MMA

UFC Fight Night 57: Die Ergebnisse

Frankie Edgar und Edson Barboza fuhren in Austin wichtige Siege ein (Foto: Zuffa LLC).

Am Samstag fand auf dem Campus der University of Texas die 57. Ausgabe UFC Fight Night-Reihe statt. Das Programm stach im Vorhinein durch einige bekannte Namen heraus und lieferte auch in der Praxis eine ganze Reihe qualitativer Kämpfe ab. Obwohl die meisten Duelle über die volle Distanz gehen, war eine Menge sehenswerter Action dabei, die für einige Gewichtsklassen in der nächsten Zeit durchaus relevante Verschiebungen zur Folge haben wird.

Frankie Edgar vs. Cub Swanson
Der Federgewichts-Hauptkampf zwischen Frankie Edgar und Cub Swanson begann zunächst so, wie wohl von den meisten erwartet. Swanson versuchte, Edgar mit harten Händen unter Druck zu setzen, der jedoch meist davonkommen konnte und sich an einigen Takedowns versuchte. Zunächst konnte sich Swanson zwar scheinbar ohne größere Mühen auf den Beinen halten, nach einigen Fehlversuchen bekam ihn Edgar trotzdem mehrere Male auf den Boden. Während Swanson in der ersten Runde stets schnell wieder zurück auf die Beine kam und seinen Gegner dort unter Druck setzte, konnte Edgar ihn nach einem weiteren Takedown im zweiten Durchgang für mehrere Minuten auf dem Rücken halten und mit Groundandpound punkten.

In Runde drei dauerte es genau eine Minute, bis Edgar den vierten Takedown des Kampfes landete. Die restlichen vier Minuten verbrachte Swanson durchgehend auf dem Rücken, wo ihm der konstante Druck Edgars sichtlich zu schaffen machte. Kontrolle, versuchte Positionsverbesserungen und kontinuierliche Schläge, Knie- und Ellbogenstöße nahmen dem fixierten Swanson systematisch den Wind aus den Segeln.

Zu Beginn des vierten Durchgangs ging ein sichtlich frustrierter Swanson aggressiv nach vorne und versuchte, K.o.-Schläge zu landen, Edgar konnte jedoch dem Gröbsten ausweichen und seinen Gegner weniger als eine Minute nach Start der Runde erneut auf den Rücken befördern und sich die Mount sichern. Kurz vor Schluss der Runde kam Swanson zwar wieder auf die Beine, konnte in den verbliebenen Sekunden aber nichts mehr ausrichten.

In der Pause gab Greg Jackson seinem Schüler zu verstehen, dass er Edgar ausknocken müsse, um sich noch den Sieg zu sichern. Swanson jedoch wirkte eine Minute lang wie eingefroren und zirkelte lediglich um Edgar herum, bevor dieser sich erneut den Takedown sicherte. Zweieinhalb Minuten vor Schluss setzte Edgar zum Guillotine Choke und, nachdem dieser nicht funktionierte, zum Arm Triangle Choke an, Swanson konnte sich jedoch befreien. Alles schien auf einen dominanten einstimmigen Punktsieg für Edgar hinauszulaufen, der mit weniger als zehn Sekunden auf der Uhr zum Rear Naked Choke ansetzte, dann jedoch zu einem Genickhebel wechselte, der Swanson sofort zum Abklopfen zwang. Besser hätte es wohl nicht laufen können für Edgar, der nach fast fünf beinahe ausschließlich dominanten Runden auch noch den spätesten vorzeitigen Sieg der UFC-Geschichte holt. Extrem beeindruckend und ein starkes Argument für einen Rückkampf gegen José Aldo.

Bobby Green vs. Edson Barboza
Greens Strategie gegen den hochgefährlichen Thaiboxer Barboza schien es zu sein, ihn zunächst mit diversen Provokationen zu reizen, was er mittels absichtlich fehlender Deckung und herunterspielendem Kopfschütteln nach Treffern versuchte. Barboza ließ sich dadurch nicht frustrieren, agierte jedoch auch etwas vorsichtiger als gewohnt. In Runde zwei wurde er aktiver und traf Green mit einigen Kicks, vor allem auf Greens Oberschenkel, und diversen Schlagkombinationen. Green spielte diese Treffer weiter herunter, einige davon hinterließen aber dennoch sichtlich ihre Spuren. Barboza begnügte sich im weiteren Verlauf damit, Greens Attacken auszuweichen und hin und wieder weitere harte, einzelne Aktionen anzubringen, was seinen Gegner und gegen Ende des Kampfes auch das Publikum frustrierte, ihm aber die Gunst der Punktrichter sicherte.

Brad Pickett vs. Chico Camus
Die beiden ehemaligen Bantamgewichte traten in Austin um Relevanz in ihrer neuen Gewichtsklasse an, dem Fliegengewicht. Veteran Pickett wirkte etwas weniger aggressiv als von ihm gewohnt, was wohl teilweise auch an Camus’ unorthodoxer Beinarbeit lag, der ständig seine Auslage wechselte, oft die Deckung völlig runter nahm und zwischendurch mit Einzelschlägen oder kurzen Kombinationen nach vorne ging, bevor er sich schnell wieder aus der Gefahrenzone zurückzog. Ab Runde zwei schien Pickett sein Timing etwas besser zu finden, konnte aber trotzdem wenig Schaden anrichten und war auch mit vereinzelten Takedownversuchen nie wirklich erfolgreich. Auch Camus konnte kaum echte Akzente setzen, überzeugte wohl dank Distanzkontrolle und Takedownverteidigung letztlich jedoch zwei der drei Punktrichter für den größten Sieg seiner bisherigen UFC-Karriere und einen erfolgreichen Start im Fliegengewicht

Jared Rosholt vs. Oleksiy Oliynyk
Weiter ging es mit den schweren Jungs: Jared Rosholt sah zunächst gut aus gegen Oleksiy Oliynyk, konnte ihn mehrfach am Zaun stellen und mit Schlägen bearbeiten, mehr oder weniger aus dem Nichts landete Oliynyk nach knapp drei Minuten jedoch einen linken Konterhaken, der Rosholt umgehend auf die Bretter schickte. Ein paar unnötige Folgeschläge später war die Sache dann auch offiziell gegessen.

Joseph Benavidez vs. Dustin Ortiz
Im Fliegengewicht lieferten Ex-Titelherausforderer und Dustin Ortiz sich eine Schlacht – der laut den Buchmachern klarste Favorit des Abends, Benavidez, schien früh mit blitzschnellen Kombinationen und gewohnt effektiver Beinarbeit das Heft in die Hand zu nehmen und konnte Ortiz mehrfach hart treffen, wurde ab der zweiten Runde jedoch etwas langsamer. Ortiz, trotz harter Gegentreffer, ging stets selbst nach vorne, konnte der spektakulären Offensive Benavidez` die meiste Zeit über gut standhalten und selbst einige solide Treffer landen. Alles in allem schien der erfahrenere Mann jedoch stets einen Schritt voraus zu sein und sammelte durch die härteren Treffer und konstanten Druck ordentlich Punkte, was ihm letztlich den Sieg einbrachte. Nichtsdestotrotz ein höchst unterhaltsamer Kampf und eine beeindruckende Leistung des Underdogs Ortiz.

Matt Wiman vs. Isaac Vallie-Flagg
Sowohl Matt Wiman als auch Isaac Vallie-Flagg brauchten nach Niederlagen dringend einen Sieg, und das konnte man den beiden Leichtgewichten anmerken. Ohne defensive Taktiken wie Ausweichbewegungen oder Beinarbeit großartig zu beachten, gingen beide konstant nach vorne, was früher oder später stets im Clinch endete, wo Vallie-Flagg einen Vorteil zu haben schien und Wiman über längere Zeiträume unter Kontrolle halten konnte. Von dort aus ging es üblicherweise mit Ellbogenstößen weiter, bevor sich das Geschehen jedoch schließlich auf die Matte verlagerte, wo Wiman stärker war. Vallie-Flagg versuchte sich trotzdem noch mehrfach am Takedown, obwohl er auf der Matte stets im Nachteil zu sein schien und mehrfach durch Rear Naked Chokes oder Armbars in Gefahr geriet. Der Veteran konnte zwar stets verteidigen, jedoch selbst nicht viel ausrichten, sodass der für beide Seiten ermüdende Kampf nach 15 Minuten an die Punktrichter ging, die ihn an Wiman gaben.


Vorprogramm:

Ruslan Magomedov vs. Josh Copeland
Im Schwergewicht nutzte Kickbox-Champion Ruslan Magomedov seine technische Überlegenheit im Stand, um UFC-Debütant Josh Copeland auszupunkten. Copeland versuchte, seine Fäuste anzubringen, Magomedov konnte jedoch meist aus der Gefahrenzone zirkeln oder Konter anbringen. Sein patentierter linker Headkick traf Copeland kaum sauber, ließ ihn aber in Kombination mit den diversen, erfolgreichen Konterattacken vorsichtig werden. Zwar kam er einige Male trotzdem hart durch, im Großen und Ganzen behielt Magomedov jedoch relativ ungefährdet die Kontrolle über das Geschehen und fuhr einen recht klaren Punktsieg ein.

Luke Barnatt vs. Roger Narvaez
Im Mittelgewicht kehrte Luke Barnatt zum ersten Mal seit seiner ersten Profi-Niederlage bei UFC Berlin gegen Sean Strickland ins Octagon zurück. Der haushohe Favorit, der zuvor ziemlich herablassend über Roger Narvaz geredet hatte, wirkte jedoch von Anfang an weniger aggressiv und aktiv als in seinen vorherigen Siegen. Narvaez, ein BJJ-Schwarzgurt, machte die gesamten drei Runden über lediglich einen Versuch, seinen Gegner auf den Boden zu bekommen und ließ sich ansonsten auf einen Kampf im Stand ein, wo er trotz Barnatts Größenvorteil einige harte Kicks landen konnte. Barnatt bewegte sich mehr, konnte aber selten treffen und vor allem weniger hart.

In Runde zwei wurde Barnatt etwas aktiver, musste im dritten Durchgang jedoch einen harten Headkick einstecken, der ihn auf äußerst wacklige Beine stellte. Narvaez setzte nach und war mehrfach drauf und dran, den Kampf mit Groundandpound oder Rear Naked Chokes zu beenden – Barnatt rettete sich letztlich über die Distanz, musste jedoch einmal mehr eine geteilte Punktniederlage einstecken.

James Vick vs. Nick Hein
Zeit für Nick Heins zweiten Einsatz im Octagon! James Vicks Größen- und vor allem Reichweitenvorteil wirkte im Käfig nahezu beängstigend, Hein kam in der ersten Runde trotzdem zwei Mal mit harten Linken durch, die Vick auf den Hosenboden beförderten. Ein anfangs vor allem mit Headkicks aggressiver Vick war anschließend merklich vorsichtiger, weitere harte Treffer konnte Hein jedoch im ersten Durchgang nicht mehr setzen.
In Runde zwei schien Hein etwas zu sehr auf den Konter mit der harten Linken zu warten – Vick konnte zwar ebenfalls kaum saubere Treffer landen, trotzdem war er hier der aktivere der beiden.

Im dritten und letzten Durchgang schien Hein durch die energiegeladene Anpeitschung seiner Ecke etwas aggressiver zu sein und wurde von Vick weiterhin nie in ernste Gefahr gebracht, ließ ihn aber gleichzeitig zu oft und zu leicht zur Seite verschwinden, wenn er ihn am Zaun gestellt hatte. Gegen Ende der Runde war Vick meist im Rückwärtsgang unterwegs, Hein tat aber zu wenig, um ihn trotzdem zu erreichen. Die Punktrichter sehen nach 15 Minuten schließlich Vick als Sieger, wobei die Entscheidung eines Richters, alle drei Runden an Vick zu geben, angesichts zweier Niederschläge mindestens fragwürdig erscheint.

Yves Edwards vs. Akbarh Arreola
Die beiden Leichtgewichte legten gleich von Anfang an aggressiv los – Arreola konnte schon früh einige harte Kicks zum Körper landen, bevor er Edwards mit einem rechten Aufwärtshaken niederschlug. Am Boden schien der Mexikaner gerade mit hartem Groundandpound den Sack zuzumachen, Edwards schaffte es jedoch kurzzeitig wieder zurück auf die Beine. Arreola hatte allerdings Blut geleckt, ließ nicht locker und beförderte seinen Gegner direkt erneut auf die Matte, wo Edwards wenig später in einem Armbar abklopfen musste und somit nun in vier aufeinanderfolgenden Kämpfen sieglos ist.

Paige van Zant vs. Kailin Curran
Im zweiten Kampf ging es von Anfang an zur Sache: Paige van Zant und Kailin Curran tauschten harte Schläge aus, landeten dann aber schnell im Clinch. Zu Beginn hielten beide Kämpferinnen gut mit, mit fortschreitendem Kampfverlauf übernahm die körperlich stärker wirkende van Zant jedoch immer weiter die Kontrolle, vor allem im Clinch, aus dem Curran nur äußerst selten entkommen konnte. In Runde drei konnte sich die erst 20-jährige van Zant schließlich den Sieg via Groundandpound sichern.

Doo Ho Coi vs. Juan Manuel Puig
Eröffnet wurde der Abend im Federgewicht – der südkoreanische UFC-Debütant Doo Ho Choi verschwendete keine Zeit und schickte Julian Manuel Puig bereits nach Sekunden mit einer rechten Geraden auf die Bretter, wo er sich mit einigen Folgeschlägen den beeindruckenden Debütsieg sicherte.


Anbei die Ergebnisse im Überblick:

UFC Fight Night 57: Edgar vs. Swanson
Samstag, 22. November 2014
Frank Erwin Center in Austin, Texas, USA

Hauptprogramm:
Frankie Edgar bes. Cub Swanson via Aufgabe (Genickhebel) nach 4:56 Min. in Rd. 5
Edson Barboza bes. Bobby Green einstimmig nach Punkten (30:27, 30:27, 30:27)
Chico Camus bes. Brad Pickett geteilt nach Punkten (29:28, 27:30, 29:28)
Oleksiy Oliynyk bes. Jared Rosholt via K.o. (Schläge) nach 3:21 Min. in Rd. 1
Joseph Benavidez bes. Dustin Ortiz einstimmig nach Punkten (30:27, 30:27, 30:27)
Matt Wiman bes. Isaac Vallie-Flagg einstimmig nach Punkten (29:38, 30:27, 30:27)

Vorprogramm:
Ruslan Magomedov bes. Josh Copeland einstimmig nach Punkten (29:28, 30:27, 30:27)
Rover Narvaez bes. Luke Barnatt geteilt nach Punkten (28:29, 29:28, 29:28)
James Vick bes. Nick Hein einstimmig nach Punkten (29:28, 30:27, 29:28)
Akbarh Arreola bes. Yves Edwards via Aufgabe (Armbar) nach 1:52 Min. in Rd. 1
Paige van Zant bes. Kailin Curran via T.K.o. (Schläge) nach 2:54 Min. in Rd. 3
Doo Ho Choi bes. Julian Manuel Puig via T.K.o. (Schläge) nach 0:18 Sek. in Rd. 1