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UFC on FX 7: Der Vorbericht

Mit Vitor Belfort und Michael Bisping werden sich am Wochenende zwei Top-Mittelgewichtler gegenüberstehen.

Nach drei Events in 2012 startet die UFC das Jahr erneut in Brasilien. Und obwohl die Brasilianer mit UFC on FX 7 am Samstag erstmals keinen nummerierten und über Pay-Per-View vertriebenen Event zu sehen bekommen werden, wurden doch einige interessante Kämpfe angesetzt. Gerade der Hauptkampf ist sowohl stilistisch interessant als auch für die Zukunft der Mittelgewichtsklasse bedeutend.

Nachdem in den letzten Wochen mit Alan Belcher und Tim Boetsch bereits zwei potentielle Herausforderer auf Anderson Silvas Thron durch Niederlagen ausgeschieden sind, bleiben kaum noch sinnvolle Möglichkeiten für den nächsten Titelkampf. Neben dem noch unbesiegten Chris Weidman ist es daher vor allem der polarisierende Brite Michael Bisping, der für einen Titelkampf einerseits noch in Frage kommt und andererseits nicht in der Vergangenheit bereits von Silva besiegt wurde. In den letzten Jahren stand der Veteran der dritten „The Ultimate Fighter“-Staffel mehrere Male kurz vor einem Titelkampf, scheiterte jedoch stets auf den letzten Metern. Wird er sich mit einem Sieg gegen Belfort die versprochene Titelchance sichern? In der Nacht von Samstag auf Sonntag werden wir es erfahren…

Die Hauptkämpfe sowie der Großteil des Vorprogramms können auf ufc.tv verfolgt werden, nachdem der erste Vorkampf über Facebook gestreamt wurde.

Vitor Belfort vs. Michael Bisping
Wie bereits beschrieben, werden wir aus dem Event in Sao Paulo genau eine wichtige Entwicklung mitnehmen: Am Wochenende wird sich entscheiden, ob Michael „The Count“ Bisping (23-4) schlussendlich doch noch seinen lange angestrebten Titelkampf gegen Anderson Silva bekommen wird, oder ob er ein weiteres Mal auf der Zielgeraden scheitert? Auf dem zwar mit interessanten, gleichzeitig aber kaum relevanten Kämpfen bestückten Event wird das der wohl größte Einfluss auf die kommenden MMA-Monate sein: Gewinnt Bisping, kriegt er den Kampf – verliert er, wird die Situation an der Spitze der Mittelgewichte noch verzwickter, denn Vitor Belfort (21-10) hat seine Chance bereits vor zwei Jahren spektakulär vertan.

Damals wurde „The Phenom“ nach ein paar Minuten Herumgeplänkel von einem Front Kick Silvas erwischt, der Belfort umstandslos die Lichter ausknipste. Seitdem hat Belfort im Gegenzug zwar Yoshihiro Akiyama und Anthony Johnson in der ersten Runde gestoppt und im September 2012 sogar kurzfristig einen Titelkampf gegen Halbschwergewichtschampion Jon Jones bekommen, verlor diesen allerdings und manövrierte sich damit in eine undefinierbare Position innerhalb der UFC. Belfort ist weder in der Nähe eines Titelkampf bis 84 oder 93 Kilo, gehört allerdings gleichzeitig zur absoluten Elite der Mittelgewichtler. Einen passenden Gegner zu finden, ist daher keine wirklich einfache Aufgabe, mit Michael Bisping wurde letztendlich aber noch ein gutes Matchup für den Brasilianer gefunden.

Bisping dümpelt, je nach Quelle, seit Jahren hartnäckig in den Top 5-10 der Mittelgewichtsklasse herum. Sein Dilemma ist es seit jeher, dass er mit Dan Henderson, Wanderlei Silva, Rashad Evans und Chael Sonnen gegen Hochkaräter verloren hat, während jeder, der nicht auf diesem Level ist, kaum Land gegen ihn sieht. Gleichzeitig waren drei dieser vier Niederlagen äußerst knapp bis kontrovers, weshalb die Diskussion, ob Bisping einen Titelkampf verdient oder nicht, des Öfteren hitzig und emotional endet. 

Der Kampf gegen Belfort ist, unabhängig von allem Drumherum, allerdings auch stilistisch interessant. Der allgemeinen Meinung nach zu urteilen, dürfte es nur zwei mögliche Ausgänge geben. Entweder, Belfort kann seinen Gegner in der ersten Runde ausknocken, was angesichts der Power in dessen Fäusten und seinem berühmt-berüchtigtem Killerinstinkt nicht unwahrscheinlich ist. Oder aber Bisping schafft es, gerade diese erste Runde zu überstehen und Belfort mit seiner exzellenten Kondition und stark verbesserter Technik zu Leibe zu rücken und den Kampf in einer späteren Phase zu stoppen bzw. über die Distanz zu gewinnen. 

Daniel Sarafian vs. C.B. Dollaway
Im Co-Hauptkampf wird ein Fanliebling der Brasilianer sein langerwartetes “echtes” Debüt in der UFC geben. Daniel Sarafian (7-2) überzeugte in der brasilianischen Variante des “The Ultimate Fighter”-Formats mit drei Siegen während der Zeit im Haus, musste seine Finalteilnahme letztlich allerdings verletzungsbedingt absagen. Seitdem stand der armenisch-brasilianische Kämpfer aus dem American Top Team nicht mehr im Ring oder Käfig und könnte daher am Samstag neben seinem Gegner auch gegen eine gehörige Portion Ringrost zu Kämpfen haben.

Das wird C.B. „The Doberman“ Dollaway (12-4) natürlich ausnutzen wollen. Auch er wird am Samstag allerdings zum ersten Mal seit acht Monaten wieder aktiv zu sehen sein, nachdem er im vergangenen Jahr Jason „Mayhem“ Miller mit einem Punktsieg gegen ihn in Rente schickte. Mit dem Sieg verhinderte der gelernte Ringer höchstwahrscheinlich seine Entlassung, da er zuvor sowohl gegen Jared Hamman als auch gegen Mark Munoz durch (T.)K.o. verloren hatte.

Gabriel Gonzaga vs. Ben Rothwell
Dieser Schwergewichtskampf zwischen Gabriel „Napao“ Gonzaga (13-6) und Ben „Big Ben“ Rothwell (32-8) rundet das Hauptprogramm ab. Gonzaga wurde Ende 2010 nach drei Niederlagen in vier Kämpfen aus der UFC entlassen und verschwand im Anschluss für ein knappes Jahr aus dem Dunstkreis der MMA-Welt. Nachdem er seinen Comeback-Kampf in einer kleineren Promotion via Aufgabe gewann, öffnete sich einige Monate später durch eine Verletzung eines Kämpfers die Tür zu seiner Rückkehr in die UFC, wo er als kurzfristiger Ersatz den UFC-Debütanten Ednaldo Oliveira in der ersten Runde zur Aufgabe zwang. Auch dieser Kampf ist mittlerweile allerdings über ein Jahr her.

Auch Ben Rothwell stand im April des letzten Jahres kurz davor, entlassen zu werden und hätte im Falle einer Niederlage nach eigenen Angaben wohl die Handschuhe an den Nagel gehängt. Nach drei wenig beeindruckenden Kämpfen in der UFC, von denen er zwei verlor und während derer er immer wieder massive Konditionsprobleme bekam, tauchte er für seinen Kampf gegen Brendan Schaub bei UFC 145 allerdings in vergleichsweise phänomenaler physischer Verfassung auf. Die offensichtlich sehr harte Arbeit zahlte sich an diesem Abend dann auch aus, denn nach nur 70 Sekunden lag Schaub ausgeknockt auf dem Ringboden und griff benebelt nach unsichtbaren, scheinbar über ihm schwebenden Menschen. Seitdem musste Rothwell zwar verletzungsbedingt einen prestigeträchtigen Kampf Gegen Travis Browne absagen, bekommt dafür aber nun die Chance, sich mit einem Sieg gegen einen recht bekannten UFC-Veteranen wie Gonzaga ein Stück weiter in den Rankings vorzuarbeiten.

Thiago Tavares vs. Khabib Nurmagomedov
Das Hauptprogramm wird von zwei starken Leichtgewichtlern eröffnet. Thiago Tavares (17-4-1) ist ein wahrer UFC-Veteran – mit 12 Kämpfen und bisher sechs Jahren in der UFC ist er ein bekanntes Gesicht in der hart umkämpften Leichtgewichtsklasse, bewegte sich dort bisher aber immer irgendwo zwischen Belanglosigkeit und dem Rand der Top Ten.

Tavares kann einige gute Siege vorweisen, wurde aber in der Vergangenheit hin und wieder durch sein Kinn ausgebremst, dass ihm mehr als ein Mal den bereits sicher geglaubten Sieg aus der Hand gleiten ließ. Nachdem auf diese Weise ein bis dahin sehr beeindruckender Kampf gegen Shane Roller als K.o.-Niederlage endete, drehte Tavares in der Folge allerdings auf – mit zwei soliden Siegen, gegen Spencer Fisher und Sam Stout, brachte er sich wieder ins Gespräch und kann nach einer längeren Pause am Samstag erneut auf sich aufmerksam machen.

Sein Gegner, der Russe Khabib Nurmagomedov (18-0), debütierte im Januar 2012 in der UFC und konnte in seinem ersten Kampf gleich den zähen Kamal Shalorus per Rear-Naked Choke stoppen. Bei UFC 148 gelang es ihm außerdem, mit einem Punktsieg gegen Gleison Tibau seine Siegesserie auf 18 Erfolge am Stück auszubauen. Trotz des Sieges gegen den Veteranen Tibau hat bisher noch kaum jemand Notiz vom vielversprechenden Sambo-Kämpfer genommen. Falls er seine Form weiter hält und auch Tavares aus dem Weg räumen kann, dürfte sich das an diesem Wochenende ändern.

Vorprogramm
Im letzten Kampf vor Beginn des Hauptprogramms werden sich im Federgewicht die Brasilianer Godofredo Castro (8-1) und Milton Vieira (13-7-2) gegenüberstehen. Castro löste über „TUF: Brazil“ sein Ticket in die UFC, während Vieira nach einem Sieg in seinem Debüt-Kampf bei Strikeforce in die Mutter-Organisation überging.

Zuvor wird im Mittelgewicht Ronny Markes (13-1) gegen Andrew Craig (8-0) ins Octagon steigen. Markes debütierte gegen Karlos Vemola mit einem Punktsieg im Octagon und schlug einige Monate später auf die gleiche Weise Aaron Simpson. Craig hingegen gelang mit einem Sieg gegen Kyle Noke in dessen Heimatland eine handfeste Überraschung in seinem ersten UFC-Kampf. Im vergangenen Sommer legte er mit einem Headkick-K.o. gegen Rafael Natal nach, vor dem er fast zwei Runden lang von Natal unter Kontrolle gehalten wurde. Ein weiterer Erfolg in Sao Paulo wird die Siegesserie eines der beiden Kämpfer auf drei Erfolge am Stück ausweiten und ihn damit langsam in die härter umkämpften Regionen der Ranglisten befördern.

Im Federgewicht wird außerdem Diego „The Gun“ Nunes (18-3) auf Nick „The Carny“ Lentz (22-5-2(1)) treffen. Bei Nunes wechselten sich in der UFC bisher Sieg und Niederlage konstant ab, weshalb nach dem überzeugenden Sieg gegen Bart Palaszewski im Oktober dieser Kampf gegen Lentz theoretisch nicht gut für ihn ausgehen dürfte. Und obwohl Nunes natürlich andere Pläne hat, wird der Kampf gegen Nick Lentz trotz allem kein Zuckerschlecken für den ehemals kurz vor einem Titelkampf stehenden Brasilianer sein. Lentz, der lange im Leichtgewicht unterwegs war und auch dort einigen Erfolg hatte, wechselte nach Niederlagen gegen Mark Bocek und Evan Dunham im vergangenen Jahr eine Gewichtsklasse nach unten und schlug dort prompt Eiji Mitsuoka nach nicht einmal vier Minuten K.o. Das frühe Finish scheint der endgültige Beweis einer sehr fanfreundlichen Entwicklung des aus Minnesota stammenden Computerfreaks zu sein, denn die letzten Kämpfe des gelernten Ringers waren allesamt sehr unterhaltsam, während er vor wenigen Jahren noch als einer der langweiligsten Kämpfer im gesamten UFC-Kader galt.

Etwas überraschend auf dem Vorprogramm platziert, wird auch Edson Barboza (10-1) am Samstag wieder im Octagon zu sehen sein. Vor ziemlich genau einem Jahr sah noch alles danach aus, als ob 2012 ein brillantes Jahr für den brasilianischen Muay Thai-Spezialisten werden würde, nachdem er im Januar bereits den K.o. des Jahres gegen Terry Etim hinlegte. Im Mai war das Wettkampfjahr für ihn aber auch schon wieder zu Ende, nachdem er von Jamie Varner in dessen UFC-Comeback überraschenderweise selbst T.K.o. geschlagen wurde. Seitdem war Barboza nicht mehr aktiv zu sehen, und der Kampf gegen UFC-Neuling Lucas „Mineiro“ Martins (12-0) wird zeigen, wie der Jungspund mit dem ersten Rückschlag seiner Karriere umgehen konnte.

Yuri Alcantara (27-4) wird das gleiche Ziel haben wie Barboza, wenn er am Samstag auf Pedro „The Rock“ Nobre (14-1) trifft. Nachdem Alcantara in seinen ersten beiden UFC-Kämpfen zwei klare Siege einfahren konnte, wurde er bei UFC 147 von seinem Landsmann Hacran Dias ausgepunktet. Auch er wird in Sao Paulo also nach einer längeren Pause auf einen UFC-Debütanten treffen, der in Form von Nobre kurzfristig für den verletzten Justin Salas eingesprungen ist.

Eröffnet wird das Vorprogramm auf ufc.tv im Halbschwergewicht, wo Wagner Prado (8-1-0(1)) nach den beiden Kämpfen gegen Phil Davis, die in einem No-Contest bzw. einer Niederlage endeten, eine weitere Chance auf den ersten UFC-Sieg bekommt. Sein Gegner, der jüngere Bruder von Yuri Alcantara, ist kurzfristig eingesprungen. Ildemar „Marajo“ Alcantara (17-5) steht mit Prado ein nicht zu unterschätzender Gegner für das eigene Debüt gegenüber, der ihm außerhalb der UFC allerdings erfahrungsmäßig weit unterlegen ist.

Vorprogramm (Facebook)
Der erste Kampf des Abends wird im Leichtgewicht zwischen Francisco „Massaranduba“ Trinaldo (11-2) und C.J. Keith (8-1) ausgetragen. Trinaldo nahm, um bei der brasilianischen „Ultimate Fighter“-Staffel im letzten Jahr teilnehmen zu können, einen gewaltigen Gewichtsnachteil in Kauf und kämpfte sich im 85 Kilo-Limit ins Haus. Dort verlor er zwar seinen nächsten Kampf, sicherte sich mit einem Sieg bei UFC 147 allerdings einen Platz in der UFC und wird nun wieder in seiner angestammten Gewichtsklasse zu sehen sein, wo er auf Keith treffen wird, der nach einer Niederlage in seinem UFC-Debüt mit dem Rücken zur Wand steht. 

Anbei das gesamte Programm:

UFC on FX 7: Belfort vs. Bisping
Samstag, 19. Januar 2012
In Sao Paulo, Brasilien

Hauptprogramm (ufc.tv):
Vitor Belfort vs. Michael Bisping
Daniel Sarafian vs. C.B. Dollaway
Gabriel Gonzaga vs. Ben Rothwell
Thiago Tavares vs. Khabib Nurmagomedov

Vorprogramm (ufc.tv):
Godofredo Castro vs. Milton Vieira
Ronny Markes vs. Andrew Craig
Diego Nunes vs. Nik Lentz
Edson Barboza vs. Lucas Martins
Yuri Alcantara vs. Pedro Nobre
Wagner Prado vs. Ildemar Alcantara

Vorprogramm (Facebook):
Francisco Trinaldo vs. C.J. Keith