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UFC on Fox: Johnson vs. Dodson

Die vier Kämpfe des Hauptprogramms werden in den USA auf Fox übertragen.

An diesem Wochenende ist es wieder soweit: Keine zwei Monate nach ihrem letzten Besuch beim großen, nationalen US-Fernsehsender Fox, ist die UFC schon wieder dort zu Gast. Mit Fliegengewichtschampion Demetrious „Mighty Mouse“ Johnson und Herausforderer John „The Magician“ Dodson werden sich dort am Samstag die angeblich schnellsten Kämpfer aus dem gesamten UFC-Kader gegenüberstehen. Wer von beiden sich letzten Endes durchsetzen wird, werden wir bald erfahren.

Neben den beiden Fliegengewichtlern hat man vonseiten der UFC mir Quinton „Rampage“ Jackson und Glover Teixeira außerdem zwei große, schwere Brocken auf das Programm gepackt und das restliche Hauptprogramm zusätzlich mit vier weiteren hochkarätigen Kämpfern aufgestockt: Anthony Pettis, Donald Cerrone, Erik Koch und Ricardo Lamas haben darüber hinaus eine große Gemeinsamkeit – sie sind äußerst selten Teil eines langweiligen Kämpfes. Man darf sich also auf die sechste Auflage der UFC on Fox-Reihe freuen – es sollte sich lohnen.

Wie üblich, kann das Hauptprogramm in Deutschland über ufc.tv verfolgt werden. Auch der Großteil des Vorprogramms wird über die Website kostenlos und legal ausgestrahlt, nachdem der erste Kampf des Abends via Facebook übertragen wurde.

Demetrious Johnson (c) vs. John Dodson
Erst einmal wurde in der UFC bisher um den Titel im Fliegengewicht gekämpft, und doch werden in der Nacht von Samstag auf Sonntag die zwei besten 57 Kilo-Kämpfer, die die Welt zu bieten hat, im Hauptkampf auf Fox gegeneinander antreten. Riskant? Definitiv, immerhin sind es seit jeher die schweren Jungs, die die größte Faszination auf die Fangemeinde ausüben, und den Plakaten für diesen Event nach zu urteilen, auf denen nur von einem „World Titlefight“ die Rede ist, sind sich auch die Verantwortlichen bei Fox und der UFC dieser Gradwanderung bewusst.

Nichtsdestotrotz kann man den wenigen Fliegengewichtlern, die die UFC bisher unter Vertrag hat, eines nicht absprechen: Langweilig war es mit ihnen bisher nicht. Der große Auftritt am Samstag ist also nicht nur für die beiden Kontrahenten immens wichtig, sondern für den Ruf der gesamten Gewichtsklasse. Anhand der Resonanz auf den Kampf wird sich wohl entscheiden, ob wir demnächst mehr von den flinken Jungs sehen werden. 

Für Demetrious „Mighty Mouse“ Johnson (16-2-1) war die Karriere in der UFC bisher eine einzige Achterbahnfahrt. Nach einem Debüt-Sieg gegen „Kid“ Yamamoto sicherte er sich später mit einem kontroversen Sieg gegen Miguel Torres einen Titelkampf gegen Dominik Cruz, den er prompt nach Punkten verlor. Kein halbes Jahr später stand „Mighty Mouse“ allerdings schon wieder im Käfig – als Teil eines Vier-Mann-Turniers, um den ersten Fliegengewichtschampion in der Geschichte der UFC zu bestimmen. Ein kontroverser Punktsieg gegen Ian McCall, der sich später wegen eines Rechenfehlers eines Offiziellen als Unentschieden und deshalb für das Turnier unbrauchbar herausstellte, zog einen Rückkampf gegen McCall nach sich. Diesen gewann Johnson und qualifizierte sich damit als Herausforderer auf den vakanten Fliegengewichtsgürtel, den er sich im September 2012 nach einem Punktsieg gegen Joseph Benavidez um die Hüften schnallen durfte.

Nun hofft der 1,60 Meter große Johnson verständlicherweise, etwas mehr Kontinuität in seine Karriere zu bringen, doch dazu muss er am Wochenende zunächst einmal am „The Ultimate Fighter“-Gewinner John „The Magician“ Dodson (14-5) vorbei. Der ebenfalls nur 1,60 Meter große Greg Jackson-Kämpfer machte Ende 2011 sein renommiertes Team stolz, als er mit einem spektakulären Knockout die 14. Staffel der TUF-Serie gewann. Zwei weitere Siege im Jahr 2012 brachten dem „Magician“ die Chance ein, etwas mehr als ein Jahr dem Sieg bei TUF nun auch nach dem echten Titel zu greifen und den gerade erst gekrönten Johnson schon wieder vom Thron zu stürzen.

Quinton Jackson vs. Glover Teixeira
Im Co-Hauptkampf werden zwei Kämpfer aufeinandertreffen, die in wenigen Tagen wohl beinahe doppelt so viel auf die Waage bringen werden, wie die beiden Hauptkämpfer aus dem Fliegengewicht. Doch nicht nur das Gewicht macht diesen Kampf äußerst fanfreundlich, sondern vor allem die Kampfstile seiner beiden Teilnehmer.

Für den ehemaligen UFC-Champion Quinton „Rampage“ Jackson (32-10) wird der Kampf gegen Teixeira aller Voraussicht nach der letzte Auftritt in der UFC sein. Seit Jahren schon stört sich der ehemalige Champion an bestimmten Umgangsweisen und Geschäftsstrategien der Organisation, was bereits in der Vergangenheit zu einer stetigen Verschlechterung des Verhältnisses zwischen Jackson und seinen Bossen geführt hat. Das Fass zum Überlaufen brachte allerdings seiner eigenen Meinung nach Jacksons letzter Kampf, vor etwa einem Jahr gegen Ryan Bader. Jackson, der sich im Vorhinein bereits darüber beschwert hatte, dass ihm zu viele Ringer vorgesetzt würden, die keinen „echten“ Kampf bestreiten wollten, verletzte sich in der Vorbereitung am Knie und ging gegen Bader mehr oder weniger unspektakulär unter, nachdem er sich bei einem Takedown das bereits demolierte Knie erneut beschädigte. Aufgebracht vom angeblich fehlenden Respekt der UFC-Chefetage für seine Leistung und mit einer Menge angestautem Frust, entschied sich der charismatische Teilzeitschauspieler schließlich dafür, zumindest die Handschuhe der UFC an den sprichwörtlichen Nagel zu hängen und ab nächster Woche anderswo sein Glück zu suchen.

Glover Teixeira (19-2) ist im Vergleich zu „Rampage“ ein wahrer UFC-Neuling, der bisher erst zwei Kämpfe im Octagon vorweisen kann. Die beiden Auftritte gegen Kyle Kingsbury und Fabio Maldonado waren aber derart beeindruckend, dass Teixeira hier gegen Jackson zum zweiten Mal in drei UFC-Kämpfen im Co-Hauptkampf steht. Für ihn ist dieser Kampf offensichtlich eine riesige Chance, denn wenn es überhaupt einen Kritikpunkt an seiner bisherigen Karriere in der UFC gibt, dann ist es die Qualität seiner Gegner. Kingsbury und Maldonado sind zwar keine klassischen Aufbaugegner gewesen; ein Kämpfer, der bereits jetzt von einigen Quellen als gefährlichster Anwärter auf Jon Jones Thron gehandelt wird, braucht aber gezwungenermaßen einen überzeugenden Sieg gegen einen Gegner vom Kaliber eines „Rampage“.

Donald Cerrone vs. Anthony Pettis
In diesem Leichtgewichtskampf wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit ordentlich zur Sache gehen. Anthony „Showtime“ Pettis (15-2) und Donald „Cowboy“ Cerrone (19-4-0(1)) sind nicht nur zwei der etabliertesten 70 Kilo-Kämpfer der Welt, sondern gleichzeitig auch zwei der unterhaltsamsten. Beide haben ihre Wurzeln im Standkampf, und beide bevorzugen Techniken aus dem Muay Thai, Kickboxen oder Taekwondo. Damit, und durch gute Kenntnisse am Boden, haben die beiden es geschafft, sich über Jahre hinweg an der Spitze der hart umkämpften Leichtgewichtsklasse festzubeißen.

Ihr nächstes Ziel kann es daher nur sein, das Ganze auf das nächste Level zu bringen und auch einen UFC-Gürtel zu ihrem Resümee hinzuzufügen. Beide standen bereits kurz davor – Pettis hätte als letzter WEC-Leichtgewichtschampion nur in seinem Debüt gegen Clay Guida gewinnen müssen, während Cerrone die Titelchance wohl bekommen hätte, wenn er Ende 2011 Nate Diaz besiegt hätte – aber auf den letzten Metern sind beide bisher gestrauchelt. Am Wochenende wird einer der beiden seinen Traum möglicherweise erfüllen können, während der andere sich zunächst wieder hinten in der langen Schlange der Top-Kämpfer bis 70 Kilo anstellen müssen wird.

Erik Koch vs. Ricardo Lamas
In diesem Kampf könnte der nächste Herausforderer auf den Federgewichtstitel bestimmt werden. Sowohl Erik „New Breed“ Koch (13-1) als auch Ricardo „The Bully“ Lamas (12-2) haben seit ihrer Übersiedlung von der WEC in die UFC überzeugen können, und einer der beiden wird in Kürze die Früchte all der Anstrengungen ernten können.

Koch debütierte im März 2011 mit einem schnellen und beeindruckenden K.o.-Sieg gegen Raphael Assuncao im Octagon, während Lamas als Einstimmung auf eine bisher illustre UFC-Karriere Matt Grice T.K.o. schlug. Koch sicherte sich einige Monate später mit einem Punktsieg gegen Jonathan Brookins einen Titelkampf gegen Jose Aldo, der jedoch zwei Mal abgesagt werden musste, weshalb Koch seit dem Sieg gegen Brookins im September 2011 nicht mehr im Octagon stand.

Lamas hingegen konnte in der Zwischenzeit zwei wichtige Siege einfahren. Nach dem gelungenen Einstand im Juni 2011 fügte er auf der ersten Fox-Veranstaltung der UFC Cub Swanson dessen bisher einzige Niederlage im Octagon zu, indem er ihn in der zweiten Runde per Arm-Triangle Choke zur Aufgabe zwang. Im vergangenen Jahr stand der aus Chicago stammende Lamas zwar nur einmal im Octagon, besiegte dort jedoch entgegen der Wettquoten Hatsu Hioki nach Punkten, wodurch er sich diesen Kampf gegen Koch und damit die Chance auf einen baldigen Titelkampf sicherte.

Pascal Krauss vs. Mike Stumpf
Dennis Siver ist zwar für die nächsten Monate mit einer Knieverletzung außer Gefecht gesetzt, die deutschen Fans dürfen sich trotzdem auf Schwarz-Rot-Goldene Präsenz im Octagon freuen, wenn der „Panzer“, Pascal Krauss (10-1) im United Center in den Käfig steigt.

Kurz nach ihm wird Mike Stumpf (11-3) das Octagon betreten. Für ihn wird es der zweite Kampf in der UFC und der erste seit September 2011 sein, als er gegen T.J. Waldburger in der ersten Runde durch Aufgabe verlor. Zwar sah er in diesem kurzfristig angenommenen Kampf nicht gut aus, seitdem ist jedoch viel Zeit vergangen. Ob das hilfreich oder eher schädlich für den in Chicago beheimateten Stumpf war, wird sich schon bald zeigen.

Krauss wurde für die zweite deutsche UFC-Veranstaltung im November 2010 von der Organisation verpflichtet und fuhr bei UFC 122 mit einer einstimmigen Punktentscheidung gegen Mark Scanlon direkt den Debüt-Sieg sowie den Bonus für den Kampf des Abends ein. Beeindruckt von der starken Leistung, wollten die Verantwortlichen der UFC Krauss auf zwei der prestigeträchtigsten Veranstaltungen des Jahres 2011 (UFC 125 in Las Vegas und UFC 129 in Toronto) unterbringen, doch letztendlich zögerten schwere Schulterverletzungen die Rückkehr des „Panzers“ bis in den Frühsommer des letzten Jahres hinaus.

Bei UFC on Fox 3 unterlag der Deutsche dem starken Briten John Hathaway nach Punkten, und ein geplanter zweiter Auftritt im Jahr 2012 musste verletzungsbedingt ins Wasser fallen. Nach zwei harten Jahren und einem Umzug nach Milwaukee in die USA (um dort unter „Duke“ Roufus mit Anthony Pettis, Erik Koch, Alan Belcher u.a. zu trainieren) sollen die kommenden Monate also endlich den Durchbruch für Krauss bringen, und um das zu schaffen, muss er in der Nacht von Samstag auf Sonntag definitiv an Mike Stumpf vorbei.

Vorprogramm (ufc.tv)
Auch das Vorprogramm ist gut besetzt, wie u.a. der letzte dort stattfindende Kampf beweist: Mit TJ Grant (19-5) und Matt Wiman (15-6) könnte man einen der vielversprechendsten Kandidaten auf den Kampf des Abends bereits vor den Auftritten der großen Stars sehen. Sowohl Grant, der seit seinem Wechsel ins Leichtgewicht Gegner wie Evan Dunham und Shane Roller spektakulär bezwingen konnte, als auch Wiman, der in seinen letzten sechs Kämpfen lediglich von Dennis Siver knapp besiegt wurde, befinden sich momentan auf einem steilen Weg nach oben. Für einen wird dieser Weg zwar vorläufig enden, für den Sieger bedeutet ein Erfolg aber höchstwahrscheinlich den Durchbruch in die relevanten Regionen der Gewichtsklasse.

Zuvor wird der ehemalige Beinahe-Titelherausforderer Clay „The Carpenter“ Guida (29-13) für seinen ersten Kampf im Federgewicht auf Hatsu Hioki (26-5-2) treffen. Guida erkämpfte sich mit Siegen gegen Rafael dos Anjos, Takanori Gomi und Anthony Pettis die Chance, gegen den jetzigen Leichtgewichtschampion Ben Henderson um die Titelchance gegen Ex-Champion Frankie Edgar anzutreten, verlor an jenem Abend allerdings gegen Henderson und sah auch einige Monate später gegen Gray Maynard nicht besonders gut aus.
Hioki hat seinen letzten Kampf ebenfalls verloren – bei UFC on FX 4 musste er eine Punktentscheidung an Ricardo Lamas abgeben. Bitter für den Japaner, dem im Vorfeld bereits ein Titelkampf gegen Jose Aldo angeboten wurde, den Hioki jedoch ablehnte, um zuvor noch etwas Erfahrung in der UFC sammeln zu können.

Kurz vor einem Titelkampf stand auch Ryan „Darth“ Bader (14-3) bereits, bevor er im August des vergangenen Jahres von Lyoto Machida spektakulär ausgeknockt wurde. Mit zwei Niederlagen gegen Top-Gegner in seinen letzten vier Kämpfen hat „Darth“ sich damit wieder zurück auf das Vorprogramm katapultiert, wo er auf den Veteranen Vladimir „The Janitor“ Matyushenko (26-6) treffen wird. Matyushenko stand seit Dezember 2011 nicht mehr im Octagon, als er von Alexander Gustafsson in der ersten Runde T.K.o. geschlagen wurde.

Auch die beiden Schwergewichtler Mike Russow (15-2-0(1)) und Shawn Jordan (13-4) haben länger nicht mehr gekämpft. Russow wurde nach einigen guten Siegen schließlich im Juni 2012 von Fabricio Werdum T.K.o. geschlagen, während Jordan nach einem erfolgreichen UFC-Debüt im Februar in einem mehrfach als einer der schlechtesten Kämpfe des Jahres bezeichneten Drei-Ründer im Juli 2012 gegen Cheick Kongo verlor.

Eröffnet werden die hierzulande auf ufc.tv übertragenen Vorkämpfe von den beiden Mittelgewichtlern Rafael „Sapo“ Natal (14-4-1) und Sean „Black Magic“ Spencer (9-1). Natal war im Juli 2012 kurz davor, zum ersten Mal in seiner UFC-Karriere drei Kämpfe hintereinander zu gewinnen, wurde jedoch kurzerhand von einem Head-Kick Andrew Craigs ausgeknockt. Spencer hat den Kampf gegen Natal kurzfristig angenommen, nachdem Magnus Cedenblad verletzt abgsagen musste.

Vorprogramm (Facebook)
Zur Eröffnung des Abends wird, wie üblich, der Facebook-Stream der UFC herangezogen. Als einziger Kampf wird dort ein Weltergewichtsduell zwischen Simeon „The Grin“ Thoresen (17-3-1) und David „Daudi“ Mitchell (11-2) übertragen. Der Norweger Thoresen gewann im vergangenen Jahr bei der Debüt-Veranstaltung der UFC in Schweden per Rear-Naked Choke, verlor seinen zweiten Kampf allerdings durch K.o. in der ersten Runde. Mitchell war ebenfalls zwei Mal in der UFC zu sehen, konnte allerdings keinen der beiden Kämpfe gewinnen. Beide stehen also ordentlich unter Zugzwang, und den Verlierer könnte man fürs erste zum letzten Mal im Octagon gesehen haben.

Anbei das gesamte Programm:

UFC on Fox 6: Johnson vs. Dodson
Samstag, 26. Januar 2012
United Center in Chicago, Illinois, USA

Hauptprogramm (ufc.tv)
Demetrious Johnson (c) vs. John Dodson
Quinton Jackson vs. Glover Teixeira
Donald Cerrone vs. Anthony Pettis
Erik Koch vs. Ricardo Lamas

Vorprogramm (ufc.tv)
TJ Grant vs. Matt Wiman
Clay Guida vs. Hatsu Hioki
Mike Stumpf vs. Pascal Krauss
Ryan Bader vs. Vladimir Matyushenko
Mike Russow vs. Shawn Jordan
Rafael Natal vs. Sean Spencer

Vorprogramm (Facebook)
Simeon Thoresen vs. David Mitchell