MMA

UFC Sydney mit Rockhold vs. Bisping

Luke Rockhold und Michael Bisping mögen sich nicht besonders und bekommen am Samstag die Chance, ihre Differenzen beizulegen (Foto: Zuffa LLC).

Ein Wochenende, zwei Events. UFC-Fans werden am kommenden Wochenende einmal mehr mit der vollen Ladung MMA bedient – ganze 22 Kämpfe werden in Australien und Brasilien ausgetragen.

Den Anfang macht am frühen Samstagmorgen deutscher Zeit die 55. UFC Fight Night aus Sydney. Mit Luke Rockhold und Michael Bisping stehen sich im Hauptkampf zwei Mittelgewichte gegenüber, die sich nicht mögen und zufälligerweise auch noch an der Spitze der Gewichtsklasse stehen. Neben einem erbitterten Kampf darf man also gespannt sein, wie sich dieses Duell auf die unmittelbare Zukunft der 85-Kilo-Klasse auswirken wird. Außerdem auf dem Programm stehen Ross Pearson, Soa Palelei und Anthony Perosh.

Die 55. UFC Fight Night wird in Deutschland über den UFC Fight Pass übertragen, der ab monatlich 5,99 Euro im Abo auf ufc.tv erhältlich ist. 

Luke Rockhold vs. Michael Bisping
Böses Blut und bittere Rivalitäten sind in der UFC rar, obwohl sie auf den ersten Blick andauernd vorkommen – nur, um sich dann im Anschluss an den Kampf zum großen Teil als Hype zu entpuppen. Das ist hier anders – Luke Rockhold (12-2) und Michael „The Count“ Bisping (25-6) geben nicht vor, sich abgrundtief zu hassen, sondern können sich schlicht und einfach nicht leiden. Nicht mehr und nicht weniger. Ob das letztendlich für einen besseren Kampf sorgen wird, bleibt abzuwarten, aber auch ganz ohne jegliche persönliche Differenzen ist dieser Kampf wichtig für die Mittelgewichtsklasse.

Luke Rockhold wurde 2011 zum letzten Strikeforce-Mittelgewichtschampion und verteidigte diesen Titel bis zum Ende der Organisation gegen Keith Jardine und Tim Kennedy, bevor er in seinem UFC-Debüt im letzten Jahr von einem Spinning Heel Kick Vitor Belforts ausgeknockt wurde. Seitdem hat Rockhold Costas Philippou durch K.o. und Tim Boetsch durch Aufgabe bezwungen und damit begonnen, sein Interesse sowohl am UFC-Mittelgewichtstitel als auch an einem Rückkampf gegen einen Belfort ohne Testosteron-Ersatztherapie-Unterstützung öffentlich zu machen. Wenn alles glatt geht und Belfort im Februar Chris Weidman schlägt, könnte Rockhold sich im kommenden Jahr beide Träume auf einmal erfüllen und Belfort den Gürtel abnehmen, zuvor muss er jedoch am Wochenende an Michael Bisping vorbei.

Die beiden werden sich in Sydney nicht zum ersten Mal in Handschuhen gegenüberstehen – vor einigen Jahren standen sich die zwei wohl einmal im Gym beim Sparring gegenüber, und über den Verlauf dieser Einheit variieren die Erzählungen. Laut Bisping hat er Rockhold die Butter vom Brot genommen, der das natürlich anders sieht. Am Wochenende werden die beiden ihre Differenzen mit dünneren Faustschützern beilegen können…

Bisping ist seit 2006 Teil der UFC, als er die dritte Staffel der „The Ultimate Fighter“-Reality-Serie gewann. Zunächst im Halbschwer- und dann im Mittelgewicht hat Bisping in den vergangenen Jahren eine Reihe namhafter Kämpfer besiegt, von Chris Leben über Yoshihiro Akiyama, Brian Stann und Alan Belcher bis hin zu Cung Le, den er erst im vergangenen August in Runde vier T.K.o. schlug. Die lang ersehnte Titelchance ist dem Briten aber bisher verwehrt geblieben, denn immer, wenn er kurz vor der Ziellinie stand, warf ihn eine schlecht getimte Niederlage um Längen zurück. Zuletzt bremsten Vitor Belfort und Tim Kennedy Bispings Gold-Kampagne aus, weshalb gegen Rockhold dringend ein Sieg her muss, wenn der „Count“ sich im Alter von 35 Jahren noch weiter Hoffnungen auf eine Titelchance machen will…

Ross Pearson vs. Al Iaquinta
Im Co-Hauptkampf des Abends wird Ross “The Real Deal” Pearson (16-7-0(1)) einmal mehr einen Abstecher nach Down Under machen und dabei versuchen, dort den dritten Sieg in ebenso vielen Versuchen einzufahren. Der Brite ist mittlerweile zu einem Veteranen der Leichtgewichtsklasse geworden, nachdem er sich 2009 den Finalsieg der neunten TUF-Staffel sichern konnte. Seitdem lief es mal besser, mal schlechter für den 30-Jährigen aus Sunderland, Siege u.a. gegen Spencer Fisher, Dennis Siver, George Sotiropoulus und zuletzt Gray Maynard zeigen aber, dass mit „The Real Deal“ stets zu rechnen ist.

In Sydney wird er versuchen, seine Schlagkraft auf das Kinn von Al „Ragin“ Iaquinta (9-3-1) zu übertragen, der hier die bisher größte Chance seiner Karriere bekommt. Iaquinta verlor 2012 das Finale der 15. TUF-Staffel gegen Michael Chiesa, konnte seitdem aber vier von fünf Kämpfen mit seiner Mischung aus Boxen und Ringen gewinnen. Seine bisher größte Schwäche und verantwortlich für jede seiner drei Niederlagen ist jedoch seine Anfälligkeit auf dem Boden, wo er immer mal wieder in diversen Aufgabegriffen erwischt wird. Wenn er am Wochenende dennoch Pearson und damit die Wettquoten schlagen kann, dürften 2015 noch größere Aufgaben auf den jungen New Yorker zukommen.

Robert Whittaker vs. Clint Hester
Im Mittelgewicht werden Robert Whittaker (12-4) und Clint „Headbussa“ Hester (11-3) aufeinandertreffen. Die Ansetzung ist auf den ersten Blick nicht ganz stimmig, denn Whittaker war bisher lediglich im Weltergewicht zu sehen, während Hester erst kürzlich mit dem Gedanken gespielt hat, rauf ins Halbschwergewicht zu wechseln. Ob sich dieser Unterschied letztlich im Kampf bemerkbar machen wird, bleibt abzuwarten.

Whittaker gewann 2012 die TUF:Smashes-Staffel zwischen Australien und England, konnte seine Erfolgsserie seitdem aber nicht durchgehend aufrechterhalten. Einem beeindruckenden Knockout gegen Colton Smith folgten Niederlagen gegen Court McGee und Stephen Thompson, bevor Whittaker im Juni mit einem Punktsieg gegen Mike Rhodes auf die Siegerstraße zurückkehrte.

In Sydney wird er auf Clint Hester treffen, der ebenfalls den Kampf im Stand bevorzugt. Auch Hester ist ein Alumni des TUF-Formats, aus dem er während der 17. Staffel früh durch Aufgabe gegen den BJJ-Experten Jimmy Quinlan ausschied. In der „echten“ UFC ist Hester dagegen noch ungeschlagen – vorzeitigen Siegen gegen Bristol Marunde und Dylan Andrews folgten Punktentscheidungen gegen Andy Enz und Antonio Braga Neto.

Soa Palelei vs. Walt Harris
Eröffnet wird das Hauptprogramm im Schwergewicht von zwei Kämpfern, denen Punktentscheidungen recht fremd sind. Eigentlich hätte Soa „The Hulk“ Palelei (21-4) hier auf Daniel Omielanczuk treffen sollen, der sich jedoch verletzte und damit Walt „Big Ticket“ Harris (7-3) nur wenige Monate nach seiner Entlassung eine zweite Chance in der UFC einbrachte. Dabei ist Harris’ Debüt nicht einmal ein Jahr her, als er auf der Finalveranstaltung der 18. TUF-Staffel Ende November 2013 nach Punkten gegen Jared Rosholt verlor. Im Januar dieses Jahres folgte dann eine niederschmetternde 25-Sekunden-Niederlage durch K.o. gegen Nikita Krylov, die ihn aus der UFC kegelte.

Ein Sieg gegen K.o.-Sieg gegen D.J. Linderman reichte letztlich jedoch, um erneut beim Marktführer zu unterschreiben, obwohl er gegen Lokalmatador Palelei als Underdog in den Kampf gehen wird. Palelei war 2007 bei UFC 79 zum ersten Mal in der UFC zu sehen, wo er durch technischen Knockout gegen Eddie Sanchez verlor. Im Alter von 36 Jahren kehrte er im vergangenen Jahr dann recht unerwartet zurück ins Octagon und gewann gleich drei Kämpfe in Folge durch Knockout gegen Pat Barry, Ruan Potts und Nikita Krylov, bevor Jared Rosholt ihm via Punktentscheid den Wind aus den Segeln nahm.

Vorprogramm
Im Leichtgewicht wird der junge Australier Jake „The Celtic Kid“ Matthews (7-0) versuchen, gegen den brasilianischen Grappling-Experten Vagner „Ceara“ Rocha (11-3) seinen zweiten UFC-Sieg einzufahren. Matthews schied während der TUF: Nations-Staffel zwischen Australien und Kanada gegen den späteren Finalisten Olivier Aubin-Mercier aus, zwang in seinem offiziellen UFC-Debüt im Juni aber dafür Dashon Johnson per Triangle Choke in Runde drei zur Aufgabe.

Nun wird er in Form von Rocha eine schwerere Aufgabe vor die Fäuste bekommen – der 32-Jährige Brasilianer war 2011 und 2012 bereits drei Mal in der UFC zu sehen, wo er Cody McKenzie zur Aufgabe zwang, jedoch auch gegen Donald Cerrone und Jonathan Brookins verlor. Vier Siege später sollte er im April die zweite Chance in der UFC bekommen, musste seinen Kampf gegen Joe Ellenberger jedoch in der Woche vor dem Event wegen einer unglücklichen Verletzung absagen.

Zuvor werden im Halbschwergewicht Anthony „Hippo“ Perosh (14-8) und Guto Inocente (6-3) versuchen, ihre letzten Kämpfe zu vergessen und wieder einen Sieg einzufahren. Während Grappling-Experte Perosh im Dezember drei Runden lang von Ryan Bader verprügelt wurde, brach Inocente im Juli nach knapp drei Minuten Kampfzeit unter den harten Händen von Derrick Lewis ein.

Auch Dylan „The Villain“ Andrews (17-5) und Sam „Smilin’“ Alvey (23-6-0(1)) brauchen einen Sieg. Während Andrews nach seiner Zeit im TUF-Haus (Staffel 17) zunächst Jimmy Quinlan und Papy Abedi ausknocken konnte, im Dezember jedoch gegen Clint Hester durch eine Verletzung gestoppt wurde, gab Alvey im August sein UFC-Debüt nach Punkten an Tom Watson ab.

Im Fliegengewicht wird Richie „Vas“ Vaculik (10-2) mit Louis „Da Last Samurai“ Smolka (7-1) auf den dritten Gegner treffen, der für diesen Event geplant war, nachdem sowohl Ray Borg als auch Neil Seery absagen mussten. Mit einem Sieg und einer Niederlage im Rücken wird Vaculik vor heimischem Publikum versuchen, seine Bilanz in den positiven Bereich zu rücken, und gleiches gilt für seinen Gegner. Smolka punktete im Januar Alptekin Ozkilic aus, gab im Mai jedoch seinerseits eine Punktentscheidung an Chris Cariaso ab, der nach diesem Kampf um den Titel antreten durfte.

Zuvor wird Vik „The Spartan“ Grujic (7-3) versuchen, seinen zweiten UFC-Sieg im dritten Versuch einzufahren, nachdem der TUF: Nations-Teilnehmer im April zunächst nach Punkten gegen Nordine Taleb verlor, bevor er mit Chris Indich ein Teammitglied aus dem TUF-Haus in Runde eins T.K.o. schlug. In seiner Heimat wird er auf den Kanadier Chris „The Menace“ Clements (11-5) treffen, der in der ersten Hälfte des Jahres 2012 in der UFC einen Sieg und einen No Contest einfuhr, seitdem jedoch nur ein Mal im Octagon zu sehen war – Stephen Thompson knockte Clements vor einem knappen Jahr bei UFC 165 in der zweiten Runde aus, weshalb dieser mit etwas Erfolgsdruck im Rücken nach Australien kommt.

Im Mittelgewicht wird der vierfache australische Judo-Olympionike Dan Kelly (7-0) auf Luke Zachrich (14-3) treffen. Kelly verlor während der TUF: Nations-Staffel gegen den späteren Finalisten Sheldon Westcott und ist daher letztlich nur offiziell ungeschlagen, machte während seiner Profi-MMA-Karriere aber bisher eine gute Figur und konnte sechs seiner sieben Siege vorzeitig durch Aufgabe oder Knockout einfahren. In seiner Heimat wird er nun auf den Amerikaner Luke Zachrich treffen, der im April in seinem UFC-Debüt von Caio Magalhaes ausgeknockt wurde, im Juli dafür jedoch Guilherme Vasconcelos auspunkten konnte.

Marcus „The Bama Beast“ Brimage (6-3) gelang in der UFC ein guter Start, obwohl er – wohl zum Teil wegen seiner Frohnatur und Leidenschaft für Dragonball Z – stets als Underdog in seine Kämpfe ging. Nach einem dominanten Punktsieg gegen den bis dahin ungeschlagenen Jimy Hettes stieß Brimage jedoch auf den debütierenden Conor McGregor, der bei ihm in seiner mittlerweile patentierten Manier die Emotionen hochkochen ließ, was für Brimage in einer K.o.-Niederlage in Runde eins resultierte. Einer über einjährigen Verletzungspause folgte im vergangenen Juli dann eine Punktniederlage gegen Russell Doane, weshalb „The Bama Beast“ in Sydney nun mit dem Rücken zur Wand steht.

Jumabieke „The Wild Wolf“ Tuerxun (14-2) braucht ebenfalls einen Sieg, nachdem er seine ersten beiden Kämpfe gegen Mark Eddiva und Leandro Issa verlor. Zuvor war der 28-jährige Chinese in 14 Kämpfen ungeschlagen.


Anbei das gesamte Programm:

UFC Fight Night 55: Rockhold vs. Bisping
Freitag, 8. November 2014
Allphones Arena in Sydney, Australien

Hauptprogramm (UFC Fight Pass)
Luke Rockhold vs. Michael Bisping
Ross Pearson vs. Al Iaquinta
Robert Whittaker vs. Clint Hester
Soa Palelei vs. Walt Harris

Vorprogramm (UFC Fight Pass)
Jake Matthews vs. Vagner Rocha
Anthony Perosh vs. Guto Inocente
Dylan Andrews vs. Sam Alvey
Vik Grujic vs. Chris Clements
Richie Vaculik vs. Louis Smolka
Luke Zachrich vs. Dan Kelly
Jumabieke Tuerxun vs. Marcus Brimage