MMA

UFC-Ringrichter Wolf Menninger im Interview

Wolf Menninger zusammen mit Herb Dean (Fotos: Wolf Menninger).

Am 31. Mai wird Wolf Menninger in seiner Heimatstadt Berlin bei der UFC ins Octagon steigen. Doch nicht um zu kämpfen, sondern um die Kämpfe der UFC als Referee zu leiten. Menninger gehört zu den Absolventen von UFC-Ringrichter Herb Dean. Jetzt ist seine Zeit gekommen. Wir haben uns mit ihm über die Ausbildung und die Aufgaben eines UFC-Ringrichters unterhalten.

Groundandpound.de: Hallo Wolf, du bist gerade von der UFC zum Referee ernannt worden und wirst jetzt am 31. Mai in Berlin dein Debüt geben. Wie musstest du dich im Vorfeld darauf vorbereiten?
Wolf Menninger: Die Vorbereitungen laufen gerade noch. Ich habe unter anderem mit dem Event-Manager der UFC eine Begehung direkt in der O2-World. Fluchtwege, Positionierung der Offiziellen, Ärzte und so weiter. Es sind aber auch viele andere Dinge im Vorfeld zu beachten und zu organisieren. Ich würde mich gerne auch spezifisch auf meine Kämpfer vorbereiten, aber welches Match ich bekomme, ist noch nicht entschieden.

Du hast ja eine Lizenz als Referee bei der UFC. Hat man dich dort vorgeschlagen, oder ist die UFC auf dich zugegangen?
Es war ziemlich schwer, da rein zu kommen. Dass mich Herb Dean persönlich kennt und mich im Cage als Referee gesehen hat, war sicher sehr hilfreich. Außerdem haben sich der deutsche und der internationale Verband (GEMMAF / IMMAF) eingesetzt.

Was für Aufgaben hat ein Referee, gerade bei so einem Ereignis wie eine UFC-Veranstaltung?
Bei so einer großen Veranstaltung macht ein Referee meist zwei bis drei Kämpfe. Da es mein erster UFC-Event ist, denke ich aber, dass sie mir nur einen der Vorkämpfe geben werden. Ich werde dann auch mit den Kämpfern, die mir zugeteilt werden, separat eine Regelbesprechung machen.

Die Referees, die gerade selber keinen Kampf haben, kontrollieren die Kämpfer, bevor sie in den Cage gehen. Außerdem kann es sein, dass man bei kleineren Veranstaltungen noch die Punktzettel einsammelt. Das werden in diesem Fall aber andere Helfer übernehmen.

Du selbst besitzt seit 2000 in deiner Heimatstadt Berlin eine MMA-Schule. Wolltest du immer schon MMA-Referee werden?
Nein, ich bin da reingewachsen. Mittlerweile mache ich das aber gerne. Und es ist auch ein Job, den man mögen muss. Man trägt viel Verantwortung und kann viel falsch machen.

Du bist offizieller Referee von Herb Dean und gehörst dort zum elitären Kreis der 34. Macht dich das auch ein wenig Stolz?
Ich war sehr glücklich, dass ich alle Prüfungen bestanden habe. Ich habe damals als letzter mein Ergebnis erfahren. Die meisten vor mir waren durchgefallen und ich hatte ziemlich Sorgen, dass der ganze Aufwand umsonst war.

Aber ansonsten habe ich ja noch nichts erreicht und stehe erst ganz am Anfang.

Insgesamt bin ich sehr froh, dass ich mein Zertifikat bei Herb Dean gemacht habe. Auch neben der Ausbildung hatte ich eine schöne Zeit. Herb Dean ist ein sehr sympathischer, bescheidener Typ. Viele Leute fragen mich, ob Herb Dean auch selber gut kämpfen kann. Und vom gemeinsamen Training kann ich sagen, dass er definitiv gut kämpfen kann und selber sehr gute Technik hat.

Was ist dir besonders wichtig, was erwartest du von den Kämpfern?
Ich versuche zwar mich einerseits auf die Kämpfer und ihre Besonderheiten einzustellen, aber andererseits gerade frei von Erwartungen zu sein. In einem Kampf können so viele verschiedene Dinge passieren.

Besonders wichtig ist mir, selber im Hintergrund zu stehen und den Kämpfern den bestmöglichen Kampf zu ermöglichen.

Du bist als Referee unmittelbar am Kampfgeschehen beteiligt. Ist der Druck dort genauso groß wie auch als Kämpfer?
Druck ist schon da und ich bin sehr konzentriert. Der Druck ist aber nicht so groß wie als Kämpfer.

In Berlin werden 15.000 Zuschauer erwartet. Ist das Druck genug für dich?
Ich glaube schon, dass das extra Stress bedeutet, aber in diesem Fall ist der Druck größer, da es mein erster UFC-Event ist und von meiner Leistung weitere Anstellungen abhängen.

Wie reagierst du auf Kritik an deiner Person nach deinen Entscheidungen?
Generell ist Kritik natürlich wichtig, um zu lernen. Man muss aber auch ein bisschen vorsichtig sein, nicht alles an sich ran zu lassen. Wenn du zum Beispiel einen Kampf abbrichst, hast du als Referee nur die Sekunden bis zum Abbruch, für deine Entscheidung. Du kannst nicht mit einfließen lassen, was danach passiert ist, ob der Kämpfer sich vielleicht ganz schnell erholt hätte. Du hast auch nicht die Möglichkeit, ein Video-Replay zu schauen. Die Entscheidung musst du ganz alleine und im Augenblick fällen.

Es kommt auch darauf an, von wem die Kritik kommt. Unter Kollegen ist es sehr hilfreich, sich auszutauschen. Es gibt so viele Dinge, die man falsch machen kann. Da ist es wichtig voneinander zu lernen. Oft schaue ich mir aber auch meine Videos an, um zu sehen was ich falsch gemacht habe.

Was ist dir lieber: Kritik oder Lob?
Ich freue mich natürlich auch über Lob. Aber das ist selten. Wenn man nicht groß aufgefallen ist und sich keiner an einen erinnern kann, ist das ein gutes Zeichen und eigentlich schon das Beste, was dir passieren kann.

Bei MMA Berlin 4 hast du deinen einzigen MMA-Kampf gemacht, den du durch eine Submission gewonnen hast. Das war 2007. Warum folgte dann kein Kampf mehr von dir?
Ich habe mich danach noch einmal auf einen Kampf vorbereitet, der Gegner hat aber leider abgesagt. Jetzt bekomme ich zwar immer wieder Lust, wenn meine Leute im Ring stehen, aber die Prioritäten sind klar auf meiner Arbeit als Trainer. Und wenn ich mich nicht ums Gym kümmere warten zu Hause meine zwei Söhne auf mich.

Warum sollten alle Referees selbst einmal im Ring bzw. Käfig gestanden haben, um Kämpfe zu leiten?
Ich würde sagen, dass es auch ohne Kampferfahrung geht, aber nicht ohne umfassende Trainingserfahrung. Das gilt auch für die Punktrichter / Jugdes.

Besonders die komplexen Techniken im Bodenkampf, muss man schon selber richtig kennen, wenn man einen Kampf schiedsen oder beurteilen will.

Vielen Dank für das Interview. Viel Erfolg bei deinem ersten UFC-Einsatz. Der letzte Satz gehört dir!
Vielen Dank an Euch. Vielen Dank an alle, die mich bis hier her unterstützt haben. Wer selber Interesse hat, als Judge oder Referee zu arbeiten, kann bei der GEMMAF (www.gemmaf.de) Ausschau halten. Bald wird die GEMMAF eine entsprechende Ausbildung anbieten, die dann auch international anerkannt ist.

Wolf Menninger bei der Arbeit.