brother, he is now officially in a relationship with the sister. When Dober headed to Germany for the second time in just a few months last December, he actually celebrated Christmas with his former opponent’s family: “He gave me some Lederhosen underwear and I gave him a book”, he answers when asked about what presents he and Nick exchanged before adding with a laugh: “With lots of pictures.”


Drew Dober and Gloria Hein

Doesn’t the image of him and Hein having dinner next to a Christmas tree seem at least a little bit strange after what they went through in the Octagon? “No, not at all. I’m fighting my friends in the Gym every day”, Dober explains. “Fighting is a sport, it’s a competition. In my mind – and I know Nick feels the same way – this is not too different from playing tennis or soccer. Of course I want to win, but I don’t have to hate you because of that. I see it as a competition, and that’s the difference between a fighter and a martial artist.”

Despite falling to 0-2 in his UFC career with his loss to Hein, Dober got another shot with the promotion and made the most of it by forcing former WEC champion Jamie Varner to submit to a Rear Naked Choke in their December 2014 bout at UFC on FOX 13: ’It’s over already?’, Dober remembers asking himself right after winning the biggest fight of his life while barely breaking a sweat. “Twelve weeks of training and stress were over in two minutes. That wasn’t what I had expected.”

After downing heavy betting favourite and local hero Varner, Dober is now set for yet another trip into enemy territory – on March 21, the Colorado based fighter will take on highly touted Brazilian Leandro Silva in Rio de Janeiro: “You can expect the same amount of heart and drive I have always shown, but with a lot more talent”, Dober says about his next fight. And if everything goes well, we might even see him back in Berlin in June when the UFC will visit the German Capital for the 69th edition of their Fight Night series. Previously unaware of the event booking, Dober is delighted by the idea of putting on a homecoming of sorts: “I love Germany and I can’t wait to come back. I really hope (to fight on this card), I’ll make the request immediately.”